163. Kiezspaziergang

Mierendorff-Insel-Rundweg: Vom Bahnhof Jungfernheide zur Caprivibrücke

Bezirksstadtrat Marc Schulte

Treffpunkt: Bahnhof Jungfernheide / Tegeler Weg / Ecke Max-Dohrn-Straße
Länge: 3,7 km (5,3 km)

Herzlich willkommen zu unserem 163. Kiezspaziergang!
Da Bezirksbürgermeister Naumann heute nicht in Berlin ist, werde ich ihn vertreten. Ich freue mich sehr, mit Ihnen jetzt den neuen Inselrundweg zu eröffnen. Wir lieben es alle, am Wasser entlang zu gehen und sind betrübt bis ärgerlich, wenn sich uns Hindernisse entgegenstellen. Nun ist der Rundweg fast komplett. Es fehlt nur noch ein kleines Teilstück zwischen Goslarer Ufer und Darwinstraße, weil dort u.a. das Apartmenthaus Spreeblick gebaut wird. Sobald dieses fertig ist, wird uns niemand mehr aufhalten.
Für diejenigen unter Ihnen, die mich noch nicht kennen, möchte ich mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Marc Schulte, und ich bin der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Ordnungsangelegenheiten. Unser Rundweg führt uns heute am berlinbiotechpark mit seinen Gewerbe- und Industrieanlagen, an Kleingartenanlagen und neuen Wohnungsbauprojekten vorbei. Unterwegs gibt es viel Spannendes zu sehen. Am nördlichen Teil des Rundweges werden an diesem Tag Betonwände zur Nutzung für freie Graffiti-Kunst eingeweiht.
Frau Jenny Wieland, Bezirksverordnete von Bündnis 90/Die Grünen wird uns den Beschluss der BVV zu öffentlichen Sprayerwänden erläutern. Herzlich willkommen in unserer Runde, Frau Wieland!
Ein Stück weiter am Charlottenburger Verbindungskanal werden uns Frau Isermann-Kühn von der Dorfwerkstadt und der Malermeister Herr Fernow, die ich hier in unserem Kreis ganz herzlich begrüßen möchte, das neue Konzept für die Mierendorff-Insel vorstellen. Der Spaziergang endet an der Caprivibrücke.
Wer Lust hat, kann mit mir den ganzen Rundweg zu Ende gehen. Die anderen können von der Caprivibrücke aus über die Sömmeringstraße zum Herz der Insel, dem Mierendorffplatz, oder zum Richard-Wagner-Platz laufen und dort in die U-Bahn oder den Bus steigen. Die Strecke verläuft teilweise auf Schotterwegen.

Bevor wir uns nun auf den Weg machen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt des 164. Kiezspaziergangs mitteilen, dann wieder mit Bezirksbürgermeister Naumann. Er findet wie immer am zweiten Samstag im Monat um 14 Uhr statt, das ist im August der 8.8. Treffpunkt ist am S-Bahnhof Charlottenburg, Ecke Lewishamstraße / Stuttgarter Platz an der Bahnbrücke. Der Spaziergang führt durch den Margarete-und-Arthur-Eloesser-Park und die Friedbergstraße in den Lietzenseepark. Dort geht es an den Kaskaden vorbei zu der Evangelischen Kirche am Lietzensee. Der Spaziergang endet im Parkwächterhäuschen, wo die Bürgerinitiative „ParkHaus Lietzensee“ etwas zum Konzept und dem aktuellen Stand der Arbeiten zur Revitalisierung des Häuschens sagen wird.

Nun starten wir aber zu unserer heutigen, fast könnte man sagen, Kiezwanderung.

Station 1: Max-Dohrn-Straße

Die Straße heißt sei 1.8.1970 nach dem Chemiker Max Dohrn. Er wurde 1874 in Farnroda geboren und starb am 17.6.1943 in Rothaus. Ab 1902 arbeitete er bei Schering. 1905 entdeckte er die Phenylchinolincarbonsäure. Zudem forschte er über Sulfonamide, die chemische Zusammensetzung von Sexualhormonen und über den Einsatz von Rinderpankreas bei Diabetes.
Wir überqueren jetzt den Tegeler Weg und kommen zum Beginn des Insel-Rundweges.

Station 2: Eingang zum Insel-Rundweg: Beschilderung

Bildvergrößerung: 163. Kiezspaziergang am 11.07.2015 Inselrundweg
163. Kiezspaziergang am 11.07.2015 Inselrundweg Bild: Felix Isermann

Wir stehen hier vor dem ersten Schild, das den Inselrundweg ausweist. Es sind noch provisorische Schilder. Nach und nach sollen sie durch eine professionelle Beschilderung ersetzt werden wird. Man kann darauf den Verlauf des Rundweges sehen und den eigenen Standort ermitteln.

