165. Kiezspaziergang

Vom Rathaus Schargendorf zum Rüdesheimer Platz

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Bildvergrößerung: Kartenskizze 165. Kiezspaziergang 12.09.2015
Bild: BA-CW,ML

Treffpunkt:Rathaus Schmargendorf, Länge:ca. 2,5 km

Wegbeschaffenheit:
Der Weg geht über übliche Gehwege und Kopfsteinpflaster. Es sind mehrere Treppen zu überwinden (im Gebäude Schlangenbader Straße und am Weinbrunnen).

Herzlich willkommen zu unserem 165 . Kiezspaziergang! Heute geht’s durch schöne Straßenzüge in Schmargendorf und Wilmersdorf. Wir werden zuerst etwas zum Rathaus Schmargendorf hören, dann geht es weiter zur Judith-Kerr-Grundschule und zur Alt-Schmargendorf-Grundschule, die erstere zweisprachig deutsch-französisch, die letztere sportbetont. Dann besuchen wir die alte Dorfkirche Schmargendorf. wo uns Pfarrerin Basse empfangen wird. Weiter geht es zum Cornelsen-Schulbuchverlag und zum dahinter liegenden Abenteuerspielplatz und zum Mosse-Stift. Frau von Pirani, Direktorin des Jugendamtes, wird uns die dazugehörenden Konzepte erläutern. Ich begrüße Frau von Pirani in unserer Runde. Anschließend laufen wir unter der „Schlange“ hindurch zur Lindenkirche. Dort werden wir mit einem Orgelspiel empfangen. Und nun ist es nur noch ein kurzes Stück zu unserem heutigen Endpunkt, den wir dieses Jahr passend zur Weinlese gewählt haben, denn wir beschließen den Spaziergang am Weinbrunnen am Rüdesheimer Platz. Winzer Nikolai wird uns begrüßen.
Aber bevor wir starten, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang bekanntgeben. Er findet wie immer am zweiten Samstag im Monat statt, das ist im Oktober der 10.10. um 14 Uhr. Es wird ein besonderer Spaziergang sein, denn wir werden in den Grunewald gehen, der dieses Jahr „Wald des Jahres“ ist. Vor hundert Jahren wurde der Dauerwaldvertrag geschlossen, der den Grunewald vor Spekulation und Bebauung bewahrte. Auf unserem Spaziergang werden wir auf einer Strecke von etwa 2 km auf dem Waldklimapfad wandeln. Dazu dann aber mehr am 10.10. Wichtig zu wissen ist: Die Strecke führt bergauf und bergab und durchweg auf Waldwegen oder direkt durch den Wald. Festes Schuhwerk wird also benötigt. Treff- und Endpunkt ist der Parkplatz am Grunewaldturm. Wer Lust hat, kann ihn nach der Wanderung auch besteigen.

Station 1: Rathaus Schmargendorf

Schmargendorf wurde wahrscheinlich nach 1220 im Zuge des Landesausbaus der jungen Mark Brandenburg gegründet. Die damals regierenden askanischen Markgrafen riefen zur Stabilisierung Siedler aus Schwaben, Thüringen, Flandern und Westfalen ins Land. Ein Dorf der slawischen Vorbevölkerung hat hier sehr wahrscheinlich nicht bestanden.
Die Siedler lebten von der Landwirtschaft, der Schafzucht und vom Fischfang im Wilmersdorfer See, der zur eiszeitlichen Rinne der Grunewaldseenkette gehörte und 1915 nach langen Verlandungsprozessen zugeschüttet wurde.
Im Jahr 1354 wurde der Ort Schmargendorf erstmals urkundlich erwähnt. In dieser Zeit entstand auch die Dorfkirche.
Der Name Schmargendorf entstand aus Margrevendorf, was hochdeutsch Markgrafendorf bedeutet und auf die Besitzverhältnisse hinweist.
Der Ort erhielt 1899 den Status eines selbstständigen Amtsbezirks (mit etwa 2.000 Einwohnern). 1900 ließen die nunmehr etwa 3.000 Einwohner das neue Rathaus (damals noch auf freiem Acker) bauen, nachdem die Gemeinde vor allem durch die Umsatzsteuer aus Grundstücksverkäufen der Bauern für den Ausbau des Hohenzollerndamm reich geworden war. Der Hohenzollerndamm sollte wie der Kudamm ein breiter, prächtiger Boulevard werden.
Die Landgemeinde Schmargendorf wurde 1920 aus dem Landkreis Teltow ausgegliedert und nach Groß-Berlin in den damals neuen Verwaltungsbezirk Wilmersdorf als Ortsteil eingemeindet, Schmargendorf hatte zu jener Zeit knapp 12.000 Einwohner.
Dieses neue, für eine Gemeinde von 3000 Einwohnern mehr als stattliche Rathaus ist im Stil der märkischen Backsteingotik erbaut, enthält aber auch Jugendstilelemente. Der Bau steckt voller Zitate aus der Profanarchitektur aus Stendal, Brandenburg, Neubrandenburg und Tangermünde. So finden sich am Uenglinger Tor der Stendaler Stadtbefestigung neben der gleichen Turmgestaltung auch bereits die weiß verblendeten Giebel, die schief liegenden verblendeten Wappenfelder und der Einsatz von Formsteinen. Architekt war Otto Kerwien. Kerwien beabsichtigte dem Gebäude ein „malerisches“ Aussehen zu geben. Hierfür versah er das Gebäude mit zahlreichen Giebeln, Türmen und Zinnen. Die Baukosten sollten 200.000 Mark betragen, waren aber bei Eröffnung des Rathauses 1902 wegen der Inflation und den immer mehr werdenden Verschönerungswünschen auf knapp 400.000 Mark gestiegen, was in heutiger Währung ungefähr 2,5 Millionen Euro wären.
Von 1920 bis 2014 war hier das Wilmersdorfer Standesamt untergebracht. Nun wird nur noch der 108 Quadratmeter große Ratssaal als Trausaal genutzt. Er erstreckt sich mit einer Höhe von neun Metern über das erste und zweite Obergeschoss. Zahlreiche Prominente haben hier geheiratet: Ernst Lubitsch, Albert Einstein, Romy Schneider und Harald Juhnke, um nur einige zu nennen.
Gekrönt wird die Südfassade von einem langgestreckten Mosaik des märkischen Adlers.
Außer dem Trausaal befindet sich heute im Rathaus die Musikschule, die Staatsangehörigkeitsbehörde und die Adolf-Reichwein-Bibliothek, die nach dem Pädagogen und Widerstandskämpfer Adolf Reichwein benannt ist.
Die Bibliothek wurde ab 1952 von Hertha Block aufgebaut, die im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller aktiv war und im SA-Gefängnis Papestraße inhaftiert worden war. Zum Gedenken an Block wurde die 2012 eröffnete Hertha-Block-Promenade des Ost-West-Grünzugs in Tempelhof-Schöneberg nach der Bibliothekarin benannt.

