Kiezspaziergang am 12.5.2007

Durch den Lietzenseepark

Link zu: Martina Schmiedhofer (links), Prof. Klaus W. Döring (hinten Mitte) und Irene Fritsch (am Mikro), Foto: KHMM
Martina Schmiedhofer (links), Prof. Klaus W. Döring (hinten Mitte) und Irene Fritsch (am Mikro), Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Sozial- und Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer

Treffpunkt: Sophie-Charlotte-Platz, am U-Bahn-Ausgang

Sehr geehrte Damen und Herren!

Herzlich willkommen zum 65. Kiezspaziergang. Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen ist an diesem Wochenende in unserer Partnerstadt Mannheim. Deshalb werde ich sie heute vertreten. Und ich freue mich, dass mich dabei Prof. Klaus W. Döring unterstützt, der Gründungsvorsitzende des Vereins Bürger für den Lietzensee. Er und die Mitglieder des Vereins kümmern sich seit einigen Jahren um den Lietzenseepark, und er hatte auch die Idee für diesen Kiezspaziergang. Ich freue mich sehr, dass auch Irene Fritsch bei uns ist. Sie hat bereits 2001 das Buch “Leben am Lietzensee” veröffentlicht und im letzten Jahr kam dann der Krimi “Finale am Lietzensee” dazu. Beide Bücher kann ich hier nur wärmstens empfehlen, und der Krimi ist auch richtig spannend. Und wie ich erfahren habe, ist das dritte Buch schon fertig geschrieben. Es muss nur noch gedruckt werden. Mit Prof. Döring und Frau Fritsch haben wir also die beiden Spezialisten bei uns, die alles über den Lietzensee und seinen Park wissen, und ich bin sehr gespannt, heute eine Menge Neues zu erfahren.
Übrigens ging auch der erste Kiezspaziergang, den Frau Thiemen angeboten hatte, am 12. Januar 2002 durch den Lietzenseepark.
Man könnte also auf die Idee kommen, dass wir heute zum ersten Mal einen Kiezspaziergang wiederholen. Aber dem ist natürlich nicht so: Erstens nehmen wir eine ganz andere Route, und zweitens hat sich – nicht zuletzt durch das Engagement des Bürgervereins – so viel verändert, dass dies ein ganz neuer Kiezspaziergang sein wird.
Außerdem gibt es heute eine weitere Besonderheit. Wie wir inzwischen erfahren haben, veranstaltet heute der Verein Kinderträume e.V. unter der Schirmherrschaft von Katharina Thalbach sein 10jähriges Bestehen auf der Spielstraße am Lietzenseepark. Das Fest hat um 11.00 Uhr begonnen und endet gegen 17.00 Uhr. Ich denke, es würde sich anbieten, dass wir zum Schluss, wenn wir die Runde durch den Park gemacht haben, bei dem Fest vorbeischauen und uns erklären lassen, welche Ziele der Verein Kinderträume e.V. hat.

Wie gewohnt will ich Ihnen zu Beginn den nächsten Treffpunkt mitteilen. Am Samstag, dem 9. Juni wird wieder Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen die Führung übernehmen. An diesem Tag soll die Deutsche Rentenversicherung Bund, die frühere BfA, im Mittelpunkt stehen. Treffpunkt ist wie immer um 14.00 Uhr, diesmal auf dem Fehrbelliner Platz vor dem Rathaus Wilmersdorf. Vorgestellt wird dann der neue Spielplatz für Erwachsene im Preußenpark, und es geht weiter vorbei an den verschiedenen Gebäuden der Deutschen Rentenversicherung Bund bis zu ihrem Ausbildungszentrum in der Nestorstraße.
Dort wird es dann auch verbilligte Karten für die Lange Nacht der Wissenschaften geben, die am 9. Juni ebenfalls veranstaltet wird und an der sich das Ausbildungszentrum der Deutschen Rentenversicherung Bund beteiligt.

Wie Sie wissen gibt es seit Januar dieses Jahres auch das Kiezmenü, und zwar immer am letzten Mittwoch eines Monats um 18.00 Uhr. Für das Mai-Menü gibt es noch einige wenige Plätze. Sie können sich dafür in der Pressestelle anmelden, Telefon 9029-12514. Es findet statt am Mittwoch, dem 30. Mai, um 18.00 Uhr im Restaurant Glocke, Mecklenburgische Straße 14 am Brabanter Platz, und es gibt einen Vorspeisenteller “Georgische Art”, Spargel nach Art des Hauses und ein Dessert “Himbeerträume” für 12.- Euro.
Die Anmeldefrist für das Juni-Menü beginnt am Montag, dem 4. Juni. Es findet statt am Mittwoch, dem 27. Juni, um 18.00 Uhr im Kien-Du, das an der Kaiser-Friedrich-Straße 89 seit 1973 thailändische Spezialitäten anbietet.

