Kiezspaziergang am 8.9.2007

Vom Bahnhof Charlottenburg zum Bahnhof Zoo "China in Charlottenburg"

Link zu: Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (links) und Dagmar Yu-Dembski, Foto: KHMM
Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (links) und Dagmar Yu-Dembski, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen Treffpunkt: Stuttgarter Platz

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 69. Kiezspaziergang. Wir beschäftigen uns heute vor allem mit China in Charlottenburg. Wir tun dies zum einen, weil derzeit in Berlin die Asien-Pazifik-Wochen veranstaltet werden. Zum anderen aber auch deshalb, weil wir in der nächsten Woche Besuch aus China erhalten. Eine Delegation aus dem Pekinger City-Bezirk Dongcheng mit Bürgermeisterin Yiwen Yang wird uns besuchen, und wir werden gemeinsam ein Memorandum unterzeichnen. Das ist noch nicht die Vereinbarung einer Partnerschaft wie Berlin sie seit Jahren mit Peking pflegt, aber es ist der Beginn einer engeren Zusammenarbeit und gegenseitiger Kontakte.

Gemeinsam mit Frau Yang werde ich am kommenden Mittwoch um 19.00 Uhr in unserem Heimatmuseum in der Schloßstraße 69 eine Ausstellung mit dem Titel “Chinesen in Berlin” eröffnen, und ich lade Sie herzlich ein, diese Ausstellung zu besuchen. Wir zeigen sie bis zum 4. November dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Auch unser Kiezmenü wird im September chinesisch sein. Wir gehen am Mittwoch, dem 26. September, um 18.00 Uhr in das Restaurant Tian Fu in der Uhlandstraße 142 und werden dort traditionell chinesisch speisen, und es gibt noch einige wenige Plätze. Sie können sich wie immer in der Pressestelle anmelden unter Telefon 9029-12514. Im Internet finden Sie alles einschließlich der Menükarte unter www.kiezmenue.de.
Unseren heutigen Kiezspaziergang hat Karsten Lehmann in unserer Pressestelle ausgearbeitet. Er studiert Geschichte und Germanistik an der Universität Potsdam und absolviert gerade ein fünfwöchiges Praktikum bei uns. Es ist schade, dass er uns bald wieder verlässt, denn er war eine große Unterstützung für uns.
Ich glaube, er hat in der Pressestelle auch viel gelernt über die Geschichte unseres Bezirks und vor allem über die Beziehungen zu China, die es bereits erstaunlich lange gibt.
Die wichtigste Anregung für Herrn Lehmann und das wichtigste Nachschlagewerk zum Thema China und Berlin war das Manuskript eines Buches, das pünktlich zu unserer Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum im be.bra verlag erscheinen wird. Der Titel ist “China in Berlin”, und die Autorin ist Dagmar Yu-Dembski. Sie ist die Tochter eines Chinesen und einer Berlinerin, heute Leiterin des Konfuzius-Instituts an der Freien Universität Berlin und Kuratorin der Ausstellung. Und ich freue mich sehr, dass Frau Yu-Dembski heute bei uns ist, uns begleitet und uns nicht nur einiges von ihren Forschungsergebnissen mitteilen wird, sondern uns auch vieles aus persönlichen Erlebnissen erzählen kann. Sie ist die Tochter des Gründers eines der ersten chinesischen Restaurants nach dem Zweiten Weltkrieg in Charlottenburg, “Canton” gleich hier um die Ecke, und sie kann sich noch lebhaft an die Einrichtung erinnern.
Bevor wir dort mit unserem Rundgang beginnen, möchte ich Sie aber wie gewohnt auf unseren nächsten Treffpunkt hinweisen. Einige von Ihnen haben sicher miterlebt, dass der letzte Kiezspaziergang mit Bezirksstadtrat Joachim Krüger im August buchstäblich ins Wasser gefallen ist, wie so vieles in diesem regenreichen Sommer. Deshalb wird Stadtrat Krüger im Oktober an einem hoffentlich goldenen Oktober-Sonnabend, nämlich am 13.10. einen erneuten Versuch mit Ihnen starten. Treffpunkt ist wie immer um 14.00 Uhr wieder wie im August am U-Bahnhof Halemweg in Charlottenburg-Nord. Und diesmal geht es gleich in die architektonisch hochinteressante Siedlung Siemensstadt. Für alle diejenigen, die im August dabei waren: Es wird nichts wiederholt. Die Kirche Sühne Christi und die Jugendeinrichtungen am Halemweg werden nicht noch einmal besucht, sondern es geht gleich zu den Wohnbauten von Hans Scharoun, Otto Bartning, Walter Gropius, Hugo Häring und anderen bedeutenden Architekten.