Station 2: Berkaer Platz

150912 Kiezspaziergang Start am Berkaer Platz
Bild: BA CW, ML

Der Berkaer Platz ist nach dem Kurort Bad Berka in Thüringen benannt. Der Name Berka bedeutet soviel wie Stadt der Birken am Wasser. Bad Berka hat knapp 8000 Einwohner und zahlreiche Kur- und Reha-Kliniken.
Hier in dieser Gegend sind viele Straßen nach Badeorten benannt, wie wir gleich noch feststellen werden.

Station 3: Reichenhaller Straße

Bad Reichenhall gehört zum Berchtesgadener Land am Nordrand der Alpen. Der Kurort hat Solequellen und Solebäder. Auch heute noch spielt das Salz in Bad Reichenhall eine große Rolle. Die Stadt vermarktet ihr Reichenhaller Markensalz in ganz Deutschland und darüber hinaus. Abgesehen davon lebt sie vom Tourismus und den Kurgästen. Bad Reichenhall hat knapp 20.000 Einwohner.

Station 4: Kolberger Platz

Der dreieckige Kolberger Platz mit seinen sechs Straßeneinmündungen heißt seit 1908 nach dem heute polnischen Ostseebad Kołobrzeg ([kɔˈwɔbʒεk] in Westpommern. Auch Kolberg ist wegen seiner Solequellen ein Kurbad. Das Salz spielt seit dem 9. Jahrhundert eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Damals siedelten sich dort Slawen an, um die Salzquellen an der Mündung des Flusses Persante auszubeuten. Um das Jahr 1000 wurde Colberger Salz überregional u.a. nach Polen verkauft, da der eigene Bedarf gering war. Ab dem 12. Jahrhundert wurden die Salzkoten und Pfannen durch die pommerschen Herzöge an kirchliche Institutionen verliehen. Die Klöster transportierten das Salz zunächst für den Eigenbedarf ab, während sie später ihre „Salzgerechtsame“ gegen Geld abtraten und diese damit in bürgerliche Hände kamen. Ab 1255 gingen Aufsicht und Betrieb der Saline auf den Rat und die Bürger über.
Kolberger Salz wurde im 15. Jahrhundert sowohl auf dem Seeweg in den benachbarten Küstenstreifen als auch auf dem Land- und Flussweg nach Polen, in das pommersche Hinterland, die Neumark und in die Mark Brandenburg ausgeführt. Die Quellen wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts wegen ihres verhältnismäßig niedrigen Salzgehaltes nicht mehr intensiv ausgebeutet. Heute leben die Einwohner vorwiegend von Tourismus, dem Kurbetrieb und der Fischereiwirtschaft.

Station 5: Friedrichshaller Straße

Die Gemeinde Bad Friedrichshall entstand 1933 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Jagstfeld und Kochendorf. Der Name Friedrichshall leitet sich von der seit 1818 in Jagstfeld betriebenen Saline her, die nach König Friedrich I. von Württemberg benannt wurde. Das Prädikat Bad kommt vom Solbad in Jagstfeld.
Die Heinkel-Flugzeugwerke beanspruchten im März 1944 zwei Salzkammern des Salzbergwerkes im Stadtteil Kochendorf für die bombensichere Herstellung von Flugzeugturbinen. Deshalb wurden im Stadtteil Plattenwald Barackenlager für Zwangsarbeiter errichtet, in denen 5000 bis 6000 Menschen untergebracht waren, die in der Rüstungsproduktion arbeiten mussten. Für den Aufbau und Betrieb der Turbinenherstellung kamen auch KZ-Häftlinge zum Einsatz. Hierfür wurde extra ein KZ als Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof gebaut.

