87. Kiezspaziergang am 14.3.2009

Vom Henrienttenplatz zum UCW

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Start am Henriettenplatz, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen
am Samstag, 14.3.2009, 14.00 Uhr
Treffpunkt: Henriettenplatz am S-Bahnhof Halensee

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 87. Kiezspaziergang. Vor drei Jahren, am 11. März 2006, sind wir ebenfalls hier auf dem Henriettenplatz gestartet und von hier aus durch die tief verschneite Villenkolonie Grunewald spaziert. Wer es nicht glaubt, kann sich die Fotos anschauen im Internet unter www.kiezspaziergaenge.de . Heute gehen wir ohne Schnee in die andere Richtung durch Halensee nach Wilmersdorf.
Der März ist für uns in jedem Jahr der Frauenmonat, denn am 8. März war der Weltfrauentag, und bei uns im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es über den ganzen Monat März verteilt ein großes Angebot an Veranstaltungen für Frauen und natürlich auch für Männer, die sich für entsprechende Themen interessieren. Deshalb werden wir uns auch heute vor allem mit Frauen in unserem Bezirk beschäftigen.

Wir beginnen hier mit Henriette, und unser Ziel ist das Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf an der Sigmaringer Straße 1, wo Sie im Anschluss – wenn Sie wollen – noch die Messe besuchen können, die dort heute von unserer Gleichstellungsbeauftragten veranstaltet wird – von Frauen für alle: vielseitig, verbindend, vielversprechend – so lautet der Slogan diesmal.

Zu Beginn möchte Ihnen wie immer den nächsten Treffpunkt mitteilen. Am 11. April werde ich nicht in Berlin sein. Deshalb wird mein Kollege, Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte den Osterspaziergang übernehmen. Er wird Sie vom Schlosspark zum Ruhwaldpark führen, und zwar auf einem wunderschönen Spazierweg, der weitgehend unbekannt ist, zunächst an der Spree entlang, an der Schleuseninsel vorbei, dann auf einem Höhenweg an einer Reihe von Sportanlagen und Kleingartenkolonien entlang. Treffpunkt ist am Sonnabend, dem 11. April um 14.00 Uhr am S-Bahnhof Jungfernheide am Ausgang Olbersstraße.

Bahnhof Halensee
Der Bahnhof Halensee wurde 1877 als Bahnhof “Grunewald”, eröffnet, 1884 in “Bahnhof Halensee”, umbenannt und 1894 im Zusammenhang mit dem Bau der ersten Kurfürstendammbrücke an die heutige Stelle verlegt und umgebaut. 1960 wurde ein Neubau im Pavillonstil errichtet. Bald nach dem Mauerbau wurde der Bahnhof stillgelegt. 1985 eröffnete Opel Hesse in dem Pavillon einen Autosalon. 1993 beschloss die Bahn, den Bahnhof ohne Empfangshalle zu betreiben und riss das Bahnhofsgebäude ab.

Kurfürstendammbrücke
Die erste Kurfürstendammbrücke wurde Ende der 50er Jahre abgerissen und durch einen kompletten Neubau ersetzt. Die neue Stahlverbundbrücke mit einer Länge von 75 Metern und einer Breite von 32 Metern wurde im September 1963 eröffnet.
Der Kurfürstendamm ist hier 12 m höher als an der Gedächtniskirche. Von der Brücke hat man einen schönen Blick nach Charlottenburg mit dem ICC im Norden und nach Wilmersdorf mit dem Kraftwerk und Aluminium-Bau der Deutschen Rentenversicherung Bund im Süden.
Halenseegraben
Südlich der Brücke liegt im Halenseegraben der frühere Güterbahnhof Halensee, für den zurzeit in unserem Stadtplanungsamt im Rathaus Wilmersdorf ein Bebauungsplan ausliegt. Die Baumarktkette Bauhaus will hier für rund 35 Millionen Euro eine Filiale errichten. Am Kurfürstendamm soll ein 20 Meter hoher Kopfbau mit einem gläsernen Vorbau entstehen, dahinter eine halb so hohe Halle. Im nächsten Jahr soll gebaut werden.

Kurfürstendamm 119/120
Auf der anderen Seite der Brücke baute der Stararchitekt Helmut Jahn aus Chicago 1993 für 70-Millionen einen viel beachteten Neubau. Noch spektakulärer allerdings wurde das ebenfalls von Helmut Jahn gebaute Neue Kranzlereck 1998 bis 2000.

Henriettenplatz
Der Platz erhielt seinen Namen 1892 nach Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, geborene Prinzessin von Oranien-Nassau, der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten. Sie wurde 1627 in Den Haag geboren und starb im Alter von 40 Jahren 1667 in Cölln in der Doppelstadt Berlin-Cölln. Sie heiratete mit 19 Jahren 1646 den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Der dritte Sohn aus dieser Ehe, Friedrich, wurde 1688 Kurfürst von Brandenburg und 1701 König in Preußen. Er gründete 1705 zu Ehren seiner früh verstorbenen Gattin Sophie Charlotte die Stadt Charlottenburg.
Luise Henriette ließ 1652 nördlich von Berlin ein Schloss im holländischen Stil bauen und gab ihm den Namen Oranienburg. Nach ihm erhielt später die Stadt Oranienburg ihren Namen. Luise Henriette förderte die Einwanderung holländischer Kolonisten nach Berlin und Brandenburg. Sie ist in der Gruft des Berliner Doms bestattet.

