154. Kiezspaziergang am 11.10.2014

Vom S-Bahnhof Olympiastadion zum Friedhof Heerstraße

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Start mit Marc Schulte, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Bezirksstadtrat Marc Schulte
Treffpunkt: Vor dem S-Bahnhof Olympiastadion an der Flatowstaße
ca. 2 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 154. Kiezspaziergang. Da Bezirksbürgermeister Naumann den heutigen Termin nicht wahrnehmen kann, vertrete ich ihn gerne, um so mehr als wir heute mit dem Kiezspaziergang die Feier eines Jubiläums verbinden können. Der Friedhof Heerstraße, der heute im Mittelpunkt stehen wird, ist nämlich gerade 90 Jahre alt.
Mein Name ist Marc Schulte, und ich bin Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Ordnungsangelegenheiten. Zur Stadtentwicklung gehören mit dem Fachbereich Grünflächen auch die städtischen Friedhöfe. Deshalb bin ich auch unmittelbar zuständig für den Friedhof Heerstraße und habe den heutigen Kiezspaziergang angeregt.
Wir werden über die Trakehner Alleee direkt zum Haupteingang des Friedhofs gehen, der mit dem Sausuhlensee, der Kapelle und vielen prominenten Gräbern nicht nur landschaftlich besonders schön, sondern auch historisch besonders interessant ist.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den nächsten Treffpunkt für den 155. Kiezspaziergang mitteilen. Es ist wie immer der zweite Samstag des Monats, also der 8. November, um 14.00 Uhr. Dann wird Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann wieder die Leitung übernehmen. Start ist auf dem Sophie-Charlotte-Platz am gleichnamigen U-Bahn-Ausgang.
Am Samstag vor dem 9. November wird natürlich das große Jubiläum 25 Jahre Mauerfall im Mittelpunkt stehen. Deshalb geht es zum Fernsehzentrum des RBB, wo unter anderem eine Ausstellung zum Jubiläum zu sehen ist.
Und es wird auch die Gelegenheit geben, mit Journalisten über ihre Erinnerungen an den 9. November 1989 ins Gespräch zu kommen.
Aber wie in jedem Jahr ist der 9. November für uns auch mit der Erinnerung an die Pogromnacht des 9. November 1938 verbunden. Deshalb wird es auf dem Weg vom Sophie-Charlotte-Platz zum RBB am Theodor-Heuss-Platz an einigen Stationen auch an dieses Datum zu erinnern sein.

S-Bahnhof Olympiastadion
Der S-Bahnhof Olympiastadion wurde 1909 von Schwarz und Dörgé als Teil der ehemaligen Vorortbahn nach Spandau gebaut, 1936 wurde er für den Ansturm zu den Olympischen Spielen umgebaut. Von 1961 bis 1998 war die S-Bahn hier außer Betrieb.

Olympiastadion
Die Geschichte des Olympiastadions beginnt 1909. Damals wurde hier eine Galopp- und Hindernisrennbahn eröffnet und gleichzeitig ein Sportstadion für die Olympischen Spiele im Jahr 1916 geplant. Dieses wurde von Otto March erbaut und als “Deutsches Stadion” 1913 zum 25jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelms II eingeweiht. Seiner Bestimmung konnte es allerdings nicht dienen, denn die Olympischen Spiele von 1916 wurden wegen des Ersten Weltkrieges abgesagt. Als Berlin 1931, also noch während der Zeit der Weimarer Republik, erneut den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele erhielt, diesmal für das Jahr 1936, wurde der Sohn von Otto March, Werner March beauftragt, das “Deutsche Stadion” zu überarbeiten.
Er baute bis 1936 zum Teil nach genauen Anweisungen von Adolf Hitler das neue Olympiastadion.
1974 wurde es teilweise überdacht. Von 2000 bis 2004 wurde das Stadion schließlich für 242 Mio EUR mit starker finanzieller Beteiligung des Bundes grundlegend renoviert und modernisiert. Alle 76.000 Zuschauerplätze wurden überdacht.

Landessportbund Berlin
Unmittelbar am Olympiastadion hat der Landessportbund Berlin seinen Sitz mit der Adresse Jesse-Owens-Allee 2. Er wurde 1949 als Sportverband Groß-Berlin gegründet und ist ein freier und unabhängiger Zusammenschluss von Sportfachverbänden, den Unterorganisationen des Amateursports, sowie der bezirklichen Sportarbeitsgemeinschaften. Er ist Mitglied im Deutschen Sportbund. Seine Jugendorganisation ist die Sportjugend Berlin.
Der Landessportbund koordiniert sämtliche Aktivitäten im Freizeit-, Breiten- und Leistungssport und bietet eine eigene Ausbildung an der LSB-Sportschule an.

Flatowallee
Die Flatowallee wurde am 21. Februar 1997 benannt nach den beiden jüdischen Turnern Alfred und Gustav Flatow. Die Straße hieß von 1914 bis 1936 Rennbahnstraße und von 1936 bis 1997 Reichssportfeldstraße. Seit den 1980er Jahren wurde über eine Umbenennung des von den Nationalsozialisten gewählten Namens diskutiert. Nachdem die Umbenennung dann 1995 angeordnet wurde, gab es Anwohnerproteste und Klagen, so dass es schließlich noch einmal 21 Monate dauerte, bis die Straße tatsächlich neu benannt werden konnte.
Alfred Flatow wurde 1869 in Danzig geboren. Er kam 1887 nach Berlin und errang mit der deutschen Turnerriege bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen 1896 Gold am Barren und Reck und im Einzelturnen Gold am Barren und Silber am Reck. In Berlin hatte er einen kleinen Fahrradladen und lebte zurückgezogen in Schöneberg, später in Kreuzberg.
1936 war er noch Ehrengast der Olympischen Spiele hier im Olympiastadion. Danach wurde er als Jude mehr und mehr diskriminiert, 1942 von den Nazis zum “Reichsfeind” erklärt und am 30. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er im Alter von 73 Jahren den Hungertod starb.
Gustav Felix Flatow wurde 1875 in Berent geboren, kam 1892 nach Berlin und nahm gemeinsam mit seinem Cousin Alfred Flatow ebenfalls an den Olympischen Spielen 1896 in Athen teil. Bei den Spielen in Paris im Jahr 1900 blieb er erfolglos, zog sich vom Sport zurück und führte seine 1899 gegründete Textilfirma. 1933 emigrierte er nach Holland, wurde dort an Silvester 1943 verhaftet und im Februar 1944 in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort fanden ihn Mithäftlinge am 29. Januar 1945 verhungert und erfroren vor einer Baracke.
Wir gehen jetzt durch die Flatowallee und die Trakehner Allee direkt zum Friedhof Heerstraße.

Trakehner Allee
Die Trakehner Allee wurde 1923 nach der ostpreußischen Stadt Trakehnen in der Nähe von Königsberg benannt, heute heißt sie Jasnaja Poljana und liegt im russischen Gebiet Kaliningrad. Bekannt wurde Trakehnen natürlich vor allem durch sein Gestüt, aus dem die edlen Reitpferde stammen, die uns als Trakehner bekannt sind.

Friedhof Heerstraße
Ich freue mich, dass wir für den Rundgang durch den Friedhof Heerstraße kompetente fachmännische und fachfrauliche Begleitung haben werden, und ich begrüße herzlich:
Birgit Jochens, die ehemalige Leiterin des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf,
Herrn Holtz, Heimatforscher und Autor,
Herrn Dr. Simon, Historiker und Verleger,
Herr Sommeregger, Vorsitzender der Frieda Leider Gesellschaft,
und Helmut Krauß, den engagierten und kenntnisreichen Leiter des Friedhofes.
Sie werden Ihnen im Anschluss an unseren Rundgang fünf Führungen in kleineren Gruppen zu speziellen Themen anbieten. Dazu nachher mehr.