Station 6: Friedrichshaller Straße 23 / Stolperstein

Wir stehen nun am Stolperstein für Felice Schragenheim, der am 22.10.2004 verlegt worden ist. Auf der Inschrift steht:
HIER WOHNTE
FELICE
SCHRAGENHEIM
JG. 1922
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
AUSCHWITZ
GROSS ROSEN
? ? ?
Zu Felice Schragenheim hat Erica Fischer recherchiert. Ich zitiere:
„Felice Rahel Schragenheim wurde am 9. März 1922 in Berlin geboren. Ihre Eltern Erna und Albert Schragenheim waren Zahnärzte.
Felice besuchte das Bismarck-Lyceum im Grunewald, das gegen Ende ihrer Schulzeit in Johanna-von-Puttkamer-Lyzeum umbenannt wurde. Noch bevor sie das Abitur machen konnte, musste sie nach der Reichspogromnacht die Schule verlassen. Ihr Abgangszeugnis ist mit dem 15. November 1938 datiert.
Zu diesem Zeitpunkt waren beide Eltern schon tot. Ihre Mutter starb 1930 bei einem Autounfall, ihr Vater 1935 an einem Herzinfarkt. Felices Bemühungen, zu ihrem Onkel in die Vereinigten Staaten auszuwandern, scheiterten endgültig im Juli 1941, knapp bevor die USA in den Krieg eintraten. Zu diesem Zeitpunkt lebte ihre Schwester Irene bereits seit einigen Jahren in England, ihr Stiefmutter Käte Hammerschlag in Palästina.
Felice musste in einer Flaschenverschlussfabrik Zwangsarbeit leisten. Am 6. August 1942 wurden ihre Großmutter Hulda Karewski (74) und deren Bruder Julius Philipp (78) nach Theresienstadt deportiert, wo sie im September ums Leben kamen. Als auch Felice Anfang Oktober 1942 den Deportationsbescheid erhielt, tauchte sie unter.
Im November 1942 lernte Felice über Vermittlung einer Freundin Lilly Wust kennen, eine Mutter von vier Söhnen, deren Mann in der Wehrmacht war. Zwischen den beiden entspann sich eine Liebesbeziehung. Im April 1943 zog Felice zu Lilly nach Berlin-Schmargendorf. Über ein Jahr lebte sie mit ihr in relativer Sicherheit, bis sie am 21. August 1944 von der Gestapo abgeholt und in das Weddinger „Judensammellager“ gebracht wurde.
Von dort wurde sie nach Theresienstadt und von dort am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. Nach einer Woche ging es zu Fuß weiter nach Groß-Rosen im heutigen Polen. Zusammen mit 1000 Frauen wurde Felice in das 25 Kilometer von Breslau entfernte Nebenlager Kurzbach (Bukołowo) gebracht, wo die Frauen Baumstämme schleppen und Panzerfallen graben mussten. Im November erkrankte Felice an Scharlach und kam ins Krankenhaus nach Trachenberg (Żmigród). Von dort konnte sie Lilly mehrere Briefe schreiben und hoffte, im Krankenhaus die Befreiung zu erleben.
Doch Mitte November wurde Felice ins Lager zurückgeschickt. Am 25. Januar 1945 begann die Evakuierung von Kurzbach. Acht Tage marschierten die Frauen in Eiseskälte nach Groß-Rosen, wo sie zwei Wochen blieben. Danach ging es in offenen Viehwaggons nach Bergen-Belsen. Dort verliert sich Felices Spur.
Nach den Unterlagen ihres Verwandten Martin Feuchtwanger starb sie im März 1945. Der offizielle Totenschein nennt als Todesdatum den 31. Dezember 1944, als Todesursache „Embolie“.
Felice Schragenheims Geschichte wurde in dem Film Jaguar und Aimée verfilmt. Sie war in dem Film die Jaguar und ihre Geliebte Lilly Wust Aimée.

Station 7: Friedrichshaller Straße 28 / Stolpersteine

Die Stolpersteine hier an der Nr. 28 wurden am 24.3.2014 verlegt. Sie sind der fünfköpfigen Familie Radziejewski gewidmet: den Eltern Alex (1896), Antonie geb. Nellhaus (1902) und ihren Kindern Rosa (1928), Helga (1929) und Guido (1938). Die ganze Familie wurde am 26.10.1942 deportiert und 29.10.1942 in Riga ermordet.

Station 8: Campus Schmargendorf / Friedrichshaller Straße / Cunostraße / Reichenhaller Straße

Der Campus Schmargendorf besteht aus den beiden unter Denkmalschutz stehenden Grundschulen, der Judith-Kerr-Grundschule, vor der wir stehen, und der Alt-Schmargendorf-Grundschule. Des Weiteren gehört der Schulhort in der Cunostraße 9 dazu.
Der gesamte Komplex wird in den nächsten Jahren saniert werden, und zwar stehen 2,5 Millionen Euro aus dem Sondervermögen „Infrastruktur der wachsenden Stadt“ (SIWA-Mittel) zur Verfügung. Im Einzelnen sind das folgende Maßnahmen: In der Alt-Schmargendorf-Grundschule wird das Kellergeschoss trocken gelegt. Dort können dann Betreuungsräume eingerichtet werden. An der Ecke, Friedrichshaller / Cunostraße in dem als „Villa“ bezeichneten Gebäude der Judith-Kerr-Grundschule wird das Dachgeschoss auf 3 m erhöht und zu einer Lehrendenstation umgebaut. Dadurch können die jetzigen Räume Unterrichtsräume werden. Die Schulfassaden werden nach Vorgaben des Denkmal-schutzes neu verputzt und die Fenster und Dächer repariert. Der Schulhort in der Cunostraße 9 wird zu einer Kita umgebaut. Da in den Schulen Ganztagsbetrieb ist, wird der Hort nicht mehr benötigt, aber wir brauchen dringend Kitas. Baubeginn ist Oktober 2015, die Fertigstellung ist für 2017 geplant.