Station 3: Spree

Da wir heute, am Anfang und am Ende, eine Zeit lang an der Spree entlanggehen, möchte ich Ihnen einige interessante Fakten über diesen für Berlin und Charlottenburg so wichtigen Fluss mitteilen. Die Spree entspringt im Oberlausitzer Bergland nahe der Grenze zur Tschechischen Republik aus drei Quellen. Bei Spremberg wird sie zu einem See von rund 43 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen aufgestaut. Nördlich von Cottbus erreicht sie das Glogau-Baruther Urstromtal und verzweigt sich dann in der Niederungslandschaft des Spreewaldes in viele kleine Kanäle. Sie fließt durch den Müggelsee, durchquert Berlin und mündet nach knapp 400 km bei Spandau in die Havel.

Über die Entstehung der drei Spreequellen hat sich im Oberlausitzer Sagenschatz folgende Legende erhalten:
Der Riese Sprejnik, dem in grauer Vorzeit das Land zwischen Bautzen und Oberlausitzer Bergland gehört haben soll, schnitzte zum Schutz seines Reiches und der Bewohner und Bewohnerinnen einen großen, starken Bogen. Zum Test schoss er einige Pfeile nach Südosten. Als seine Untertanen danach suchten, fanden sie die Pfeile weit oben im Bergland in einem Tal. Es war unmöglich, sie mit den Händen aus dem Boden zu ziehen, man musste sie ausgraben. Aus den Löchern begann frisches Wasser zu quellen. Die drei Spreequellen am Kottmar, in Neu-Gersdorf und Ebersbach waren geboren. Unsere Vorfahren nannten den Fluss zu Ehren des Riesen Sprejnik “Spree”. Es gibt aber auch andere Interpretationen des Namens, viele meinen, er käme von die Sprühende.

Station 4: Mörschbrücke

Der Bau der Mörschbrücke wurde 1938 begonnen. Damals sollte sie noch Jungfernbrücke heißen, wegen des früheren Nonnenklosters am Nonnendamm. Als der Zweite Weltkrieg begann, war die Brücke nur teilweise fertig. Die Bauarbeiten wurden abgebrochen. Die Brücke wurde erst 1953 fertiggestellt. Ihr Name geht auf Emil Mörsch zurück, der von 1872 bis 1950 gelebt hat. Emil Mörsch war ein bedeutender deutscher Bauingenieur, Forscher und Hochschullehrer. Er machte sich insbesondere auf dem Gebiet des Stahlbetonbaus einen Namen. Stahlbeton ist ein künstlicher Baustoff aus den beiden Komponenten Beton und Stahl, die mit dem Bindemittel Zement verklebt werden. Weiter will ich nun aber nicht in dieses Fachgebiet einsteigen.

Station 5: Westhafenkanal

Der Westhafenkanal ist eine 2,5 Kilometer lange Wasserstraßenverbindung zwischen dem Westhafen und der Spree. Er ist 47 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 3,75 Meter. Der Bau wurde wie die Brücke 1938 begonnen und während des Zweiten Weltkrieges abgebrochen. 1954 baute man weiter und 1956 war er dann schließlich fertig. Durch diesen neuen Verbindungskanal hatten die vom Mittellandkanal kommenden Schiffe einen direkten Weg zum Westhafen. Die mühsame Fahrt über die kurvenreiche Spree um den Charlottenburger Schlossgarten herum und durch den Charlottenburger Verbindungskanal entfiel.

Station 6: berlinbiotechpark

Auf einem Teil des Geländes stand hier früher das DRK-Krankenhaus, das 1991 geschlossen wurde. Der andere Teil gehörte zu Schering. Schering produzierte hier Flüssigarzneimittel. 1999 verlagerte Schering die Produktion in sein Stammhaus im Wedding. Danach setzte die Entwicklung zum biotechpark ein. Ich will Ihnen an dieser Stelle ein paar interessante Firmen mit ihren Produkten vorstellen:
Das Biotechnologie-Unternehmen metanomics GmbH, das zur BASF gehört, ist auf dem Gebiet der Netzwerkanlayse im Stoffwechsel tätig. Zudem wird in dem Unternehmen nach Genen für die Entwicklung optimierter Nutzpflanzen geforscht.
Die Noxxon Pharma AG entwickelt biotechnologische Medikamente.
Die SGS INSTITUT FRESENIUS GmbH ist Dienstleister für die pharmazeutische Industrie und bietet nicht-medizinische Laboranalytik an. Dazu gehören Labordienstleistungen im Bereich der Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Arzneimitteln.

Die Sacura GmbH ist ein Dienstleister im Bereich der klinischen Entwicklung von Medikamenten und Medizinprodukten. Die Firma stellt ihre Expertise bei Planung und Durchführung von klinischen Studien zur Verfügung.
Bayer HealthCare Pharmaceuticals ist eine Tochter der Bayer AG und entwickelt Produkte zur Verbesserung der Gesundheit von Mensch und Tier.
Die Carl Zeiss Meditec ist ein Medizintechnikunternehmen und entwickelt vor allem Geräte und Systemeprodukte im Bereich Augenheilkunde und HNO-Chirurgie, aber auch Technologien zur Behandlung von Krebserkrankungen, wie z.B. die interoperative Strahlentherapie, die man schon während der Operation anwenden kann. WTG Berlin | WTG Communication ist eine Firma für innovative IT- und Kommunikationslösungen.

