171. Kiezspaziergang

Vom Savignyplatz vor dem Bücherbogen zum Käthe-Kollwitz-Museum

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Bildvergrößerung: Skizze 171. Kiezspaziergang 12.03.2016
Skizze 171. Kiezspaziergang 12.03.2016 Bild: BA-CW, ML

Treffpunkt: S-Bahnhof Savignyplatz vor der Buchhandlung Bücherbogen auf dem Savignyplatz

Länge : ca. 1,5 km

Herzlich willkommen zu unserem 171. Kiezspaziergang. Bei unserem März-Spaziergang legen wir traditionell den Schwerpunkt auf die Frauen in unserem Bezirk. In der Bleibtreustraße 10 wohnte eine Zeit lang die Dichterin Mascha Kaléko, über die ich gleich etwas erzählen werde. Dann hören wir etwas zu zwei großartigen Buchhandlungen im Else-Ury-Bogen, der Autorenbuchhandlung und dem Bücherbogen, vor dem wir gerade stehen. Wir gehen dann am Jeanne-Mammen-Bogen entlang zur Uhland- und Kantstraße. An der Fasanenstraße beginnt dann der Lotte-Lenya-Bogen. Wir spazieren dann weiter durch die Fasanenstraße mit all ihren wichtigen Highlights, wie Jüdisches Gemeindehaus, Kempinski, dem Literaturhaus und der Villa Grisebach. Der Kiezspaziergang endet im Käthe-Kollwitz-Museum, wo uns Frau Böttcher empfangen wird.
Doch bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen Zeit und Ort des nächsten Spaziergangs mitteilen. Wir treffen uns, wie immer, am zweiten Samstag im Monat, dem 9. April 2016, um 14 Uhr. Treffpunkt ist der Eingangsbereich des Britischen Soldatenfriedhofs an der Heerstraße 151. Der Spaziergang führt uns weiter zum jüdisch-amerikanischen Touro-College, wo wir von Frau Nachama und Herrn Prof. Klein begrüßt werden. Wir laufen dann die ganze Glockenturmstraße entlang, mit den Punkten Eissporthalle, Flüchtlingsunterkünfte, Waldbühne, Glockenturm und Maifeld.

Station 1: Savignyplatz vor dem Bücherbogen

Bildvergrößerung: Else-Ury-Bogen, Kiezspaziergang 12.03.2016
Else-Ury-Bogen, Kiezspaziergang 12.03.2016 Bild: BA-CW,Rehfeld

Station 1.1 Savignyplatz

Wir stehen hier auf dem Savignyplatz. Dieser entstand nach dem Plan von James Hobrecht aus dem Jahr 1861 für die Stadterweiterung von Berlin. Im Jahr 1887 wurde er nach dem Juristen Friedrich Carl von Savigny benannt. Friedrich Carl von Savigny wurde am 21.2.1779 in Frankfurt am Main geboren und starb am 25. Oktober 1861 in Berlin. Er gehörte zu den ersten Professoren an der 1810 gegründeten Humboldt-Universität, die damals noch Universität zu Berlin hieß.
Erst im Jahr 1892 erhielt der Savignyplatz Grünanlagen nach Entwürfen des städtischen Garteninspektors Ludwig Neßler. Er ist ein Blockplatz mit sieben Straßeneinmündungen. Die Straßen durchkreuzen den Platz, wobei die Kantstraße als größte Straße den Platz teilt.
Der S-Bahnhof Savignyplatz wurde 1896 eröffnet.
Auf der Südhälfte des Platzes befindet sich ein Kiosk aus dem Jahr 1905 von Alfred Grenander. Er steht heute ebenfalls unter Denkmalschutz. Er wurde bei den Luftangriffen von 1943 stark beschädigt und zur 750-Jahr-Feier 1987 wieder instandgesetzt. Seit 2006 befindet sich dort eine Currywurst-Bude. Auch der Platz selbst bekam zur 750-Jahr-Feier seine ursprüngliche Gestalt zurück.
Im Jahr 2007 wurde das Stromhäuschen durch den Berliner Architekten Christian Koch rekonstruiert. Der früher offene Durchgang des 1926 entworfenen Häuschens wurde mit einer zeitgenössischen Kunstinstallation aus beleuchtetem Glas versehen.

