82. Kiezspaziergang am 11.10.2008

Vom U-Bahnhof Ruhleben über das Olympiagelände zum Corbusierhaus

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Start am U-Bahnhof Ruhleben, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler

Treffpunkt: U-Bahnhof Ruhleben

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 82. Kiezspaziergang. Mein Name ist Klaus-Dieter Gröhler. Ich bin Baustadtrat und Stellvertretender Bezirksbürgermeister im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, und ich habe den heutigen Kiezspaziergang übernommen, weil Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen zu einer Partnerschaftskonferenz nach Odessa gereist ist.
Wir werden heute am Murellenberg und Murellenteich entlang zum Olympiaparkgelände gehen und dort einige Anlagen und Bauten besichtigen. Wir werden das Olympiagelände aber nur kurz durchqueren, denn unser Ziel ist das Corbusierhaus an der Flatowallee, das in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen feiert. Die Wohnungseigentümergemeinschaft und der Förderverein Corbusierhaus Berlin e.V. haben ein umfangreiches Jubiläumsprogramm zusammengestellt, das nach einem Monat an diesem Wochenende zu Ende geht. Dieser Kiezspaziergang ist eine der letzten Veranstaltungen in diesem Rahmen. Wir wurden von der Eigentümergemeinschaft eingeladen, ihr Haus zu besuchen. Ich freue mich, dass Herr Roth und Herr Matthies vom Förderverein bereits bei uns sind und mit uns gemeinsam zu ihrem Haus gehen.

Zuvor will ich Ihnen aber wie gewohnt mitteilen, wo der nächste Treffpunkt ist. Den 83. Kiezspaziergang am 8. November wird meine Kollegin, Sozialstadträtin Martina Schmiedhofer übernehmen, da Frau Thiemen sich dann noch im Urlaub befinden wird. Am 8. November werden die Ereignisse vor 70 Jahren während der Pogromnacht des 9. November 1938 im Mittelpunkt stehen. Treffpunkt ist um 14.00 Uhr auf dem Joachimstaler Platz am Ausgang des U-Bahnhofs Kurfürstendamm, und auf dem Weg über den Kurfürstendamm und seine Seitenstraßen bis zum Bahnhof Charlottenburg am Stuttgarter Platz wird an die große Bedeutung jüdischer Persönlichkeiten und jüdischer Institutionen und an ihre Zerstörung durch die Nationalsozialisten erinnert werden.

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U-Bahnhof Ruhleben, 2.10.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

U-Bahnhof Ruhleben
Das Bahnhofsgebäude des U-Bahnhofs Ruhleben wurde 1929 von Alfred Grenander gebaut. Der 1863 in Schweden geborene Architekt studierte Architektur in Stockholm und von 1885 bis 1888 an der Technischen Hochschule Charlottenburg, der heutigen TU Berlin. Danach arbeitete er bei Alfred Messel und seit 1890 in Paul Wallots Reichstagsbauatelier. Seit 1901 lehrte er an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Charlottenburg. Von 1900 bis 1931 baute er für die Berliner Hoch- und Untergrundbahn-Gesellschaft, Vorläufer der BVG, zahlreiche Bahnhöfe, aber auch die Schwedische Kirche an der Landhausstraße in Wilmersdorf und andere Bauten. Er starb 1931 in Berlin-Wilmersdorf, Prager Str. 36.
Seit 2003 vergibt die Arbeitsgemeinschaft City e.V. den Grenander Award als Auszeichnung für besonders gelungene Geschäftsideen von Restaurants, Hotels und Geschäften.
Der U-Bahnhof Ruhleben ist einer der modernsten Bauten des Architekten, sachlich-nüchtern, auf jedes überflüssige Detail verzichtend. Der U-Bahnhof ist Endbahnhof der Stammbahn, die von 1896 bis 1929 gebaut wurde. Sie verkehrte zwischen Warschauer Brücke und Ruhleben. In Charlottenburg wurde sie in drei Teilabschnitten erbaut und führte zunächst vom Bahnhof Zoo bis zum Ernst-Reuter-Platz, damals Am Knie, wurde dann bis zum ehemaligen Deutschen Stadion, dem heutigen Olympiastadion und schließlich bis Ruhleben erweitert.

Hempelsteig
Der Hempelsteig wurde 1937 nach dem Kommunalpolitiker Carl Hempel benannt. Er hat von 1833 bis 1903 gelebt und war Stadtverordneter in Charlottenburg.