Station 9: Judith-Kerr-Grundschule / Friedrichshaller Straße 12-13

Die Judith-Kerr-Grundschule ist eine deutsch-französische Europaschule. Europaschulen gibt es in Berlin in neun Sprachkombinationen. In der Judith-Kerr-Schule gibt es ab der ersten Klasse Französischunterricht. Die Unterrichtssprache ist aber überwiegend Deutsch, einige Fächer werden auf Französisch unterrichtet. Zudem gibt es einen Förderverein mit französischen Erziehern und Erzieherinnen zur Intensivierung des Spracherwerbs.
Der Verein organisiert auch zahlreiche Projekte, die den deutsch-französischen Schwerpunkt fördern und gibt Zuschüsse bei Klassenfahrten. Zur Unterstützung der Kinder gibt es eine Schulstation, wo die Kinder mit ihren Sorgen und Nöten hingehen können.
Benannt wurde die Judith-Kerr-Grundschule nach der in London lebenden Schriftstellerin Judith Kerr, Tochter des Theaterkritikers Alfred Kerr. Judith Kerr wurde durch ihre Jugendbücher bekannt, vor allem durch das 1971 veröffentlichte Als Hitler das rosa Kaninchen stahl. Hier wie in den beiden folgenden Büchern Warten bis der Frieden kommt (1975) und Eine Art Familientreffen (1979) beschrieb sie die Flucht ihrer Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschland und das Leben im Exil in Frankreich und England.
Das Gebäude der Judith-Kerr-Grundschule wurde um 1900 in dem damals üblichen historisierenden Stil für die Gemeindeschule Schmargendorf errichtet.
1907-1908 wurde sie von Alfred Solbach (1874-1938) durch ein weiteres Gebäude an der Reichenhaller Straße erweitert. Das Gebäude hat dreieinhalb Stockwerke und ist mit roten Ziegeln verblendet.

Station 10: Alt-Schmargendorf-Grundschule / Friedrichshaller Straße 12-13 / Reichenhaller Straße 8

Die Alt-Schmargendorf-Grundschule hat den Schwerpunkt Sport. Sie bietet den Schülern und Schülerinnen zwei Turnhallen und einen neuen Spieleparcours auf dem Schulhof. In der 1., 2. und 4. Klassenstufe haben die Schüler/innen jeden Tag eine Sportstunde. Die Schüler/innen in der 3. Klasse haben Schwimmunterricht. Die 5. Und 6. Klassen nehmen neben den drei Pflichtstunden an einer zweistündigen Sport AG, im Anschluss an den regulären Unterricht, teil. Mit den umliegenden Vereinen, dem BSV 92 (Hockey) und BSC (Leichtathletik) und der Heidelberger Ballschule gibt es eine gute Zusammenarbeit. Die Schulmannschaften nehmen regelmäßig an den bezirksinternen und überbezirklichen Wettkämpfen teil.
Zudem ermöglicht die Schule bereits seit vielen Jahren den Eltern eine ganztägige Betreuung ihrer Kinder. Die Schüler können vor der Schule (6:00-7:30 Uhr), nach der Schule bis 18 Uhr und in den Ferien betreut werden. Während dieser Zeiten können die Hausaufgaben erledigt, gespielt, gebastelt oder sich in einer der vielen Arbeitsgemeinschaften betätigt werden. Eine warme Mahlzeit steht den Kindern auch zur Verfügung.

Station 11: Cunostraße

Die Straße ist nach Rudolf Franz Wilhelm Cuno benannt, der von 1827 bis 1895 lebte. Cuno war Direktor der städtischen Gaswerke Berlin, die gegründet worden waren, „um Berlin zum Leuchten zu bringen“. Die Straße wurde schon am 6.3.1891, also noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt, das mag daran gelegen haben, dass eines der von Cuno geleiteten Werke an dieser Straße gelegen hat.

Station 12: Cunostraße 109 / Stolperstein

Hier wohnten Martin und Martha Zimmt. Martin Zimmt war Jahrgang 1882, Martha Zimmt Jahrgang 1885. Beide wurden am 14.11.1941 nach Minsk deportiert und dort ermordet. Die Stolpersteine wurden am 29.3.2008 verlegt.