Station1.2: Bleibtreustraße 10 / Mascha Kaléko

Wenn man durch den Else-Ury-Bogen geht, kommt man zur Bleibtreustraße 10, dafür sind wir heute zu viele. Dort wohnte von 1936 bis 1938 die Dichterin Mascha Kaléko. Sie wurde am 7. Juni 1907 im heute polnischen Galizien geboren und starb am 21. Januar 1975 in Zürich. Ihre Dichtung wird der Neuen Sachlichkeit zugeordnet.
Gegen Ende der zwanziger Jahre kam sie mit der künstlerischen Avantgarde Berlins in Kontakt, die sich im Romanischen Café traf. So lernte sie u.a. Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz kennen. 1929 veröffentlichte Mascha Kaléko erste Gedichte, die im heiter-melancholischen Ton die Lebenswelt der kleinen Leute und die Atmosphäre im Berlin ihrer Zeit widerspiegeln. 1933 publizierte sie das Lyrische Stenogrammheft, über das der Philosoph Martin Heidegger später an sie schrieb [ich zitiere]: „Ihr Stenogrammheft zeigt, dass Sie alles wissen, was Sterblichen zu wissen gegeben ist.“ Das Bändchen war nicht von der Bücherverbrennung betroffen, weil die Nationalsozialisten damals noch nicht wussten, dass Mascha Kaléko Jüdin war. Das kleine Lesebuch für Große erschien 1934. Ab 1930 arbeitete Mascha Kaléko außerdem beim Rundfunk und im Kabarett Küka, dem Künstlerkabarett. Edmund Nick und Günter Neumann vertonten ihre Texte, vorgetragen wurden diese von Interpretinnen und Schauspielerinnen wie Rosa Valetti, Claire Waldoff oder Annemarie Hase.
Im September 1938 emigrierte sie mit ihrer Familie in die USA: Kaléko hielt die Familie mit dem Verfassen von Reklametexten über Wasser und schrieb unter anderem Kindergedichte. Nach dem Krieg fand Kaléko in Deutschland wieder ein Lesepublikum. Sie sollte sogar von der Akademie der Künste geehrt werden, doch weigerte sie sich, den Preis aus der Hand eines ehemaligen SS-Mitgliedes entgegenzunehmen, was ihrer Karriere sehr schadete. 1960 wanderte sie mit ihrem Mann nach Jerusalem aus.
Sie starb nach ihrem Sohn und ihrem Mann 1975 auf einer Reise. 1945 hatte sie geschrieben:

Bedenkt:
Den eignen Tod, den stirbt man nur;
doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Und hier noch eine weitere kleine Kostprobe ihrer Dichtkunst:

Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.

Nun kommen wir zu der Namensgeberin des Else-Ury-Bogens.

Station 1.3: Else-Ury-Bogen

Else Ury wurde am 1. November 1877 in Berlin geboren und wurde am 13. Januar 1943 in Auschwitz ermordet. Sie war die Schöpferin der Ihnen sicher bekannten Nesthäkchen-Figur: Rund siebzig Lebensjahre umfassen die 10 Nesthäkchen-Bände, Ury beschreibt darin fast ein ganzes Frauenleben von der Kaiserzeit bis zur Weimarer Republik. In ihren Büchern und Erzählungen, die sich vor allem an Mädchen richteten, vertrat Ury überwiegend ein traditionell bürgerliches Familien- und Frauenbild. Ihre Bücher waren sehr erfolgreich und sie war bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten eine anerkannte und erfolgreiche Schriftstellerin.
Während des Dritten Reichs sind die meisten privaten Aufzeichnungen von Else Ury verloren gegangen. Anhand erhalten gebliebener amtlichen Schriftstücke kann man aber die zunehmende Ausgrenzung Else Urys aus dem Leben in Deutschland nachvollziehen. Dazu gehören u.a. die amtliche Erklärung über den Entzug ihres gesamten Vermögens, die amtliche Inventarliste über die in ihrer Wohnung befindlichen Gegenstände und die offizielle Zuweisung der Wohnung an einen „Arier“ sowie die Antwort der Oberfinanzdirektion auf den Antrag des Bürgermeisters des Ortes, wo ihr Ferienhaus lag, das Haus der „Reichsfeindin Else Sara Ury“ der Gemeinde unentgeltlich zu übertragen.

In den Else-Ury-Bögen Nr. 599-601 befindet sich heute die Autorenbuchhandlung.

Station 1.4: Autorenbuchhandlung mit Café

Die Autorenbuchhandlung wurde 1976 in der Carmerstraße 10 gegründet. 2012 zog sie hierher und wurde um das Literaturcafé erweitert, das den Namen der beiden Buchhändler trägt: Fürst & Iven.
Die Autorenbuchhandlung war eine Antwort auf die Zunahme der Großbuchhandlungen und der Massenware Unterhaltungsliteratur Ende der siebziger Jahre. Viele Schriftsteller und Kulturschaffende, wie Heinrich Böll, Elfriede Jelinek, Margarete Mitscherlich, um nur einige wenige zu nennen, waren Mitglied in dieser illustren Künstlersozietät. Es ging um die Stärkung des Besonderen und Wesentlichen, um einen geschützten Raum für die Literatur als Kunst. Günter Grass hielt die Eröffnungsrede. Die Autorenbuchhandlung wurde zu einem Ort für Lesungen, Hörspiele, Porträts von Verlagen, Zeitschriften und Autoren und Autorinnen. Das ist sie auch heute noch.
Am 17. März, also am Dienstag um 20 Uhr, findet die nächste Lesung statt, und zwar wird Sascha Batthyány aus seinem Buch: Das Grauen von Rechnitz, lesen. In ihm schreibt er über das Massaker an 180 jüdischen Zwangsarbeitern, das während eines Festes seiner Großtante, der Gräfin Margit Batthyány-Thyssen, von den Gästen in Rechnitz verübt worden war. Karten kann man in der Autorenbuchhandlung oder online kaufen.

Station 1.5: Bücherbogen

Nun möchte ich ganz herzlich die Damen Spangenberg, die Inhaberinnen des Bücherbogens, vor dem wir gerade stehen, begrüßen. Auch der Bücherbogen ist eine alt eingesessene Buchhandlung und ist spezialisiert auf Architektur, Kunst, Fotografie und Geschichte. Auch hier finden Lesungen und Diskussionsabende statt und im Februar gab es zum ersten Mal einen Filmabend. Ich freue mich sehr, dass Frau Ruthild Spangenberg uns jetzt etwas zu der Geschichte und dem Profil des Bücherbogens erzählen wird.