Im berlinbiotechpark sitzt aber auch die BIM oder Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Sie ist die Nachfolgeeinrichtung der Bundesvermögensverwaltung und ist für die Immobilienverwaltung der bundeseigenen Grundstücke und Gebäude zuständig. Sie kümmert sich auch um die Wohnungsvermittlung für Bundesbedienstete.

Station 7: Goerdelersteg

Die geschwungene Fußgängerbrücke aus Spannbeton überquert den Westhafenkanal und die Stadtautobahn . Die Brücke wurde 1974 an Stelle eines alten Holzsteges erbaut. Sie ist 117 m lang und 4,5 m breit. An den beiden Endpunkten und in der Mitte führen spiralförmige Zugänge zur Brücke. Deshalb heißt sie im Volksmund auch Schneckenbrücke. 1976 bekam sie den Namen von Carl Friedrich Goerdeler. Der Jurist Carl Friedrich Goerdeler wurde 1884 in Posen geboren. Er war in den 1920er Jahren mehrfach als Reichskanzler im Gespräch. Die Machtübertragung an die NSDAP bewertete Goerdeler zunächst positiv. Doch spätestens ab 1936 engagierte er sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Während des Zweiten Weltkrieges bildete sich um Goerdeler ein konservativer Kreis des zivilen Widerstandes, der nach ihm benannt war. Nach dem 20. Juli 1944 wurde Goerdeler denunziert und am 2.2.1945 in Plötzensee hingerichtet.
Wir begeben uns nun ein Stück in die Verlängerung der Lise-Meitner-Straße hinein.

Station 8: Kleingartenanlage Stichkanal

Bildvergrößerung: 163. Kiezspaziergang am 11.07.2015 mit Marc Schulte
163. Kiezspaziergang am 11.07.2015 mit Marc Schulte Bild: Felix Isermann

Hier möchte ich ganz herzlich Herrn Stolpe, den Vorsitzenden des Kleingartenvereins Stichkanal, begrüßen. Er wird uns jetzt etwas zu den Kleingärten auf der Mierendorff-Insel sagen.
Vielen Dank, Herr Stolpe.
Wir gehen nun wieder zurück zum Westhafenkanal und setzen dann unseren Spaziergang am Ufer fort, bis zu den Gewerbegebäuden.

Station 9: Betonwände für Sprayer

163. Kiezspaziergang am 11.07.2015 mit Marc Schulte und Jenny Wieland
163. Kiezspaziergang am 11.07.2015 mit Marc Schulte und Jenny Wieland Bild: Felix Isermann

Wir kommen nun zu einem weiteren Höhepunkt unseres Spazierganges, denn heute wird die Rückseite dieses Gebäudes zu einer legalen Möglichkeit für Grafitti-Künstler und –Künstlerinnen ihrer Kunst zu frönen. Wir freuen uns, dass einige von ihnen uns schon in den Genuss einer Kostprobe gebracht haben. Frau Jenny Wieland, Bezirksverordnete von Bündnis 90/Die Grünen, wird uns den Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf vorstellen und uns über die Hintergründe aufklären.

Vielen Dank, Frau Wieland! Vielen Dank an die Kids und Jugendlichen, die uns heute hier ihr Können gezeigt haben.
Wir gehen nun weiter am Ufer entlang und folgen dem Verlauf des Weges bis zur Bahnbrücke, die, wie Frau Jenny Wieland uns eben erläutert hat, ebenfalls als Sprayerwand infrage kommen könnte.

Station 10: Charlottenburger Verbindungskanal

Der Charlottenburger Verbindungskanal bildet die Grenze zwischen Charlottenburg und Moabit. Er ist heute 1,6 Kilometer lang und verläuft von der Einmündung in den Westhafenkanal bis zur Mündung des Landwehrkanals in die Spree. Dieser Punkt, an dem gerade neue Wohnhäuser entstehen, heißt Spreekreuz.
Der Charlottenburger Verbindungskanal wurde von 1872 bis 1875 gebaut und stellte die für die Schifffahrt notwendige Verbindung zwischen dem Spandauer Schifffahrtskanal und dem Landwehrkanal dar. Nach der Fertigstellung des Westhafenkanals 1956 wurde das nördliche Teilstück zugeschüttet und mit dem Großmarkt Beusselstraße überbaut.
Wir gehen nun weiter bis kurz vor die Gaußstraße.

Station 11: Grillplatz an der Gaußstraße

Hier auf diesem platzähnlichen grasbewachsenen Uferstück ist ein Grillplatz entstanden, der immer mehr von den Anwohnern und Anwohnerinnen genutzt wird. Um nicht nur ihn, sondern die ganze Insel ansprechender zu machen, hat das Kiezbüro ein Konzept erarbeitet, das Frau Kühn-Isermann Ihnen nun vorstellen wird. Es geht um eine neue Insel-Identität. Der Malermeister Matthias Fernow hat ein Farbkonzept für den Mierendorff-Kiez entwickelt, von dem wir hier auch schon eine kleine Kostprobe sehen. Anhand der bunten Poller erläutert er uns das Farbkonzept.
Vielen Dank, Frau Isermann-Kühn, vielen Dank, Herr Fernow!
Bevor wir nun weitergehen, möchte ich noch etwas zu dem Namensgeber der Gaußstraße sagen. Viele der Straßen hier in der Gegend heißen ja nach Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen.