Wir überqueren nun die Breite Straße und treffen uns wieder vor der Dorfkirche Schmargendorf.
Hier begrüße ich ganz herzlich Pfarrerin Basse, die uns heute hier so herzlich empfängt

Station 13: Dorfkirche Schmargendorf

Bildvergrößerung: 150912 Kiezspaziergang Dorfkirche Schmargendorf
Bild: BA CW, ML

Der Bau der Schmargendorfer Dorfkirche wurde um 1280 begonnen. Der Kirchenbau ist damit der Frühgotik zuzurechnen. Mit einer Grundfläche von 66 m² und Platz für etwa 80 Personen ist sie die kleinste der erhaltenen Berliner Dorfkirchen.
In direkter Nachbarschaft zur Kirche befindet sich der Friedhof Alt-Schmargendorf. Er wurde um etwa 1250 angelegt.
Anfangs gehörte die Kirche zum Bistum Brandenburg. Der Gottesdienst in der Kirche war demnach die lateinische Messe der römisch-katholischen Kirche. Mit der Reformation wandte sich am 1. November 1539 der brandenburgische Kurfürst Joachim II. dem Protestantismus zu, womit auch die Bauern und ihre Dorfkirche protestantisch wurden.
Während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges starben sieben Mitglieder der Familie von Wilmersdorff, der zu dieser Zeit das Dorf Schmargendorf gehörte. Hans von Wilmersdorff (1579-1635), Gesandter der brandenburgischen Kurfürsten Johann Sigismund (1572-1620) und Georg Wilhelm (1595-1640), hatte sich im Dreißigjährigen Krieg große Verdienste um den Schutz des Dorfes erworben. Die Särge der von Wilmersdorff wurden 1937 bei Installationsarbeiten für eine Heizung wiederentdeckt, die Grabbeigaben und Schmuckstücken, auch die Trauringe des Paares, dem Märkischen Museum übergeben.
Dafür bekam die Kirche ein Kruzifix aus der Zeit um 1700. 1831 erhielt der Giebel der Dorfkirche einen Turm aus Fachwerk, der 1957 mit Brettern versehen wurde. Im Kirchturm hängen zwei undatierte Glocken, vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Eine der Glocken ist eine sogenannte „Cum-Pace-Glocke“: Sie trägt die lateinische Inschrift „O rex glorie Christie veni cum pace” („Oh König der Herrlichkeit Christus komme mit Frieden“).Ein Abendmahlskelch aus Silber trägt die vergoldete Widmung “EVWGB 1.6.3.4” (Eva von Wilmersdorff geborene Below 1634). Im 19. Jahrhundert kam auch das erste Gestühl in die Kirche – bis dahin wurde während des Gottesdienstes gestanden und beim Beten gekniet.
Nun übergebe ich das Wort an Pfarrerin Basse.
Vielen Dank, Frau Basse!

Wir gehen nun ein größeres Stück die Breite Straße hinunter, biegen zuerst rechts in die Wiesbadener Straße, dann gleich hinter Reichelt links in den Franz-Cornelsen-Weg und treffen uns wieder am Abenteuerspielplatz

Station 14: Franz-Cornelsen-Weg / Cornelsen Verlag

„Bildung ist die wichtigste Investition in den Menschen.“ Diese Worte des Verlegers Franz Cornelsen können wir sicher alle unterschreiben. Franz Cornelsen wurde 1908 in Minden geboren und starb 1989 in Berlin.
1946 gründete er zusammen mit Gert H. Theunissen und Sinus Sinodoru zunächst den Minerva Verlag und bald danach in der Künstlerkolonie hier in der Nähe, gemeinsam mit seiner Frau Hildegard den Cornelsen-Verlag. Die grundlegende Idee war:
„Wer miteinander reden kann, der wird keine Kriege gegeneinander führen.“
Im Jahre 1948 erschien die erste Auflage von Hildegard Cornelsens Englisch-Lehrbuch: „Peter Pim and Billy Ball“ .Der Verlag konzentrierte sich von Anfang an auf das Thema Sprachen, was sich 1964 auszahlte, als Englisch Pflichtfach an deutschen Schulen wurde. Das Buch wurde DAS Lehrwerk für Englisch und der Cornelsen Verlag Marktführer.
Der Cornelsen Verlag hat zahlreiche weitere Verlage übernommen und gehört heute zu den führenden Schulbuchverlagen in Deutschland. Die Marken blieben teilweise erhalten, bekannt sind z.B. der Verlag Volk und Wissen oder der Duden Schulbuch-Verlag.
Der Cornelsen-Verlag hat 24.000 laufende Titel rund um Kindergarten, Schule und Unterrichtsvorbereitung im Programm und beschäftigt an unterschiedlichen Standorten 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Franz Cornelsen analysierte die gesellschaftliche Funktion von Verlagen treffend, indem er sagte:
„Verlage sind eine merkwürdige Mischung aus Geist und Kommerz. Wo allein der Geist regiert und der Kommerz vernachlässigt wird, bleibt der Erfolg oft aus. Verlage, in denen nur der Kommerz alles bestimmt, werden eines Tages von anderen überholt, die die beiden Phänomene stets in Einklang bringen können.“
Franz Cornelsen errichtete auch zwei gemeinnützige Stiftungen zur Förderung von Bildung und Erziehung.

Station 15: Abenteuerspielplatz

Bildvergrößerung: 150912 Kiezspaziergang Abenteuerspielplatz
Bild: BA CW, ML

Der Abenteuerspielplatz wird von der Schreberjugend „InSideOut“ betrieben. Es ist ein offenes Angebot für alle Kinder und Jugendlichen von 6-18 Jahren. Der Spielplatz bietet zahlreiche Angebote zur Freizeitgestaltung, z. B. Experimente mit Feuer, Wasser, Erde und Luft, künstlerische Gestaltungstechniken mit Lehm, Ton, Holz, Glasbeton und viel Platz für Sport und Bewegungsspiele im Freien. In den Innenräumen kann man Tanz- und Theateraufführungen einstudieren, Billard und Tischtennis spielen und PCs nutzen.