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Friedhofsplan Bild: Bezirksamt

Bevor wir unseren Rundgang durch den 90 Jahre alten Teil des Friedhofs beginnen, möchte ich Ihnen am Übersichtsplan die Friedhofsanlage zeigen. Mit dem Sausuhlensee befindet sich in der Mitte eine natürliche Trennung zwischen dem “alten” und dem neuen Teil des Friedhofes. Der Name kommt nicht von Ungefähr. Der ursprüngliche Ausläufer des Grunewaldes wurde früher von den Wildschweinen genutzt, und auch heute noch würden sie dem Friedhof bei einer offen stehenden Tür nur allzu gerne einen Besuch abstatten. Sie finden hier mit den von den Gärtnern versteckten Blumenzwiebeln Leckerbissen besonderer Art.
Der Friedhof Heerstraße wurde 1921-24 mit großer Wahrscheinlichkeit vom Charlottenburger Gartenbaudirektor und späteren Stadtgartendirektor von Groß-Berlin, Erwin Barth, mit terrassenförmig gruppierten Grabreihen als interkonfessioneller Friedhof angelegt.
Er wurde sehr aufwändig mit Treppen, Mauern, schmalen Wegen in Hanglage gestaltet und stellt auch heute noch große Herausforderungen an die hier tätigen Mitarbeiter und die Gewerbetreibenden. Die erste Frage der Sargträger ist: “wo liegt die Grabstelle?” Seinen Namen verdankt der Friedhof dem Umstand, dass er ursprünglich für den 1914 gebildeten Gutsbezirk Heerstraße, der zur Villenkolonie Westend entwickelt werden sollte, gedacht war. Bis 1950 war er im Besitz des staatlichen Forstfiskus.

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Helmut Krauß und Marc Schulte am Friedhofseingang, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Es gibt zahlreiche Grabstätten von berühmten Künstlern, Ärzten, Schauspielern oder Architekten, die oft auch im Umfeld wohnten. Beispielhaft seien genannt: Leo Blech, Ferdinand Bruckner, der Schauspieler Horst Buchholz, die Familie Cassirer und Tilla Durieux, Theodor Däubler, Curt Goetz, George Grosz, Wolfgang Gruner, Käte Haack, Maximilian Harden, Felix Holländer, Arno Holz, Willi Kollo, Viktor de Kowa, Eduard und Evelyn Künneke,
die Vorkämpferin der Frauenbewegung Helene Lange, Loriot, Klaus-Günther Neumann, der Autor eines Titanic-Romans Josef Pelz von Felinau, Willibald Pschyrembel, Joachim Ringelnatz, Willi Rose, Willy Schaeffers, Hannelore Schroth, die Familie Franz Ullstein, Paul Wegener und Grete Weiser.
Die Grabstätte von Benjamine und Georg Kolbe ist mit Stelen geschmückt, die nach Entwürfen von Georg Kolbe geschaffen wurden. Kolbe hat sich die Stelle so ausgesucht, dass er vom Obergeschoß seines Hauses das Grab seiner Frau sehen konnte. Bemerkenswert ist auch das Familiengrab Seidler mit einer der seltenen modernen Plastiken auf Berliner Friedhöfen, einer abstrakten aufwärtsstrebenden Skulptur von Volkmar Haase mit dem treffenden Titel: “Das mahnende Zeichen”.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dringend weitere Bestattungsflächen benötigt, daher wurde der sogenannte neue Teil östlich des Sees erschlossen.
Er wurde weniger aufwändig angelegt und ist mit den integrierten Grunewaldbäumen eigentlich der typische Waldfriedhof. Man hat dort weitestgehend auf Treppen und Mauern verzichtet .Diese Erweiterungsfläche geht allerdings schon aus der UR-Planung der 1920-er Jahre hervor. Es sollte ursprünglich gegenüber der Kapelle ein Krematorium gebaut werden und beide mit einer Brücke über den See verbunden werden. Die Pläne sind im Architekturmuseum der TU Berlin vorhanden.
Wir gehen nun eine Treppe nach unten und machen Halt unterhalb des Verwaltungsgebäudes.

Unterhalb des Verwaltungsgebäudes
Wir begeben uns nun zur Urnengemeinschaftsabteilung, vorbei an zwei älteren Grabmalen der Familien Saling und Suin de Boutemard, dem ersten Pfarrer der Charlottenburger Friedensgemeinde. Sie gehören zu den ältesten Grabsteinen auf diesem Friedhof.

Pelz von Felinau
Dann gehen wir nach rechts, zur Stelle Pelz von Felinau, (EG) Schriftsteller und Regisseur, dessen markante Stimme noch heute so manchem Berliner im Ohr ist. Er war Drehbuchautor, Kabarettist, Schauspieler, Rundfunksprecher und Regisseur. Etwa 1915 schrieb er ein umfangreiches Gedicht mit dem Titel „Der Untergang der Titanic“. Im Vorwort des Heftes gab er an, an Bord der „Carpathia“, dem Rettungsschiff der „Titanic“-Überlebenden, gewesen zu sein.
Diese Behauptung des damals ca. 20-Jährigen, die wahrscheinlich nur dazu diente, sein Buch interessanter zu machen, verfolgte ihn den Rest seines Lebens. Später war ihm das sehr peinlich. 1922 war die Übersiedlung des gebürtigen Österreichers nach Berlin. Hier trat er in Kabaretts auch mit Kurt Tucholsky und Erich Kästner auf, und hatte sein erstes Hörspiel im Februar 1925. Ab 1930 schuf er ganze Hörspielserien über berühmte Musiker. 1936 schrieb er sein Buch „Titanic“. Die Tragödie eines Ozeanriesen. Der Roman wurde in verschiedene Sprachen übersetzt.

Volkmar Haase
Wir gehen dann am Grab von Volkmar Haase vorbei, einem bedeutenden Bildhauer und Maler. Haase begann 1951 ein Malerei-Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Seit 1958 war er freischaffender Bildhauer in Berlin, von 1965 bis 2012 mit eigenem Atelier in Berlin-Kladow.
Seit 2003 lebte und arbeitete er auf einem kleinen Gutshof in Brüssow in der Uckermark. Dort sind eine Vielzahl seiner Werke ausgestellt. Seine abstrakten Skulpturen – überwiegend aus Edelstahl – sind meist für den öffentlichen Raum konzipiert. Man kann seine Skulpturen in vielen Städten sehen, alleine an Berliner Straßen und in Berliner Parks finden sich mindestens 40 zum Teil sehr voluminöse Skulpturen. In Charlottenburg-Wilmersdorf begegnen Sie ihm seit 1964 mit einer Freiplastik vor der Freien Volksbühne in der Schaperstraße und seither mit vielen weiteren Skulpturen, unter anderem im Lietzenseepark. Sein eigenes Grabmal hat er bereits vor seinem Tod selbst aufgestellt.

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Anonymes Grabfeld, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Anonym
Die Problematik des hohen Anteils von anonymen Bestattungen in Berlin kennen Sie sicherlich aus dem eigenen Umfeld. Vielen ist die Vorstellung eines ungepflegten Grabes unangenehm. Etwa 40 Prozent der Urnen werden heute in Berlin in einem Urnengemeinschaftsgrab bestattet. Kein Name verweist mehr auf die dort Liegenden. Inzwischen bekommen allerdings auch Alternativen wie Baumbestattungen, Ruhegemeinschaften auf gärtnerisch gepflegten Stellen mit einer Namensanbringung oder auch Gemeinschaftsgräber, zum Beispiel von Kirchengemeinden, eine zunehmende Bedeutung.
Dieser Friedhof bietet Ruhegemeinschaftsgräber für Urnen über die Friedhofstreuhand und in der Gemeinschaftsgrabanlage des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch Erdbestattungen an. Baumbestattungen gibt es seit diesem Jahr auf unserem Friedhof in Ruhleben.
An dieser Stelle möchten wir beispielhaft auch an zwei Prominente erinnern.

Ajit Gupta
Hier liegt Ajit Gupta, ein indischen Maler, der 1958 nach Europa gekommen ist und seit 1967 bis zu seinem Tode 2001 in Berlin lebte. Viele Elemente mischen sich in seinen Bildern: Stille und Bewegung, Zartheit und Kraft, Wissen und Fühlen, Liebe und Verletzung, Kampf und Kontemplation. Es lassen sich die Reichtümer zweier Kulturen erkennen: der indischen, in der Ajit Guptas Wurzeln lagen und der abendländischen, die später seinen neuen Lebensraum prägten. Von hohem Reiz in seinen Bildern ist die “Waschtechnik”, die der Maler sich erarbeitet hat, um seinen Imaginationen Dauer im Bild zu geben.

Nicola Greiff
Erwähnen möchte ich noch Nicola Greiff, eine Radiomoderatorin bei ARD und SFB. Von 1952 bis 1968 war ihre große Zeit als Moderatorin des ARD-Radio-Nachtprogramms “Musik bis zum frühen Morgen”. Nach einem Ausflug in die Politik, sie war 1975-1981 für die CDU im Abgeordnetenhaus, moderierte sie für den Rias und NDR.
Wir gehen nun bis zur nächsten Weggabelung.