Station 12: Gaußstraße

Carl Friedrich Gauß war Mathematiker, Astronom, Geodät und Physiker, also ein Multitalent. Und das nicht nur im naturwissenschaftlichen Bereich, denn ursprünglich wollte er Literatur und Philosophie studieren. Die Bedeutung seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde schon zu seinen Lebzeiten anerkannt. Er kam am 30.4.1777 in Braunschweig auf die Welt und starb am 23.2.1855 in Göttingen. Gauß entwickelte u.a. die Gaußsche Normalverteilung, eine wichtige Kurve zur statistischen Verteilung. Diese, sie wird auch Glockenkurve genannt, kann z.B. in der Versicherungsmathematik zur Wahrscheinlichkeit von Schadensdaten oder der Sterbefälle in der Gesellschaft eingesetzt werden. Auf Gauß gehen die nicht-euklidische Geometrie, zahlreiche mathematische Funktionen, Integralsätze, erste Lösungen für elliptische Integrale und die Gaußsche Osterformel zurück. 1807 wurde er zum Universitätsprofessor und Sternwartendirektor in Göttingen berufen und später auch mit der Landesvermessung des Königreichs Hannover betraut. Neben der Zahlen- und der Potenzialtheorie erforschte er u.a. das Erdmagnetfeld.
Hier ein Beispiel: Mit Wilhelm Eduard Weber zusammen erfand er das Magnetometer. 1833 verbanden die beiden die Göttinger Sternwarte, wo Gauß arbeitete, mit dem physikalischen Institut von Weber. Dabei tauschten sie über elektromagnetisch beeinflusste Kompassnadeln Nachrichten aus. Das war die erste (elektromagnetische) Telegrafenverbindung auf der Welt.
Gauß mit seiner Leidenschaft für Zahlen führte auch Listen über die Anzahl der Tage, die berühmte Männer gelebt hatten, und „errechnete“ daraus die Lebenswartung seiner Zeitgenossen. So schrieb er am 7. Dezember 1853 an Alexander von Humboldt, mit dem er befreundet war, ich zitiere:
„Es ist übermorgen der Tag, wo Sie, mein hochverehrter Freund, in ein Gebiet übergehen, in welches noch keiner der Koryphäen der exacten Wissenschaften eingedrungen ist, der Tag, wo Sie dasselbe Alter erreichen, in welchem Newton seine durch 30766 Tage gemessene irdische Laufbahn geschlossen hat. Und Newtons Kräfte waren in diesem Stadium gänzlich erschöpft: Sie stehen zur höchsten Freude der ganzen wissenschaftlichen Welt noch im Vollgenuss Ihrer bewundernswürdigen Kraft da. Mögen Sie in diesem Genuss noch viele Jahre bleiben.“
Bereits 1856, ein Jahr nach seinem Tod, ließ der König von Hannover Gedenkmünzen mit dem Bild von Gauß und der Inschrift „Mathematicorum Principi“ (deutsch: „dem Fürsten der Mathematiker“) prägen. Da Gauß nur einen Bruchteil seiner Entdeckungen zu Lebzeiten veröffentlicht hatte, erschloss sich der Nachwelt die Tiefgründigkeit und Reichweite seines Werks in vollem Umfang erst, als 1898 sein Tagebuch entdeckt und ausgewertet wurde und als der Nachlass bekannt wurde.
Wir gehen nun weiter am Ufer entlang zum Goslarer Ufer 37.

Station 13: Goslarer Ufer 37 / Jobcenter Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

Hier befindet sich das Charlottenburg-Wilmersdorfer Jobcenter.
In den Jobcentern erhalten erwerbsfähige Personen und Angehörige von erwerbsfähigen Personen Leistungen zur Sicherung Lebensunterhalts. Zu den Leistungen gehören auch Beratung und Hilfen bei der Arbeitssuche und -vermittlung. Die Jobcenter werden gemeinsam vom Bezirksamt und der Agentur für Arbeit getragen. Das Jobcenter hier am Ufer existiert inzwischen seit zehn Jahren.

Station 14: Kaiserin-Augusta-Allee 31 / Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS

Gleich nebenan ist das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS mit seinen ungefähr 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.
Schlüsselwort bei diesem Institut mit kompliziertem Namen ist die sogenannte SMART CITY oder auf Deutsch INTELLIGENTE STADT.
Städte werden immer größer. Schon heute lebt die Hälfte der Menschheit in Städten. Je größer die Städte desto komplizierter wird die Infrastruktur. Vernetzung ist ein weiteres wichtiges Schlagwort in diesem Zusammenhang.
Das formulierte Ziel von FOKUS ist es, ich zitiere:
„interoperable Lösungen für Smart Cities bereitzustellen. Sie helfen dabei, Ressourcen wie Energie und Wasser sinnvoll zu nutzen, den Verkehr intelligent zu steuern und Katastrophen effizient zu bewältigen. Sie ermöglichen digitale Behördengänge, Open Government und sorgen dafür, dass kritische Infrastrukturen, wie Verkehr, Energieversorgung und medizinische Hilfe, rund um die Uhr zuverlässig funktionieren.“
Die technische Grundlage dafür ist Informations- und Kommunikationstechnik. Neben der Entwicklung von IT-Lösungen für die gesamte städtische Infrastruktur, berät FOKUS u.a. die öffentliche Verwaltung bei Gesetzesvorhaben mit IT-Bezug.