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Am Bahnhof Charlottenburg, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Heute werden wir über die Kantstraße und den Kurfürstendamm bis zum Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo gelangen, wo bereits das Jubiläumsfest zum 125jährigen Bestehen des Bahnhofs Zoo in vollem Gange ist. Wer nach unserem Kiezspaziergang dort noch mitfeiern möchte, der ist herzlich dazu eingeladen.
Unser Weg führt uns entlang an historischen Orten chinesischen Lebens in Berlin und an einigen noch bestehenden Einrichtungen, dazu gehören das „Tientsin“, das erste chinesische Restaurant in Berlin, gelegen in der noch heute von chinesischen Restaurants und Geschäften geprägten Kantstraße, der in der Zeit zwischen den Weltkriegen ebenfalls in der Kantstraße ansässige Verein chinesischer Studenten, der ehemalige Chinesische Kulturdienst in der Schlüterstraße, die in den 1950er und 1960er Jahren beliebte „Hongkong-Bar“ sowie die frühere chinesische Botschaft am Kurfürstendamm und zuletzt zwei traditionsreiche chinesische Restaurants am Breitscheidplatz.

Mit der Kantstraße ist schon ein wichtiges chinesisches Zentrum in Berlin benannt. Die bereits seit den 1920er Jahren hier vermehrt anzutreffenden Chinesen verleiteten die Berliner Presse zu der Vermutung, dass Kant die Gäste aus Fernost an ihre Heimatstadt Kanton erinnern könnte und es sie deshalb hier herzog. Das ist allerdings doch eher unwahrscheinlich, denn der chinesische Name von Kanton hat mit Kant nun wirklich nichts zu tun. Die Stadt Kanton heißt Guangzhou, die Provinz Guangdong. Allerdings ist Immanuel Kant in China ein sehr bekannter Philosoph, fast so bekannt wie Konfuzius, der bereits lange vor Kant den kategorischen Imperativ formuliert hat. Er lautet bekanntlich sinngemäß: “Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu!”.
Die ersten Chinesen in Berlin hielten sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin auf, wovon uns der Dichter Heinrich Heine eine Notiz hinterlassen hat. In einem Brief an seinen Freund Immanuel Wolff erwähnt er “zwey chinesische Gelehrte, die auf der Behrenstraße für 6 Groschen zu sehen sind.”
Es handelte sich dabei wohl um die beiden ersten Chinesen in Deutschland, Feng Assing und Feng Haho. Sie kamen aus Kanton und wurden als Kuriositäten zur Schau gestellt.
Bis heute nahm die Zahl der Chinesen in Berlin stetig zu, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, etwa in der Zeit des Nationalsozialismus. Besonders Studenten zieht es in die Stadt, viele sind an der Technischen Universität am Ernst-Reuter-Platz immatrikuliert. Lange Zeit waren es überwiegend Männer, die den Weg von China nach Berlin gefunden haben, aber seit Mitte der 1980er Jahre nahm der Anteil der Chinesinnen in Berlin kontinuierlich zu.
Auch eine Reihe von chinesischen Berühmtheiten aus Politik und Kultur haben in Berlin Station gemacht, dazu gehört sogar ein Mitglied des chinesischen Kaiserhauses. Namhafte Personen wie der spätere chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai, die Witwe des Republikgründers Sun Yat-Sen und der Kommandeur der Volksbefreiungsarmee, Zhu De, hielten sich in den 1920er Jahren in der deutschen Hauptstadt auf.
Auch Xu Beihong war damals in Berlin, einer der berühmtesten chinesischen Maler des vorigen Jahrhunderts, dessen Bilder bei Sotheby’s in Hongkong für teilweise mehrere Millionen Euro über den Tisch gehen. Gao Xingjan, der heute in Frankreich lebt und im Jahre 2000 überraschend den Nobelpreis für Literatur erhielt, besuchte den Westteil der Stadt 1985 im Rahmen eines akademischen Austauschprogramms.

Link zu: Stuttgarter Platz 6, Foto: KHMM
Stuttgarter Platz 6, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Stuttgarter Platz 5 – Ehemailges Restaurant Canton
Im Gebäude Stuttgarter Platz 6 gründete wie bereits erwähnt der Vater von Frau Yu-Dembski 1947 das „Canton“, eines der ersten nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin eröffneten chinesischen Restaurants. Es erlangte rasch Beliebtheit beim chinesischen, aber auch beim deutschen Publikum. Die Inneneinrichtung stammte von Chen-Kuen Lee, einem Schüler Hans Scharouns, dessen bekannteste Bauten die Philharmonie und die Staatsbibliothek unweit des Potsdamer Platzes sind. Lee adaptierte Stilelemente Scharouns, seine Architektur war aber auch von traditionell-chinesischen Elementen geprägt. Das Gebäude ist inzwischen einem Neubau gewichen.