Station 16: Mosse-Stift

Bildvergrößerung: 150912 Kiezspaziergang Mosse-Stift
Bild: BA CW, ML

Auch Rudolf Mosse war, wie Franz und Hildegard Cornelsen, Verleger. Wir haben schon im Juni von ihm gehört, im Zusammenhang mit seinem Kauf des Areals um die Schaubühne herum. Er und seine Frau Emilie bauten Ende des 19. Jahrhunderts das Mossestift als Waisenhaus für bedürftige Kinder aus der verarmten Mittelschicht. Architekt war Gustav Ebe. Näheres berichtet uns jetzt Frau von Pirani.
Vielen Dank, Frau von Pirani!

Wir gehen nun durch die Rudolf-Mosse-Straße zur „Schlange“.

Station 17: Autobahnüberbauung SchlangenbaderStraße

Schlangenbad ist ein weiterer alter Kurort mit Heilquellen in der Nähe von Wiesbaden und Mainz im Taunus. Durch das mediterranes Klima gibt es dort auch Äskulapnattern, was dem Ort seinen Namen gab. Die Äskulapnatter windet sich um den Stab des griechischen Gotts Äskulap, der Gott der Heilkunst. Das Symbol des Stabs mit der Schlange ist heute allgemeinhin das Symbol für Humanmediziner, aber auch die Tiermediziner und die Apotheken benutzen dieses Symbol.
Uns interessiert heute aber mehr als die Herkunft des Namens die Bebauung selbst.
In den siebziger Jahren herrschte in dem durch die Mauer begrenzten West-Berlin Wohnungsmangel und wenig Baugrund.
Die Bebauung durch große Trabantenstädte, wie Gropiusstadt und Märkisches Viertel hatte den Druck zwar etwas genommen, aber es wurden auch die ersten sozialen Risse in diesen Vorstädten sichtbar. Die landeseigene Gesellschaft DEGEWO entschloss sich daher eine Wohnanlage über der Autobahn zu bauen. Architekten waren Georg Heinrichs und Gerhard und Klaus Krebs. Eingeweiht wurde die Anlage 1982.
Die Autobahn wird durch zwei statisch und akustisch vom übrigen Bauwerk getrennte Hohlkästen geführt. Die Länge des Baukomplexes beträgt 600 m, die Höhe 46 m, und es gibt 2200 Wohnungen in maximal 14 Geschossen. Im unteren Teil sind es Terrassenhäuser, im oberen Wohnungen. Es ist der größte Baukomplex in Berlin. Des Weiteren sind in der Überbauung 118 Hobbyräume, vier Gästewohnungen und zwölf Gemeinschaftsräume sowie diverse Fahrrad- und Kinderwagenräume untergebracht. Auf dem Gelände wurden Spielplätze und Hundetoiletten angelegt.
Es gibt 28 Gewerberäume mit insgesamt 7210 m² Fläche. Die Anlage wird durch Fernwärme mit Energie versorgt.
Unterhalb der unter der Überbauung gelegenen Autobahntrasse befinden sich zwei Tiefgaragendecks mit 760 Stellplätzen (606 Garagen, 154 offene Stellplätze). Ein separates Parkhaus mit 437 weiteren Plätzen wurde erbaut.
Nach Fertigstellung kam es zu Bodenabsenkungen des Erdreichs im Bereich der Überbauung, was durch nachträgliche Verdichtung des Grundes und durch Stahlauflagekeile oberhalb der Trägerbrücken kompensiert werden musste. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 400 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 435 Millionen Euro).
Das Gesamtwerk wurde 2002 mit dem Renault Traffic Design Award für fortschrittliche Verkehrsarchitektur in der Kategorie „Historischer Award“ ausgezeichnet.

Station 18: Homburger Straße

Nun kommen wir zu unserem letzten Kurbad heute: Bad Homburg liegt ebenfalls im Taunus und grenzt direkt an das Stadtgebiet von Frankfurt am Main. Es darf sich seit 1912 Bad nennen. Bad Homburg hat zahlreiche Heilquellen. Der Kurpark wurde von Peter Joseph Lenné gestaltet. Viel wichtiger für die Stadt als der Kurbetrieb ist aber die Tatsache, dass sie bevorzugtes Wohngebiet für in Frankfurt tätige, meist gut verdienende Pendler ist. Bad Homburg wies im Jahr 2012 einen weit überdurchschnittlichen Kaufkraftindex von 156 Prozent des Bundesdurchschnitts (100 Prozent) auf und belegte damit einen bundesweiten Spitzenwert. Im Hochtaunuskreis haben lediglich Königstein (191 Prozent) und Kronberg (179 Prozent) einen höheren Wert. International bekannt ist Bad Homburg auch wegen seines Casino, das „Mutter von Monte Carlo“ genannt wird. Zugleich ist Homburg Sitz einer Reihe von Unternehmen, deren Belegschaft mehr aus Auswärtigen als aus Einheimischen besteht, z.B. Hewlett Packard, die Verwaltung der Quandt-Gruppe, Fresenius.
Die Stadt ist Sitz des Bundesausgleichsamtes und Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen.