Link zu: An der Gedenksäule für Henriette und den großen Kurfürsten, Foto: Raimund Müller
An der Gedenksäule für Henriette und den großen Kurfürsten, Foto: Raimund Müller Bild: Raimund Müller

Die Gedenksäule für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken wurde von niederländischen Unternehmen 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins gestiftet und hier auf der nördlichen Seite des Henriettenplatzes aufgestellt. An der Stele sind Reliefs von Luise Henriette und ihrem Gemahl, dem Großen Kurfürsten, angebracht.
Zur 750-Jahr-Feier Berlins wurde der gesamte Henriettenplatz im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs neu gestaltet den Säulenkolonaden mit der BVG-Wartehalle und einem Obelisken hier auf der nördlichen Seite. Dieser Obelisk entspricht dem Leuchtobelisken am Europa-Center. Der Obelisk und die BVG-Wartehalle stammen von Heinz Mack.
1987 wurde auch der Medusenbrunnen von Anna und Patrick Poirier auf dem Henriettenplatz aufgestellt. Er bezieht sich auf die Gestalt der Medusa aus der griechischen Mythologie. Sie war die einzig sterbliche der drei Gorgonen, und ursprünglich war sie sehr schön. Aber Pallas Athene überraschte sie in einem ihrer Tempel bei einer Buhlschaft mit Poseidon und verwandelte sie zur Strafe in ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren, langen Eckzähnen, einem Schuppenpanzer, Flügeln, glühenden Augen und heraushängender Zunge.
Das Gesicht der Medusa war so hässlich, dass jeder sofort zu Stein erstarrte, der sie sah. Dass sie darüber nicht glücklich war, können wir uns vorstellen. Deshalb kullern im Sommer über den aus dem Henriettenplatz hervorwachsenden Kopf der Medusa die Tränen, die sich um sie herum in ein Planschbecken ergießen, das vor allem die Kinder mögen.

Katharinenstraße
Die Katharinenstraße wurde 1892 nach Katharine benannt, Markgräfin von Brandenburg-Küstrin. Sie wurde 1518 als Prinzessin von Braunschweig geboren, heiratete 1537 den Markgrafen Johann von Küstrin und starb 1574, drei Jahre nach ihrem Mann in Crossen.

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Gedenktafel für Else Lasker-Schüler und Herwarth Walden, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Katharinenstr. 5: Gedenktafel für Else Lasker-Schüler und Herwarth Walden
Die Gedenktafel für Else Lasker-Schüler und Herwarth Walden wurde 1991 hier angebracht. Sie enthält folgenden Text:
In dem Haus, das früher hier stand, lebten und arbeiteten
von1909 bis 1912
HERWARTH WALDEN
16.9.1878 – 31.10.1941
Verleger, Komponist
von 1909 bis 1911
ELSE LASKER-SCHÜLER
11.2.1869 – 22.1.1945
Schriftstellerin, Lyrikerin
Walden gründete hier 1910 seine Zeitschrift “Der Sturm”,
Forum des Expressionismus. Emigrierte 1932 in die UdSSR,
starb in stalinistischer Gefangenschaft.
Else Lasker-Schüler flüchtete 1933 in die Schweiz,
starb verarmt in Jerusalem

Else Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1869 als Tochter einer jüdischen Bankiersfamilie in Wuppertal geboren. Sie wuchs dort in einem wohlbehüteten, bürgerlichen Elternhaus auf. Als 25jährige heiratete sie den Arzt Berthold Lasker und zog mit ihm nach Berlin ins Tiergartenviertel in die Brückenallee 22, wo sie vorerst ihre von zuhause gewohnte bürgerliche Existenz fortsetzte, aber auch gleichzeitig ihre künstlerischen Interessen entwickelte. Sie richtete ein eigenes Atelier ein und nahm privaten Malunterricht bei Simon Goldberg.
Die Begegnung mit Peter Hille 1898 war wohl mit ausschlaggebend dafür, dass sie beschloss, ihren eigenen Weg als Künstlerin und vor allem als Schriftstellerin zu gehen. Nach der Geburt ihres Sohnes Paul im Jahr 1899 trennte sie sich von ihrem Mann und gleichzeitig radikal von ihrer bürgerlichen Herkunft. In den Jahren 1900 und 1901 lebte sie in der Schlüterstraße 62, dann in der Wielandstraße 3. Ihr erster Gedichtband “Styx” mache sie 1902 schlagartig in der Kulturszene bekannt.
Nach ihrer Scheidung von Berthold Lasker 1903 heiratete sie den fast 10 Jahre jüngeren Musiker und KunstschriftsteIler Georg Lewin, dem sie den Namen Herwarth WaIden gab.
Sie selbst nannte sich wechselnd Prinz Jussuf von Theben oder Tino von Bagdad und kleidete sich männlich in Hosen oder in weite orientalische Gewänder.
Die beiden zogen nach der Heirat nach Wilmersdorf in die Ludwigkirchstr. 12 und 1909 hierher nach Halensee, in eine Mietwohnung in dem damals hier stehenden Haus Katharinenstraße 5, wo sie bis zu ihrer Scheidung im Jahr 1911 lebten.
Für Else Lasker-Schüler war es der letzte feste Wohnsitz. Aber ihre eigentliche Heimat waren längst die öffentlichen Plätze und die Cafés der Stadt geworden. Künstlersein war für sie kein Beruf, sondern eine existenzielle Haltung, eine Lebensform.
Die eigene Wohnung hatte für sie etwas Bedrohliches.
Am 8. Februar 1910 beschrieb sie das in einem Brief an Karl Kraus, und er liest sich wieder Beginn eines modernen Großstadtkrimis:
“Lieber Herzog, ich sitz ganz allein zu Hause. Auf der Katharinenstraße geht ein Einbrecher hin und her an der Wiese entlang – er hat sich die Schlüssel der Thore geben lassen” als wär er vom Wirt beauftragt nachzusehn – und die Portiers gaben ihm die Schlüssel.
Ich habe meinen Revolver geladen und ein Messer liegt bereit für ihn – vielleicht aber finde ich Gefallen an ihm und wir kommen überein …”