Gabelung: Guido Seeber
Am Grabstein des Ihnen sicherlich unbekannten, aber vielen Filmschaffenden heute noch geläufigen Guido Seeber, einem bekannter Kameramann und Filmpionier, nach dem eine Studiohalle in Babelsberg benannt ist und eine Staße in Potsdam erinnert machen wir kurz Halt. Er zog 1907 mit einem Wanderkino durch Europa, drehte 1909 seine ersten Filme und war wegen seiner Kamera- und Aufnahmetechnik einer der gefragtesten Kameramänner der Stummfilmzeit. Sein Stein steht zur Erinnerung hier an dieser Stelle, er stand ursprünglich seit seinem Tod 1940 ein paar Meter rechts wo heute Dietrich Fischer Dieskau, (EG)der berühmte Sänger und Maler und Ehrenbürger von Berlin liegt. Seine Ehefrau Julia Varady, ebenfalls eine große Musikerin, hat für den Erhalt des Seebersteines gesorgt.

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Grabstelle von Dietrich Fischer-Dieskau, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Dieterich Fischer-Dieskau
Der Bariton Dietrich Fischer-Dieskau – er wurde 1925 in Berlin geboren und starb 2012 in Berg – gilt als einer der bedeutendsten Lied- und Opernsänger des 20. Jahrhunderts. Mit über 400 Schallplatten ist er der Sänger, von dessen Interpretationen die meisten Einspielungen auf Tonträgern überhaupt existieren dürften.
Sein Repertoire umfasste etwa dreitausend Lieder von etwa hundert verschiedenen Komponisten.

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Mahnendes Zeichen, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Vadim Glowna
Wir gehen dann weiter, vorbei am schon erwähnten “mahnenden Zeichen”, einem Grabmal aus Edelstahl des Bildhauers V. Haase auf der Grabstelle der Familie Seidler und kommen zur Stelle von Vadim Glowna. Er wurde 1941 in Eutin in Schleswig-Holstein geboren und starb 2012 in Berlin. Er war Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. Ab Mitte der 1960er Jahre wirkte Glowna in über 160 Kino- und Fernsehfilmen mit, unter anderem mit Romy Schneider und Claude Chabrol. 1980 gründete er mit seiner damaligen Frau Vera Tschechowa, mit der er von 1967 bis 1991 verheiratet war, die Produktionsfirma Atossa-Film. Er adoptierte Tschechowas Sohn, den späteren Filmkomponisten Nikolaus Glowna, der übrigens eigens für seine Trauerfeier ein Stück komponierte. Im September 2006 veröffentlichte der Ullstein Verlag unter dem Titel “Der Geschichtenerzähler – Erinnerungen” Glownas Memoiren. Vadim Glowna starb am 24. Januar 2012 in einem Berliner Krankenhaus nach kurzer, schwerer Krankheit an Diabetes.

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Grabstelle von Franz Ullstein, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Franz Ullstein
Jetzt kommen wir zum wohl markantesten Grabensemble auf diesem Friedhof, der Stelle von Franz Ullstein, einem der Söhne des Verlagsgründers Leopold Ullstein und späteren Vorstandsvorsitzendem der Ullstein-AG. Er war im Verlag zuständig für die Tageszeitungen. Das Grabmal entstand 1928 für seine verstorbene Frau und ist eine Schöpfung von Ernst Lessing, Max Bremer und Joseph Thorak. Das nackte Paar auf einer Grabstelle war für die damalige Zeit sehr außergewöhnlich. Ullstein ist 1938 in die USA emigriert, wo er auch im November1945 verstarb.

Treppe mit Ausblick ins Rundteil
Von hier hat man einen sehr schönen Blick in eine der markantesten Abteilungen des Friedhofes. Sie war ursprünglich einmal kreisrund angelegt wie auf einer alte Luftbildaufnahme aus dem Jahre 1928 auch zu sehen ist. In der Mitte trafen 6 Hauptwege zusammen. Der Gartenarchitekt Heinrich Wiepking, der bei der Anlage des Reichssportfeldes federführend war, hat vermutlich auch die Umgestaltung des Friedhofs betrieben, so dass heute wenig von der ursprünglichen Planung und Anlage übriggeblieben ist.

Jo Herbst
Wir gehen vorbei am Grab des Kabarettisten und Schauspielers Jo Herbst, der von 1950 bis 1964 dem Berliner Kabarett “Die Stachelschweine” angehörte. Er war aber auch gefragter Charakterdarsteller auf der Bühne, im Film und Fernsehen.

Hans Pels-Leusden
Danach kommen wir zur Stelle des Malers, Kunsthändlers und Mäzen Hans Pels-Leusden, der 1932 im Alter von 24 seine erste Einzelausstellung in Berlin hatte. Nach dem Krieg gründete er 1950 am Olivaer Platz eine Buchhandlung samt Antiquariat, rasch wurde die Adresse zum Treffpunkt für Künstler. Nicht lange, und dem Buchladen wurde eine Galerie angegliedert, die Besucher sahen kurz nach dem Krieg Werke, die in der Nazizeit verfemt waren, so von Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, George Grosz und Heinrich Zille. Später kamen in unvergesslichen Ausstellungen Bilder der expressionistischen Künstlergruppen “Brücke” und “Blauer Reiter” sowie Gemälde und Grafiken der Berliner Impressionisten Max Liebermann, Lesser Ury und Lovis Corinth hinzu. Seit 1986 hat die Galerie ihren Sitz in der restaurierten denkmalgeschützten Villa Grisebach, der Ausstellungsbetrieb läuft parallel zur Arbeit des namhaften, von Bernd Schultz geleiteten Auktionshauses.
Im Nachbargebäude gründete Pels-Leusden ebenfalls 1986 das Käthe-Kollwitz-Museum: 170 Zeichnungen, Grafiken sowie plastische Werke der von ihm hoch geschätzten Künstlerin übereignete der Galerist damals dem heute für Berlin wichtigen Museum.
An der nächsten Weggabelung machen wir einen Halt.

Gabelung: Bubi Scholz
Links, hinter der Pflanzung befindet sich das Grab von Bubi Scholz, dem Berliner Boxer, der sich aus bescheidenen Verhältnissen zum Profi-Boxer und zum populärsten Boxer Deutschlands der 1950er und 1960er Jahre entwickelte. Er wurde 2010 vom Waldfriedhof Zehlendorf umgebettet.

Gerhard Mensch
Das nächste Grab ist die Stelle von Gerhard Mensch, einem bedeutenden Bauingenieur der bekannt ist durch seine markanten Eisen- und Stahlkonstruktionen, wie die Straßenbahn- und Betriebshöfe Müllerstraße, Gradestraße und Königin-Elisabeth-Straße, das Shell-Haus und unter anderem seine Beteiligung beim Bau der historischen Ampel v. Potsdamer Platz.

Maria Gräfin von Maltzan
Danach geht es nach rechts wo wir am unscheinbaren Grab von Maria Gräfin von Maltzan, einer Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime vorbeikommen. Sie hat bedrohten jüdischen Bürgern bei der Flucht geholfen, ihnen Unterschlupf gewährt und auch sowjetische Kinder bei sich aufgenommen. Sie wurde 1989 mit dem Verdienstorden des Landes ausgezeichnet.

Willi Kollo
Ihr folgt das Grab von Willi Kollo. Er war Komponist und Dirigent, hat mit seinem Vater Walter Kollo zusammengearbeitet und textete in den 1920-Jahren Revuen. 1930 war er einer der ersten Tonfilmkomponisten und schrieb bis heute bekannte Evergreens. Bei COLUMBIA sang er etwa 150 Titel auf Schallplatten ein.
Seine Lieder wurden oft populäre Gassenhauer wie zum Beispiel “Das ist der Frühling von Berlin” aus der gleichnamigen Operette.

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Grabstelle von Joachim Ringelnatz, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Joachim Ringelnatz
Es geht weiter mit dem Ehrengrab von Joachim Ringelnatz, (EG) Er war Kabarettist, Maler und Schriftsteller und liegt unter einem großen Muschelkalkstein. Muschelkalk nannte er ja auch seine Frau, die übrigens nach seinem Tod wieder heiratete und mit ihrem zweiten Mann zusammen bezeichnenderweise auch unter einem Muschelkalkstein ruht. Dass er dichten konnte beweist dies kleine Gedicht mit dem vielsagenden Titel:
DER BRIEFMARK:
“Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm geweckt.
Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens.”
Aber wissen Sie auch dass er gemalt hat? Im Ringelnatzmuseum in Cuxhaven können Sie sich davon überzeugen.