Stuttgarter Pl. 4 – Gedenktafel für Christian Morgenstern
Die Gedenktafel wurde 1987 hier enthüllt:

Hier lebte um die Jahrhundertwende
CHRISTIAN MORGENSTERN
6.5.1871 – 31.3.1914
Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker
Verfasser der „Galgenlieder“

Der in München geborene Christian Morgenstern gehört zu den eigenwilligsten deutschen Lyrikern. Seine „Galgenlieder“ enthalten grotesk-komische Gedichte, die sich durch enormen Sprachwitz auszeichnen. Bekannt ist etwa seine Schöpfung des „Nasobem“, eines Säugetiers, das sich auf der Nase fortbewegt. Unter Biologen ist die Vorstellung eines solchen Geschöpfes zu einem Running Gag geworden. Morgenstern hielt sich seit 1894 in Berlin auf.
Hier beschäftigte er sich unter anderem mit Nietzsche und brachte sein erstes Buch heraus. Neben seinem Dasein als Dichter betätigte er sich als Übersetzer und Literaturkritiker. Der Zeit seines Lebens an Tuberkulose leidende Christian Morgenstern starb ein halbes Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Meran in Südtirol.

Link zu: Wilmersdorfer Straße, Foto: KHMM
Wilmersdorfer Straße, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kantstraße Ecke Wilmersdorfer Straße
Das Gesicht der Kantstraße ist heute nicht nur von chinesischen Restaurants, sondern auch von Geschäften für chinesisches Kunsthandwerk geprägt. Doch auch andere asiatische Unternehmer zog es in diese Gegend, so sind neben den chinesischen vor allem thailändische Gaststätten und Läden hier anzutreffen. Zusammen mit russischen, türkischen, italienischen und libanesischen Einrichtungen geben sie dieser Einkaufsstraße ein internationales Gepräge. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist schon der erste chinesische Imbiss zu sehen. Neben den vielen bekanten chinesischen Restaurants mit ihrer typischen folkloristischen Einrichtung mitsamt vertäfelten Holzdecken und farbigen Lampions ist China auch in der Fast-Food-Gastronomie inzwischen gut vertreten.
Die Wilmersdorfer Straße ist im Begriff, ihr Erscheinungsbild gründlich zu ändern. Sie sehen die Bauschilder gegenüber. Die ungeliebten grünen Überdachungen sind verschwunden, und die Einkaufs- und Bummelmeile wird inzwischen von neuen Straßenlaternen und Bäumen gesäumt.
Hinzu kommen Neubauten, wie das hier zu sehende Kant-Center und das gegenüberliegende Hotel sowie vor allem die Wilmersdorfer Arcaden am nördlichen Ende der Fußgängerzone. Sie werden in wenigen Tagen, am 26. September eröffnet. All dies wird dafür sorgen, dass die Wilmersdorfer Straße auch in Zukunft einer der beliebtesten Straßenzüge für Kauf- und Schaulustige in Berlin bleibt.

Link zu: Kantstraße 118, Foto: KHMM
Kantstraße 118, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kantstr. 118: Ehemaliger Verein chinesischer Studenten
In dem Haus Kantstraße 118 war in den 1920er Jahren der Verein Chinesischer Studenten untergebracht. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen existierten zwei Ballungsräume der Chinesen in Berlin. Die zumeist wohlhabenden Studenten lebten größtenteils in Charlottenburg, in oder in der Nähe der Kantstraße, da es von hier nicht weit zur Hochschule für Politik in Schöneberg und zur Technischen Hochschule, heute Technische Universität, war. Für ein Studium in Berlin sprachen unter anderem die im Vergleich zu London oder Paris niedrigen Lebenshaltungskosten. Diejenigen Chinesen, denen ein Studium in Europa ermöglicht wurde, hatten sich in ihrer Heimat gegen eine Vielzahl von Bewerbern durchzusetzen und waren als eine Art intellektuelle Elite Chinas anzusehen.
Das andere chinesische Zentrum befand sich zwischen Schlesischem Bahnhof und Friedrichshain, einer Gegend, geprägt vor allem von Armut und Kleinganoventum.

