121. Kiezspaziergang am 14.01.2012

Vom Fehrbelliner Platz zum Adenauerplatz

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BV-Vorsteherin Judith Stückler und Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Treffpunkt: Am Fehrbelliner Platz 4 vor dem Rathaus Wilmersdorf
ca. 1,6 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 121. Kiezspaziergang, dem ersten im Neuen Jahr.
Wie gewohnt und wie versprochen wird es mit den Kiezspaziergängen auch in diesem Jahr weitergehen. Immer am zweiten Samstag eines Monats jeweils ab 14.00 Uhr können Sie mit mir oder einem anderen Bezirksamtsmitglied einen Kiez unseres Bezirks erkunden. Drei Schwerpunkte werden wir diesmal haben und uns dabei jeweils etwas aufwärmen können.

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Kartenskizze
Bild: Bezirksamt

Gleich zu Beginn werden wir gemeinsam mit der Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, Judith Stückler, das Rathaus Wilmersdorf besichtigen. Es ist Sitz der BVV, und Frau Stückler wird uns den Sitzungssaal vorstellen und die Aufgaben der Bezirksverordneten erläutern.
Danach wollen wir das Jugendzentrum Spirale an der Westfälischen Straße besuchen, wo uns Tom Zielen die Jugendkulturarbeit dieser beliebten Jugendeinrichtung vorstellen wird.
Unser dritter Schwerpunkt wird der neu entstehende Campus Daniel rund um die Daniel-Gemeinde sein. Dort baut der Evangelische Kirchenkreis Wilmersdorf an der Brandenburgischen Straße neben der Kita gerade eine neue Grundschule, das Gemeindehaus wird umgebaut, und neben der Kirche gibt es auch noch eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz.
Campus-Manager Phillip Balt vom Evangelischen Kirchenkreis Wilmersdorf wird uns den Campus Daniel vorstellen. Vorbei am Lottohaus werden wir dann zum Schluss den Adenauerplatz erreichen.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen. Wie immer findet er am zweiten Samstag des Monats statt, also am 11. Februar ab 14.00 Uhr. Weil ich wegen eines anderen Termins leider verhindert bin, wird mein Kollege, Sozialstadtrat Carsten Engelmann die Leitung übernehmen. Start ist am Samstag, dem 11. Februar, um 14.00 Uhr auf dem Ernst-Reuter-Platz am U-Bahnausgang Hardenbergstraße Ecke Schillerstraße. Es wird über die “Hardenberger” in der Kohlrauschstraße, das neue Jazz-Institut Berlin am Einsteinufer, das Seniorenzentrum Kardinal Bengsch am Iburger Ufer und den Malteser Hilfsdienst in Alt-Lietzow bis zum Rathaus Charlottenburg gehen.
Im Internet finden Sie alles unter www.kiezspaziergaenge.de.