Kurt Wegner
Dicht an seiner Seite finden wir das Ehrengrab von Kurt Wegner (EG), dem Bezirksbürgermeister von Charlottenburg in den Jahren 1958 bis zu seinem Tod 1964. Er wurde 1898 geboren, trat 1917 in die SPD ein und war später Reichsvorsitzender der Jungsozialisten.
Ab 1929 war er im preußischen Landtag und im Reichstag und wurde 1933 von den Nationalsozialisten 7 Monate in Einzelhaft gesteckt. 1949 übersiedelte er nach West-Berlin, nachdem er in der sowjetischen Besatzungszone politisch verfolgt worden war. Der nächste Halt gilt ebenfalls einem Politiker.

Abzweig: Hermann Scheer
Hermann Scheer, ein bekannter SPD-Umweltpolitiker liegt hier unter diesem hellen Stein. Er beeinflusste als Bundesvorstandsmitglied die Umwelt- und Energiepolitik seiner Partei, indem er sich für erneuerbare Energie einsetzte. Er bekam für sein Engagement viele Ehrungen und Auszeichnungen, 1999 den alternativen Nobelpreis. 2001 wurde er ehrenamtlicher Vorsitzender des Weltrates für erneuerbare Energien. Mit Büchern, Artikeln und Dokumentationen engagierte er sich nachhaltig und eindrucksvoll für seine Ziele. Dies setzt seit einiger Zeit eine Stiftung mit seinem Namen fort. Wir gehen nun ein kurzes Stück zum Zentrum des Rondells, um aus der Mitte eine Blick auf die umliegenden Gräber zu werfen.

Link zu: Rondell, 11.10.2014
Rondell, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Rondell: George Grosz
Hier sehen wir zuerst das Ehrengrab von George Grosz, dem weltberühmten Maler, Grafiker und Karikaturist. Er wurde 1893 als Georg Ehrenfried Groß in Berlin geboren und war wie so viele, ein Verfolgter des NS-Regimes. Er gab sich nach traumatischen Kriegserlebnissen im ersten Weltkrieg, aus dem er als strikter Kriegsgegner im Mai 1915 dienstuntauglich zurückkehrte, einen englischen Namen. Seine sozial- und gesellschaftskritischen Gemälde und Zeichnungen werden mit der sogenannten Neuen Sachlichkeit in Verbindung gebracht. Sie sind überwiegend in den 1920er-Jahren entstanden und zeichnen sich durch zum Teil äußerst drastische und provokative Darstellungen und häufig durch politische Aussagen aus. Typische Motive sind die Großstadt, ihre Abseitigkeiten (Mord, Perversion, Gewalt) sowie die Klassengegensätze, die sich in ihr zeigen.
Im Vergleich zu ähnlichen Bildern von Otto Dix aus dieser Zeit ist Grosz meist der aggressivere und politischere. In seinen Werken, oft Karikaturen, verspottet er die herrschenden Kreise der Weimarer Republik, greift soziale Gegensätze auf und kritisiert insbesondere Wirtschaft, Politik, Militär und Klerus. Er starb 1959 in Berlin.

Theodor Däubler
Er liegt direkt neben Theodor Däubler (EG) einem Schriftstellerund Kunstkritiker, Präsidenten des PEN-Clubs und Freund von Grosz. Durch einen Artikel Däublers in den “Weißen Blättern” begann Grosz bekannt zu werden.

Günter Rexrodt
In der dahinter liegenden Reihe sehen wir den roten Granitstein von Günter Rexrodt, einem bekannten Berliner FDP-Politiker.
Der gelernte Betriebswirtschaftler war von 1985 bis 1989 Senator für Finanzen in Berlin und von 1993 bis 1998 Bundeswirtschaftsminister.

Karl John
Von hier geht der Blick weiter nach rechts wo sie in der inneren Reihe das Grab des Schauspielers Karl John sehen. Er spielte ob seiner Physiognomie, seines Auftretens und seiner Stimme in der UFA-Zeit überwiegend Soldatenrollen. So war er auch in Propagandafilmen zu sehen, wie “Stukas”, “U-Boote westwärts” oder auch “Zwei in einer großen Stadt” (alle 1941). Nachdem er sich 1943 Goebbels gegenüber abfällig über die Kriegsführung geäußert hatte, fiel er in Ungnade und musste Kriegsdienst leisten. Nach dem Krieg spielte 1947 er in dem Antikriegsfilm “In jenen Tagen” mit, und seine Rolle in der Wolfgang-Borchert-Verfilmung von “Draußen vor der Tür” mit dem Titel “Liebe 47” zeigte seine eindrucksvollste Darstellung.
Wieder waren es hauptsächlich Wehrmachtsangehörige, die er in Streifen wie “Des Teufels General” (1955), “Hunde wollt ihr ewig leben” (1957) und “Fabrik der Offiziere” (1960) sowie in der internationalen Produktion von “Der längste Tag” verkörperte. In den 1960er Jahren war er filmisch vor allem in einigen Edgar-Wallace-Filmen zu sehen. Im Fernsehen hatte er noch Auftritte in Derrik und Tatort und in Der Kommisar.

Reinhold W. Timm und Horst Eberhard Richter
In der Reihe dahinter können Sie rechts vom Grab des durch seine vielen Berlin-Bilder bekannten Malers Reinhold W. Timm, auch “Timmy” genannt, die Stelle des Psychoanalytikers Horst Eberhard Richter sehen. Der gebürtige Berliner starb 2011 in Gießen und war eine der Leitfiguren in der Friedensbewegung sowie Mitbegründer des deutschen Zweiges der Ärzte gegen den Atomkrieg. Geprägt war er von seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg und nachfolgender Gefangenschaft.
Seine Eltern wurden von betrunkenen russischen Soldaten erschossen. Von 1952 bis 1962 leitete Richter in Berlin eine Beratungs- und Forschungsstelle für seelisch gestörte Kinder und Jugendliche. Daneben absolvierte er seine Ausbildung zum Psychoanalytiker und zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Von 1959 bis 1962 leitete er das Berliner Psychoanalytische Institut. 1962 wurde er nach Gießen auf den dort neu eingerichteten Lehrstuhl Psychosomatik berufen und baute dort ein dreigliedriges interdisziplinäres Zentrum mit einer Psychosomatischen Klinik und Abteilungen für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie auf, dessen Direktor er wurde. Daneben gründete er am Ort ein Psychoanalytisches Institut. Von 1964 bis 1968 war Richter Vorsitzender der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. 1991 wurde er emeritiert. 2004 hatte er eine von Peter Ustinov gestiftete Gastprofessur an der Universität Wien inne. Von 1992 bis 2002 leitete er das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt/Main.
Er veröffentlichte viele Artikel und Bücher und bekam für seine Verdienste viele nationale und internationale Auszeichnungen. Das Bundesverdienstkreuz hat er dreimal mit der Begründng abgelehnt, es hätten vor ihm zu viele Nazis bekommen.

Walter Höllerer
Ihm gegenüber mit dem Rücken zu uns und dem hohen Findling befindet sich das Grab von Walter Höllerer, dem 2003 verstorbenen Schriftsteller und Literaturwissenschaftler und -kritiker. Mit eigenen Werken, darunter dem verzwickten Roman “Die Elephantenuhr” (1973), errang der Literaturprofessor bestenfalls Achtungserfolge. Eine Haupt- und Glanzrolle dagegen spielte er als unermüdlicher Mentor, Kritiker und Herausgeber neuester Dichtung. Die Zweimonatsschrift “Akzente”, die er 1954 mit ins Leben rief, wurde rasch zu einem der wichtigsten literarischen Foren der Bundesrepublik; 1961 kam die Zeitschrift “Sprache im technischen Zeitalter” hinzu. Zwei Jahre später gründete er das “Literarische Colloquium Berlin”. Er war von 1959 bis 1988 Professor für Literaturwissenschaft an der TU-Berlin.