Wir überqueren jetzt die Kaiserin-Augusta-Allee, ein schwieriger Überweg. Es gibt keine Ampel, keinen Mittel- und keinen Zebrastreifen. Dieser Übergang wird aber von den Kunden des Jobcenters genutzt, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fraunhofer Instituts und von der Schule auf der anderen Seite des Kanals. Hier soll auf Initiative der Kiezbewohner und -Bewohnerinnen eine Mittelinsel entstehen.
Eine erfreuliche Nachricht ist auch, dass die Kaiserin-Augusta-Allee an die Tram angeschlossen wird. Der erste Bauabschnitt bis 2020 geht vom Hauptbahnhof zum Rathaus Tiergarten in der Turmstraße. Von dort aus soll sie dann über die Kaiserin-Augusta-Allee zum Bahnhof Jungfernheide verlängert werden.
Wir stehen nun neben dem Goslarer Platz. Goslarer Ufer und Goslarer Platz haben ihren Namen seit dem 13. April 1909 von der Stadt Goslar im Harz.

Station 15: Goslarer Platz

Der Goslarer Platz entstand durch Freihaltung eines Blockes während der Bebauung von Kalowswerder, wie dieses Quartier früher hieß. Er wurde 1912/13 durch den Gartenarchitekten Erwin Barth gestaltet. Die Rasenfläche ist umgeben von Staudenrabatten. Im Norden sind es Rosen und nach Süden hin Rhododendren. An der nördlichen Stirnseite steht ein Ahorn. Symmetrisch rechts und links davon angeordnet sind kleine efeuberankte Lauben mit Sitznischen. Im südwestlichen Teil gibt es einen großen Kinderspielplatz. Der Goslarer Platz steht unter Denkmalschutz.

Wir gehen nun weiter am Ufer entlang, biegen dann erst rechts in die Quedlinburger Straße und dann links in die Darwinstraße. Nächster Halt ist die Röntgenbrücke.

Station 16:Darwinstraße 2A

Wir stehen vor dem werdenden Apartmenthaus „Spreeblick“. Es wird einmal acht Wohnungen haben. Der Baubeginn war am 30.1.2014. Im Oktober 2016 soll es fertiggestellt sein. Die Wohnungspreise liegen zwischen 360.000,- und etwas über einer Million je nach Größe und Lage der Wohnung. Es gibt Wohnungen von 95 m² bis oben im Penthaus 225 m². Alle Wohnungen haben große Terrassen. Architekten sind Ann-Christin und Jan Hofmann.

Station 17: Goslarer Ufer 1, 3, 5 / Neubau von Wohngebäuden

Auch die Gebäude dahinter mit der Adresse Goslarer Ufer 1, 3 und 5, von denen wir noch nichts sehen, sind von dem Architekturbüro Hofmann.
Es werden einmal fünf Gebäude sein, davon 3 freistehend, mit insgesamt 93 Wohnungen. Baubeginn war der 25.8.2014. Je nach Lage und Größe liegt der Quadratmeterpreis ungefähr zwischen 3000,- und 8000,- Euro. Bei diesen Gebäuden wird zwischen Balkon- und Terrassenwohnungen unterschieden.

Station 18: Charlottenburger Ufer 16A und 17A / Spree-Lofts

Hinter der Caprivi-Brücke sehen Sie ein weiteres aufregendes Wohnungsbauprojekt, und zwar die sogenannten Spree Lofts. Wir werden sie nachher auch noch etwas von näher betrachten können. In einem leerstehenden Fabrikgebäude entstehen dort 57 Wohneinheiten. Am 2.12.2013 war Baubeginn. Der Entwurf stammt aus dem Büro Collignon Architektur und Design GmbH, Berlin.

Wir gehen nun wieder etwas zurück und zum Spreebord hinunter.

Station 19: Am Spreebord

Der Weg Am Spreebord verläuft von hier bis zur Sömmeringstraße an der Caprivibrücke. Den Namen hat das Ufer seit 30.4.1909. Auf einer Karte von 1835 war an dieser Stelle des Ufers der Spree “Spree Port” eingezeichnet. Port im Mittelhochdeutschen “porte” und im Französischen “port”, heißt Hafen. Das Wort “bord” wiederum bedeutet allgemein Rand, oberster Rand des Schiffes und auch Uferböschung.
Der Weg war lange nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Am 27.4.2007 eröffnete Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler gemeinsam mit Manfred Wohlers, Vorstandsmitglied von Vattenfall Europe Berlin, den von dem Stromkonzern neu gestalteten Uferweg vor dem Heizkraftwerk. Damit wurde nach rund 100 Jahren das Spree-Ufer an den Bezirk zurückgegeben.