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Sophie-Charlotte-Platz, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Sophie-Charlotte-Platz
Der Sophie-Charlotte-Platz wurde 1892 benannt nach der Namensgeberin von Charlottenburg, der preußischen Königin Sophie Charlotte, der Gemahlin von König Friedrich I. 1910 wurde der Platz mit Rasen, Rabatten, Hecken und Bäumen angelegt.

Kaiserdamm
Der Kaiserdamm erhielt seinen Namen 1906, also genau vor 100 Jahren, nach dem damaligen Deutschen Kaiser Wilhelm II. Am 26 April 1967 wurde der Kaiserdamm in Adenauerdamm umbenannt. Aber nach vehementen Protesten der Bevölkerung erhielt er bereits am 15. Januar 1968 seinen alten Namen zurück. Ersatzweise wurde dann für Konrad Adenauer der Adenauerplatz am Kurfürstendamm gefunden.
Um 1900 entstand auf Initiative Berlins und des Militärs ein Verkehrsprojekt, das von Charlottenburg zunächst eher skeptisch betrachtet wurde: das “Heerstraßenprojekt”, eine geradlinige Prachtstraßenverbindung von Berlin durch den Tiergarten über Charlottenburg und das südliche Spandau bis zum Truppenübungsgelände bei Döberitz westlich von Spandau.
Charlottenburg stimmte schließlich zu, nachdem es als Gegenleistung zu einem günstigen Preis Gelände südlich und südwestlich des Reichskanzlerplatzes, des heutigen Theodor-Heuss-Platzes erwerben konnte. Auf diesen Grundstücken wurde später das Messegelände errichtet.
Zunächst aber ging es um die Straßenverbindung vom Berliner Schloss durch den Tiergarten bis Döberitz. 1902 wurden alle Häuser an der Südseite der Bismarckstraße abgerissen, um die Straße zu verbreitern und über den Kaiserdamm zur Heerstraße zu verlängern.
Für die Nationalsozialisten wurde dieser Straßenzug zur Ost-West-Achse, die als riesige Paradestraße ausgebaut werden sollte und teilweise auch ausgebaut wurde.

Beispielsweise wurden die beiden Flügel des Charlottenburger Tores an der heutigen Straße des 17 Juni, der damaligen Charlottenburger Chaussee, auseinander gezogen, um Platz zu schaffen. Albert Speer selbst hat die Straßenlampen entworfen, die noch heute entlang des Straßenzuges stehen, auch hier am Kaiserdamm.

Link zu: Kaiserdamm 118, Foto: KHMM
Kaiserdamm 118, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kaiserdamm 118
Das Wohnhaus wurde 1907/08 von Hermann Heider gebaut. Es steht unter Denkmalschutz und wurde 1990 restauriert. Es ist ein mehrgeschossiges Mietshaus im Stil der Neorenaissance mit einer kolossalen Giebelfront, einer mit Mosaiken verzierten Ladenzone, einem über dem Eingangsportal auf mächtigen figürlichen Konsolen ruhenden Erker, sowie weiteren, grau verputzten Erkern. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zogen Offiziere der Roten Armee in die bis zu 400 qm großen Wohnungen.

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Kaiserdamm 1, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kaiserdamm 1
Dieses Haus wurde 1906 bis 1910 von Oskar Launer und Kloeppel für das damalige Polizeipräsidium Charlottenburg gebaut. Die Barockfassade aus Werkstein will die Passanten beeindrucken. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Heute ist hier das Referat Umweltkriminalität des Landeskriminalamtes und der Abschnitt 24 untergebracht.