Victor de Kowa und Michiko Tanaka
Unser Blick schweift nun über den Zwischenweg weiter nach rechts, wo Sie ganz deutlich zwei in sich verschlungene japanische Kirschbäume hinter einer kleinen Pagode erkennen können. Das ist das Ehrengrab von Victor de Kowa und seiner japanischen Frau Michiko Tanaka, einer Schauspielerin und Sängerin. Sie engagierte sich für ein Deutsch-Japanisches Kulturabkommen und war an der Gründung der Japanisch-Deutschen Gesellschaft Tokyo beteiligt. 1952 wurde sie mit einer Tafel am Mozartgedenkhaus als erste Japanerin geehrt. Sie hat den Ehrengrabstatus des Landes Berlin vor Kurzem verloren.
Da ihr Mann Victor de Kowa (EG) der Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller und Maler ihn noch hat, bleibt ihr gemeinsames Grab vorerst erhalten. 1922 hatte er sein erstes Engagement am Dresdner Staatstheater. Nach Stationen in Lübeck, Frankfurt/Main und Hamburg ging Viktor de Kowa nach Berlin, wo er an der Volksbühne, am Deutschen Theater und am Staatstheater bei Gustaf Gründgens spielte. Seine erste kleine Filmrolle spielte er schon zur Stummfilmzeit in Der Herzensdieb (1927). In der UFA-Zeit (1930er und 1940er Jahre) zählte de Kowa zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Filmkomödie. Mit seiner Rolle in “Kleiner Mann – ganz groß” gelang ihm der nationale Durchbruch als Schauspieler. Er war Mitglied der NSDAP und führte beim NS-Propagandafilm “Kopf hoch – Johannes!” Regie. In diesem NS-Jugendfilm wird der unabhängige, freiheitsliebende Junge Johannes in einer NS-Jugendorganisation, einer Napola-Schule, zu Disziplin und Gehorsam bekehrt.
Dieses Thema stimmte de Kowa euphorisch: „Die Aufgabe, ein Abbild zu schaffen von dem Leben dieser jungen Generation, dieser zukünftigen Führerschaft Großdeutschlands – das ist eine Arbeit, für die man sich ehrlich und ohne Vorbehalte begeistern kann.” Obwohl Joseph Goeppels das Thema des Films gut hieß, war er von der Regieleistung de Kowas enttäuscht. Dennoch wurde de Kowa im August 1944 von Goebbels in die Gottbegnadeten-Liste der unverzichtbaren Filmschauspieler aufgenommen, was ihn vor einem Kriegseinsatz, auch an der “Heimatfront” bewahrte. Dieses Engagement tat aber seiner Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg keinen Abbruch. So war er von 1945 bis 1950 Intendant der Berliner Tribüne und von 1956 bis 1962 Mitglied des Wiener Burgtheaters. Er betätigte sich auch in Organisationen der Friedensbewegung und war 1962 bis 1966 Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst und Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
In der Nachkriegszeit glänzte de Kowa in den Filmen “Peter Voß, der Millionendieb” (1946), “Des Teufels General” (1955) und “Es muss nicht immer Kaviar sein” (1961) Seine letzte Filmrolle spielte Viktor de Kowa in dem Karl May Film “Winnetou und sein Freund Old Firehand” als spleeniger Engländer Ravenhurst. Als Synchronsprecher war Viktor de Kowa auch die deutsche Stimme von James Steward. De Kowa war auch aktiv in der Friedensbewegung. Er bekam den Titel “Berliner Staatsschauspieler” verliehen.

Helmut Kronsbein
Wir blicken nun noch auf den Stein von Helmut oder auch Fifi Kronsbein, dem Fußballtrainer von Hanover 96 und Hertha BSC, der noch zur Erinnerung an das inzwischen abgelaufene Grab dort zwischen zwei Gräbern steht.

Wolfgang Kolneder
Vor uns im Innenring befindet sich der Findling von Wolfgang Kolneder, einem österreichischen Theaterregisseur, der 1974 als erster Dramaturg an das Grips-Theater nach Berlin kam. Er hat sich sehr für das Kinder- und Jugendtheater engagiert und maßgeblich dazu beigetragen, dass das Grips-Theater über die Grenzen Berlins hinaus bekannt wurde. Zu seinen erfolgreichsten Inszenierungen gehören “Linie 1” und “Das hältste ja im Kopf nicht aus”. Wir begeben uns jetzt zum äußeren Ring.

Außenring Rundteil: Curt Goetz und Valerie von Martens
Wenn wir jetzt unseren Weg Richtung Kapelle fortsetzen kommen wir am Ehrengrab der Schauspieler Curt Goetz und Valerie von Martens (EG) vorbei. Curt Goetz gilt auch als einer der brillantesten Komödienschreiber im deutschsprachigen Raum. Zu seinen erfolgreichsten Stücken in den 1920er und 30er Jahren gehören “Hokuspokus”, “Der Lügner und die Nonne” und “Dr. med. Hiob Prätorius”. Gemeinsam mit Valérie von Martens spielte er seine Stücke selbst und verfilmte sie auch. Sein Frauenarzt Dr. Prätorius war eines der ersten neuen Filmprojekte nach dem Zweiten Weltkrieg, welches in Deutschland produziert und verfilmt wurde. Immer wieder wird er mit George Bernard Shaw (mit dem er übrigens weitläufig verwandt war) oder sogar mit Oscar Wilde verglichen.

Wolfgang Spier
Ein Stück weiter finden wir das Grab eines weiteren großen Berliner Komödianten, der übrigens auch den von Valerie Martens-Goetz 1985 zu seinen Ehren gestifteten Curt Goetz-Ring erhalten hat. Dort liegt Wolfgang Spier, der Schauspieler und Regisseur der nahezu zum Inventar der Wölfferbühnen am Kurfürstendamm gehörte und den Erfolg seiner Stücke garantierte. Er wirkte in über 250 Theaterstücken als Schauspieler mit und führte auch Regie. Weitere Stationen seiner Karriere waren die “Stachelschweine” und “Die Wühlmäuse” wie auch seine Tätigkeit in den TV-Quizzshows “Wer dreimal lügt” und “Allein gegen alle”.

Melvin Lasky
Ihm gegenüber liegt Melvin Lasky, ein in New Yorck geborener Publizist, der nach seinem Kriegseinsatz als Militärhistoriker in Deutschland und Frankreich in Berlin Kulturoffizier für die US-Streitkräfte war. Auf dem ersten deutschen Schriftstellerkongress in Berlin (1947) äußerte Lasky „Zweifel am Demokratieverständnis der Sowjets“ und fragte nach dem Schicksal internierter sowjetischer Schriftsteller, womit er für Aufsehen sorgte. Ein Jahr später gründete er mit Hellmut Jaesrich in Berlin während der Berlin-Blockade die politisch-kulturelle Zeitschrift “Der Monat”, eine der wichtigsten Zeitschriften der Nachkriegszeit in Westdeutschland. Zuletzt erschien sie einmal jährlich. Eine der Ausgaben liegt in Stein gehauen auf dem markanten dunklen Grabstein. Von 1953 bis 1990 war Lasky mit Irving Kristol Herausgeber des britischen Kulturmagazins Encounter in London, wohin er 1958 auch übersiedelte.
Willy Schaeffers
Direkt an einer Linde am rechten Wegrand liegt das Grabmal von Willy Schaeffers, dem 1962 in München verstorbenen Schauspieler und Kabarettisten. Er war seit 1913 gefragter Stummfilmdarsteller und später auch beim Tonfilm. In Berlin leitete er von 1938 bis 1944 das “Kabarett der Komiker”. Er gilt als der Entdecker von Grete Weiser, Lale Anderson und Georg Thomalla. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er sich um den Wiederaufbau des Berliner Kulturlebens verdient.