Station 2: Jeanne-Mammen-Bogen

Der Bogen ist seit dem 7.7.1999 nach Jeanne Mammen benannt. Jeanne Mammen wurde am 21. November 1890 in Berlin geboren und starb am 22. April 1976. Sie ist eine für Berlin sehr wichtige Zeichnerin und Malerin. Sie wird häufig zusammen mit Käthe Kollwitz und Hannah Höch genannt. Alle drei setzten sich mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinander und hatten ihre große Zeit in der Weimarer Republik. Mammen gehört damit, wie Mascha Kaléko im Bereich der Dichtkunst, zu den Vertreterinnen der Neuen Sachlichkeit.
Mammen wuchs in Paris auf, wohin ihre Eltern zogen, als sie fünf Jahre alt war. Nach der Schule studierte sie Malerei, zuerst in Paris, dann in Brüssel und Rom. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges flüchtete die Familie nach Holland. 1916 kam Jeanne Mammen nach Berlin zurück und zog 1919 zusammen mit ihrer Schwester und Künstlerkollegin Marie Luise in das Atelier im Hinterhaus am Kurfürstendamm 29, wo sie bis zu ihrem Tod lebte und arbeitete. Heute befindet sich das Atelier in der Trägerschaft der Jeanne-Mammen-Gesellschaft, und man kann es auch besichtigen. Aber für unsere große Gruppe ist es zu klein. Ich werde Sie aber noch einmal auf das Gebäude aufmerksam machen, wenn wir am Ku’damm sind.
Jeanne Mammen wurde durch ihre Milieustudien bekannt. Ihre Zeichnungen und Aquarelle wurden in Illustrierten, Mode- und Satire-Zeitschriften gedruckt. Die Weimarer Zeit war ihre sogenannte realistische Phase. Kurt Tucholsky schrieb ihr 1929 [ich zitiere]:

Die zarten duftigen Aquarelle, die Sie in Magazinen und Witzblättern veröffentlichen, überragen das undisziplinierte Geschmier der meisten Ihrer Zunftkollegen derart, dass man Ihnen eine kleine Liebeserklärung schuldig ist. Ihre Figuren fassen sich sauber an, sie sind anmutig und herb dabei, und sie springen mit Haut und Haaren aus dem Papier. In dem Delikatessenladen, den uns Ihre Brotherren wöchentlich oder monatlich aufsperren, sind Sie so ziemlich die einzige Delikatesse.

1931/1932 schuf sie, im Auftrag Fritz Gurlitts, “Les Chansons de Bilitis” [Die Lieder der Bilitis] eine Serie von acht zweifarbigen Lithographien als Hommage an die lesbische Liebe. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 verhinderte das Erscheinen der Auflage; nur einige Probeandrucke sind erhalten geblieben.
Der Nationalsozialismus trieb sie ins innere Exil. Sie zog sich zurück und veränderte ihren künstlerischen Stil, nun begann die an Picasso orientierte kubo-expressive Phase. Nach dem Krieg wurden ihre Bilder abstrakter und ab 1950 versuchte sie, Zeichnung und Collage zu verbinden.
1949/1950 schloss sie sich dem surrealistischen Kabarett Die Badewanne an und trat auch selbst auf. Sie war sowohl Teil des Ensemble, schuf aber auch die Bühnenbilder. Das Kabarett spielte in der Nürnberger Straße 50-56 in der Femina-Bar und bestand nur ein halbes Jahr.
Ab den 1970er Jahren wurde Jeanne Mammen wieder entdeckt und ihre Werke der Öffentlichkeit neu vorgestellt. Ihr Nachlass befindet sich in der Berlinischen Galerie.

Wir gehen nun durch die Uhlandstraße zur Kantstraße 152. Der nächste Halt ist die Gedenktafel für Carl Ossietzky links neben dem Eingang.

Station 3: Kantstraße 152

Bildvergrößerung: Kantstraße 152, Kiezspaziergang 12.03.2016
Kantstraße 152, Kiezspaziergang 12.03.2016 Bild: BA-CW,Rehfeld

Station 3.1: Uhlandstraße / Namensgeber

Die Uhlandstraße wurde am 25. April 1885 in Charlottenburg nach dem Dichter Ludwig Uhland benannt.

Station 3.2: Kantstraße / Namensgeber

Die Kantstraße verläuft zwischen dem Breitscheidplatz und der Suarezstraße und ist rund 2,3 Kilometer lang. Sie wurde nach dem Philosophen Immanuel Kant benannt und trägt ihren Namen, wie der Savignyplatz, seit dem 23. Februar 1887.
Zwischen Uhlandstraße und Savignyplatz befinden sich zahlreiche Wohn-Designer mit dem Stilwerk als Flagschiff.