Karl Kraus bezeichnete Else Lasker-Schüler als “die stärkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des modernen Deutschland”.
1907 erschien ihre Prosasammlung “Die Nächte der Tino von Bagdad”, und 1909 veröffentlichte sie das Schauspiel “Die Wupper”, das jedoch zunächst nicht zur Aufführung kam. Mit dem 1911 erschienenen Gedichtband “Meine Wunder” wurde sie zur führenden deutschen Expressionistin. Aber der kommerzielle Erfolg blieb aus.
1913 veröffentlichte Karl Kraus einen Spendenaufruf zugunsten der· Dichterin” weil kein Verlag mehr bereit war” ihre Werke zu drucken” nachdem sie in ihrer Streitschrift “Ich räume auf” die Verleger als Ausbeuter der Dichter angeklagt hatte.
Sie bezog ein möbliertes Zimmer in der Humboldstraße 13 in der Villenkolonie Grunewald, wo sie sich mit dem jungen Filmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau anfreundete.
Seit Sommer 1914 wohnte sie dann meist im Hotel Koschel in der Schöneberger Motzstraße.
Während des Ersten Weltkrieges ging sie mehrmals auf Vortragsreisen mit einem Antikriegsprogramm, das sie mit Franz Werfel, George Grosz und anderen zusammengestellt hatte.
Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb Berlin ihre Heimat. Else Lasker-Schüler fühlte sich weiterhin der Welt der künstlerischen Außenseiter zugehörig. Von vielen jüngeren Künstlern und Schriftstellern wurde sie als großes Vorbild verehrt.
Im März 1933 wurde die Premiere des Schauspiels “Arhur Aronymus und seine Väter” nach einer Erzählung von Else Lasker-Schüler kurz vor der Generalprobe im Schillertheater vom Spielplan abgesetzt.
Nachdem sie im April 1933 auf der Straße von Nazis überfallen worden war, floh sie in die Schweiz. 1939 konnte sie von einer Reise nach Palästina nicht mehr zurückkehren. Nach 6 weiteren Jahren in einem armseligen Zimmer in Jerusalem starb sie am 22. Januar 1945.

Link zu: Gedenktafel für Klara Grüger, Foto: KHMM
Gedenktafel für Klara Grüger, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Droysenstr. 10a: Gedenktafel für Klara Grüger
Am 23. Oktober des letzten Jahres wurde diese Gedenktafel angebracht:
In diesem Haus betrieb von 1936 bis 1945
KLARA GRÜGER
16.7.1912 – 8.5.1999
gemeinsam mit ihrem Ehemann eine Bäckerei
Unter Einsatz ihres Lebens versteckte sie
während der NS-Zeit Menschen jüdischen Glaubens
und bewahrte sie damit vor der Deportation
in ein Vernichtungslager

Klara Grüger hat verfolgte Juden und russische Kriegsgefangene illegal mit Lebensmitteln versorgt. Sie wurde für ihre Taten von Yad Vashem, der nationalen Gedenkstätte Israels in Jerusalem geehrt und durfte dort 1986 in der Allee der Gerechten einen Baum pflanzen. In Deutschland dankte ihr zu Lebzeiten niemand.
Die jüdische Journalistin und Schriftstellerin Inge Deutschkron hat 1996 in ihrem Buch “Sie blieben im Schatten. Ein Denkmal für stille Helden” an sie erinnert und ihr ein Denkmal gesetzt.

Link zu: Auf dem Lehniner Platz, Foto: Raimund Müller
Auf dem Lehniner Platz, Foto: Raimund Müller Bild: Raimund Müller

Lehniner Platz: Schaubühne und Kabarett der Komiker
Der Lehniner Platz wurde 1893 benannt nach dem brandenburgischen Ort Lehnin, der durch das bereits 1180 gegründete Zisterzienserkloster berühmt wurde.