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Sausuhlensee, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Anfang Seepromenade: Tilla Durieux und Paul Cassirer
Tilla Durieux (EG) war Schauspielerin und kam 1903 nach Berlin, wo sie von Max Reinhardt an das Deutsche Theater engagiert wurde. Sie spielte nach 1911 erfolgreich an den verschiedensten Berliner Bühnen. für den Film und auf zahlreichen Gastspielen in Europa und Nordamerika. Bis 1926 war sie mit dem unter dem großen Stein neben ihr liegenden Paul Cassirer verheiratet, der sich wegen ihres angeblich ausschweifenden Lebensstils erschoss. Es kursierte damals nach diesem dramatischen Vorfall das Gerücht in Berlin, “Na da müßten sich noch 10 Andere erschießen…”. Sie emigrierte 1933 nach Jugoslawien und schloss sich dort Partisanen an. 1952 kam sie zurück nach Deutschland und spielte als 72-jährige an kleineren und mittleren Bühnen. Es waren aber dann mehr Rollengastspiele als eine Heimstatt in einem festen Ensemble.
Als einen Höhepunkt ihrer gesamten Theaterlaufbahn betrachtete sie die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Theaters Berlin 1970. Auf dieser traditionsreichen Bühne, auf der sie seit 1903 Triumpfe gefeiert hatte, stand sie als 90-jährige tiefbewegt. 5 Monate danach verstarb sie, eine der Großen des deutschsprachigen Theaters. Es gibt von Renoir und Kokoschka Porträts, die an sie erinnern, auch Ernst Barlach hat sie mit einer Plastik unsterblich gemacht.
Paul Cassirer (EG), Kunsthändler, Schriftsteller und Verleger ruht unter einem Grabmal von Georg Kolbe rechts von ihr. Er hat 1898 eine Kunsthandlung und einen Verlag in Berlin eröffnet. Er förderte mit seinen Unternehmungen Künstler des Impressionismus und Expressionismus. Er organisierte Ausstellungen. Kunsthistorische Schriften, Graphikausgaben der ausgestellten Kunstwerke, und Werke des literarischen Expressionismus wurden von seinem Verlag herausgegeben.
Sein Einfluss auf die Bewegung der modernen Kunst in Berlin war außerordentlich groß und befördernd. Rechts neben ihm sehen wir das Grab des Bruders Alfred Cassirer (Rechtsanwalt) das mit einem Tierrelief von August Gaul auf dem Grabstein eine Besonderheit darstellt.

Paul Wegener
Von hier haben wir einen schönen Blick auf den See, und wenn sie Im Böschungsbereich genau hinsehen, entdecken Sie drei Urnengräber im Hang. In der Mitte das Ehrengrab von dem Staatsschauspieler Paul Wegener, (EG) der 1906 ebenfalls von Max Reinhardt an das Deutsche Theater nach Berlin geholt wurde. Jetzt begann die große Zeit Paul Wegeners mit Rollen wie Richard III., Macbeth,Othello oder Mephisto zwischen 1906 und 1920. Paul Wegener leistete beim Film Pionierarbeit.
Sein früher Einsatz für das neue Medium hatte entscheidenden Einfluss auf die Akzeptanz des Films als Kunstform in Deutschland. 1913 hatte sein erster Film “Der Verführte” Premiere. “Der Golem” von 1914 behandelte eine Figur aus einer alten jüdischen Legende, die in der Jetztzeit von einem Verbrecher gefunden und ausgenutzt wird.
Die neue Ära des Tonfilms und der gleichzeitige Aufstieg der Nationalsozialisten verringerten seine Bedeutung als Film- und Theaterschaffender nicht. Während des Nationalsozialismus war er zunächst beim Schillertheater Heinrich Georges engagiert und später bei Gustaf Gründgens an den Staatlichen Bühnen Berlins. Paul Wegener machte aus seiner anti-nationalsozialistischen Haltung nie ein Hehl. Er spendete wiederholt Geld für Widerstandsgruppen, versteckte mehrfach gefährdete Menschen in seiner Wohnung.
Er ging noch als alter, schwerkranker Mann nachts auf die Straßen, um Parolen wie „Nieder mit Hitler“ u. ä. an die Haus- und Ruinenwände zu schreiben.
Am 7. September 1945 eröffnete Paul Wegener das Deutsche Theater mit Lessings Nathan der Weise mit ihm als Nathan. Es sollte seine letzte große Theaterrolle werden.

Ulrich Roski und F.J. Krüger
Neben ihm liegt der Liedermacher Ulrich Roski. Seine große Zeit hatte er in den 1970-er Jahren mit Liedern die oft humorvoll die Tücken des Alltags überzeichneten. Er trat mit Klavier oder Gitarre alleine auf und war übrigens mit Reinhard Mey in einer Klasse. Das dritte Grab in der Reihe ist von F.J. Krüger, einem Rockmusiker der sogenannten “Neuen deutschen Welle”. Er war Gittarist und Gründungsmitglied der Band Ideal, einer der wichtigsten Bands dieser Zeit.

Moritz Katzenstein
Wir gehen dann weiter und erreichen vor der Treppe das Grab von Moritz Katzenstein, dem Chirurg der am 7.2.1900 die erste Refixation durchführte: Wiederannähen eines abgerissenen Meniskus. Es erinnert noch heute eine Untersuchungsmethode, die “Katzensteinsche Methode zur Funktionsprüfung des Herzens” an ihn. Er war einer der besten Freund Albert Einsteins.

Unterhalb der Kapelle: Hans-Joachim Bönsch
Rechts von der Treppe liegt Hans-Joachim Bönsch, ein Arzt und Kunstsammler mit der gleichnamigen. Kunststiftung. Die Bönsch-Sammlung umfasst 3500 Arbeiten auf Papier. Von Max Liebermann besitzt man fast 650 Grafiken. Von dem Expressionisten Ernst Barlach haben sich 191 grafische Blätter angesammelt. Von Oscar Kokoschka ist fast alles da.

Link zu: Grabstelle von Klausjürgen Wussow, 11.10.2014
Grabstelle von Klausjürgen Wussow, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Klausjürgen Wussow
Daneben liegt Klausjürgen Wussow, der Schauspieler, der vor allem durch die Fernsehserie Schwarzwaldklinik bekannt wurde. Er wurde 1929 in Cammin geboren und starb 2007 in Rüdersdorf bei Berlin.
Nach dem Debüt an der Volksbühne Schwerin waren weitere Stationen unter anderem das Hebbel-Theater und das Theater am Schiffbauerdamm in Berlin. Von 1964 bis 1986 war er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters.
In den 1970er Jahren wirkte Wussow vor allem als Darsteller in Fernsehserien mit, beispielsweise in der 26-teiligen Serie Der Kurier der Kaiserin. Einem breiten Publikum wurde Wussow durch seine Rolle als Professor Brinkmann in 70 Folgen der Fernsehserie “Die Schwarzwaldklinik” von 1985 bis 1988 im ZDF bekannt. Wussow wurde eigens für die Dreharbeiten zur Schwarzwaldklinik von Claus Peymann, dem damaligen Intendanten des Burgtheaters, beurlaubt. Aufgrund des enormen Erfolges der Krankenhaus-Serie im Glottertal schied er 1986, nach letzten Theaterauftritten in Wien, aus dem Ensemble des Burgtheaters aus. Von 1996 bis 2003 spielte Wussow erneut eine Chefarzt-Rolle in 23 Folgen der ARD-Reihe “Klinik unter Palmen”.
Neben der Schauspielerei machte sich Wussow auch einen Namen als Autor, Maler und Synchronsprecher.