Station 3.3: Kantstraße 152 / Paris-Bar

Wir stehen nun vor der legendären Paris Bar, einem französischen Bistro und das “Wohnzimmer” zahlreicher prominenter Schauspieler und Künstler. Sie wurde von einem ehemaligen französischen Besatzungssoldat in den frühen 1950ern gegründet. Seit 1979 wird sie von den beiden Österreichern Michel Würthle und Reinald Nohal betrieben. Vor allem zur Berlinale und beim Theatertreffen ist sie “zentraler” Künstlertreffpunkt. An den Wänden hängen Fotografien, Zeichnungen und Gemälden, die teilweise der Paris Bar von den Künstlern überlassen wurden, darunter so namhafte Künstler wie Markus Kippenberger. Sein Gemälde „Paris Bar“ hängt allerdings nicht mehr dort, denn die Paris Bar musste es verkaufen. Bei einer Auktion ging es für € 2,5 Millionen über den Tisch. Kippenberger hatte es nicht selbst gemalt, sondern in Auftrag gegeben, der Auftragnehmer hatte dafür € 1000,00 erhalten.

Station 3.4: Kantstraße 152 / Gedenktafel für Carl von Ossietzky

Hier links neben dem Eingang hängt eine Gedenktafel für Carl von Ossietzky. Die 46 × 65,5 cm große Bronzetafel wurde im Oktober 1959 anlässlich des 70. Geburtstages des Friedensnobelpreisträgers enthüllt. Darauf steht:

In diesem Haus wirkte
Nobelpreisträger
Carl von Ossietzky
von 1926 bis 1933
als Herausgeber
der „Weltbühne“
für Recht, Freiheit,
Frieden und
Völkerverständigung.

Carl von Ossietzky wurde am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren. Er war Journalist und Schriftsteller und überzeugter Pazifist.
1913 heiratete er Maud Lichfield-Woods. Maud Ossietzky war damals in der englischen Frauenrechtsbewegung aktiv. Nach der Heirat unterstützte sie die Pläne ihres Mannes, den Justizdienst zugunsten einer journalistischen Karriere aufzugeben. Im Januar 1914 reichte Ossietzky seine Kündigung ein. Doch dann begann der Krieg und Ossietzky konnte mit seinen militärkritischen und pazifistischen Artikel kein Geld mehr verdienen und kehrte in den Justizdienst zurück. 1919 zog das Paar nach Berlin, wo ihre Tochter Rosalinda geboren wurde. Dort arbeitete Ossietzky wieder als Journalist. Ab Mitte der 20er Jahre arbeitete Ossietzky bei der Berliner Wochezeitschrift Die Weltbühne und wurde 1927 deren Herausgeber. Unter Leitung Ossietzkys behielt die Weltbühne ihre Bedeutung als undogmatisches Forum der radikaldemokratischen, bürgerlichen Linken bei.
Als Herausgeber der Weltbühne wurde er 1931 in einem international Aufsehen erregenden Prozess wegen Spionage zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, da die Weltbühne auf die verbotene Aufrüstung der Reichswehr aufmerksam gemacht hatte. Er wurde am 28. Februar 1933 auf Betreiben von Nationalsozialisten erneut verhaftet und im Gefängnis Berlin-Spandau interniert und später in verschiedenen Konzentrationslagern gefangen gehalten, bis er durch das Engagement der Öffentlichkeit 1936 in ein Krankenhaus verlegt wurde.
Ossietzky erhielt 1936 rückwirkend den Friedensnobelpreis für das Jahr 1935, den er aber nicht persönlich in Empfang nehmen konnte, weil ihm die Nazis die Ausreise nach Oslo verboten. Ossietzky starb am 4. Mai 1938 an den Folgen der im KZ erworbenen Tuberkulose.
Die Deutsche Liga für Menschenrechte verleiht seit 1962 die Carl-von-Ossietzky-Medaille, und die Stadt Oldenburg seit 1984 alle zwei Jahre den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik.

Wir gehen nun in die Fasanenstraße bis zum Lotte-Lenya-Bogen.

Station 4: Lotte-Lenya-Bogen

Station 4.1: Fasanenstraße / Herkunft des Namens

Die Fasanenstraße verläuft von der Müller-Breslau-Straße nahe der Straße des 17. Juni bis zum Hohenzollerndamm am Hohenzollernplatz. Sie erhielt ihren Namen 1901 zur Erinnerung an die 1755 von Friedrich II. angelegte Fasanerie, die 1841 der Anlage des Zoologischen Gartens weichen musste. Frühere Bezeichnungen waren: Ringstraße II, Wolfenbütteler Straße, Gravelotter Straße.