Nach der Eingemeindung Charlottenburgs nach Berlin im Jahr 1920 wurde hier die Kriminalpolizei untergebracht, und in den 20er Jahren war dies der Sitz des von den Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Herkunft diffamierten Berliner Vizepolizeipräsidenten und Chefs der Kriminalpolizei Bernhard Weiß.
Nach dem Abitur im Jahr 1900 studierte Bernhard Weiß Rechtswissenschaften in Berlin, München, Freiburg und Würzburg und schloss das Studium mit der Promotion ab.
1904/1905 absolvierte er eine militärische Ausbildung zum Reserveoffizier. Im Ersten Weltkrieg stieg er zum Rittmeister auf und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse ausgezeichnet.
Im Sommer 1918 wurde er als Stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei in Berlin in den Polizeidienst aufgenommen, 1925 wurde er Chef der Kriminalpolizei und 1927 Vizepolizeipräsident.
Weiß, der Mitglied der DDP war, griff als Beamter der Republik gegen Rechtsbrüche systematisch durch. Er wurde Opfer regelmäßiger Diffamierungskampagnen der aufkommenden NSDAP unter dem Berliner Gauleiter Joseph Goebbels, der Weiß wegen seiner jüdischen Herkunft stets als “Isidor Weiß” bezeichnete. Besonders in Goebbels Hetzpostille “Der Angriff” war Weiß ständig Gegenstand antisemitisch motivierter Diffamierungen in Texten und Karikaturen. Mit Weiß hatte Goebbels einen Feind gefunden, der seiner Nazi-Ideologie entsprach: ein Bürger jüdischer Herkunft und Repräsentant der Republik, im Nazijargon “Vertreter des Systems”. Weiß führte gegen Goebbels mehr als 60 erfolgreich verlaufende Prozesse.
Als Vizepolizeipräsident bekämpfte Weiß die Pöbeltruppen der SA und gleichermaßen die Kampfformationen der Kommunisten, die der Weimarer Republik ebenfalls feindselig gegenüberstanden.
In der Berliner Bevölkerung und in der Polizei war Weiß sehr populär und geachtet. Liebevoll-despektierlich nannten sie ihn “Vipoprä”.
Nach dem “Preußenschlag” Papens 1932 verlor Weiß – wie die gesamte Regierung Preußens – sein Amt. Nach kurzer Haft wurde er freigelassen und lebte bis zum März 1933 in Berlin. Als die Nazis ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hatten, ermöglichten ihm Kollegen die Flucht. Weiß floh 1933 über Prag nach London, wo er 1951 kurz nach der Wiedererlangung seiner deutschen Staatsbürgerschaft im Alter von 70 Jahren starb.

Witzlebenstraße
Witzlebenstraße und Witzlebenplatz wurden 1905 nach dem Preußischen Geralmajor, Staats- und Kriegsminister Wilhelm von Witzleben benannt. Er wurde 1783 in Halberstadt geboren, starb 1837 in Berlin. 1827 kaufte er in Charlottenburg den Lietzensee mit Umgebung und schuf sich hier einen Sommersitz. Im gleichen Jahr erhielt er die Charlottenburger Ehrenbürgerrechte. Nach seinem Tod verkaufte die Familie 1840 den Charlottenburger Besitz.

Witzlebenstr. 34/35: Lietzensee-Grundschule

Das Gebäude wurde 1903/04 nach Plänen von Paul Bratring und Rudolf Walter für die 21. und 22. Gemeindeschule Charlottenburg gebaut. Der Mauerwerkbau ist mit orangeroten Ziegeln verblendet. Die schmückenden und gliedernden Teile sind aus Muschelkalk und Sandstein. Die Fassade ist zum Teil mit bildhauerischem Schmuck versehen. Das im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Dachgeschoss wurde nach 1945 vereinfacht wieder hergestellt. Heute ist hier die Lietzensee-Grundschule untergebracht.

Link zu: Witzlebenstraße 4-5, Foto: KHMM
Witzlebenstraße 4-5, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Witzlebenstraße 4-5 / Witzlebenplatz 1-2:
Ehemaliges Reichskriegsgericht, Reichsmilitärgericht, Kammergericht
Das Gerichtsgebäude wurde 1908-1910 erbaut. Nachdem es jahrelang leer stand, wird es jetzt zu einem Wohnhaus mit Mietwohnungen umgebaut.
Von 1910 bis 1920 fungierte das Gebäude als Reichsmilitärgericht, danach bis 1936 als Reichswirtschaftsgericht und Kartellgericht. 1936 zog hier das von den Nazis gegründete Reichskriegsgericht ein, der höchste Gerichtshof der NS-Wehrmachtsjustiz.
Er war zuständig für Hoch- und Landesverrat von Militärangehörigen, “Kriegsverrat” und Wehrdienstverweigerung aus religiösen Gründen. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde seine Kompetenz erweitert auf die Delikte Spionage, Wirtschaftssabotage und “Wehrkraftzersetzung”. Aus den Jahren 1939 bis 1945 sind mehr als 1400 Todesurteile aktenkundig, von denen mehr als 1000 vollstreckt wurden. Insgesamt haben NS-Kriegsgerichte während des Zweiten Weltkriegs mehr als 30.000 Todesurteile verhängt, von denen die meisten vollstreckt wurden. Zum Vergleich: Während des gesamten Ersten Weltkriegs hat die Militärjustiz des Kaiserreichs insgesamt 150 Todesurteile verhängt, von denen 48 vollstreckt wurden.
Am bekanntesten wurden die Verfahren gegen die Widerstandsgruppe “Rote Kapelle”. Mehr als 50 Mitglieder der Gruppe wurden hier zum Tode verurteilt und in Plötzensee ermordet. Das Reichskriegsgericht war ein Instrument des Terrors des NS-Staates. 1943 zog das Gericht wegen der zunehmenden Luftangriffe nach Torgau um. Das letzte Urteil wurde am 10.4.1945 gefällt. Danach flohen die Richter in den Süden Deutschlands.
Von einigen Überlebenden und Angehörigen der Opfer wurde unmittelbar nach dem Krieg gefordert, die Richter des Reichskriegsgerichtes als Kriegsverbrecher anzuklagen. Das französische Tribunal Général ermittelte gegen sieben führende Richter, die eineinhalb Jahre in der Festung Rastatt in Untersuchungshaft zubringen mussten. Dabei erhängte sich der ehemalige Senatspräsident Walter Biron 1947 in seiner Zelle. 1948 wurde das Verfahren vor Prozesseröffnung eingestellt.
Keiner der Richter wurde nach dem Krieg verurteilt. Erst in den letzten Jahren wurden einige der von ihnen gefällten Urteile revidiert, und erst jetzt stellt sich auch die deutsche Justiz ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.
An, vor und in dem Gebäude befinden sich folgende Gedenktafeln:

1984 wurde eine Gedenktafel für Dr. Karl Sack enthüllt, der von 1938 bis zum November 1939 Richter am Reichskriegsgericht war:
“Am Reichskriegsgericht wirkte hier
1938/39 Dr. Karl Sack als Widerstandskämpfer.
Am 9.4.1945 ermordet im KZ Flossenbürg.”
Im September 1942 wurde er zum Chef der Heeresjustiz ernannt. Er hatte Kontakte zu der Widerstandsgruppe der militärischen Abwehr um Canaris, Oster und Hans von Dohnanyi. In den Plänen der Verschwörer vom 20. Juli 1944 war er in einer zivilen Regierung als Justizminister vorgesehen. Nach dem Attentat wurde er im September 1944 verhaftet und am 9. April zusammen mit anderen Widerstandskämpfern wie Dietrich Bonhoeffer, Admiral Wilhelm Canaris und Generalmajor Hans Oster im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt.

Eine Gedenktafel für Franz Jägerstätter wurde 1997 an der Umfriedung des Gebäudes angebracht. Jägerstätter wurde hier wegen Kriegsdienstverweigerung 1943 zum Tode verurteilt und im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. In der amerikanischen Friedensbewegung ist Jägersätter eine Symbolfigur wie Martin Luther King und Mahatma Gandhi.
“IN DIESEM GEBÄUDE WURDE DER
ÖSTERREICHISCHE BAUER
FRANZ JÄGERSTÄTTER (1907 – 1943)
VOM EHEMALIGEN REICHSKRIEGSGERICHT
WEGEN SEINER GEWISSENSENTSCHEIDUNG
GEGEN EINE KRIEGSTEILNAHME
AM 6. JULI 1943 ZUM TOD VERURTEILT.
MIT IHM GEDENKEN WIR ALL JENER,
DIE WEGEN EINER
GEWISSENSENTSCHEIDUNG OPFER
VON KRIEGSGERICHTEN WURDEN.”

Link zu: Am Verkehrsspiegel, Foto: KHMM
Am Verkehrsspiegel, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Gegenüber der Gedenktafel für Franz Jägerstätter befindet sich ein Verkehrsspiegel, der auf das Mahnmal “Denkzeichen zur Erinnerung an die Ermordeten der NS-Militärjustiz am Murellenberg” hinweist. Das von der Berliner Künstlerin Patricia Pisani geschaffene Mahnmal wurde 2002 entlang des Waldweges von der Glockenturmstraße am Olympiastadion bis in die Nähe des Erschießungsortes hinter der Waldbühne aufgestellt. Es besteht aus 106 Verkehrsspiegeln. Auf sechzehn Spiegeln informieren eingravierte Texte über das Geschehen in der Murellenschlucht. Unter den Nationalsozialisten wurde dort eine Wehrmachtshinrichtungsstätte errichtet:

In der Murellenschlucht, am Hang des Murellenberges wurden zwischen dem 12. August 1944 und dem 14. April 1945 Deserteure, Wehrdienstverweigerer und Befehlsverweigerer unterschiedlicher Dienstgrade, mehrheitlich nach Urteilen des Reichskriegsgerichtes, standrechtlich erschossen. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, ca. 230 sind bisher namentlich ermittelt; viele der Exekutierten wurden im Spandauer Fort Hahneberg beerdigt.