Max Steinthal
Ihm folgt das Familiengrab Steinthal mit Max Steinthal, Direktor der Deutschen Bank und Berliner U-Bahn. Bereits als Zwanzigjähriger fiel er an der Berliner Börse durch seine Gewandtheit auf, so dass er noch im selben Jahre eine Einzelprokura erhielt. Schon im Alter von 21 Jahren wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.
Am 15. Dezember 1873 nahm Steinthal seine Tätigkeit als Kollege von Wallich und Siemens im Vorstand der Deutschen Bank auf.
Neben der ausgeprägten gewinnorientierten Arbeitsweise in der Deutschen Bank behielt Steinthal stets ein ausgeprägtes soziales Engagement. In der Deutschen Bank finanzierte er aus privatem Kapital einen Gesangsverein, ein Orchester und einen Fechtklub. Außerhalb der Bank unterstützte Steinthal das Jüdische Krankenhaus. Er gehörte mit einigen seiner Bankiers-Kollegen zu den reichsten Bürgern in Berlin.
Sein Leben lang nutzte Steinthal sein Privatvermögen, um soziale und wissenschaftliche Projekte zu unterstützen. Der Stadt Charlottenburg spendete er beispielsweise zu deren 200-jährigen Bestehen im Jahre 1905 100.000 Goldmark für den Bau einer Waldschule. Mit der gleichen Summe förderte er die Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, zu deren Gründungsmitgliedern er 1911 gehörte. Die Freundschaft der Steinthals mit Wilhelm von Bode war von beiderseitigem Nutzen. Während Steinthal Bode bei der Geldanlage beriet, vermittelte Bode bei der Anschaffung von Gemälden.
Zur Kunstsammlung von Max Steinthal gehörten Gemälde von Frans Snyders, Joaquín Sorolla und Giovanni Segantini ebenso wie Werke von Lovis Corinth, Édouard Manet, Camille Pissarro, Edvard Munch, Pablo Picasso, Max Liebermann und vielen weiteren. Nach der Herrschaft der Nationalsozialisten galt die Sammlung Steinthal als verschollen.
Erst im Jahr 2003 wurden 60 Kunstwerke in Dresden wiederentdeckt und im Jüdischen Museum in Berlin ausgestellt. Weiterhin verschollen ist die Miniaturensammlung von Fanny Steinthal.
1902 wurde Max Steinthal der Ehrentitel Kommerzienrat verliehen.
Im U-Bahnhof Klosterstraße wurde bereits zur Eröffnung im Juli 1913 eine Gedenktafel eingeweiht. Diese Informiert über die Entwicklung der U-Bahn. Am rechten und linken Rand der Tafel befinden sich 16 Reliefportraits von Persönlichkeiten, die zur Entwicklung der Berliner U-Bahn beigetragen haben, unter ihnen auch Max Steinthal.
Mit der Inbetriebnahme der U-Bahn-Linie E und der weitestgehenden Fertigstellung des U-Bahnhofes Alexanderplatz im Dezember 1930 wurden im Zwischengeschoss dieses U-Bahnhofs auch zwei Gedenktafeln installiert.
Sie ehrten mit Paul Wittig und Max Steinthal die beiden Männer, „die als Mitbegründer und Leiter der Hochbahngesellschaft den Bau von elektrischen Schnellbahnen in Berlin eingeleitet und lange Jahre hindurch gefördert haben.“ 1932 wurden diese beiden Gedenktafeln um eine dritte für Gustav Kemmann ergänzt. Bereits 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde jedoch Steinthals Tafel auf Grund seines jüdischen Glaubens demontiert. Die beiden anderen Tafeln wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Erst am 21. Dezember 2002 wurde sie an gleichem Ort erneuert.

Max Friedländer
Im Anschluss finden wir das Ehrengrab von Max Friedländer (EG), dem Kunsthistoriker und Leiter des Kupferstichkabinetts. Friedländer entstammte einer jüdischen Familie von Bankiers und Juwelenhändlern, entschied sich aber auch mangels Karriereaussicht im preußischen Staatsdienst zunächst für den Beruf eines Privatgelehrten der Kunstgeschichte. Wie er selbst sagte, prägte die Nähe zu den Museen schon seine Kindheit: „Ich bin in Berlin zweihundert Meter vom Museum entfernt geboren und zweimal in der Schule sitzen geblieben, weil ich mich zu ausgiebig in der Bildergalerie aufhielt.”
Er studierte in München, Florenz und Leipzig und wurde 1891 nach nur sechs Semestern mit einer Arbeit über Albrecht Altdorfer promoviert.
Als wissenschaftlicher Volontär begann Friedländer für ein Jahr bei Friedrich Lippmann am Kupferstichkabinett in Berlin, wobei er vermutlich Wilhelm von Bode kennenlernte.
Er blieb aus Interesse ein weiteres Jahr, bevor er ab 1894 als Assistent Ludwig Scheiblers in der Grafischen Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln arbeitete.
Mit seiner Rückkehr nach Berlin war er von 1896 bis 1933 an der Berliner Gemäldegalerie beschäftigt, ab 1924 als Erster Direktor. Von 1908 bis 1930 war er zugleich Direktor des Kupferstichkabinetts. 1933 wurde er als „Nichtarier“ entlassen.
1939 emigrierte er wegen der zunehmenden Drangsalierung als Jude in die Niederlande. Nach der Besetzung der Niederlande 1940 war Friedländer als ein aus Deutschland geflohener Jude eigentlich in großer Gefahr, in ein Vernichtungslager im Osten deportiert zu werden. Auf der anderen Seite war Friedländer bei der Besatzungsmacht ein gefragter Gutachter, da er als Kenner der altniederländischen Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts bei den Nationalsozialisten geschätzt war. Vor allem Hermann Göring, der diese Malerei besonders liebte, bediente sich häufig seiner Fachkompetenz.
Daher schützte er ihn vor der bald in den Niederlanden einsetzenden Verfolgung der Juden. Damit bewahrte er Friedländer vor Verhaftung, Deportation und anschließender Ermordung.
1953 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Link zu: Grabstelle von Loriot, 11.10.2014
Grabstelle von Loriot, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Loriot
Daran schließt sich das auffällig mit Plastikenten geschmückte Grab von Loriot an. Victor von Bülow war Karikaturist, Regisseur, Schauspieler und Prof. für Theaterkunst. Er ist Ihnen allen sicher noch so im Gedächtnis, dass jegliche Worte überflüssig sind. Der Grabschmuck ist so auffällig, dass er es sogar schon auf die Titelseite einer Steinmetzfachzeitschrift geschafft hat.

Georg Kolbe
Rechts vom Loriotgrab sehen Sie die hohen schlanken Stelen der Familiengrabstätte Kolbe. Hier liegt Georg Kolbe (EG), der Bildhauer, Maler und Grafiker. Das Grab ist Ehrengrab des Landes Berlin. Die Grabstätte ist mit Stelen geschmückt, die nach Entwürfen von Georg Kolbe geschaffen wurden. Er hat sich die Stelle so ausgesucht, dass er vom Obergeschoss seines Hauses das Grab seiner Frau sehen konnte. In der Sensburger- Ecke Insterburgallee finden Sie sein Wohnhaus und Atelier, das heutige Georg Kolbe Museum. Dort können Sie sein Werk bewundern. Im kleinen Garten sind einige seiner Plastiken ausgestellt.

Jürgen Wohlrabe
Wir gehen nun die Treppe nach oben, dort nach rechts und dann links die Stufen hoch zur Kapelle.
Beim Emporsteigen fällt Ihr Blick auf die Stele des CDU-Politikers Jürgen Wohlrabe. Er war aktiv in der Jungen Union Berlin, Mitglied des Landesvorstandes Berlin, Bundestagsabgeordneter von 1969 bis 1979, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, und von 1989 bis 1991 war er Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin. Unvergesslich ist ihnen sicher noch der Ausspruch von Herbert Wehner im Bundestag geblieben, wo dieser wütend nach Worten suchend formuliert: “… sie, … sie Übelkrähe”. Wohlrabe besaß die Firma Jugendfilmverleih, und ihm wird das große Verdienst nachgesagt, dass er die Kinderfilmserie “Sesamstraße” nach Deutschland geholt hat.

Helene Lange
Gleich links sehen Sie das Ehrengrab von Helene Lange (EG). Die 1848 geborene Lehrerin und Frauenpolitikerin verfasste 1887 eine Petition, dass Frauen auch in Lehrgebieten zugelassen werden die bisher nur Männern vorbehalten waren. Sie forderte eine bessere wissenschaftliche Ausbildung für Frauen und zwei Jahre später die Einführung des Universitätsstudiums für Frauen. Lange war 1890 Mitbegründerin des allgemeinen deutschen Lehrerinnenvereins und gab ab 1893 die Zeitschrift “Die Frau” heraus.

Stefan Wewerka
Unweit links von ihr ist das Grab vom 2013 verstorbenen Stefan Wewerka. Der 1928 geborene Architekt, Maler und Designer absolvierte 1946–1950 sein Architekturstudium an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin, als Schüler von Max Taut, Eduard Ludwig und Georg Leowald.
Der vielseitige Künstler arbeitete knapp dreieinhalb Jahre Arbeit im Büro von Hans Scharoun und war unter anderem auch Gastprofessor an der Washington University. Er designt Möbelstücke, entwirft Stahlplastiken, zeichnet und vieles mehr. 1987 entstand der Dokumentarfilm “Verrückte Welten – Die Karrieren des Stefan Wewerka”.