Das Grundstück Kurfürstendamm Nr.153-156 blieb als einziges am Kurfürstendamm noch bis in die 20er Jahre hinein unbebaut. Hier fanden am Anfang des 20. Jahrhunderts noch Flottenspiele statt, in einer Art Wasserzirkus mit Tribünen für 4.000 Besucher. 1905 wurden “Die letzten Tage von Pompeji” vorgeführt, 1908 Tennisplätze angelegt, im Winter eine Eisbahn, bis der Verleger Rudolf-Mosse das Gelände kaufte und es 1927 von Erich Mendelsohn bebauen ließ. Die Mendelsohnschen Bauten wurden damals als sensationell empfunden. Hier entstand ein moderner Gebäudekomplex, der sich deutlich von den wilhelminischen Prachtbauten abhebt, die bis dahin am Kurfürstendamm entstanden waren. Mendelsohn schloss die vorhandene Baulücke nicht, sondern er schuf eine Öffnung in der Reihe der geschlossenen wilhelminischen Fassaden. Wie “ein groß aufgesperrtes Maul” wirkte der Eingangsbereich, wie damals ein Kritiker meinte.
Mendelsohn baute das “Universum-Kino”, die heutige Schaubühne, und gegenüber das Kabarett der Komiker. Dahinter entstand ein Wohnkomplex entlang der Cicerostraße mit Tennisplätzen im hinteren Bereich.
Das Kabarett der Komiker, kurz KadeKo, war bereits 1924 von Kurt Robitschek gegründet worden. Am 19. September 1928 konnte es hier im eigenen Haus Premiere feiern. Neben berühmten Kabarettisten traten hier auch viele bedeutende Frauen auf, darunter die Sängerin und Schauspielerin Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg, die unter ihrem Künstlernamen Lale Andersen später mit dem Lied von Lili Marleen berühmt wurde. Die 1885 in Berlin-Neukölln geborene Kabarettistin, Filmschauspielerin und Sängerin Lotte Werkmeister trat bis 1933 hier auf und galt als typische Verkörperung der Berliner Schnauze. Auch die 1910 in Hamburg geborene Brigitte Mira trat bereits in den 1930er Jahren hier auf.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der gesamte Gebäudekomplex schwer beschädigt, aber seit dem 1.6.1945 spielte das Kabarett der Komiker hier bereits wieder ein Notprogramm. Im April 1948 eröffnete in seinen Räumen das “British Centre” mit Film-Club und Musik-Club.
Das “Universum-Kino” wurde nach 1945 zunächst als “Capitol”, später bis 1973 als “Studio” weiterbetrieben. In dem Bau residierte nach dem Krieg das Prominentenlokal Ricci. Nach Totalabriss und äußerlich originalgetreuem Wiederaufbau seit 1978 durch Jürgen Sawade wurde das Haus 1981 als Schaubühne am Lehniner Platz eröffnet. Sie ist nach wie vor eines der erfolgreichsten und international bekanntesten deutschen Theater überhaupt.
Nachdem Regisseur Peter Stein und viele bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler die Schaubühne in den 80er Jahren verlassen haben ist seit 1987 Jürgen Schitthelm alleiniger Direktor und einziger Repräsentant des Gründungsensembles. Von 2000 bis 2004 hat die Choreografin Sasha Waltz das Theater wesentlich mit geprägt. Seit sie sich selbständig gemacht und das Theater verlassen hat ist der junge Regisseur Thomas Ostermeier alleiniger Künstlerischer Leiter.
Wohl die bedeutendste Regisseurin der Schaubühne war und ist Andrea Breth. Bedeutende Schauspielerinnen der Schaubühne waren und sind Edith Clever, Libgart Schwarz, Jutta Lampe, Angela Winkler, Anne Tismer, Stephanie Eidt, Jule Böwe, Kirsten Dene, Bettina Hoppe, Katharina Schüttler, Karin Neuhäuser und viele andere.
Skulptur “Das Auge der Nemesis”
Die Skulptur auf dem Mittelstreifen wurde beim Einzug der Schaubühne 1980 hier aufgestellt Sie stammt von dem Bildhauer Bernhard Heiliger und heißt “Das Auge der Nemesis”. Die 4 × 4 × 2 m große Stahlskulptur antwortet auf das geschwungene Halbrund des Theaterbaus mit einer großen vertikalen Scheibe, die den Boden nur an einem Punkt berührt.
Der Name der Skulptur bezieht sich auf die griechische Göttin Nemesis. Sie ist die Göttin des gerechten Zorns und bestraft vor allem die menschliche Selbstüberschätzung also die Hybris. Zeus paarte sich mit Nemesis in der Gestalt eines Schwans, nachdem sie zunächst aus Scham und gerechtem Zorn vor seinen Nachstellungen geflüchtet war. Er zeugte mir ihr die Helena, um derentwillen schließlich der Trojanische Krieg geführt wurde. Sie sehen also: Viel Weiblichkeit und viel Stoff für ein Theater.

Kurfürstendamm 141: Steintafel für Rudi Dutschke
Hier wurde 1990 eine Steintafel in den Gehweg eingelassen mit folgendem Text:
ATTENTAT auf RUDI DUTSCHKE
11. April 1968
An den Spätfolgen der
Schussverletzung starb
Dutschke 1979.
Die Studentenbewegung verlor
eine ihrer herausragendsten
Persönlichkeiten.

Der junge rechtsradikale Hilfsarbeiter Josef Bachmann hat hier, unmittelbar vor dem SDS-Büro, drei Schüsse auf Rudi Dutschke abgegeben und ihn zweimal in den Kopf und einmal in die linke Schulter getroffen. Dutschke erlitt lebensgefährliche Hirnverletzungen und überlebte nur knapp nach einer mehrstündigen Operation. Mühsam eignete er sich danach Sprache und Gedächtnis wieder an und wurde erneut politisch aktiv. Am 24.12.1979 ertrank er in der heimischen Badewanne nach einem epileptischen Anfall einer Spätfolge des Attentats.