Die dort lebenden Chinesen waren nicht so begütert wie ihre Landsleute im gutbürgerlichen Charlottenburg, sie verdingten sich zumeist als Händler von Asia-Waren oder Kleinkünstler und kamen vielfach als Untermieter in den das Stadtbild prägenden Mietskasernen unter. Die Presse gab dem Revier den Namen „Gelbes Quartier“, ein Chinatown, ein Viertel mit überwiegend chinesischer Bevölkerung und einer rein asiatischen Geschäftskultur, indessen hat es im Vergleich etwa zu London oder Amsterdam in Berlin nie gegeben.
Die in den 1920er Jahren in Charlottenburg zu Studienzwecken lebenden jungen chinesischen Männer fielen der Berliner Öffentlichkeit durch ihre zurückhaltende Art und ihr vornehmes Verhalten auf. Die hauptsächlich aus guten Familien stammenden Studenten waren strebsam und fleißig, sie waren vor allen Dingen an einem erfolgreichen Gelingen ihres Auslandsstudiums interessiert. Dennoch ließen die politischen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat namentlich die Politikstudenten in Berlin nicht unberührt.
Nachdem 1911 die Monarchie in China beseitigt und im Folgejahr die Republik ausgerufen worden war, entstanden bald Richtungskämpfe innerhalb der antimonarchischen Bewegung. Der national orientierten Kuomindang-Bewegung stand bald die 1921 von Mao Zedong gegründete kommunistische Bewegung gegenüber. Der Republikgründer Sun Yat-Sen hatte noch als einigendes Band wirken können. Nach seinem Tod traten die Gegensätze offen zutage.
Der in den 1920er Jahren hier ansässige chinesische Studentenverein spaltete sich dementsprechend in zwei Lager: ein konservatives und ein marxistisch-revolutionäres. Einer der aktivsten chinesischen Kommunisten, der spätere Ministerpräsident Zhou Enlai, der an der Gründung der „Partei der Kommunistischen Jugend Chinas in Europa“ maßgeblich beteiligt war, hielt sich Anfang der 20er Jahre neben Paris häufig in Berlin auf. Er bezog übrigens an der derselben Adresse Quartier, an der auch Marlene Dietrich eine Wohnung gemietet hatte, nämlich in der Kaiserallee 54 in Wilmersdorf, heute Bundesallee. Seit der Gründung der Volksrepublik China war er Ministerpräsident.
Er starb 1976 in demselben Jahr wie Mao Zedong, wodurch in China eine gewisse Lockerung der Verhältnisse möglich wurde. Ein weiterer prominenter Kommunist in Berlin war Zhu De, später Kommandeur der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Zhu arbeitete eng mit deutschen Kommunisten zusammen und nahm auch an Massenkundgebungen teil, was zur Folge hatte, dass er 1925 verhaftet und ausgewiesen wurde. In Berlin kam es auch zu einer Begegnung der beiden später wichtigen chinesischen Politiker.
Die Polarisierung der chinesischen Studenten entlud sich 1925 in einer Schlägerei in dem Vereinsgebäude, in welcher die marxistisch orientierten Studenten schließlich die Oberhand gewannen. Es ist gut möglich, dass Zhu De, vormals Student an der Universität Göttingen und begeisterter Berlin-Besucher, bei der gewaltsamen Auseinandersetzung mit von der Partie war.

Kanstr. 130b – Ehemaliges Restaurant Tientsin
In dem Gebäude Kantstraße 130b eröffnete 1923 das erste chinesische Restaurant, das „Tientsin“, benannt nach der großen nordchinesischen Hafenstadt. Das von einem ehemaligen Koch der chinesischen Gesandtschaft gegründete Lokal wurde nicht nur für Chinesen, sondern auch für andere Asiaten zum Anlaufpunkt im Westteil der Stadt. Die meisten von ihnen waren männliche Studenten. Im Vergleich zu den heutigen China-Restaurants hat man sich für das “Tientsin“ der 1920er Jahre allerdings einen Rollentausch vorzustellen: Piekfeine, in schwarz gekleidete deutsche Kellner bedienten ein größtenteils asiatisches Publikum. Da durch die kriegsbedingte Verarmung der Berliner Bevölkerung die Gäste ausblieben, musste das Restaurant nach 1945 jedoch bald schließen.

Link zu: Kantstraße 134, Foto: KHMM
Kantstraße 134, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kantstr. 134 – Asia-Laden “Three Yuan“
Ein weiterer chinesischer Kunsthandwerkladen ist das “Three Yuan“ in der Kantstraße 134. Der Standort hat eine längere chinesische Tradition: Bereits in den 1980er Jahren befand sich hier ein Asia-Laden und sogar vor dem Zweiten Weltkrieg war hier ein chinesisches Restaurant ansässig, das „Nanking“, benannt nach der damaligen chinesischen Hauptstadt, heute Nanjing.

Link zu: Kantstraße 35, Foto: KHMM
Kantstraße 35, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kantstr. 35 – Restaurant „Aroma“
Zur Linken, in der Kantstraße 35 treffen wir auf das Aroma, ein etwas neueres chinesisches Restaurant. Der chinesische Name des Restaurants lautet „Caishen“, was aber übersetzt Reichtum heißt, nicht Aroma. Es bietet den Gästen die südchinesische Küche an, die traditionell leichter und auch nicht so scharf ist wie die nordchinesische.