Station 19: Homburger Straße 48/ Lindenkirche

1924 erwarb die Wilmersdorfer Terrain-Rheingau AG das 4714 m² große Grundstück auf dem Homburger Platz für 50.000 Mark. Unter seinen Linden fanden bis zur Einweihung der Kirche 1936 die Gottesdienste im Freien statt, daher ihr Name Lindenkirche.
In der Nacht auf den 2. März 1943 zerstörten Bomben den größten Teil der Kirche und der übrigen Gebäudeteile. Sie wurde Anfang der 50er-Jahre wieder aufgebaut.
Die Kirche hat Platz für etwa 600 Besucher und ist mit ihren schlichten und gradlinigen Formen als Nachwirkungen der Neuen Sachlichkeit zu betrachten. Der wiederhergestellte Innenraum ist gegenüber dem ursprünglichen Zustand nur wenig verändert. Die Altarwand aus Keramik, sowie Kanzel und Taufbecken aus dem gleichen Material, geschaffen von Felix Kupsch, blieben unbeschädigt, ebenso das von Ernst Gorsemann stammende hohe Kruzifix.
Der kleine Gemeindesaal sowie die Wohnungen und Gemeinderäume im ersten und zweiten Geschoss wurden wieder aufgebaut, ebenso das Gemeindehaus mit Schwesternstation und Wohnungen. Das große Glasgemälde hinter der Altarwand wurde nach einem Entwurf von Adolf Dahle im Jahr 1953 hergestellt. Die anderen zwischen 1958 und 1960 hergestellten Fenster stammen von Herrmann Kirchberger. Der große Gemeindesaal mit Kindertagesstätte und Jugendräumen wurden anschließend errichtet. 1962 war die Wiederaufbauarbeit mit dem Neubau von zwei Pfarrhäusern abgeschlossen.
Überdauert hatte die beiden Weltkriege eine Glocke aus dem 16. Jahrhundert von einem unbekanntem Gießer. Nach dem Verlust der anderen Glocken während der Zeit des Nationalsozialismus goss Franz Otto vier neue aus Bronze, die in einem d-Moll-Septimenakkord erklingen.
Im September 1965 konnte auf der Empore die neue Orgel, die den Mittelpunkt für die Kirchenmusik bildet, eingeweiht werden. 1993 wurde die große Orgel der Werner Bosch Orgelbau vollendet. Der Einbau eines Fernwerks, des Rückpositivs, eines Spielbocks und der Umbau von einer viermanualigen zu einer fünfmanualigen Klaviatur machen diese Orgel zu einer der größten Orgeln in Berlin. Kirchenmusikalische Höhepunkte machten die Lindenkirche weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.
Nun hören wir eine eigene Komposition des Organisten der Lindenkirche, Herrn Schirmer.
Vielen Dank, Herr Schirmer!