Link zu: Am Agathe-Lasch-Platz, Foto: KHMM
Am Agathe-Lasch-Platz, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Agathe-Lasch-Platz
Diese kleine Grünanlage zwischen Johann-Georg-Straße und Joachim-Friedrich-Straße wurde am 1.10.2004 nach Agathe Lasch benannt.
Der Text auf dem Schild in der Mitte des Platzes lautet:
Agathe Lasch
Jüdische Wissenschaftlerin, erste
Germanistikprofessorin Deutschlands
geb 4.7.1879, 1942 deportiert und
bei Riga ermordet

Sie wurde in Berlin geboren. Ihr Vater war ein kleiner Kaufmann, und sie wuchs in ökonomisch sehr beschränkten Verhältnissen auf. Sie legte die Lehrerinnenprüfung ab und arbeitete an einer Privatschule unter anderem als Turnlehrerin. Trotz ihrer ökonomisch schwierigen Situation machte sie 1906 Abitur und begann ein Studium in Halle.
In Berlin war es nicht möglich, weil der Berliner Germanist Gustav Roethe sich weigerte, die Frau Agathe Lasch zu seinen Seminaren zuzulassen. Sie wehrte sich juristisch dagegen, aber leider bekam er Recht.
Sie promovierte 1909 in Heidelberg mit ihrer viel beachteten “Geschichte der Schriftsprache in Berlin”, und ging anschließend in die USA, wo sie als Germanistin an einer Universität arbeiten konnte. Vorbildlich wurde vor allem ihre Verbindung von Sprachgeschichte und soziokultureller Geschichte, mit der sie viele weitere lokale sprachgeschichtliche Forschungen inspirierte.
Im Deutschen Kaiserreich war eine akademische Karriere für Frauen noch fast unmöglich. In den USA entstand ihr Hauptwerk, die Mittelniederdeutsche Grammatik, bis heute ein Standardwerk der deutschen Philologie.
1917 kam sie zurück nach Deutschland. Ihr internationales Ansehen verhalf ihr jetzt zu einer Stelle als Assistentin am Deutschen Seminar der Hansestadt Hamburg. In den 20er und 30er Jahren trug sie wesentlich dazu bei, der jungen Hamburger Universität auch internationales Ansehen zu verschaffen.
Sie habilitierte sich 1919, wurde 1923 zur Professorin ernannt und 1926 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Niederdeutsch berufen.
Sie arbeitete in Hamburg an zwei Wörterbuch-Unternehmen: am mittelniederdeutschen Wörterbuch und am Hamburgischen Wörterbuch. Außerdem veröffentlichte sie 1928 ihre Forschungsarbeit zur “Berlinischen Sprachgeschichte”. Vor allem mit diesem Werk leistete sie Pionierarbeit. Es war und ist eine wichtige Grundlage für Forschungen zum Berlinischen in Vergangenheit und Gegenwart.
Wegen ihrer jüdischen Herkunft konnte Agathe Lasch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr lange an der Universität arbeiten. Eine Petition schwedischer Hochschullehrer konnte zwar zunächst im April 1933 die Anwendung des “Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” auf sie verhindern, aber 1934 wurde sie dann doch entlassen. Zunächst konnte sie noch privat weiter arbeiten und publizieren.
1937 zog sie zur ihrer Familie nach Berlin, zunächst in die Seesener Straße 29, später in die Caspar-Theyß-Straße 26. 1939 wurde ihr auch die private Arbeit und die Publikation ihrer Forschungen unmöglich gemacht. Ihre Bibliothek wurde konfisziert.
Am 15. August 1942 wurde sie nach Riga deportiert. Von da ab verliert sich ihre Spur. Es war der 18. Ost-Transport der Deutschen Reichsbahn. 938 jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden mit diesem Transport nach Riga deportiert. Soweit wir wissen hat niemand von ihnen überlebt.
Agathe Lasch hat sich zeitlebens als Patriotin zu ihrer deutschen Identität aktiv bekannt und durch ihre Arbeit einen wichtigen Beitrag zur deutschen Geschichte geleistet. Als die Repressalien der Nationalsozialisten gegen sie schon in vollem Gange waren, sagte sie: “Das Bewusstsein, deutsch zu empfinden, kann mir ja keiner nehmen.”

Infostele “Generalplan Ost”
Am 9.5.2008 haben wir hier auf dem Gehweg eine Infostele enthüllt, die von Hans Wall gestiftet wurde. Sie enthält folgenden Text:
“Am Kurfürstendamm 140-143 befand sich ab 1939 das ‘Reichskommissariat für die Festigung des deutschen Volkstums’, eines von zwölf SS-Hauptämtern. Hier wurde 1941-1942 der ‘Generalplan Ost’ entwickelt.
Der Plan sah vor, fünf Millionen Deutsche im annektierten Polen und im Westen der Sowjetunion anzusiedeln.
Die slawische und jüdische Bevölkerung dieser Gebiete sollte unterworfen, vertrieben oder ermordet werden.
Damit waren bis zu 50 Millionen Menschen von Vernichtung durch unmenschlich harte Arbeitsbedingungen, durch Verhungern, so-
wie durch Deportation und Mord bedroht.
Der ‘Generalplan Ost’ wurde im Distrikt Lublin in Polen am weitesten realisiert. Bei der angeordneten ‘Eindeutschung’ der Kreise Zamosc und Lublin wurden ab November 1942 über 100.000 Menschen, darunter 10.000 Kinder von SS-, Polizei- und Wehrmachtseinheiten aus 300 polnischen Dörfern vertrieben und viele von ihnen in Konzentrationslagern ermordet.
Der ‘Generalplan Ost’ steht für den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Politik und die Skrupellosigkeit der Täter. Allein der Verlauf des Krieges hat dem Plan ein Ende gesetzt.”

