157. Kiezspaziergang am 10.01.2015

Vom Ernst-Reuter-Platz zur Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Bildvergrößerung: Kartenskizze zum 157. Kiezspaziergang
Kartenskizze zum 157. Kiezspaziergang Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Treffpunkt: am U-Bahnausgang Ernst-Reuter-Platz zwischen Hardenbergstraße und Straße des 17. Juni, Länge ca. 1,1 km

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Ernst-Reuter-Platz, 10.01.2015 Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen zu unserem 157. Kiezspaziergang, der erste, den nicht mehr Herr Metzger konzipiert hat, sondern Frau Lübcke, die ich Ihnen hiermit vorstelle. Wir gehen vom Ernst-Reuter-Platz über die Hertzallee zuerst zur Volkswagen-Universitätsbibliothek und beschließen dann unseren Spaziergang in der Bahnhofsmission, wo Herr Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, uns mit Kaffee und Plätzchen begrüßen wird.

Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen. Es ist wie immer der zweite Samstag im Monat, also der 14. Februar 2015, um 14 Uhr. Wir treffen uns am U-Bahnhof Kurfürstendamm vor dem Marmorhaus, Kurfürstendamm 236, das ist der südliche Ausgang in Richtung Gedächtniskirche. Anlässlich der Berlinale wird mein Bezirksamtskollege Carsten Engelmann Ihnen einige wichtige Kinos in der Gegend um die Gedächtniskirche vorstellen.

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Martin Schwacke, 10.01.2015 Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Station 1: Fakultätsgebäude für Bergbau und Hüttenwesen / Hertzallee
Nun aber zu unserem heutigen Thema. Wie Sie vielleicht wissen, wurde zur Öffnung der Hertzallee von der Fasanenstraße aus und zu ihrer Anbindung an den Ernst-Reuter-Platz ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben. Wir freuen uns sehr, dass Martin Schwacke, Leiter der Abteilung Gebäude- und Dienstemanagement der TU Berlin, uns über das Gelände führen und uns die Ziele und Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs erläutern wird.
Am Ende der Hertzallee befindet sich das Volkswagen-Haus mit den beiden Universitätsbibliotheken für die Technische Universität und die Universität der Künste. Dort wird uns der Direktor der Universitätsbibliothek der TU, Jürgen Christof, der hier auch schon anwesend ist, die Bibliotheken vorstellen. Herzlich willkommen in unserer Runde.
Bevor wir aber in die Hertzallee hineingehen, wird Herr Schwacke uns noch einen Blick in das Gebäude vor uns, das Fakultätsgebäude für Bergbau und Hüttenwesen, ermöglichen. Dieses Gebäude wurde 1955/59 gebaut und von dem Architekten Willy Kreuer entworfen. Aber nun möchte ich das Wort an Herrn Schwacke übergeben, der uns sicher noch mehr dazu sagen kann.

Im Juni 2002 wurde bekannt gegeben, dass das Fakultätsgebäude abgerissen werden soll. Durch die großen Proteste in der Fachöffentlichkeit konnte dies verhindert werden. Das Gebäude ist, wie Sie sehen, inzwischen zum großen Teil saniert. Es fehlt noch das Erdgeschoss zum Ernst-Reuter-Platz hin, wie Sie hier auf dem Modellfoto sehen, soll dieses aufgebrochen und verglast werden, der Zugang direkt zum Ernst-Reuter-Platz soll geöffnet werden. Das Start-up- und Existenzgründerzentrum wird hier einen prominenten Standort erhalten. Daneben ist ein Café geplant, das nicht nur die Blickachse vom Ernst-Reuter-Platz in die Hertzallee öffnen wird, sondern durch die Terrasse, ausgerichtet nach Süden in die Hertzallee hinein, auch ein Ort der Ruhe werden wird.
Ursprünglich war die Hertzallee der Reitweg des Kaisers, der den Zoo über das Knie mit dem Schloss Charlottenburg verband. Diese Verbindung ist heute durch das Fakultätsgebäude nicht mehr sichtbar, wird aber durch die Einrichtung des Cafés wieder geöffnet werden. Für die Universität ist es wichtig, die Herztallee wieder zur Stadt zu öffnen und den Studierenden einen Raum zum Verweilen zu bieten. Die Umgestaltung der Hertzallee wird dieses Jahr beginnen. Es wird der preisgekrönte Entwurf des Büros Lavaland / Treibhaus Berlin umgesetzt werden.

Herr Schwacke, vielen Dank, für die sehr interessanten Ausführungen zu einem wichtigen Entwicklungsgebiet für die City West.

Bildvergrößerung: Volkswagen-Haus, gemeinsame Zentralbibliothek der TU und UdK, 10.01.2015
Volkswagen-Haus, gemeinsame Zentralbibliothek der TU und UdK, 10.01.2015 Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Station 2: Volkswagen-Haus
Nun wenden wir uns dem Gebäude gegenüber zu, dem vor zehn Jahren eröffneten Volkswagen-Haus, in dem die Zentralbibliothek der Technischen Universität gemeinsam mit der Bibliothek der Universität der Künste untergebracht ist. Interessant ist, dass die Bezirksgrenze direkt mitten durch das Gebäude geht. Die Bibliothek ist die östliche Begrenzung des Campus Charlottenburg. Die Volkswagen AG sponserte den Bau mit € 5 Mio.(10% der Baukosten) und wurde dadurch Namensgeberin des Gebäudes. Ich möchte aber nicht alles vorwegnehmen. Wir begeben uns nun alle hinein und freuen uns auf die Ausführungen von Jürgen Cristof.