Anneliese und Georg Groscurth
Wir gehen an der Stelle von Anneliese u. Georg Groscurth vorbei, die ebenfalls oberhalb der kleinen Mauer sind. Beide Ärzte und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.
Georg Groscurth war Sohn eines Landwirtes, er studierte Medizin an der Universität Marburg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, der Universität Graz und der Universität Wien. In Berlin schloss er sein Studium 1930 schließlich mit einer Promotion zum Dr. med. ab.
Anschließend war Groscurth als Assistent am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie tätig. Dort machte er auch Bekanntschaft mit Robert Havemann, mit dem er einige Jahre später eine Widerstandsgruppe gründete. Robert Havemann und Georg Groscurth waren gemeinsam in der marxistischen Gruppe “Neu Beginnen” politisch tätig. Ab 1933 arbeitete Groscurth als Internist am Berliner Robert-Koch-Krankenhaus und später als Mitarbeiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie in Berlin. Da man ihn und seinen Freund, den Chemiker Robert Havemann, kommunistischer Neigungen verdächtigte, wurden sie ihrer Stellen enthoben. Ab 1934 arbeitete Groscurth im Berliner Krankenhaus Moabit. Er erreichte dort 1939 die Position eines Oberarztes und übernahm bei Kriegsbeginn die Leitung des Krankenhauses. 1940 wurde er Privatdozent an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin.
Nachdem Groscurth ab 1933 unter anderem miterlebt hatte, wie seine jüdischen Kollegen ihrer Ämter enthoben wurden, entschloss er sich zum Bruch der ärztlichen Schweigepflicht, als der „Stellvertreter des Führers“, Rudolf Heß, sein Patient wurde, und gab alles, was der hypochondrische Heß ihm in seinen Konsultationen erzählte, an Widerstandsgruppen weiter, darunter zum Beispiel Pläne für neue Konzentrationslager oder den geplanten Überfall auf die Sowjetunion. Zusammen mit Robert Havemann, dem Architekten Herbert Richter(-Luckian) und dem Zahnarzt Paul Rentsch gründete Groscurth die Widerstandsgruppe Europäische Union. Sie versteckten Juden und Deserteure. Groscurth schrieb, soweit es ihm möglich war, auch Soldaten wehruntauglich. 1943 lernte er die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte Ärztin Galina Romanowa kennen, versorgte sie mit Medikamenten, gab ihr fachlichen Rat und unterstützte sie bei der Organisation des Widerstands.
Die Widerstandsgruppe Europäische Union wurde 1943 verraten und Groscurth mit seiner Frau Anneliese während ihres Urlaubs am 4. September 1943 festgenommen. Am 16. Dezember 1943 wurde er vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde von den Richtern am Volksgerichtshof Roland Freisler und Hans-Joachim Rehse unterzeichnet. Georg Groscurth wurde am 8. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden enthauptet.
Nach Kriegsende lebte seine Witwe Anneliese Groscurth mit den beiden gemeinsamen Söhnen Peter (Professor für Anatomie) und Jan in Wehrda in Hessen, später in West-Berlin. Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius wuchs mit den Söhnen Groscurths auf und veröffentlichte 2004 das Buch “Mein Jahr als Mörder”, in dem er das Leben von Georg und Anneliese Groscurth darstellte.
Eine Gedenktafel für Georg Groscurth befindet sich in der Turmstraße 21 in Berlin-Moabit. 1977 wurde im Berliner Bezirk Pankow eine Straße nach ihm benannt. 2005 wurde in Berlin-Westend der Anneliese-und-Georg-Groscurth-Platz eingeweiht. Inzwischen bekam er auch die Auszeichnung aus Yad Vashem als “Gerechter unter den Völkern”.

Link zu: Grabstelle von Horst Buchholz, 11.10.2014
Grabstelle von Horst Buchholz, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Horst Buchholz
Letztes Grab ist für heute die Stelle von Schauspieler Horst Buchholz (EG), der international bekannt war und nach seinem Durchbruch mit dem Film “die Halbstarken” über die “Glorreichen Sieben” bis hin zu seinem letzten großen Kinofilm “Das Leben ist schön” von 1997, in vielen großen und auch international bekannten Filmen mitgespielt hat. Zwei Jahre vor seinem Tod 2003 hat er noch an drei Drehtagen hier auf dem Friedhof bei einem Fernsehfilm für das ZDF mitgewirkt.

Link zu: Kapelle, 11.10.2014
Kapelle, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Kapelle
Die Kapelle, die übrigen Bauten und die Einfriedung wurden 1921-23 von Erich Blunck geschaffen. Blunck wuchs als Sohn des Baumeisters Carl Heinrich Friedrich Blunck in Lübeck auf. Er studierte nach erfolgreichem Abschluss seiner Maurerlehre an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Nach ausgedehnten Studienreisen nach Italien, Spanien und Frankreich trat er in den preußischen Staatsdienst ein. Ab 1900 war er im preußischen Kultusministerium tätig und wurde 1907 zum Regierungsrat und Stellvertreter des Konservators der Kunstdenkmäler ernannt. 1908 erhielt er den ersten Lehrauftrag für Denkmalpflege an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Von 1919 bis 1944 war er Provinzialkonservator der Provinz Brandenburg. Er eröffnete ein eigenes Büro und war von 1916 bis 1937 sowie von 1947 bis 1950 Professor an der Technischen Hochschule Berlin. 1922 war er ihr Rektor.
Ab 1920 war er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Er war zeitweise Herausgeber der Deutschen Bauzeitung. Allein zehn seiner Berliner Bauten stehen unter Denkmalschutz. Zahlreiche seiner Entwürfe (über 500 Zeichnungen) befinden sich in der Sammlung des Architekturmuseums der TU und sind zum Teil digitalisiert zugänglich. Nach ihm ist die Blunckstraße in Reinickendorf benannt.
1935 wurden auf Geheiß der Nationalsozialisten im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die olympischen Spiele zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Unter anderem wurde das hohe Bogenbohlendach der Kapelle abgeflacht, weil es vom Olympiastadion aus gesehen werden konnte. Angeblich sollte die Sichtachse zum Olympiastadion nicht gestört werden. Auf dem Kapellendach befindet sich auf der Kugel, die das Kreuz trägt und in der üblicherweise die Schatulle mit Dokumenten ist, folgende Inschrift:
DIESE KAPELLE WURDE 1921-1922 NACH PLÄNEN VON PROFESSOR ERICH BLUNCK ERRICHTET:
IHM ZUR SEITE STANDEN OBERSEKRETÄR LEIST SOWIE DIE BAUFÜHRER PESCHKE UND TETTENBORN.
DIE BAUAUSFÜHRUNG BESORGTE MAUERMEISTER HÖHNE MIT SEINEM POLIER GRAHL
und darüber wurde nachträglich eingeschlagen:
DER FÜHRER ADOLF HITLER ORDNETE 1935 DEN UMBAU AN: DIE AUSFÜHRUNG ERFOLGTE DURCH DIE STAATSBAUVERWALTUNG NACH DEN ENTWÜRFEN VON MIN:RAT SCHELLENBERG.”
Die Nationalsozialisten nahmen aber vor allem Anstoß an den zahlreichen jüdischen Begräbnisstätten auf dem interkonfessionellen Friedhof.

Link zu: Innenraum der Kapelle, 11.10.2014
Innenraum der Kapelle, 11.10.2014 Bild: Bezirksamt, KHMM

Im Innenraum wurde eine neue Unterdecke an die vorhandene, trapezförmige Kassettendecke angehängt, wahrscheinlich um der neuen Sachlichkeit außen auch im Innenraum nachzukommen. In der Apsis wurde unter anderem die Originalkartusche mit Schriftzug mit einem Kreuz übermalt. Nach Kriegsschäden wurde die Kapelle 1948 wieder aufgebaut und dabei durch gotisierende Elemente verändert.
Nach auf fast 4 Jahre verteilter, denkmalgerechter Sanierung erstrahlt die Friedhofskapelle jetzt wieder im altem Glanz. 360 Kugeln mit vier verschiedenen Motiven und Sternen aus blattgoldähnlichem Material wurden in einem dunklen Farbhintergrund in der Apsis aufgetragen und werden durch eine dezente Anstrahlung wirkungsvoll in Szene gesetzt.
Der Steinfußboden wurde in einem Nassverfahren geschliffen, sodass das wertvolle Schachbrettmuster wieder sehr schön zur Geltung kommt.
Die Sitzbänke wurden nach intensiver denkmalpflegerischer Recherche malermäßig instand gesetzt und im historischen Farbton lackiert. Zusätzlich wurde an deren Rückseiten zur Verbesserung der Akustik eine Dämmschicht angebracht. Es fehlt allerdings noch an der geeigneten Innenraumbeleuchtung, denn der vor der Renovierung hängende Leuchter war nur ein Provisorium. Dazu kann aber heute berichtet werden, dass es ein Spende in fünfstelliger Höher gibt.