Joachim-Friedrich-Str. 48
Hier erinnert eine Gedenktafel “an die jüdischen Bewohner”.

Link zu: In der Westfälischen Straße, Foto: KHMM
In der Westfälischen Straße, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Westfälische Straße
Die Westfälische Straße ist so etwas wie die Hauptstraße von Halensee, und sie ist eine der erfolgreichen Einkaufsstraßen in unserem Bezirk.
Die Geschäftsleute haben hier vor einigen Jahren eine Interessengemeinschaft gegründet, die sehr erfolgreich ist und schon mehrmals große Straßenfeste organisiert hat. Vorsitzender der IG ist Herr Koch von Blumen-Koch. Sein Geschäft wurde als eines von fünf Blumengeschäften in Deutschland mit 5 Sternen ausgezeichnet.

Link zu: Gedenktafel für Margarethe Sommer und Otto Ostrowski, 10.3.2009, Foto: KHMM
Gedenktafel für Margarethe Sommer und Otto Ostrowski, 10.3.2009, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Westfälische Str. 64: Gedenktafel für Margarethe Sommer und Otto Ostrowski
Am 9.11.2006 wurde die Gedenktafel enthüllt:
In diesem Hause führten
MARGARETHE SOMMER
4.6.1909 – 15.4.1960
und der spätere
Oberbürgermeister von Berlin (1946 bis 1947)
OTTO OSTROWSKI
28.1.1883 – 19.6.1963
ein Geschäft
Unter Einsatz ihres Lebens versteckten sie während der
NS-Herrschaft eine jüdische Familie und bewahrten sie damit
vor der Deportation in ein Vernichtungslager

Inge Deutschkron hat mit ihrer Mutter die letzten Kriegsjahre in Berlin im Untergrund überlebt – dank der Hilfe von mutigen Menschen wie Margarethe Sommer und Otto Ostrowski. Sie hat darüber in ihrem Erinnerungsbuch “Ich trug den gelben Stern” geschrieben:
“‘Das geht schon mal’, sagte Grete. ‘Hinter meinem Laden in dem Kabuff kann man doch Matratzen auf den Boden legen. Ein WC gibt es im Keller, und ein Waschbecken existiert ebenfalls.’ Jeden Abend würde man uns nach dem Essen in den Laden bringen und dort einschließen. Morgens würde ich sozusagen als erste Kundin den Laden verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Meine Mutter könnte sich während des Tages im Laden, aber auch im Haushalt nützlich machen. Wir waren sehr beglückt.
‘Wird es Sie nicht stören, wenn wir ständig um Sie herum sind in dieser kleinen Wohnung?’ fragte meine Mutter ahnungsvoll.
‘Ach, wie lange kann dieser Hitler noch aushalten’, meinte Ostrowski wieder einmal überzeugt. Natürlich würde es nur ein Übergang sein.
Der Lieferwagen brachte unsere Couches zum neuen Asyl, dieses Mal in den Laden von Grete Sommer, in der Westfälischen Straße 64.”
Soweit das Zitat aus dem Buch von Inge Deutschkron. Es war im Februar 1943, und die beiden mussten den Unterschlupf bald wieder verlassen, weil Nachbarn Verdacht geschöpft hatten. Sie brauchten noch viele Verstecke, um bis zum Kriegsende im Mai 1945 zu überleben.

Hochmeisterplatz: Hochmeisterkirche
Die Hochmeisterkirche wurde 1908 bis 1910 von Otto Schnock als Backsteinbau im romanischen Stil gebaut. Zunächst war der Olivaer Platz als Bauplatz vorgesehen, aber nachdem im Zusammenhang mit dem Ausbau des Kurfürstendammes der Stadtteil Halensee sehr schnell gewachsen war, entschloss man sich, hier, mitten in dem neuen Viertel die Kirche zu bauen Sie wurde am 11.9.1910 als dritte evangelische Kirche in Wilmersdorf eingeweiht, nach der Auenkirche und der Grunewaldkirche. Das große Gemeindehaus an der Paulsborner Str. 86 mit dem als Konzertsaal geschätzten “Hochmeistersaal” wurde am 15.9.1929 eingeweiht. Nach schweren Kriegsschäden wurde die Kirche 1953-58 wiederhergestellt durch Erwin Rettig. Am 31. Oktober 1958 wurde sie vom damaligen Bischof von Berlin und Brandenburg, Otto Dibelius, wieder eingeweiht.

Paulsborner Str. 81: Gedenktafel für Robert Stolz
Bereits 1982 wurde diese Gedenktafel für Robert Stolz von seiner Witwe Einzi Stolz gestiftet und enthüllt:
1880 ROBERT STOLZ 1975
Hier lebte und wirkte von 1929 bis 1935
der weltberühmte Komponist und Dirigent Robert Stolz
Viele seiner unsterblichen Melodien
entstanden an dieser Stätte.