Station 20: Rüdesheimer Platz

Bildvergrößerung: 150912 Kiezspaziergang Rheingauer Weinbrunnen
Bild: BA CW, ML

Das so genannte Rheingauviertel zwischen Laubacher und Binger Straße ist ein Versuch der ausgehenden Kaiserzeit, den Charakter englischer Gartenstädte mit großstädtischer Dichte zu verbinden. Der Plan zu einer einheitlichen Bebauung des Viertels stammt von 1906. Die viergeschossigen Mietshäuser sind in Anlehnung an den englischen Landhausstil erbaut. Vor allen Häusern befinden sich ansteigende Rasenvorgärten und in den Erdgeschossen Rankgerüste. 1909 erhielt der Platz seinen Namen. Straßennamen und Skulpturenschmuck beziehen sich auf das damals beliebte Reiseziel Rheingau. Mittelpunkt ist der Rüdesheimer Platz.
Nach Vertrag von 1906 hatte die Terraingesellschaft Berlin-Südwesten die Plätze zu entwerfen und nach Genehmigung durch die Gemeinde auszuführen. Die Gesellschaft schrieb einen hoch ausgepreisten Wettbewerb aus, an dem sich über 300 Künstler beteiligten.
Die Ergebnisse wurden deutschlandweit beachtet und 1911 in den Zeitschriften Gartenkunst und Gartenwelt publiziert. Den ersten Preis erhielt die Arbeitsgemeinschaft des Gartenarchitekten Heinrich Berg und des Architekten H. von Hoven, beide aus Frankfurt am Main. Der Entwurf sah eine Dreigliederung des Platzes vor: Im Westen eine erhöhte Terrasse mit einem Springbrunnen an der Kante, dessen Wasser sich über die Stützmauer in ein darunter befindliches rechteckiges Becken ergoss. Die Terrasse war mit würfelförmig geschnittenen Bäumen bepflanzt. Der Mittelteil bestand aus einer schmucklosen Rasenfläche. Im Osten war ein Baumhain vorgesehen. Dieser Teil schloss mit einer halbrund vorspringenden Balustrade gegen die Rasenfläche ab.
Ein nicht näher bezeichneter Entwurf wurde im Februar 1911 genehmigt. Die Akte mit dem Planungsvorgang fehlt. Der Plan der Wettbewerbssieger wurde für die Ausführung stark modifiziert. Möglicherweise hat der Architekt Paul Jatzow oder der Wilmersdorfer Stadtgarteninspektor Rudolf Thieme an den Änderungen mitgewirkt.
In einem Artikel von 1943 heißt es sogar, Thieme habe den Platz wie den Olivaer Platz selbst angelegt. Nach Angaben der Berlinischen Bodengesellschaft erfolgte hingegen die Ausführung des Platzes durch sie. Viele Details sprechen dafür, dass Thieme Planung und Bauleitung machte und die Gesellschaft die Aufträge vergab. In den westlichen Ecken der großen Rasenfläche waren quadratische Blumenbeete mit dreifach gestaffelter Bepflanzung, innen Rhododendron.
Der Baumhain im Osten wurde abweichend vom Wettbewerbsentwurf in der Mitte durch ein kleines Rasenparterre unterbrochen, um die Blickbeziehung zur Landauer Straße freizugeben. Auf die Balustrade an dieser Seite wurde verzichtet, der Vorplatz schwingt nur im leichten Bogen zum Rasenraum vor.
Bereits im Juni 1911 wurde der Platz mit einem Gartenfest eingeweiht.
Statt des Springbrunnens wurde eine monumentale Skulptur eines Pferde bändigenden Siegfrieds von Emil Cauer ausgeführt, daneben zwei Flussgötter (Vater Rhein und Weinbaugöttin, irrtümlich auch “Mosel” genannt). Acht Masken in der Stützwand spritzen Wasser in das Becken. 1913 übernahm die Stadt den Platz in ihre Pflege.
1978 wurde anstelle des Rasenparterres ein Blumengarten von Landschaftsarchitekt Prof. Eberhard Fink angelegt. Er besteht aus Blumenfeldern in der Mitte und Rosenbeeten am Rand. Dazwischen befinden sich Rasterflächen auf denen weiße tragbare Gartenstühle und Oleander aufgestellt wurden. Ziel der Umgestaltung war die Gewinnung eines vom Ballspiel ungestörten Aufenthaltsraumes.
1988 wurde der Platz als wichtiges Zeugnis der Reformgartenkunst kurz nach 1900 unter Denkmalschutz gestellt.
Seit 1967 gibt es von Mai bis September auf dem Rüdesheimer Platz im Rheingau-Viertel den Rheingauer Weinbrunnen. An einem – für den Rheingau typischen– Weinprobierstand werden Wein und Sekt aus der Region ausgeschenkt.
Im Moment versorgt uns das Weingut Nikolai mit dem kostbaren Trank. 1972 hatte der Rheingau eine Patenschaft für den Bezirk Wilmersdorf übernommen, die 1991 in eine Partnerschaft umgewandelt wurde.
Zu der Patenschaft gehörte auch der Anbau von Reben. Bereits in den 70er Jahren war auf dem Teufelsberg vorübergehend das Wilmersdorfer “Teufelströpfchen” angebaut worden.1984 wurden an den nördlichen Tribünenhängen des Stadions Wilmersdorf auf 250m² je 100 Rebstöcke der Sorten Weißer Riesling und Ehrenfelser aus dem Partnerlandkreis angepflanzt. 1986 gab es die erste Ernte. Seitdem werden jährlich aus ca. 250 kg Trauben etwa 120 Liter “Wilmersdorfer Rheingauperle” hergestellt.
2003 wurde die Fläche des Weinbergs durch die Ersatzpflanzung von neuen Rieslingreben erweitert, die der Landkreis dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf im Jahr 2002 zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft geschenkt hatte. Wegen Frostschäden und Hasenfraß konnte nach 2010 kein Wein mehr geerntet werden.
Die Winzer des Rheingau-Taunus-Kreises haben inzwischen neue Rebstöcke gepflanzt. Die erste Ernte wird voraussichtlich 2016 sein.
Am Freitag, den 10. Juli 2015, unterzeichneten Monika Thiemen, Vorsitzende des Heimatvereins Wilmersdorf, Adam Basting, Gesellschafter der Rheingauer Weinbrunnen Gesellschaft GbR und Bezirksstadtrat Marc Schulte eine Pflegevereinbarung über den Weinberg im Stadion Wilmersdorf. Der Verein pflegt unterstützend und unentgeltlich den Weinberg. Die Weinbrunnen GbR verpflichtet sich, aufgrund der bestehenden Partnerschaft des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf mit dem Landkreis Rheingau-Taunus, das Lesegut unentgeltlich zu verarbeiten und in Flaschen abgefüllt dem Bezirk zur Verfügung zu stellen.
Der Heimatverein Wilmersdorf ist für das Pflanzen der Reben, den Rebschnitt, das Binden und Biegen der Reben und nicht zuletzt die Weinlese zuständig.
Nun begrüße ich ganz herzlich Herrn Nikolai, Winzer aus Erbach, der einige Worte an Sie richten möchte.
Vielen Dank, Herr Nikolai!
Nun wollen wir aber nicht mehr länger warten, sondern schauen, ob wir noch ein Plätzchen bekommen. Ich beende hiermit den 165. Kiezspaziergang und wünsche Ihnen noch einen schönen Samstagnachmittag und –abend. Auf Wiedersehen, bis in vier Wochen im Grunewald.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_Schmargendorf
https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Schmargendorf
https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Berka
https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Reichenhall
http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/stolpersteine/artikel.180217.php
https://de.wikipedia.org/wiki/Ko%C5%82obrzeg
https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Friedrichshall
https://de.wikipedia.org/wiki/Judith-Kerr-Grundschule
http://berlin.kauperts.de/Strassen/Cunostrasse-14193-14199-Berlin
https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfkirche_Schmargendorf
https://de.wikipedia.org/wiki/Autobahn%C3%BCberbauung_Schlangenbader_Stra%C3%9Fe
https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Homburg_vor_der_H%C3%B6he
https://de.wikipedia.org/wiki/Lindenkirche_%28Berlin%29
https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdesheimer_Platz