Station 20: Kraftwerk Charlottenburg

Aber nun zu dem Riesenkraftwerkskomplex, der unübersehbar zwischen Röntgen- und Caprivibrücke steht.
Die Errichtung eines eigenen Kraftwerkes für die Stadt Charlottenburg erfolgte durch Magistratsbeschluss von 1898. Das Kraftwerk wurde zunächst für zehn Jahre an eine private Betreibergesellschaft verpachtet, die sich im Gegenzug verpflichtete, ich zitiere:
„ein Elektrizitätswerk zu erbauen, welches ausreichte für den Anschluss von 25.000 Glühlampen und für die Versorgung von Straßenbahnen mit dem erforderlichen Strom, ferner ein Kabelnetz […] zu verlegen und zur Verbindung des Netzes mit dem Kraftwerk einen Kabelsteg über die Spree zu errichten.“
Georg Klingenberg wurde mit der technischen Konzeption und dem Bau des Kraftwerks beauftragt, das am 1. August 1900 mit dem Siemenssteg zusammen eröffnet wurde. Die Fassade ist im Stil der märkischen Backsteingotik errichtet.
Der Antrieb der Generatoren erfolgte durch Kolbendampfmaschinen. Mit Lastkähnen wurde die benötigte Kohle angeliefert.
Schon nach kurzer Zeit reichte die Kapazität des Kraftwerks nicht mehr aus, um die steigende Nachfrage zu befriedigen, und ein sukzessiver Ausbau begann. Am 1. April 1902 betrug, ich zitiere, die
„Anzahl der angeschlossenen Glühlampen bzw. deren Gleichwert […] 62.000, im nächsten Jahr 93.000 und 1904 131.000 Glühlampen; außerdem können für den Betrieb der Straßenbahnen durch eine einzige neu aufgestellte Hochspannungs-Drehstrommaschine 1.200 bis 1.400 Kilowatt geleistet werden.“
Charlottenburg übernahm 1910 den Betrieb in Eigenregie. Bereits ab 1912 versorgte das Werk als erstes seiner Art das Rathaus Charlottenburg mit Fernwärme und -heißwasser.
Nach der Eingemeindung Charlottenburgs wurde 1922 das Kraftwerk in die „Berliner Städtischen Elektrizitätswerke“ eingegliedert. 1925/26 baute man es zum ersten deutschen Großkraftwerk mit Hochdruckturbinen um. Als Erweiterung entstand das Schalthaus 1925 im Stil der Neuen Sachlichkeit. Das erste Fernheiznetz Berlins, das mit Wasserdampf als Wärmeträger arbeitete, wurde in Betrieb genommen. 1954-66 kam ein Heißwasser-Heiznetz hinzu. 1953 wurde das alte Kesselhaus abgerissen und stattdessen ein neues als vertikal gegliederter Kubus errichtet.1989 erhielt das Kraftwerk am Spreebord eine Rauchgasentschwefelungsanlage und 1994 eine Rauchgasentstickungsanlage in einem nun die Gesamtanlage dominierenden, kubischen Neubau. Im Jahr 2001 war das Ende des “Dampfkraftwerkes”, die letzten kohlebefeuerten Dampfblöcke wurden stillgelegt.
Seit 2003 gehört das Kraftwerk dem Energiekonzern Vattenfall. Die Anlage arbeitet nun mit drei erdgasbetriebenen Gasturbinen. Für die nicht mehr benötigten Gebäudekomplexe wurde in einem Studierenden-Wettbewerb nach einer neuen Nutzung gesucht. Das preisgekrönte „Entspannwerk“ wurde nicht umgesetzt.
Im Jahr 2006 räumte man die Kohlenentladungsanlage am Spreeufer ab und unser Uferwanderweg wurde angelegt. Auch der 125 m hohe Schornstein, der bis dahin den Turm des Charlottenburger Rathauses überragte und fast 80 Jahre lang eine weithin sichtbare Landmarke dargestellt hatte, wurde abgerissen.
Das Kraftwerk hat heute eine elektrische Leistung von 215 MW sowie eine thermische Leistung von 295 MW.
Einige Gebäudeteile, darunter die Maschinenhalle von 1900, wurden jedoch nach einem Umbau von neuen Nutzern bezogen, von denen ich Ihnen nun einige vorstelle:

Station 21: Am Spreebord 5

Ich beginne mit einem Zitat aus der Projektbeschreibung:
„Auf hoher See und auf weiten Feldern gehören Windkraftanlagen inzwischen zum gewohnten Bild. Doch welches Potenzial bieten sie im Stadtgebiet? Und welche planungsrechtlichen Voraussetzungen müssen berücksichtigt werden?“
Diese Fragestellungen sind Gegenstand eines Forschungsprojekts an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, das von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und von der Europäischen Union gefördert wird. Ich zitiere weiter:
„Im Rahmen des Vorhabens werden sowohl das technische als auch das wirtschaftliche Potenzial des Einsatzes kleiner Windkraftanlagen … auf Berliner Dächern untersucht. Darüber hinaus sollen Grundlagen für eine breite Umsetzung erarbeitet werden. Dafür sollen am Beispiel Berlins im Rahmen einer Messkampagne sowohl die Strömungsverhältnisse des Windes auf exponierten Dächern als auch die technischen Randbedingungen für den Einsatz von kleinen Windkraftanlagen in bebauten Gebieten untersucht werden. Hierfür werden durch die HTW fünf Windkraftanlagen auf exponierten Dächern aufgestellt.“

Das Architekturbüro Gruber + Popp hat sich genauso hier niedergelassen wie das Atelier 8 der Landschaftsarchitekten Heinisch & Kramer.