Unter anderem entstanden in dieser Zeit die Operetten “Prinzessin Ti-Ti-Pa”, “Peppina”, “Venus in Seide”, “Zwei Herzen im Dreivierteltakt” und “Himmelblaue Träume”.

Eisenzahnstr. 47-48: Otto-von-Guericke-Realschule
Die Otto-von-Guericke-Oberschule befindet sich in einem Schulhaus, das 1908 von Otto Herrnring und Philipp Nitze erbaut wurde zunächst für die Königin-Mathilde-Schule, eine höhere Mädchenschule. Später wurde die Schule dann zu einer bis zum Abitur führende Mädchenschule ausgebaut. Diese wurde als Hohenzollern-Lyzeum bezeichnet und bestand bis 1945. Von 1945 bis 1951 entstand aus der Einheitsschule die Volksschule und nach Einführung der drei Oberschulzweige – praktischer, technischer und wissenschaftlicher Zweig – die 2. Oberschule technischen Zweiges in Wilmersdorf. Passend zu diesem technischen Zweig erhielt die Schule am 13.11.1958 den Namen Otto-von-Guericke-Schule. Otto-von-Guericke lebte von 1602 bis 1686, war Ingenieur und Physiker und erfand unter anderem die Luftpumpe.

Link zu: Katharina-Heinroth-Grundschule, Foto: KHMM
Katharina-Heinroth-Grundschule, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Münstersche-Str. 15-17: Katharina-Heinroth-Grundschule
Die Katharina-Heinroth-Grundschule befindet sich in der 1905 bis 1907 von Otto Herrnring für das damalige Goethe-Reformrealgymnasium errichteten Anlage. Später befanden sich auf dem Gelände die Michael-Grzimek- und die Paul-Eipper-Grundschule. Nach Vereinigung der beiden Schulen wurde im März 2000 die Katharina-Heinroth-Schule gegründet. Mit der Namensgebung wurde Katharina Heinroth geehrt. Sie lebte von 1897 bis 1989 und war die erste Direktorin des Berliner Zoologischen Gartens nach dem Zweiten Weltkrieg.

Münstersche Str. 6: Jüdisches Bildungs- und Familienzentrum
Das alte Umspannwerk der Bewag an der Münsterschen Straße 6 wurde 2006 im Auftrag der jüdisch-orthodoxen Vereinigung Chabad Lubawitsch von dem russischen Architekten Sergei Tchoban umgebaut zu einem Bildungs- und Familienzentrum mit Synagoge, Kita, Medienzentrum, Mehrzweckräumen und einer Nachbildung der Jerusalemer Klagemauer auf rund 1.000 Quadratmetern. Es ist das größte jüdische Bildungszentrum in Europa und eine Begegnungsstätte verschiedener Kulturen. Die Synagoge erstreckt sich über zwei Etagen und bietet 250 Plätze. Am 2.9.2007 war die Einweihung mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.
Der Rabbiner und Direktor des Zentrums, Yehuda Teichtal, kam 1996 als Vertreter der weltweit aktiven jüdischen Organisation Chabad Lubawitsch aus New York nach Berlin. Die Szloma-Albam-Stiftung, die jüdisches Leben und jüdische Bildung in Deutschland unterstützt, hatte den Kauf des Bewag-Gebäudes mit unterstützt. Finanziert wurde der Bau durch zahlreiche Spenden. Chabad Lubawitsch betreibt seit 2005 die Kindertagesstätte Gan Israel im Ruhwaldpark am Spandauer Damm.

Westfälische Str. 17a: Anni-Heuser-Schule
Die Annie Heuser Schule begann ihren Aufbau im Sommer 2002 mit 15 Kindern und hat jetzt rund 155 Kinder in sieben Klassen und einer Vorklasse. Am 15.03.2008 wurde die Schule als 210. Schule in den Bund der Freien Waldorfschulen aufgenommen.
Annie Heuser war im Kollegium der ersten Waldorfschule hier in Berlin, die 1928 gegründet wurde und hat gewirkt bis die Schule von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Sie arbeitete ganz individuell künstlerisch aus der anthroposophischen Menschenkunde Rudolf Steiners heraus und vertrat dies auch in der Öffentlichkeit. In späteren Jahren hat sie am Lehrerseminar junge Waldorflehrer ausgebildet.

Westfälische Str. 16a: Jugend- und Kulturzentrum Spirale
Das Jugend- und Kulturzentrum bietet Workshops, Probenräume, ein Tonstudio, Konzerte und vieles mehr für Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit an.

Westfälische Str. 86: Botschaft der Republik Malawi

Westfälische Str. 87: Schornsteinfeger-Innung

Link zu: Deutsche Rentenversicherung Bund an der Westfälischen Straße, Foto: KHMM
Deutsche Rentenversicherung Bund an der Westfälischen Straße, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Fehrbelliner Platz: DRV Bund
1921 entstand zwischen der Westfälischen Straße 90 und der Ruhrstraße 2 das erste Gebäude der damaligen Reichsversicherungsanstalt für Angestellte.
1929/30 wurde es an der Ruhrstraße 3-4 durch einen Klinkerbau von Georg Reuter erweitert.