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Jürgen Christof, 10.01.2015 Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Pläne für ein eigenes Bibliotheksgebäude der TU Berlin gab es schon im 19. Jahrhundert. Mitte der 1980er Jahre wurde ein städtebaulicher Wettbewerb für einen neues Gebäude ausgeschrieben, den der Braunschweiger Architekt Jeromin gewann. Durch den Fall der Mauer wurde das Projekt verschoben und konnte erst um die Jahrtausendwende wieder aufgegriffen werden. Inzwischen war viel Zeit vergangen und die Planung musste neu angepasst werden. Damit wurde der Berliner Architekt Walter Arno Noebel beauftragt. Das zentrale Gliederungselement im Innern der Bibliothek sind die drei Lichthöfe. Alle fünf Geschosse sind von Galerien gesäumt. Von einer der Galerien aus gesehen kann man sich die einzelnen Geschosse als Regale vorstellen. Die Innenhöfe sind auch ein Sinnbild für die Gemeinsamkeit der beiden Bibliotheken, in denen man sich treffen und austauschen kann. Die Universität der Künste nutzt etwa 20% des Gebäudes, der Rest entfällt auf die Technische Universität. Der Etat der TU Berlin beträgt 2,8 Millionen Euro, die Hälfte davon wird für digitale Medien aufgebracht. Die gesamte Bibliothek ist öffentlich zugänglich.
Vielen Dank für den interessanten Vortrag zu der Architektur und der Bibliothek als Wissensspeicher und Informationszentrum. Wir verabschieden uns jetzt von unseren Gastgebern und wenden uns am Ende der Hertzallee einer Institution zu, wo sich das andere, das arme Berlin einfindet.

Bildvergrößerung: BVG-Busparkplatz, 10.01.2015
BVG-Busparkplatz, 10.01.2015 Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Station 3: BVG-Parkplatz / Bezirksgrenze
Dieser Busparkplatz der BVG liegt bereits im Bezirk Mitte und wird jeden Tag von 1369 Bussen angefahren.

Bildvergrößerung: in der Bahnhofsmission mit dem Leiter Herrn Puhl, 10.01.2015
in der Bahnhofsmission mit dem Leiter Herrn Puhl, 10.01.2015 Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Station 4: Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo
Ich begrüße ganz herzlich Herrn Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, der uns hier so herzlich willkommen heißt. Bevor ich ihm aber das Wort übergebe, lassen Sie mich ein paar Worte zur Bahnhofsmission sagen.
Der evangelischen Pfarrer Johannes Burckhardt gründete 1894 in Berlin die erste Bahnhofsmission. Sie war ursprünglich für Frauen gedacht, die in der Zeit der industriellen Revolution auf Arbeitsuche vom Land in die Stadt zogen. Dabei gerieten viele Mädchen und junge Frauen an unseriöse Arbeitsvermittler, die sie in die Prostitution zwangen, wie Sie sehen, kein ganz neues Thema.

Später wurden die Hilfsangebote allgemeiner und auf alle Reisenden ausgeweitet. Die Bahnhofsmission versorgte nun Menschen, die in Not geraten waren, z.B. bei Verlust oder Raub von Geld, Koffern. Dabei ging und geht es auch um ganz praktische Fragen, wie die Besorgung von Zahnbürsten und Unterwäsche oder Hilfe bei der Wiederbeschaffung von Papieren. Aber Menschen wird auch beim Umsteigen geholfen und gestrandete Reisende finden hier ein Bett. In diesem Raum hier hinten gibt es neun Notbetten für Bahnreisende.

In Deutschland gibt es mittlerweile 107 Bahnhofsmissionen, in Berlin jeweils eine an den drei großen Bahnhöfen: Ostbahnhof, Hauptbahnhof und eben hier. Nur am Zoo ist die Bahnhofsmission 24 Stunden offen.
Hier werden auch Wohnungslose und arme Bürger und Bürgerinnen versorgt, so kommen ab 6 Uhr morgens 600 Menschen hierher und holen sich ihr Frühstück ab. Es gibt inzwischen eine ärztliche Ambulanz für die Wohnungslosen und Streetworker, die sich um die Obdachlosen kümmern, die nicht mehr in der Lage sind, selbständig hierher zu kommen.

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann in der Bahnhofsmission, 10.01.2015
Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann in der Bahnhofsmission, 10.01.2015 Bild: BA Chbg-Wdf, ML

Die Arbeit der Bahnhofsmission wird jährlich von 400 Ehrenamtlichen unterstützt, davon sind 120 Praktikanten und Praktikantinnen. Auch finanziell tragen die Berliner und Berlinerinnen mit ihren Spenden zur Linderung der Not bei. Die elf hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales bezahlt, die gesamten Infrastrukturkosten, also Räume, Heizung, Strom und Instandhaltung von der Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn wird nächsten Dienstag als Dank einen Neujahrsempfang für die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen geben, zu dem der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube persönlich einlädt. Aber es gibt viele weitere Kooperationspartner der Bahnhofsmission.
So finden hier ab und zu auch Fraktionssitzungen statt, und zwar haben alle derzeit in der Bezirksverordnetenversammlung vertretenen Parteien hier bereits getagt.

Und heute Abend um 18 Uhr wird der rbb ein besonderes Schmankerl zeigen. In dem Doppelportrait: „Hummer oder Wurstbrot“, haben Dieter Puhl und der Direktor des Waldorf-Astoria Hotels Gregor Andréewitch ihre Arbeitsplätze getauscht. Wer also weiter in das Thema eintauchen möchte, kann heute Abend den Fernseher einschalten.