Link zu: Good Friends, Foto: KHMM
Good Friends, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kantstr. / Schlüterstr. – Restaurant “Good Friends“
Das an der Ecke Kantstraße/Schlüterstraße gelegene Restaurant “Good Friends“ will den Gästen im Gegensatz zu den meisten China-Restaurants in Deutschland eine authentisch chinesische Küche bieten, wovon bereits die im Fenster hängenden nacktgerupften Enten zeugen. Allerdings ist es problematisch, von einer chinesischen Küche zu sprechen, da in dem riesigen Land mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Einwohnern erhebliche Unterschiede in der Esskultur bestehen. Historisch bedingt ergibt sich vor allem eine deutliche Differenzierung zwischen Nord- und Südchina.
Die in Deutschland servierte vermeintlich chinesische Küche wird dagegen mitunter stark kritisiert, da sie Gerichte anbiete, die eher den kulinarischen Gepflogenheiten der Deutschen entsprächen und mithin mit der Kochkunst aus dem Reich der Mitte nichts mehr gemein hätten. Zudem beruhe, so die Kritiker, der Geschmack zu großen Teilen auf dem übermäßigen Einsatz von Glutamat.
Kulturwissenschaftler sehen in den China-Restaurants gar das letzte Refugium der deftigen deutschen Küche, die nach einer ordentlichen Portion Fleisch mit einer reichlichen Sättigungsbeilage verlangt. Wie immer man selbst zu dem Verhältnis von Massengeschmack und echter chinesischer Küche stehen mag, lässt sich doch bei einem Angebot von mehreren hundert chinesischen Restaurants in Berlin und Umland für jeden Geschmack ein passendes Angebot finden.

Schlüterstr. 54 – Ehemaliger Chinesischer Kulturdienst
In dem Haus Schlüterstraße 54 befand sich in der Zeit des Nationalsozialismus in den 1930er Jahren der Chinesische Kulturdienst. Der Journalist Lin Qiusheng hatte das Büro in der Hoffnung eröffnet, in Deutschland einen Verbündeten gegen die aggressive Expansion Japans zu gewinnen. Der Anhänger Tschiang Kai-Sheks suchte in Deutschland Kontakte zu knüpfen und publizierte mehrere Schriften, die sich gegen Japan richteten. Japan war 1931 in die Mandschurei eingefallen. Mit diesem aber ging Deutschland seinerseits 1941 ein Bündnis ein. Lins Bestrebungen waren also vergeblich. Das Deutsche Reich und China wurden Kriegsgegner.
Für die in Berlin lebenden Chinesen waren die Kriegsjahre eine schwierige Zeit. Zum einen war es kaum möglich, Verbindungen zu ihren Angehörigen in der Heimat herzustellen, die Kleinhändler konnten sich nicht mehr mit Waren aus Fernost versorgen; zum anderen litten auch sie unter Hunger und Bombenangriffen in der Stadt.
Die Chinesen waren zwar nicht an sich von rassistisch motivierten Verfolgungen betroffen wie die jüdische Bevölkerung oder die Sinti und Roma. Doch sahen sich gerade deutsch-chinesische Paare vor Probleme gestellt, da die nationalsozialistischen Rassengesetze keine so genannten Mischehen duldeten. Auch wenn über etwaige Deportationen keine Daten vorliegen, lebten chinesische Männer, die in Berlin mit einer deutschen Frau liiert waren, mit der Angst, Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungen zu werden. Nach der Kapitulation Deutschlands konnten dann aber zahlreiche deutsch-chinesische Ehen geschlossen werden.

Mommsenstr. 6 – Gedenktafel für Leo Blech:
Der Text der Gedenktafel lautet:

Hier lebte von 1913 bis zu seiner Emigration
im Jahre 1937
LEO BLECH
22.4.1871 – 25.8.1958
Komponist, Dirigent, Generalmusikdirektor
an der Staatsoper unter den Linden
und am Deutschen Opernhaus Charlottenburg

Mommsenstr. 7 – Gedenktafel für Hanns Sachs
Diese Gedenktafel wurde vor einem Jahr, am 20. August 2006 im Rahmen der Reihe “Mit Freud in Berlin” enthüllt

HANNS SACHS
10.01.1881 Wien – 10.01.1947 Boston Massachusetts
Psychoanalytiker und Jurist
Lebte von 1920 bis 1930 in Berlin
Freund der Literatur und des Films.
Lehranalytiker am Berliner Psychologischen Institut.
Gehörte dem engsten Kreis um Sigmund Freud an.
Mitbegründer der Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die
Geisteswissenschaften,
„Imago“ (1912), ab 1939 „American Imago“.
Bereits 1932 erkannte er die Gefahr des Nationalsozialismus und
Emigrierte nach Boston (USA).