Wir gehen weiter bis zum Rosengarten.

Station 22: Bögen im Rosengarten

Herr Fernow hat uns ja am Grillplatz an der Gaußstraße sein Farbkonzept vorgestellt, dass auch hier an den Bögen im Rosengarten realisiert werden soll.
Wollen Sie noch einmal ein paar Worte dazu sagen, Herr Fernow?

Vielen Dank!

Station 23: Am Spreebord 9 / Bildgießerei Noack

Früher war hier über uns der Kohlelagerplatz des Kraftwerks. Aber nun stehen wir unterhalb der bedeutendsten Bronzegießerei Deutschlands, der Bildgießerei Noack. Seit 1899 gibt es sie und wird in der vierten Generation von der Familie Noack geführt. Bis vor kurzem war ihre Werkstatt in Friedenau. Der Umzug nach Charlottenburg erfolgte sukzessive ab 2009. Das Neubauprojekt hat den Namen: „Wohnen und Arbeiten im Skulpturenzentrum am Spreebord“. Architekt ist Reiner Maria Löneke. Der Bau des 2. Bauabschnitts ist in vollem Gange. Geplant sind Schauräume, Galerien, Ateliers, ein Gießereimuseum und ein Restaurant. Im Moment sitzen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch in dem großen Gebäude, was mal nur noch Werkstatt sein soll. 13 m hoch ist die Montagehalle. Das Skulpturenzentrum selbst wird im Freien sein. Insgesamt sollen zwölf Millionen Euro investiert werden.
Wir haben angefragt, ob wir schon auf diesem Kiezspaziergang etwas besichtigen können. Aber es ist noch nicht so weit, vielleicht nächstes Jahr, sagte uns die Mitarbeiterin.
In der Werkstatt der Noacks in Friedenau wurden 27 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt. Die Mitarbeiteranzahl steigt aber mit den Aufträgen und man kann sich gut vorstellen, dass es in Zukunft auch mal 50 sein werden. In Friedenau standen 1500 m² zur Verfügung, hier in Charlottenburg werden es 10.000 m² sein, wenn alles fertig ist.
Das für Berlin wichtigstes Kunstwerk, was in der Bildgießerei hergestellt wird, ist der Berlinale-Bär. Er geht auf einen Entwurf der Bildhauerin Renée Sintenis zurück und ist 22 cm hoch und 2,4 kg schwer.
Berühmte Künstler und Künstlerinnen aus alle Welt haben hier ihre Werke produzieren lassen oder produzieren sie noch. Aus der klassischen Moderne sind das zum Beispiel Käthe Kollwitz, Henry Moore oder Ernst Barlach; aus der zeitgenössischen Kunst kann man aufwarten mit Joseph Beuys, Georg Baselitz, Rainer Fetting und Bernhard Heiliger. Und heute sind Künstler wie Jonathan Meese, Pawel Althamer und Anselm Reyle Kunden der Noacks.

Wir sind jetzt am offiziellen Ende des Spaziergangs angelangt. Ich verabschiede mich von allen Spaziergängern und Spaziergängerinnen, die uns nun verlassen. Es hat mir wieder viel Spaß mit Ihnen gemacht und ich freue mich schon auf das nächste Mal. Ich wünsche Ihnen einen schönen Samstag. Vielleicht lassen Sie ihn ja hier im CapRivi bei einem Bierchen ausklingen.

Wir andern gehen weiter bis zu unserem Ausgangspunkt Bahnhof Jungfernheide. Wenn wir unter der Caprivibrücke durch sind, können wir nochmal einen Blick auf die Spree-Lofts werfen, ehe wir dann zum Österreichpark kommen.