Station 4.2: Lotte-Lenya-Bogen

Der Lotte-Lenya-Bogen wurde am 7.7.1999 nach Lotte Lenya benannt. Lotte Lenya wurde am 18. Oktober 1898 in Wien geboren und wuchs in einem Wiener Arbeiterviertel in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Mutter war Waschfrau, der alkoholkranke Vater Kutscher. 1913 kam sie als 15-Jährige nach Zürich zu einer Tante. Nach der Schule wurde sie erst Balletttänzerin, dann Schauspielerin. Bis 1921 lebte sie in Zürich, wo sie gemeinsam mit der fast gleichaltrigen Elisabeth Bergner auf der Bühne stand, eine Garderobe teilte und anschließend nach Berlin ging. Ebenfalls 1921 nahm sie ihren Künstlernamen an.
Allerdings ließen die erhofften Erfolge auf sich warten. 1924 lernte sie Kurt Weill kennen, mit dem sie mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod zusammen war. 1927 trat sie als Sängerin in der Uraufführung des ersten gemeinsamen Stücks von Kurt Weill und Bertolt Brecht, des Singspiels Mahagonny, in Baden-Baden auf. Bei der Uraufführung der Dreigroschenoper, 1928, spielte sie die Rolle der Jenny. Auch in der Verfilmung von G. W. Pabst, 1931, war sie in dieser Rolle zu sehen und wurde durch ihre Interpretation des Lieds von der Seeräuber-Jenny bekannt; auch trat sie als Schauspielerin in Stücken von Wedekind und Feuchtwanger auf. Ein weiterer Erfolg für Lenya wurde die Berliner Aufführung der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny 1931.
1935 emigrierten Lotte Lenya und Kurt Weill in die USA. Lenya sang in Nachtclubs in New York und ging auf Theatertournee quer durch die Vereinigten Staaten. Nach einem Misserfolg in Weills Operette The Firebrand of Florence im Jahr 1945 zog sie sich als Schauspielerin weitgehend zurück, da sie wegen ihres Akzents keine weiteren Erfolgschancen sah. Nach dem Tod Weills, 1950, kümmerte sich Lenya um seinen Nachlass. Mitte der 1950er Jahre kehrte sie zu Auftritten nach Deutschland zurück und nahm unter anderem die Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, die Dreigroschenoper, Die sieben Todsünden auf Schallplatte auf. Bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen trat sie in den 1960er Jahren als Mutter Courage auf. In späteren Jahren machte sich Lotte Lenya auch als Filmschauspielerin in Hollywood einen Namen. Besonders bekannt wurde sie in der Rolle der Ex-KGB-Offizierin Rosa Klebb in dem James-Bond-Film Liebesgrüße aus Moskau (1963). 1978 hatte sie ihre letzten Auftritte. Damals war sie bereits an Krebs erkrankt, woran sie drei Jahre später in New York starb. Lotte Lenyas Grab befindet sich neben dem von Kurt Weill in Haverstraw, New York.

Station 4.3: Kantdreieck / KapHag-Hochaus von Josef Paul Kleihues

Das Bürogebäude ist die Firmenzentrale der KapHag Immobilien GmbH. Die KapHag Immobilien GmbH entwickelt und verwaltet Büro- und Geschäftshäuser und Gewerbezentren. Das elfgeschossige 54 m hohe Bürohochhaus hat einen angegliederten fünfgeschossigen Trakt und wurde 1992-95 von Josef Paul Kleihues als einer der ersten Büroneubauten der 90er Jahre in der City West errichtet. Ursprünglich war das Haus um ein Drittel höher geplant, was aber am Einspruch des Bezirkes Charlottenburg scheiterte. Das große beweglich gelagerte Windsegel vermittelt effektvoll den vorgesehenen Eindruck und setzt ein markantes Wegzeichen.1994 wurde der Neubau mit dem Preis des Bundes Deutscher Architekten ausgezeichnet.

Wir gehen nun in den Hof der Fasanenstraße 13.

Station 5: Fasanenstraße 13 / Künstlerhaus St. Lukas

Bildvergrößerung: Künstlerhaus St. Lukas, Kiezspaziergang 12.03.2016
Künstlerhaus St. Lukas, Kiezspaziergang 12.03.2016 Bild: BA-CW,Rehfeld

Als erstes möchte ich ganz herzlich Frau Jänisch begrüßen. Frau Jänisch wohnt bereits seit mehr als 60 Jahren im Künstlerhaus und wird uns gleich Anekdoten aus dem Künstlerhaus erzählen. Herzlich willkommen!
Das Künstlerhaus St. Lukas wurde vor mehr als 125 Jahren gebaut, und zwar von demselben Architekten, der fünf Jahre später das Theater des Westens schräg gegenüber entworfen hat, nämlich von Bernhard Sehring. Er verkehrte in Künstlerkreisen und hatte immer wieder von mangelnden Atelierräumen gehört. Er versprach den Künstlern und Künstlerinnen ein Haus, in dem Sie wohnen und arbeiten könnten. So richtig geglaubt hat es ihm keiner.
Das Bauprojekt entstand zwischen März 1889 und April 1890, die Zeit, in der um den Kurfürstendamm heftig gebaut wurde. Es war die Zeit des Historismus, was man sowohl an der Architektur hier als auch am Theater des Westens gut erkennen kann.
Sehring schmückte das Haus mit Türmchen und Erkern, mit Skulpturen und Reliefs. Im Erdgeschoss sind die Bildhauerwerkstätten untergebracht und unter dem Dach die Malerateliers ein. Auf einem Wandrelief im malerischen Brunnenhof sieht man Sehring in Ritterrüstung mit dem Modell des Künstlerhauses in der Hand.
Das Haus bekam übrigens den Namen des Heiligen Lukas, weil dieser der Schutzpatron der Maler ist. Es beherbergte nach seiner Errichtung etwa 20 Bildhauer, zu denen zeitweise Ernst Barlach, Karl Ludwig Manzel, Rudolf Marcuse und Max Kruse zählten. In den Wohnungen und Ateliers leben und arbeiten auch heute noch überwiegend Künstlerinnen und Künstler. Aber nun gebe ich das Mikrofon an Frau Jänisch.
Vielen Dank, Frau Jänisch!
Wenn wir nun wieder auf der Fasanenstraße sind, schauen Sie doch noch einmal zum Delphi hinüber. Dort stand nämlich zwischen 1899 und 1905 das erste Ausstellungsgebäude der Berliner Secession. Wichtig ist das im Zusammenhang mit all den Malern und Bildhauern, die hier wohnten, aber auch z.B. im Zusammenhang mit Käthe Kollwitz, die auch Mitglied der Berliner Secession war und deren Museum wir heute noch besuchen werden.