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Im Rundhof, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Rathaus Wilmersdorf
Das Rathaus Wilmersdorf befindet sich in einem Verwaltungsgebäude, das nicht als Rathaus gebaut wurde. Das können Sie daran erkennen, dass es keinen Turm hat wie alle anderen großen Rathäuser in Berlin.
Das hat mit den beiden Weltkriegen zu tun. Es gab seit 1894 ein Rathaus Wilmersdorf an der Brandenburgischen Straße Ecke Gasteiner Straße. Das war zu klein geworden, als Wilmersdorf im Jahr 1906 mit 75.000 Einwohnern Stadtrechte erhielt und schnell weiter wuchs. Deshalb wurden insgesamt drei Wettbewerbe für ein neues großes Rathaus an der Nordseite des Fehrbelliner Platzes durchgeführt, wo sich heute der Preußenpark befindet. Sein Turm sollte den vom Rathaus Schöneberg weit überragen. Aber die Wilmersdorfer Verantwortlichen ließen sich zu lange Zeit, konnten sich nicht einigen, und so kam der Erste Weltkrieg dazwischen.
Als Wilmersdorf nach dem Krieg 1920 als 9. Bezirk nach Groß Berlin eingemeindet wurde, war an den Bau eines pompösen Rathauses nicht mehr zu denken. Die Bezirksverwaltung wurde in verschiedene Gebäude, unter anderem im ehemaligen Joachimsthalschen Gymnasium einquartiert. Auch das alte kleine Rathaus an der Gasteiner Straße wurde bis zur seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg weiter genutzt.
Dieses Haus am Fehrbelliner Platz Nr.4 wurde mitten im Zweiten Weltkrieg als letztes großes Verwaltungsgebäude von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Auftrag gegeben und 1941 bis 1943 von A. Remmelmann gebaut. Es sollte die DAF-Zentrale nebenan am Hohenzollerndamm 177 ergänzen. Bei Fertigstellung zog aber nicht die DAF ein, sondern das Haus wurde als Dienstgebäude für das Oberkommando des Heeres requiriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1945 von den Briten beschlagnahmt und als Hauptquartier eingerichtet.
Im Gegensatz zu den umliegenden Wohnhäusern war keines der Verwaltungsgebäude am Fehrbelliner Platz im Krieg schwer beschädigt worden. Angeblich haben die Alliierten diese Gebäude geschont, weil sie sie nach dem Krieg selbst benutzen wollten. 1954 zog hier das Rathaus Wilmersdorf ein, die Briten bezogen ihr neues Hauptquartier beim Olympiastadion.
Der kreisrunde Innenhof mit seinem umlaufenden Säulengang ist mit seinem Bezug auf antike Vorbilder einerseits typisch für nationalsozialistische Vorlieben in der Architektur, andererseits ist er sehr ähnlich dem Gebäude des Polizeipräsidiums in Kopenhagen, das in den 20er Jahren gebaut wurde.
1957 wurden 27 von Prof Ludwig Peter Kowalski gestaltete Wappenmosaiken ehemals ostdeutscher Länder und Städte im Rundhof angebracht.
Seit den 1980er Jahren gab es in der Wilmersdorfer BVV eine Diskussion darüber, ob diese Wappen nicht in einem revanchistischen Sinn missverstanden werden könnten. Deshalb wurden 1992 Erläuterungstafeln neben der Eingangstür angebracht, die darauf hinweisen, dass mit diesen Wappen keine revanchistischen Ziele verfolgt werden. “ Mit diesen Wappen werden keine Ansprüche verbunden. Sie erinnern an einen Teil der deutschen und europäischen Geschichte.” Sie finden auf den Erläuterungstafeln die deutschen und polnischen Namen aller Länder und Städte, deren Wappen hier angebracht sind.
1960 wurden zwei Gedenksteine errichtet: “Den Opfern nationalsozialistischer Willkür” und “Den Opfern der beiden Weltkriege”, 1981 kam ein dritter Gedenkstein hinzu: “Den Opfern kommunistischer Willkür”.
1988 wurde in der Mitte des Rondells ein venezianischer Brunnen aufgestellt, der im Winter eingelagert wird. Er wurde dem Bezirk von der Berliner Bank gestiftet, die ihn aus dem Schloss Brüningslinden an der Sakrower Landstraße in Spandau übernommen hatte, bevor dieses 1972 abgerissen worden war.
Im gleichen Jahr 1988 wurde auch der Bronze-Bär von Hildebert Kliem aufgestellt.
2005 kam die Skulptur “Versöhnung” wieder hierher. Der in Berlin geborene und nach Argentinien emigrierte deutsch-jüdische Bildhauer Pablo Hannemann hat sie 1978 der Stadt Berlin geschenkt. Sie wurde dem Bezirk Wilmersdorf übertragen und hier aufgestellt. Nach vier Jahren 1983 wurde sie an den Uferweg am Koenigssee zwischen Koenigsallee und Wissmannstraße versetzt. Nach einem Beschluss der BVV steht sie seit 2005 wieder an ihrem ursprünglichen Ort hier im Rundhof.
Im rechteckigen Wirtschaftshof des Rathauses befindet sich der Eingang zum früheren Atomschutzbunker, der seit den 90er Jahren als EDV-Zentrale des Landesbetriebes für Informationstechnologie (LIT) genutzt wird.
Bei der Fusion der Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf 2001 wurde beschlossen, dass der Sitz des Bezirksbürgermeisters im Rathaus Charlottenburg und der Sitz der Bezirksverordnetenversammlung im Rathaus Wilmersdorf sein soll. Deshalb wird uns jetzt BVV-Vorsteherin Judith Stückler den BVV-Saal und die BVV vorstellen. Ich danke ihr herzlich dafür.