Station 24: Österreichpark

„Landschaftsplaner sehen die Spree als einen die Stadt durchquerenden Grünraum, der die Erholungsgebiete Müggelsee, Treptower Park, Tiergarten, Charlottenburger Schloßgarten und die Spandauer Uferanalagen verbindet. Ansätze zu diesem Gedanken finden sich schon bei Lenné um 1840. Die vielfach durch hohe Ufermauern, Ladestraßen und Bebauung eingepferchte Spree wurde seit 1952 an vielen Stellen begrünt – zunächst im Notstandsprogramm. In Charlottenburg legte damals das Gartenbauamt unter Joachim Kaiser flache Uferböschungen und Fußwege an der Spree an. Vor allem das Südufer war wegen des vormaligen Treidelweges hierzu geeignet. Am Nordufer entstand die Sömmeringanlage.“ Zitatende
Der Österreichpark wurde auf dem Gelände der früheren Sömmringanlage angelegt und mit Mitteln der Österreich Werbung Deutschland zu einer Parklandschaft erweitert, die auch Werbung für die Alpenrepublik machen soll. Die Anlage wird vorerst bis 2016 von den österreichischen Landestourismusorganisationen finanziert. Am 12. Mai 2013 wurde sie der Öffentlichkeit übergeben.
Der Park zieht sich rund 200 m am Nordufer der Spree entlang. Im Westen grenzt sie an einen Altarm der Spree, im Osten an die Sömmeringstraße.
Oben ist ein alpiner Steingarten aus hellen Granitbrocken aus Kärnten mit Enzian, Silberdisteln, Alpen-Astern, Glockenblumen und Zirbelkiefern. Zudem gibt es ein Beet mit rotem Klee und weißen Margeriten, den Nationalfarben Österreichs. Eine neue Allee besteht aus steirischen Apfelzierbäumen. Im ganzen Park sind Almbänke aus dem Salzburger Land verteilt und die sogenannte Donauliege. Vor dem Spielplatz steht ein Fernrohr, durch das man die Tiroler Alpen sehen kann. Wie schön, dass es Kunst gibt! Endlich haben wir die Alpen auch in Berlin.

Station 25: Schlossbrücke

Das von Königin Sophie-Charlotte gebaute Schloss war anfangs von Berliner aus nur mittels einer Fähre über die Spree erreichbar. So wurde der hier im Bogen verlaufende Fluss 1709 mit einer hölzernen Brücke überbaut. Bald musste diese Konstruktion für Verkehrszwecke umgebaut werden und erhielt im mittleren Bereich Klappen für die Schiffspassagen. Diese Brücke war unter dem Namen Berlinische Brücke geläufig. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie durch eine verstärkte Holzbrücke ersetzt, die sich an dem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel für die in Berlin geplante Schlossbrücke orientierte. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die Industrialisierung ein und mit ihr die Zuwanderung von vielen Menschen aus anderen Provinzen, die in Berlin in den neuen Fabriken Arbeit suchten. Eine neue massive Steinbrücke wurde geplant, aber erst zur Jahrhundertwende tatsächlich gebaut. Die Brücke hatte ein einbogiges oben liegendes Stabbogen-Tragwerk. Sie war 58 m lang und ungefähr 22 m breit und damit war genug Platz, dass auch die Straßenbahn über sie fahren konnte. Die Skulpturen stammten von Max Dennert. Die Brücke wurde 1901 eingeweiht und heißt seitdem Schloßbrücke. Die heutige Konstruktion ist ein Bauwerk aus den Jahren 1926 bis 1928. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Brücke gesprengt und stürzte in die Spree. 1946 wurde sie gehoben und bis 1949 wieder aufgebaut.

Station 26: Bonhoefferufer

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Er studierte Theologie und wurde Jugendreferent in der Vorgängerorganisation des Ökumenischen Rates der Kirchen. Ab April 1933 nahm er öffentlich Stellung gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung und engagierte sich im Kirchenkampf gegen die Deutschen Christen und den Arierparagraphen. Ab 1935 leitete er das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde bei Stettin, das, später illegal, bis 1940 bestand. Bei einer Reise in die USA bot sein Gastgeber ihm einen Lehrstuhl an. Er lehnte ihn ab, da er seine Rolle im Widerstand in Deutschland sah. Die zugespitzte Lage in Europa ließ in seinen Augen keinen Rückzug von der Welt zu. Diese für Bonhoeffer selbst äußerst schwierige Entscheidung war von größter Bedeutung und Folgenschwere für sein weiteres Denken und Leben. In Deutschland gehörte er zur Widerstandsbewegung um den Admiral Canaris. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und zwei Jahre später auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, hingerichtet.

Station 27: Belvedere

An der anderen Seite der Spree sehen wir hinter den Bäumen das Belvedere. Das Teeschlösschen wurde 1788 von Carl Gotthard Langhans im Übergang vom Barock zum Klassizismus gebaut. Auf der Kuppel stehen drei vergoldete Knaben, die einen Blumenkorb auf ihren Köpfen halten. Sie stammen von Karl Bobek (1925–1992) in freier Wiederholung der ursprünglichen Gruppe von Johann Eckstein (1735–1817). Der Hof nutzte den Pavillon auch als Aussichtsturm.
Auftraggeber des Belvedere, das ursprünglich auf einer Insel stand, war König Friedrich Wilhelm II. Dort fanden persönliche Kammerkonzerte für den König statt.
Nach erheblichen Zerstörungen bei den Bombenangriffen auf Charlottenburg 1943 wurde das Belvedere von 1956 bis 1960 nach alten Stichen wieder aufgebaut. Das Innere der drei übereinander liegenden Säle wurde jedoch nicht wieder dem Originalzustand entsprechend rekonstruiert. Heute werden im Belvedere Meisterwerke aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) gezeigt.

Station 28: S Bahnhof Jungfernheide