Station 6: Fasanenstraße 76-79

Bildvergrößerung: Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Berlin, Kiezspaziergang 12.03.2016
Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Berlin, Kiezspaziergang 12.03.2016 Bild: BA-CW,Rehfeld

Station 6.1: Fasanenstraße 79 / Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Berlin und Jüdische Volkshochschule

Im Oktober 1905 hatte die Jüdische Gemeinde beschlossen, das Grundstück in der Fasanenstraße zu kaufen. Zwei Jahre später schrieb sie einen Architekturwettbewerb für den Bau der Synagoge aus, bei dem drei Entwürfe gewannen. Gebaut wurde es von Ehrenfried Hessel. Am 26. August 1912 wurde die Synagoge eingeweiht. Erhalten blieben nur das Hauptportal und eine Pilasterreihe.
Heute befindet sich hier die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Sie wurde 1898 gegründet und öffnete ihre Tore 1902 im Verwaltungsgebäude der Gemeinde in der Oranienburger Straße. Sie besaß ein breites wissenschaftlich-populäres Profil und stand jüdischen wie nicht-jüdischen Lesern offen. Als das NS-Regime die Jüdische Gemeinde 1943 auflöste und die Bibliothek ihre Tätigkeit einstellen musste, hatte die Bibliothek 9 Außenstellen und umfasste etwa 100.000 Bände. Ihr gesamter Buchbestand ging – von wenigen Ausnahmen abgesehen – im Krieg verloren.
Im Jahre 1959 wurde mit dem Neuaufbau der Bibliothek im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Fasanenstraße begonnen. Erworben wurden Veröffentlichungen zur jüdischen Religion, Geschichte, und Kultur. Nach der Vereinigung der Jüdischen Gemeinde im Jahr 1989 kam die 1974 gegründete Bibliothek aus der Oranienburger Straße dazu. In der Tradition der Bibliothek der Vorkriegszeit ist die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eine Einrichtung zur Pflege, Erforschung und Erhaltung des jüdischen Erbes und Kultur und ist der gesamten Öffentlichkeit zugänglich.
Zudem befindet sich hier in diesem Gebäude die Jüdische Volkshochschule Berlin. Sie wurde 1919 gegründet und 1962 wieder gegründet. Das Ziel ist, ein breites Publikum über das Judentum und über Israel zu informieren. Zudem dient es den Gemeindemitgliedern als Ort des Austauschs und des Studiums.
Das Jüdische Gemeindehaus dient den Gemeindemitgliedern als Ort des Austauschs, des Dialogs und des Studiums. Im Heinrich-Stahl-Saal gedenkt die Gemeinde alljährlich der Opfer der Shoa und der Opfer der Novemberpogrome von 1938. Aber auch Hochzeiten, Bar und Bat Mizwot sowie Zusammenkünfte zu den Feiertagen finden hier statt.

Station 6.2: Fasanenstraße 76-78 / Villa Ilse

Die Villa Ilse wurde 1872-1874 von ihrem Bauherrn Leopold Ilse im italienischen Villenstil errichtet. Architekt war H. Sobotta. Stilistisch ist das Gebäude mit seinem Aussichtsturm von Schinkel beeinflusst. In dem Turm befindet sich ein kleines Glockenspiel. Die Villa steht unter Denkmalschutz.
Wolf-Rüdiger Borchardt baute sie 1991-93 für das Bankhaus Löbbecke zu einem Kundenzentrum um. 2006 verlegte allerdings das Bankhaus den Hauptsitz in die Behrenstraße. Neuer Nutzer des Hauses ist seit Sommer 2012 die Berggruen-Holding.

Station 7: Kempinski

Bildvergrößerung: Kempinski, Kiezspaziergang 12.03.2016
Kempinski, Kiezspaziergang 12.03.2016 Bild: BA-CW,Rehfeld