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Fehrbelliner Platz, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Fehrbelliner Platz
1892 wurde der Platz an der Kreuzung von Hohenzollerndamm und Brandenburgischer Straße nach der brandenburgischen Stadt Fehrbellin benannt, wo 1675 eine entscheidende Schlacht geschlagen wurde, in der die Brandenburger gegen die Schweden siegten. Die Entwicklung des Fehrbelliner Platzes aber begann erst 1913, als hier der U-Bahnhof eröffnet wurde. Das Gelände ringsherum war noch unbebaut. Nur Laubenkolonien und ein großer Sportplatz befanden sich hier. 1920-25 wurde der Preußenpark angelegt, und die Randbebauung des Platzes begann 1923 mit dem ersten Verwaltungsgebäude der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte an der Ruhrstr. 1-2, 1930 wurde es erweitert um den Bau an der Ruhrstr. 3. Alle anderen großen Verwaltungsgebäude am Platz wurden in den 30er Jahren gebaut. Vor allem der Fassadenschmuck zeigt teilweise noch die Vorlieben der nationalsozialistischen Bauherren.

Fehrbelliner Pl. 1: Landesverwaltungsamt
Das Haus am Fehrbelliner Platz 1, Ecke Württembergische Straße wurde 1936 als Karstadt-Kontorhaus gebaut. 1963 zog das neu geschaffene Landesverwaltungsamt ein und ist bis heute an diesem Standort geblieben. 1954/55 bauten Werry Roth und Richard von Schuberth im Anschluss an dieses Gebäude an der Württembergischen Straße das Hochhaus für den Bausenat, der bis heute hier residiert, allerdings jetzt unter dem Namen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Fehrbelliner Pl. 2: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Das Haus am Fehrbelliner Platz 2 zwischen Hohenzollerndamm und Brandenburgischer Straße wurde 1939 von Otto Firle für die Nordstern-Versicherung gebaut, 1939-45 war hier außerdem die Reichsstelle für Milch- und Fettwirtschaft untergebracht, in der Nachkriegszeit die Senatsverwaltung für Inneres.
Nach deren Umzug in die Klosterstraße in Mitte übernahm die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Gebäude.

Fehrbelliner Pl. 3: Bundesarchiv
Das Haus am Fehrbelliner Platz 3 zwischen Brandenburgischer Straße und Barstraße wurde 1938 von der Reichsbaudirektion als Reichsgetreidestelle errichtet, in der Nachkriegszeit wurden verschiedene Bundesinstitutionen darin untergebracht, zum Beispiel das Gesamtdeutsche Institut. Heute befindet sich darin unter anderem das Filmarchiv des Bundesarchivs.

U-Bahnhof
In den 60er Jahren wurde der U-Bahnhof Fehrbelliner Platz zum Kreuzungsbahnhof der U-Bahnlinien 1 und 7 umgebaut. 1967-72 baute Rainer Gerhard Rümmler den neuen Eingangspavillon mit der knallroten Keramikfliesenverkleidung im Kontrast zu den Verwaltungsgebäuden ringsum.
Der gesamte Bahnhof wurde 1999 saniert. Vor allem die unterirdische Ebene wurde komplett umgebaut und mit einem Einkaufszentrum ausgestattet.

Sieben Schwaben
Die Sieben Schwaben von dem Bildhauer Hans-Georg Damm wurden 1978 auf dem Mittelstreifen des Hohenzollerndamms aufgestellt.

Fehrbelliner Pl. 5: DRV Bund
Am 7.8.1953 wurde die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte als personell stärkste Bundesbehörde mit Sitz in Berlin eröffnet. Das war ein wichtiges Zeichen für die Zugehörigkeit West-Berlins zur Bundesrepublik Deutschland. In den folgenden Jahren vergrößerte sich die BfA mit einer Reihe von Neubauten am Fehrbelliner Platz und in seiner Umgebung. Das Hauptgebäude hier am Fehrbelliner Platz 5 wurde 1970-73 von Jan und Rolf Rave gebaut. Weil es in den 70er Jahren üblich war, wurden in diesem Bau auf fast allen Etagen Großraumbüros eingerichtet.
2005 ging die BfA in der neu gebildeten Deutschen Rentenversicherung Bund auf, bei der insgesamt rund 22.000 Beschäftige mehr als 20 Millionen Renterinnen und Rentner und mehr als 52 Millionen Versicherte ohne Rentenbezug betreuen.
In diesem Haus ist unter anderem das Rechenzentrum und in den unteren Etagen das Vortragszentrum untergebracht. Hier werden zum Beispiel die Rentenbescheide gedruckt.