Am 7.8.1953 wurde die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) als personell stärkste Bundesbehörde mit Sitz in Berlin eröffnet.
1957-59 entstand der Backsteinbau von Heinz Behnke an der Konstanzer Straße 42
1965 der Hochhausbau von Heinz Kroh an der Westfälischen Straße 57
1970-73 das Bürohaus von Jan und Rolf Rave am Fehrbelliner Platz 5
1974-77 ein 23-stöckiges aluminiumverkleidetes Hochhaus von Hans Schaefers und Hans-Jürgen Löffler am Hohenzollerndamm 47
Am 1.10.2005 wurde ging die BfA in der neu gebildeten Deutschen Rentenversicherung Bund auf.
Zurzeit arbeiten bei der Deutsche Rentenversicherung Bund insgesamt 22.767 Beschäftige. Davon sind 73,1 Prozent Frauen. Im Mittleren Dienst sind es sogar 86,3 Prozent, im Gehobenen Dienst 62,8 Prozent und im Höheren Dienst immerhin noch 58 Prozent. Das Durchschnittsalter ist 43,6.
Seit Jahren werden kontinuierlich Stellen abgebaut. Im Juni 2006 gab es noch mehr als 27.000 Beschäftigte. Der Stellenabbau wird auch in den nächsten Jahren weitergehen.
Insgesamt werden hier mehr als 20 Millionen Renterinnen und Rentner und mehr als 52 Millionen Versicherte ohne Rentenbezug betreut. Von den Rentnern sind mehr als 11,5 Millionen Frauen und 8,5 Millionen Männer. Die durchschnittliche Rente beträgt 811.- EUR, im Westen bei Männern 957.- und bei Frauen 656.- EUR, im Osten bei Männern 1009.- EUR und bei Frauen 862.- EUR.
Für Frauen hat sich in den letzten Jahren im Rentenrecht viel verbessert. Zeiten der Kindererziehung und der häuslichen Pflege werden angerechnet. Versorgungsausgleich, Hinterbliebenenrenten und vieles mehr sind Themen, die vor allem für Frauen interessant sind.

Brandenburgische Str.73: Club Pssst
Dieses Etablissement hat in den 1990er Jahren Schlagzeilen gemacht. Das Bezirksamt Wilmersdorf entzog am 14.12.1999 der Betreiberin Felicitas Weigmann wegen Förderung der Prostitution die Gaststättenerlaubnis für ihr Café mit angeschlossenem Bordellbetrieb. Dagegen klagte die Betreiberin, die ihren Betrieb öffentlich als mustergültiges Bordell dargestellt hatte und für die Legalisierung der Prostitution eintrat, beim Verwaltungsgericht. Dieses gab ihr in seinem Urteil vom 1.12.2000 Recht und hob den Bescheid des Bezirksamtes auf. In der Urteilsbegründung hieß es, Prostitution sei nicht mehr als sittenwidrig anzusehen.
Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ging zwar in Berufung, wurde aber abgewiesen. Am 17.10.2002 erhielt der Betrieb deshalb vom Wirtschaftsamt Charlottenburg-Wilmersdorf die Konzession für die Betreibung einer Schank- und Speisewirtschaft samt Beherbergung “mit der besonderen Betriebsart: Bordell”. Die Betreiberin hat inzwischen geheiratet und trägt einen anderen Namen.

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Letzte Station: UCW, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Sigmaringer Straße: UCW
Wir haben unser Ziel erreicht, das Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf, abgekürzt UCW. Ursprünglich stand an dieser Stelle das dörfliche Armenhaus, 1894 wurde hier das Rathaus Wilmersdorf gebaut. Es wurde im Zweiten Weltkrieg, 1944 fast vollständig zerstört, die Ruine später abgerissen. Das Verwaltungsgebäude für das Gesundheitsamt wurde 1955 zusammen mit der Bibliothek gebaut. Nach der Bezirksfusion von Charlottenburg und Wilmersdorf 2001 wurden die beiden Gesundheitsämter zusammengelegt und schließlich im Verwaltungsgebäude am Hohenzollerndamm 177 neben dem Rathaus Wilmersdorf untergebracht, so dass dieses Haus frei wurde. Und nun endlich konnten wir die Idee verwirklichen, ein Unternehmerinnennetzwerk zu gründen, in dem die Mieterinnen die Möglichkeit haben, durch gemeinsame Nutzung von Serviceangeboten Synergieeffekte zu erzielen, Aufträge firmenübergreifend anzunehmen, gemeinsam Marketingstrategien zu entwickeln und sich gegenseitig zu ergänzen.
Am 15. Juli 2005 übernahm die Gesellschaft für Stadtentwicklung GSE das Haus, und am 1. August 2005 wurde das Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf UCW. eröffnet. Anfang 2006 wurde in der 4. und 5. Etage das Atelierhaus Sigmaringer 1 mit 23. Künstlerinnen und Künstlern eröffnet.
Heute veranstalten wir hier die Messe von Frauen für alle. Die Mieterinnen des Hauses und weitere Ausstellerinnen präsentieren auf fünf Etagen die Vielfältigkeit und Kreativität des Unternehmerinnentums. Angeboten wird Kunst, Mode und Schönheit, aber auch über Gesundheit, Bildung, Architektur, Planung, Recht und Finanzen können Sie sich umfangreich informieren. Zahlreiche Veranstaltungen und Vorträge begleiten die Messe. Erholung, Essen und Trinken gibt es im Begegnungscafé in der 3. Etage. Jetzt um 16.30 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion zum Thema “Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit”, und um 19.00 Uhr wird zum Abschluss die Disco für alle eröffnet.