Station 7.1: Kempinski

Wir sind nun am legendären Kempinski Hotel Bristol Berlin angelangt. Es gehört heute zu einer weltweiten Holding. Ich begrüße ganz herzlich Frau Marczinczek, die Marketingchefin des Kempinski, die uns gleich Näheres zum Kempinski erzählen wird.
Ich möchte aber vorher noch gerne den Text der am Kempinski angebrachten Gedenktafel vorlesen:
Hier stand seit 1928 ein Kempinski-Restaurant. Es war ein weltweit bekanntes Symbol Berliner Gastlichkeit.
Weil die Besitzer Juden waren, wurde dies berühmte Gaststätte 1937 „arisiert“, unter Zwang verkauft. Angehörige der Familie Kempinski wurden umgebracht, andere konnten fliehen.
Das 1952 eröffnete Bristol Hotel Kempinski möchte, dass das Schicksal der Gründerfamilie nicht vergessen wird.
Berthold Kempinski gründete 1872 einen Imbiss mit Weinprobierstube und eine Weinhandlung in der Friedrichstraße 76. Da Berthold und Helena Kempinski keinen männlichen Nachkommen hatten, nahmen sie ihren Schwiegersohn Richard Unger in den Betrieb auf. Später übergaben sie ihm die Firma unter der Voraussetzung, den Namen Kempinski beizubehalten. Neben seiner Tätigkeit in der Gastronomie baute Richard Unger bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs ein großes Immobilienunternehmen in Berlin auf. Unger erfand die Marke „Kempinski“ und verkaufte Produkte aus eigener Erzeugung. Das Geschäft wurde ein voller Erfolg. 1918 eröffnete er eine Kempinski-Niederlassung am Kurfürstendamm 27 und 1927 ein Restaurant. “Kempinski am Kurfürstendamm” war ein nobel ausgestattetes Restaurant mit zivilen Preisen, in dem täglich 2000 Gäste bewirtet wurden. Der Gründer hatte die Idee der halben Portionen zum halbem Preis gehabt, eine “Sozialisierung des Luxus”, die er in seinen Lokalen verwirklichte. 1937 wurde das Kempinski „arisiert“, und die Ungers wanderten in die USA aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Friedrich Unger, der Enkel von Berthold Kempinski, ein Hotel auf dem Grundstück am Kurfürstendamm 27. Architekt war Paul Schwebes. Eröffnet wurde das Hotel Kempinski 1952. Das Hotel war bis zum Ende der 70er Jahre das einzige Hotel der Luxusklasse in West-Berlin und erste Adresse der Film- und Fernsehprominenz. Sophia Loren und Marcello Mastroianni, Kirk Douglas, Roger Moore, residierten im „Kempi“. Hildegard Knef bewohnte in den 70er Jahren mit ihrer Tochter Christina und zeitweise mit ihrem Ehemann eine 200 m² Suite für einen Tagespreis von 650 DM. Harald Juhnke war Stammgast im „Kempinski Grill“.
Das Hotel verfügt über 246 Zimmer und 55 Suiten sowie drei Restaurants, eine große Bar, den Schlosssaal, ein Hallenbad und einen kleinen Fitnessbereich.
Nun geht das Mikrofon an Frau Marczinczek.
Vielen Dank, Frau Marczinczek!

Station 7.2: Kurfürstendamm 217

Das Gebäude wurde 1895/96 erbaut. Architekten waren Heinrich Mittag und Heinrich Seeling, der von 1907 bis 1921 Stadtbaurat in Charlottenburg war. Wie wir von unserem letzten Kiezspaziergang wissen, war Heinrich Seeling außerdem ein gefragter Theaterarchitekt. In Charlottenburg baute er z.B. das Deutsche Opernhaus. 1921 bis 1928 richtete der Komponist und Pianist Rudolf Nelson hier das Nelson Theater ein, dort wurden die legendären „Nelson-Revuen“ aufgeführt, wo 1928 auch Josephine Baker auftrat.
1934 verband Rudolf Möhring das im Erdgeschoss gelegene Restaurant “Sanssouci” mit dem ersten Obergeschoss und baute es zu einem Kino, dem Astor, mit 500 Plätzen um. Bei einem weiteren Umbau 1993 unter der Leitung von Günther Reiss wurde es auf 300 Plätze verkleinert und die Fassade verschönert. Das Astor war lange Gastgeber der Berlinale mit der Sektion Retrospektive. 2002 wurde es wegen erhöhter Mietforderungen geschlossen. Der Spielbetrieb war von 1934 bis 2002 ununterbrochen aufrechterhalten worden, also auch im Zweiten Weltkrieg wurden hier Filme gezeigt. Nach der Schließung zog Tommy Hilfiger ein.
Auf der Seite des Kurfürstendamms befindet sich an diesem Eckhaus auch eine Gedenktafel für den österreichischen Schriftsteller Robert Musil, der hier von 1931 bis 1933 Teile seines Romans Der Mann ohne Eigenschaften geschrieben hat.

Station 7.3: Kurfürstendamm 29 / Atelier Jeanne Mammen

Wie versprochen zeige ich Ihnen nun von Weitem noch das Haus, in dem sich das Atelier von Jeanne Mammen befand. Es ist am Kurfürstendamm 29, zwei Häuser weiter neben dem Kempinski. Man kann sich die Ateliers anschauen, muss aber einen Termin mit der Jeanne-Mammen-Gesellschaft machen.