Brandenburgische Straße

Westfälische Straße
1921 entstand zwischen der Westfälischen Straße 90 und der Ruhrstraße 2 das erste Gebäude der damaligen Reichsversicherungsanstalt für Angestellte.
1929/30 wurde es an der Ruhrstraße 3-4 durch einen Klinkerbau von Georg Reuter erweitert.
1957-59 entstand für die BfA der Backsteinbau von Heinz Behnke an der Konstanzer Straße 42, 1965 der Hochhausbau von Heinz Kroh an der Westfälischen Straße 57.

Westfälische Str. 87: Schornsteinfeger-Innung

Westfälische Str. 86: Botschaft der Republik Malawi

Link zu: Jugend- und Kulturzentrum Spirale, Foto: KHMM
Jugend- und Kulturzentrum Spirale, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Westfälische Str. 16a: Jugend- und Kulturzentrum Spirale
Das Jugend- und Kulturzentrum Spirale ist eine der erfolgreichsten und beliebtesten Jugendeinrichtungen des Bezirks. Sie bietet Workshops, Probenräume, ein Tonstudio, Konzerte und vieles mehr für Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit an. Ich freue mich sehr, dass der Leiter der Spirale, Tom Zielen, uns seine Einrichtung heute vorstellt.

Münstersche-Str. 15-17: Katharina-Heinroth-Grundschule
Die Katharina-Heinroth-Grundschule befindet sich in der 1905 bis 1907 von Otto Herrnring für das damalige Goethe-Reformrealgymnasium errichteten Anlage. Später befanden sich auf dem Gelände die Michael-Grzimek- und die Paul-Eipper-Grundschule. Nach Vereinigung der beiden Schulen wurde im März 2000 die Katharina-Heinroth-Schule gegründet. Mit der Namensgebung wurde Katharina Heinroth geehrt. Sie lebte von 1897 bis 1989 und war die erste Direktorin des Berliner Zoologischen Gartens nach dem Zweiten Weltkrieg.

Link zu: Jüdisches Bildungszentrum, Foto: KHMM
Jüdisches Bildungszentrum, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Münstersche Str. 6: Jüdisches Bildungs- und Familienzentrum Chabad Lubawitsch
Das alte Umspannwerk der Bewag an der Münsterschen Straße 6 wurde im Auftrag der jüdisch-orthodoxen Vereinigung Chabad Lubawitsch von dem russischen Architekten Sergei Tchoban umgebaut zu einem Bildungs- und Familienzentrum mit Synagoge, Kita, Medienzentrum, Mehrzweckräumen und einer Nachbildung der Jerusalemer Klagemauer auf rund 1.000 Quadratmetern. Es ist das größte jüdische Bildungszentrum in Europa und eine Begegnungsstätte verschiedener Kulturen. Am 18.2.2007 wurde mit einer feierlichen Zeremonie die neue Tora-Rolle eingeführt. Am 2.9.2007 war die Einweihung mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.
Die Szloma-Albam-Stiftung, die jüdisches Leben und jüdische Bildung in Deutschland unterstützt, hatte den Kauf des Bewag-Gebäudes mit unterstützt. Finanziert wurde der Bau durch zahlreiche Spenden.
Zum Schuljahresbeginn 2008 wurde ein Tora-Kolleg eröffnet, das am 14.10.2009 vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit offiziell eingeweiht wurde. Das Internat bietet jungen jüdischen Männern die Möglichkeit, in Berlin die Schule zu besuchen und gleichzeitig intensive jüdische Studien zu betreiben.
Wer im Februar des letzten Jahres beim Kiezspaziergang dabei war, der konnte eine sehr eindrucksvolle Vorstellung des Zentrums und der Synagoge durch den Rabbiner und Direktor des Zentrums, Yehuda Teichtal, erleben.
Deshalb wollen wir uns heute auf den Standort der evangelischen Daniel-Gemeinde unmittelbar daneben konzentrieren.