1988 wurde im Foyer des dritten Obergeschosses des Gerichtes eine Gedenktafel mit folgendem Text angebracht: “Zum Gedenken an die jüdischen Juristen unserer Stadt 1933 – 1945. Den Richtern, Rechtsanwälten und Staatsanwälten, die sich um das Ansehen der Rechtspflege in Berlin verdient gemacht haben und Opfer der Verfolgung geworden sind.” Mit dieser Gedenktafel wird an die jüdischen Rechtsanwälte, Notare, Richter und Staatsanwälte erinnert, die in den Jahren der faschistischen Diktatur Opfer des Rassismus geworden waren. Wie den Angehörigen anderer Berufszweige, wurde auch den jüdischen Rechtswissenschaftlern die Ausübung ihrer Tätigkeit untersagt. 1938 wurden den privaten Anwälten jüdischer Herkunft endgültig die Praxen geschlossen. Sie wurden entlassen, ihrer sozialen Existenz beraubt, gedemütigt, zur Emigration gezwungen. Viele von ihnen wurden in Konzentrationslager in den Tod deportiert.

In dem Krimi von Irene Fritsch spielt die Geschichte dieses Hauses eine entscheidende Rolle. Vielleicht kann sie uns kurz erläutern, worum es dabei geht.

Link zu: St. Canisius, Foto: KHMM
St. Canisius, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Witzlebenstr.27-29: Katholische Kirche St. Canisius
Die katholische St. Canisius-Kirch wurde am 28.06.2002 eingeweiht. Der Neubau des Architekturbüros Büttner, Neumann & Braun entstand an Stelle der 1995 durch Brand zerstörten Kirche.
Hier will uns aber Prof. Döring einiges zu der auffälligen modernen Architektur sagen.

Link zu: Am Lietzensee, Foto: KHMM
Am Lietzensee, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Lietzenseeufer
Der Lietzensee ist 6,6 ha groß und 3-4m tief. Er hat keinen Zufluss, sondern wird allein durch Grundwasser gespeist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war er nahezu verlandet, völlig verschilft und nur noch knapp 20cm tief. Er wurde auf zwei Meter Tiefe ausgebaggert. Wegen der übermäßigen Nährstoffbelastung wurde hier – vermutlich weltweit zum ersten Mal – eine künstliche Sanierung durch Nährstoffdrosselung durchgeführt.
An der Witzlebenstraße wurden 1990 und 1995 Edelstahl-Skulpturen von Volkmar Haase aufgestellt: Gegenüber der Kirche St. Canisius “Tangentiale Berührung – Versuch einer Balance” (1990) und gegenüber dem Reichskriegsgericht “Woge mit Kugel – Der Anfang und das Ende” (1995). Für die Kunst im Lietzenseepark hat sich besonders Prof. Döring engagiert. Deshalb will ich jetzt ihm das Wort geben.

Lietzensee-Kaskade, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Lietzenseekaskade
Am 21.7.2006 wurde die sanierte Große Lietzenseekaskade an der Dernburgstraße der Öffentlichkeit übergeben. Ihre umfassende bauliche Sanierung und Rekonstruktion konnte dank der Stiftung Denkmalschutz Berlin in einer Bauzeit von ca. acht Monaten erfolgreich beendet werden. Das Bezirksamt hat parallel die wassertechnischen Anlagen instand setzen lassen. Dabei wurde die Technik umgerüstet, so dass kostensparend und ökologisch sinnvoll das Wasser aus dem Lietzensee zur Kaskadenbewässerung verwendet werden kann. Ebenso wurden die angrenzenden Grünflächen gartendenkmalpflegerisch überarbeitet und teilweise wie die Kaskadenanlage in historischer Anlehnung an den Gartenarchitekten Erwin Barth wieder hergestellt. Die von Barth 1912 konzipierten Hohlwege wurden von neuem angelegt, die Rasentreppen – in Anpassung an die Wasserstufen – und die Treppenanlagen neu modelliert sowie die Wegebeläge teilweise saniert. Die Kosten für die Wiederherstellung der Kaskade sind vollständig von der Stiftung Denkmalpflege Berlin übernommen worden. Die Wiederherstellung der Grünanlage, die neue Beregnungsanlage und die Wassertechnik wurden aus den Haushalten der Abteilung Bauwesen und der Abteilung Umwelt finanziert. Insgesamt kostete die Baumaßnahme 246.000 EUR.