Kurfürstendamm 208 – Gedenktafel Berliner Secession
Der Text der Gedenktafel lautet:
Hier befand sich von 1905 bis
1914 das zweite Ausstellungsgebäude der
BERLINER SECESSION
1898 – 1932
die für die Entwicklung der modernen Kunst
in Deutschland
von wesentlicher Bedeutung war
Die um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert gegründete Künstlergemeinschaft Berliner Secession setzte sich bewusst von der akademischen Kunstszene der Kaiserzeit ab. Die staatlich geförderten Ausstellungen waren nicht bereit, die Kunstwerke expressionistischer Maler zu zeigen, weshalb diese ersten Vertreter der modernen Malerei in Deutschland fortan eigene Wege gingen, was schon der Name deutlich werden lässt: Secession bedeutet Abspaltung.
Von 1905 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges zeigten die Künstler der Berliner Secession in diesem Gebäude ihre Werke. Hauptvertreter waren Walter Leistikow und vor allem Max Liebermann. Das Gesamtwerk der Secession stellt einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung der modernen Malerei in Deutschland dar. Kaiser Wilhelm II. bezeichnete die Werke der Secession als “Rinnsteinkunst”, und der damalige Charlottenburger Oberbürgermeister Kurt Schustehrus erschien als einziger staatlicher Vertreter bei ihren Ausstellungseröffnungen.

Link zu: Kurfürstendamm 210, Foto: KHMM
Kurfürstendamm 210, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kurfürstendamm 210 – Ehemalige Hongkong-Bar
In bevorzugter Lage am Kurfürstendamm befand sich seit 1957 bis zum Abriss des damaligen Gebäudes 1967 die Hongkong-Bar, ein Szene-Treff mit aufwendiger Innenarchitektur, die ein avantgardistisches Ambiente vermittelte. Schöpfer des an ein Raumschiff erinnernden Einrichtungsensembles war Chen-Kuen Lee, der bereits, wie erwähnt, das „Canton“ am Stuttgarter Platz eingerichtet hatte und Schüler von Hans Scharoun war. Anders als das konventionell eingerichtete „Canton“ spürte man in der Hongkong-Bar einen Anflug von Extravaganz und Kosmopolitismus, was nicht zuletzt den wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt und den Zustrom von Touristen aus aller Welt widerspiegelte. Prominente und die bessere West-Berliner Gesellschaft gaben sich hier ein Stelldichein. Seit den 1960er Jahren wurden am Kurfürstendamm neue Baukonzepte diskutiert: Ältere Gebäude sollten zugunsten groß angelegter Einkaufszentren weichen. 1967 wurde das Gebäude abgerissen und die Hongkong-Bar wurde in dem neuen Gebäude nicht wiedereröffnet. Direkt nebenan entstand das Kudamm-Karree.
In der neuen Einkaufspassage Kudamm-Karree sind auch die beiden Boulevardtheater aus den 20er Jahren untergebracht, das “Theater am Kurfürstendamm“ und die “Komödie”. Das Kudamm-Karree konnte aber die Erwartungen nicht erfüllen. Immer wieder musste die öffentliche Hand zum Beispiel für Umbaumaßnahmen Geldspritzen beisteuern, dennoch bot das Zentrum dem Publikum keine Anreize. Die Qualität der Geschäfte ist nicht besonders anziehend, ein paar Kioske, Kneipen und Touristenläden. Zuletzt sorgte das Kudamm-Karree für Schlagzeilen, als der Eigentümer – ein von der Deutschen Bank kontrolliertes Investmentunternehmen – Komödie und Theater 2005 im Rahmen einer Neugestaltung des Komplexes kündigte. Neben vielen Bürgerinnen und Bürgern zeigte auch die Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf ihre Solidarität, indem sie Anfang 2006 eine Sitzung im “Theater am Kurfürstendamm“ abhielt. Bis 2008 ist der Fortbestand der Bühnen zunächst gesichert, langfristig ist ihre Zukunft aber noch ungewiss.