Link zu: Campus Daniel, Foto: KHMM
Campus Daniel, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Brandenburgische Str. 51: Campus Daniel
Die Kirche wurde 1965-67 von Bodo Fleischer als zweigeschossige Anlage mit Saal, Kindertagesstätte und Wohntrakt errichtet und am 17. September 1967 eingeweiht.
2008 wurde ein Modell des Campus Daniel enthüllt, am 25. März 2011 der Grundstein gelegt und am 23. November 2011 das Richtfest für die Evangelische Grundschule Wilmersdorf gefeiert.
Ich freue mich, dass uns der Campus-Manager Phillip Balt vom Evangelischen Kirchenkreis Wilmersdorf das Projekt Campus Daniel vorstellt. Herzlichen Dank dafür.

Brandenburgische Str. 17: Erich Hamann KG
Die Firma Hamann wurde 1916 am Kurfürstendamm gegründet. 1928 siedelte sie in die Brandenburgische Straße um. Die Inneneinrichtung des Ladengeschäftes blieb seither unverändert, ebenso die zum Markenzeichen avancierte altmodisch gemusterte Verpackung mit der blauen Schleife. Hamann ist bekannt als Hersteller bitterer Schokoladen in der dritten Generation und vertreibt seine Produkte weltweit.

Link zu: Hotel Artemisia, Foto: KHMM
Hotel Artemisia, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Brandenburgische Str. 18: Frauenhotel Artemisia
Das Hotel wurde 1989 als erstes Frauenhotel Deutschlands eröffnet und konnte im letzten Jahr sein 20jähriges Bestehen feiern. Es beherbergt ausschließlich weibliche Gäste. 2006 wurde es als frauenfreundlichster Betrieb des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ausgezeichnet. Inzwischen gibt es in vielen deutschen Städten Hotels nur für Frauen.

Link zu: Gedenktafel am Lottohaus, Foto: KHMM
Gedenktafel am Lottohaus, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Brandenburgische Str. 36: Lotto-Haus, Gedenktafel für Moriz Seeler
Die erste Berliner Stadtlotterie wurde am 16. August 1945 von der Alliierten Kommandantur genehmigt. Durch ein Gesetz des Landes Berlin wurde am 28.7.1952 die Zahlenlotterie der Deutschen Klassenlotterie Berlin erlaubt, und die DKLB wurde eine Anstalt öffentlichen Rechts, die zunächst bei der Landesfinanzverwaltung im Haus Cumberland am Kurfürstendamm 193/194 untergebracht war. 1954/55 wurde hier an der Brandenburgischen Straße 36 das Lotto-Haus gebaut und 1956 bezogen.
Im Lotto-Haus arbeiten 190 Beschäftigte. Inzwischen werden jährlich rund 30 Millionen Spielaufträge bearbeitet. Seit Juni 1997 werden die Spielaufträge in der Verkaufsstelle elektronisch erfasst und per Datenleitung in die Zentrale im Lotto-Haus geschickt.
Am 4. November 2000 wurde an dem Haus eine Gedenktafel für Moriz Seeler enthüllt. Sie trägt folgenden Text:
“An dieser Stelle wohnte
von 1916 bis Mitte der 20er Jahre
Moriz Seeler
Jüdischer Dichter
Filmproduzent und Theaterleiter
Der ‘Jungen Bühne’
Geb. 1896 in Greifenberg
1942 Deportiert nach Riga und dort
verschollen”
Die Erneuerung des Berliner Theaters nach dem Ersten Weltkrieg, sein Aufblühen in der Weimarer Republik, sind durch die von Dr. Moriz Seeler im Jahre 1921 begründete “Junge Bühne” wesentlich angeregt und gefördert worden. Die “Junge Bühne existierte bis 1927.
Unter der Leitung von Moriz Seeler konnten nicht nur in der “Jungen Bühne”, sondern auch am Deutschen Theater, am Lessing- und Renaissance-Theater und im Theater am Schiffbauerdamm die Werke junger Dramatiker vorgestellt und durchgesetzt werden, die wegen ihrer gesellschaftskritischen Tendenz und formalen Neuheit sonst nur geringe Chancen gehabt hätten. Dazu gehörten Stücke von Arnolt Bronnen, Ernst Weiß, Carl Zuckmayer, Bertolt Brecht und Marieluise Fleisser. Auch neue Regietalente wie Leopold Jessner, Heinz Hilpert und Lothar Müthel hat Moriz Seeler gefördert.
Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er seine Heimat verlassen. Er ging nach Wien, kehrte aber noch einmal nach Berlin zurück. Im November 1938 wurde er verhaftet und in ein Konzentrationslager eingeliefert, doch nach ein paar Wochen entlassen. Er hielt sich dann illegal in Berlin auf und wurde unter anderem von Isolde Kauffmann und Michael Piel vom Tanzensemble der Deutschen Staatsoper unterstützt.
Seeler wohnte heimlich bei Piel in Charlottenburg in der Mommsenstraße 53. 1942 fand er bei dem Schriftsteller August Scholtis in der Joachimsthaler Straße 15 in Wilmersdorf illegal Unterkunft.
Kurz darauf wurde er verhaftet und 1942 von den Nazis nach Riga deportiert und vermutlich umgebracht. Trotz seiner Popularität damals wurde er in Deutschland vergessen. Inzwischen wurde allerdings auch eine Straße in Adlershof nach Moriz Seeler benannt.