Station 8: Fasanenstraße 23-25 / Wintergarten-Ensemble

Bildvergrößerung: Fasanenstraße 23-25 / Wintergarten-Ensemble, Kiezspaziergang 12.03.2016
Fasanenstraße 23-25 / Wintergarten-Ensemble, Kiezspaziergang 12.03.2016 Bild: BA-CW,Rehfeld

Wir stehen nun vor dem Literaturhaus, dem ersten Gebäude des so genannten Wintergarten-Ensemble. Das Wintergarten-Ensemble besteht aus drei durch einen Skulpturengarten verbundene Stadtvillen im Stil des Historismus.
Im Haus Fasanenstraße 23 befindet sich das Literaturhaus mit einem Café-Restaurant und der Buchhandlung Kohlhaas. Es wurde 1889/1890 als spätklassizistischer Backsteinbau für das Ehepaar Hildebrandt von den Architekten Albrecht Becker und Emil Schlüter erbaut. Ende der 1920er Jahre gelangte das Haus in den Besitz der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die darin ausländische Studenten beherbergte. Nach einer gleichzeitigen Nutzung als Diskothek und Bordell war zunächst geplant, das Haus zugunsten eines Zubringers für die Stadtautobahn abzureißen, was eine Bürgerinitiative verhinderte. Das denkmalgeschützte Gebäude wird seit dem Erwerb durch das Land Berlin und einer umfassenden Instandsetzung und Renovierung durch den Architekten Uli Böhmen seit 1986 als Literaturhaus genutzt. Es war damit das erste einer Reihe von Literaturhäusern in Deutschland.
Im Literaturhaus wird Literatur auf höchstem Niveau gefördert. In den holzgetäfelten Sälen und Räumen finden Lesungen, Buchpräsentationen, Symposien, Diskussionen und Ausstellungen statt. Zu den wichtigsten Aufgaben zählt die Vorstellung deutschsprachiger und internationaler Autoren und Autorinnen sowie die Darstellung literarischer Zusammenhänge und Hintergründe. Es wird auch eine Buchreihe herausgegeben: Texte aus dem Literaturhaus Berlin. Dort werden literarische Texte, Theaterstücke, Hörspiele veröffentlicht, die vom Literaturhaus in Auftrag gegeben wurden. Das Literaturhaus Berlin verlegt die Künstlerbücher der Edition Mariannenpresse und vergibt zusammen mit dem RBB Kulturradio den Walter-Serner-Preis.
Die Buchhandlung Kohlhaas & Company wurde 1988 gegründet und ist seitdem im Souterrain des Literaturhauses ansässig. Neben der Literatur ist die Buchhandlung spezialisiert auf deutsch-jüdische Geschichte, jüdische Lebenszeugnisse, Nationalsozialismus sowie Literatur aus und über Israel. Ein weiterer Schwerpunkt ist Musik, Theater, Kulturgeschichte und Bücher zum Thema Berlin.
Wir schauen jetzt zwei Häuser weiter auf das Haus Fasanenstraße 25, die Villa Grisebach. Sie wurde 1891–1892 von Hans Grisebach als Wohn- und Atelierhaus für sich selbst erbaut und beherbergt heute die Galerie Pels-Leusden sowie das Auktionshaus Villa Grisebach.

Station 8.1: Fasanenstraße 24 / Käthe-Kollwitz-Museum

Das Haus Fasanenstraße 24 wurde 1871 als erstes Wohnhaus an der Fasanenstraße von L. Mertens errichtet, 1888 von August Orth sowie 1917 von Ernst Lessing erweitert und umgebaut. 1986 wurde es als Käthe-Kollwitz-Museum eröffnet. Wir gehen nun in das Foyer des Käthe-Kollwitz-Museums, wo uns Frau Böttcher erwartet.

Guten Tag, Frau Böttcher! Ich freue mich sehr, dass Sie uns heute Ihr Museum vorstellen werden. Doch zuvor möchte ich noch etwas zu Käthe Kollwitz sagen. Käthe Kollwitz wurde am 8. Juli 1867 in Königsberg (heute: Kaliningrad) geboren und starb am 22. April 1945 in Moritzburg bei Dresden. Ihr Werk umfasst Radierungen, Lithografien, Holzschnitte, Zeichnungen und Plastiken.
Ihr Vater förderte schon früh ihr Interesse an Kunst, so dass sie ab 1881 Unterricht bei dem Künstler Rudolf Mauer erhielt. Sie studierte weiter in Berlin, Königsberg und München. Ihren ersten Erfolg hatte sie 1897 mit ihrer lithographischen Serie Ein Weberaufstand, diese wurde auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Sie wurde von der Jury für eine Goldmedaille vorgeschlagen, doch Kaiser Wilhelm II. verhinderte dies. Moderne Kunst bezeichnete er als „Rinnsteinkunst“. Der Kaiser und das Großbürgertum bevorzugte Historismus und Salonmalerei. Wie bereits vorhin gesagt, nahm Käthe Kollwitz auch an den Ausstellungen der Berliner Secession in der Kantstraße teil, wo heute das Delphi-Kino steht. 1907 folgte ihre Serie Der Bauernaufstand. Beide Zyklen hängen hier im Museum.
Nun möchte ich aber das Wort Frau Böttcher übergeben, die uns sicher noch viel mehr erzählen kann.

Vielen Dank, Frau Böttcher!

Zum Abschluss noch ein weiteres Highlight: Wie Sie vielleicht wissen, gehört Charlottenburg-Wilmersdorf seit dem 9.6.2011 zu den rund 400 Fairtrade-Towns. Darauf sind wir sehr stolz. Frau Marlene Cieschinger, die ich hier ganz herzlich begrüße, wird Ihnen aus Anlass des Internationalen Frauentages heute Blumen aus Fairtrade-Projekten mit auf den Nachhauseweg geben. Zuvor wird Sie Ihnen aber die Projekte vorstellen.
Ich übergebe das Wort an Frau Cieschinger.