Kurfürstendamm 217 – Gedenktafel für Robert Musil
Der Text der Marmortafel lautet:
Hier schrieb
ROBERT MUSIL
Von 1931 bis 1933
An seinem Roman
„Der Mann ohne Eigenschaften“

Der 1880 geborene Österreicher Robert Musil war nicht nur Schriftsteller, sondern auch erfolgreicher Ingenieur und Physiker. Unter anderem entwickelte er den Musilschen Farbkreisel, ein Instrument zur Herstellung von Mischfarben. Musil hielt sich schon Anfang der 1920er Jahre für eine kürzere Zeit in Berlin auf und hatte von 1931 bis 1933 seinen Wohnsitz hier. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging er zunächst nach Österreich und nach 1938 ins Schweizer Exil.
In Berlin entstand ein Großteil seines Romans „Der Mann ohne Eigenschaften“, neben dem früher entstandenen Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ sein wichtigstes Werk. Musil starb 1942 an einem Schlaganfall in Genf.

Link zu: Kurfürstendamm 218, Foto: KHMM
Kurfürstendamm 218, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kurfürstendamm 218 – Ehemalige chinesische Botschaft
Die deutsch-chinesischen Beziehungen reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. 1861 wurde zwischen dem Königreich Preußen und dem Chinesischen Kaiserreich ein Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag unterzeichnet, der für die preußische Wirtschaft das Tor zum Asienhandel aufstoßen sollte. Zwei Jahre später wurden diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Staaten aufgenommen.
Das nach Größe und Prestige strebende Deutsche Kaiserreich suchte seinen „Platz an der Sonne“ auch in Ostasien, wo bereits die traditionellen europäischen Kolonialmächte, England und Frankreich, Fuß gefasst hatten und die Chinesen in den so genannten “ungleichen Verträgen“ in einer drückenden Abhängigkeit hielten. Mittels einer aggressiven Diplomatie erlangte das wilhelminische Deutschland die kleine Kolonie Kiautschou mit der Hauptstadt Tsingtao (heute Qingdao) an der chinesischen Küste. Der Befreiungsversuch der Chinesen schlug im Boxeraufstand 1897-1901 fehl. Die Europäer zeigten ihre militärische Überlegenheit in brutaler Weise.
Unter anderem hatte der Ausgang des Konflikts zur Folge, dass der chinesische Prinz Chun in einer denkwürdigen Sühnemission nach Deutschland reiste und sich in einem förmlichen Zeremoniell vor Kaiser Wilhelm II. demütig zu verbeugen hatte. Im Anschluss an das etwas absurde Prozedere im Neuen Palais in Potsdam hielt sich der Gast aus Fernost einige Tage in Berlin auf, um die Sehenswürdigkeiten der damaligen Reichshauptstadt aufzusuchen. Nicht wenige Berliner waren von der exotischen Eleganz des jungen Prinzen beeindruckt. Er war ein Bruder des Kaisers.
Im Ersten Weltkrieg befanden sich China und Deutschland seit 1917 im Kriegszustand. Die diplomatischen Beziehungen wurden abgebrochen. Nach dem Krieg wurden sie 1921 wieder aufgenommen. Handelsbeziehungen waren für beide Länder wichtig, für Deutschland, das sich aufgrund seiner vorläufigen Isolation in Europa nach alternativen Handelspartnern umsehen musste, und für China, weil das Land sich seit dem Sturz der Monarchie nie vollständig konsolidiert hatte.

Außerdem war die deutsche Kolonie Kiautschou an die Japaner gefallen, weshalb Deutschland nun nicht mehr den Status einer Kolonialmacht hatte; beide Länder waren jetzt Republiken. Die kleine Botschaft der Republik China befand sich in diesem etwas unscheinbaren Gebäude. Die Dimensionen der jetzigen chinesischen Botschaft in Mitte sind dagegen um einiges größer. Als Adolf Hitler 1941 ein Bündnis mit Japan schloss, befanden sich Deutschland und China im Krieg, der chinesische Botschafter verließ das Land. Nur zu dem von den Japanern installierten Marionettenregime mit der Hauptstadt Nanjing (früher Nanking) unterhielt NS-Deutschland diplomatische Kontakte.
Nach 1945 erhielt die Republik China als Siegermacht im zweiten Weltkrieg den Besatzungsstatus in Deutschland. In diesem Gebäude wurden die Siegesfeiern zum Kriegsende abgehalten. In dem bis 1949 andauernden chinesischen Bürgerkrieg errangen Mao Zedongs Kommunisten die Herrschaft in Festlandchina, die Republik China unter Chiang Kai-Shek blieb fortan auf die Insel Taiwan beschränkt, hielt aber den Alleinvertretungsanspruch für Gesamtchina lange Zeit aufrecht.
Die unter Maos Kommunistischer Partei etablierte Volksrepublik wurde zunächst nur von den sozialistischen Staaten in Europa und Asien anerkannt. Erst im Zuge der Neuen Ostpolitik der sozialliberalen Regierung unter Kanzler Willy Brandt konnten 1972 Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Volksrepublik China aufgenommen werden. Aber auch Taiwan, das sich weiterhin Republik China nannte, wurde von der westdeutschen Regierung nicht mit völkerrechtlicher Anerkennung bedacht, was zur Folge hatte, dass die taiwanesischen Gesandten abgezogen und die ehemals hier befindliche Botschaft wie zwei Konsulate in Westdeutschland in den Jahren 1949 und 1950 geschlossen werden mussten. Das Gebäude wurde in den 1980er Jahren an die Volksrepublik China zurückgegeben, von dieser wurde es aber bald verkauft.
Heute pflegen die Volksrepublik China und das vereinigte Deutschland vor allem intensive wirtschaftliche Beziehungen, wofür der Bau des von der Firma Siemens entwickelten Transrapid in Shanghai ein besonders deutliches Beispiel liefert.
Seit der Öffnung Chinas wird von beiden Seiten die Wichtigkeit guter bilateraler Beziehungen betont, auch wenn von deutscher Seite regelmäßig die Einhaltung von demokratischen Regeln und Menschenrechten in China eingefordert wird.