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Adenauerplatz, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Adenauerplatz
Die Beziehung zwischen Konrad Adenauer und Berlin war nicht ganz einfach. Am 26. April 1967, eine Woche nach Adenauers Tod, wurde der Kaiserdamm umbenannt in Adenauerdamm. Gegen diese Umbenennung aber gab es so heftige Proteste, dass sie bereits am 15. Januar 1968 wieder rückgängig gemacht wurde.
Ersatzweise hat man dann, 5 Jahre später, am 21. Juni 1973 diesen Platz nach Adenauer benannt. Der Platz war neu entstanden durch einen Umbau der Straßenkreuzung. Die Wilmersdorfer Straße wurde verkürzt und verschwenkt, so dass sie nicht mehr direkt in den Kurfürstendamm einmündet, sondern in die Lewishamstraße.
Seit dem Frühjahr 2005 ist Konrad Adenauer auf seinem Platz am Kurfürstendamm auch selbst präsent. Die 1,85 m hohe Bronzestatue von Helga Tiemann wurde von dem Unternehmer Hans Wall gestiftet.

Einige Meter hinter der Figur von Konrad Adenauer erinnert ein Gedenkstein aus rotem Granit an den Tod des damals 19jährigen Mete Eksi. Der Text auf dem Stein lautet:
METE EKSI GEB. 1972 STARB
AM 13. NOVEMBER 1991 AN DEN
SCHWEREN VERLETZUNGEN DIE ER
AN DIESEM ORT BEI EINER
GEWALTÄTIGEN AUSEINANDERSETZUNG
ZWISCHEN BERLINER JUGENDLICHEN
UNTERSCHIEDLICHER HERKUNFT ERLITT
GEGENSEITIGER RESPEKT UND DER WILLE
ZUR GEWALTFREIHEIT HÄTTEN SEIN
LEBEN SCHÜTZEN KÖNNEN

1992 haben die GEW Berlin und der Türkische Elternverein den Mete-Eksi-Fonds gegründet, um jährlich einen Preis an Kinder und Jugendliche zu vergeben, die sich in besonderem Maße für das friedliche Zusammenleben von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft in Berlin bemüht haben.
Der Straßentunnel unter dem Kurfürstendamm wurde 1972 eröffnet. Im Rahmen der Untertunnelung des Kurfürstendammes wurde 1974 auch der Platz neu angelegt mit Pflasterung, Bäumen und Sitzbänken. Im Zentrum steht die Brunnenskulptur “Säule in der Brandung” aus Chromnickelstahl mit einem flachen Rundbecken aus Stein von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff.
Der U-Bahnhof wurde 1978 eröffnet. Er ist angelegt als Kreuzungsbahnhof, denn die Kurfürstendammlinie sollte über den Bahnhof Uhlandstraße hinaus bis zum Henriettenplatz verlängert werden. Diese Planungen wurden bisher nicht wieder aufgegriffen.
An der Ecke Kurfürstendamm 70 / Lewishamstraße baute Helmut Jahn 1992 bis 1994 das schmalste Bürogebäude Berlins auf einem nur 2,5 Meter tiefen Grundstück mit einer Stahl-Glasfassade.
Zur Vergrößerung der Grundfläche kragt das Gebäude ab der ersten Etage fünf Meter vor. – Die ungewöhnliche Grundstückssituation ergab sich aus dem Abriss eines Hauses im Zuge der Straßenverbreiterung und der Untertunnelung des Kurfürstendammes. Mieter sind vor allem Anwaltskanzleien.