Link zu: Kantstraße 1
Kantstraße 1 Bild: Bezirksamt

Kantstr. 1 – Restaurant Lingnan
Zu Füßen des Schimmelpfeng-Hauses befindet sich noch heute das in den 1950er Jahren gegründete Restaurant „Lingnan“. Wie beim „Canton“ und der „Hongkong-Bar“ war auch hier der Scharoun-Schüler Chen-Kuen Lee für die Inneneinrichtung verantwortlich. Auch die Besitzer waren dieselben wie bei den anderen beiden Gaststätten, es handelte sich um die Herren Yue und Ah. Vermutlich aufgrund der günstigen Lage zwischen dem Bahnhof Zoologischer Garten, dem Kurfürstendamm und der Tauentzienstraße hat sich das „Lingnan“ bis heute erhalten können. Gegenüber befindet sich einer der in Berlin inzwischen inflationär verbreiteten asiatischen Fast-Food-Läden, die im Begriff sind, mit den althergebrachten Currybuden und den inzwischen etablierten Döner-Imbissen gleichzuziehen. Der neueste Trend geht dahin, die drei kulinarischen Richtungen zu kombinieren und mit Geschäften der Art Currywurst-Döner-und-Asia-Spezialitäten auf den Markt zu treten.

Das nicht zu übersehende Schimmelpfeng-Haus obenan soll in den nächsten Jahren abgerissen werden. An dem Standort und auf dem Nachbargrundstück sollen zwei neue Hochhäuser entstehen, in denen Hotels eingerichtet werden sollen. Das dahinter liegende Grundstück ist durch Abriss des darauf befindlichen ehemaligen Teppich-Kibek-Hauses bereits seit 1991 Brachland. Die Investoren konnten sich nicht über ein Bebauungskonzept einig werden. Das Schimmelpfeng-Haus soll vor allem deshalb abgerissen werden, weil es für das heutige Empfinden zu klobig wirkt und von der Kantstraße her den Blick auf die Gedächtniskirche versperrt. Baubeginn für das Projekt zur Neugestaltung des Areals soll 2008 sein. Zusammen mit dem neuen Kranzler-Eck sowie dem neu errichteten Swissôtel, ehemals Kudamm-Eck, bildet es einen wichtigen Markstein bei der Erneuerung der City im Westteil der Stadt.

Link zu: Budapester Straße 50, Foto: KHMM
Budapester Straße 50, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Budapester Str. 50 – Restaurant Taitung
Den Mann, der hier mit großem Vergnügen eine Peking-Ente mit Stäbchen zu verzehren scheint, kennt wohl jeder Berliner. Noch heute wirbt das Restaurant Tai-Tung, die wohl älteste noch existierende chinesische Gaststätte in Berlin, mit dem Foto des 2005 verstorbenen Berliner Originals Harald Juhnke. Dieser hatte sich 1971 in dritter Ehe mit der Tochter des Restaurantgründers, Susanne Hsiao, vermählt. Trotz seiner schweren Alkoholkrankheit bestand die Ehe bis zu seinem Tod. Ihr schwieriges Zusammensein mit dem Star hat Susanne Juhnke in dem Buch “In guten und in schlechten Tagen“ verarbeitet. Der Vorgänger des Restaurants mit gleichem Namen war noch 1944 in der Meinekestraße von Martin Liu gegründet worden. Nach dem Krieg eröffnete Yunlai Hsiao, später Juhnkes Schwiegervater und wie Liu ebenfalls Akademiker, das Tai-Tung in diesem neu errichteten Gebäude zwischen Zoologischem Garten und Breitscheidplatz. Durch die gehobene Küche und das gediegene Ambiente lockte es vor allem in den 1960er Jahren Prominente wie Hildegard Knef und den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt an.