Die Wildschweinspuren, die wir gleich ausgiebig besichtigen können werden, deuten auf eine in dieser Gegend weit verbreitete Plage hin.

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Murellenteich, 2.10.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Murellenteich
Der Murellenteich ist Teil eines Naturdenkmals. Die Hügellandschaft entstand in der Eiszeit im Spree-Havelgebiet. Zu ihr gehört der 62 Meter hohe Murellenberg mit der 30 Meter tiefen Murellenschlucht. Um 1840 entstanden erste militärische Anlagen am Murellenberg mit Kasernen und Schießständen. Später missbrauchten die Nationalsozialisten die Murellenschlucht als Hinrichtungsstätte für Deserteure und so genannte Wehrkraftzersetzer. Daran erinnert seit 2002 ein Denkzeichen zur Erinnerung an die Ermordeten der NS-Militärjustiz am Murellenberg. Das Gelände war lange Zeit militärisches Sperrgebiet und wurde bis 1990 von den Briten genutzt, danach von der Berliner Polizei. Im südöstlichen Ausläufer der Murellenschlucht wurde 1934-36 die Waldbühne errichtet.
Seit 1993 steht das Gebiet unter Naturschutz. Trotz teilweise massiver Eingriffe in die Landschaft durch die militärischen Anlagen wie Schießschutzwälle, Kugelfänge und Zaunanlagen konnten sich relativ ungestört Biotopqualitäten entwickeln. In der mit seltenen Pflanzen bewachsenen Schlucht wurden 97 verschiedene fliegende Insekten registriert, von denen 57 selten oder gefährdet sind. Auch elf seltene Schmetterlingsarten leben dort. Ende 2007 wurde der größte Teil des ehemaligen Sperrgebiets als rund 38 ha große neue Erholungsfläche der Öffentlichkeit übergeben. Damit ist dieses Gebiet nach rund 150 Jahren militärischer Nutzung wieder öffentlich zugänglich. Murellen sind übrigens eine alte Kirschsorte.

Rominter Allee
Die Rominter Allee wurde 1927 beziehungsweise in diesem Abschnitt 1936 benannt nach der ostpreußischen Stadt Rominten in der Nähe von Königsberg, heute russisch Krasnolesje an der polnisch-russischen Grenze.

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Hanns-Braun-Straße, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Hanns-Braun-Straße
Die Hanns-Braun-Straße wurde 1936 benannt nach dem Sportler Hanns Braun. Er wurde 1886 in München geboren, stellte 1909 einen Weltrekord im 1.000-Meter-Lauf auf. Er hielt 13 deutsche Rekorde und nahm an den Olympischen Spielen 1908 in London und 1912 in Stockholm teil und gewann dabei Bronze- und Silbermedaillen. Der damals erfolgreichste deutsche Leichtathlet starb beim Absturz seines Kampfflugzeuges am Ende des Ersten Weltkrieges am 9.10.1918 in Frankreich.

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Olympiagelände, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Olympiaparkgelände (Eingang Tor Ost, Hanns-Braun-Straße)
Zunächst wurde auf dem Gelände eine Pferderennbahn angelegt. Seit 1909 wurde es nach Plänen von Otto March für die 1916 geplanten Olympischen Spiele bebaut. Am 8.6.1913 wurde das “Deutsche Stadion” als damals größtes Sportstadion der Welt in der Mulde der Grunewaldrennbahn eröffnet. Die Olympischen Spiele 1916 wurden aber wegen des Ersten Weltkriegs abgesagt.
Seit 1926 wurde auf dem nördlich an das Stadion angrenzenden Terrain nach Entwürfen von Werner March das Deutsche Sportforum gebaut.
Seit 1931 wurde es im Hinblick auf die XI. Olympischen Spiele neu konzipiert, zwischen 1934 und 1936 wieder abgerissen und als Reichssportfeld wieder unter der Bauleitung von Werner March neu aufgebaut. 1936 wurden im Stadion und auf dem gesamten Gelände die XI. Olympischen Spiele veranstaltet, die bekanntlich von den Nationalsozialisten sehr erfolgreich für ihre Propagandazwecke genutzt wurden.
Im Zweiten Weltkrieg diente das Gelände als Flakstellung. 1945-94 stand es unter Verwaltung der Britischen Streitkräfte, die hier auch ihr Hauptquartier einrichteten. 1963 wurden das Olympiastadion und das Schwimmstadion in die Verwaltung des Landes Berlin überführt. Nach dem Fall der Mauer wurden im Zuge der Aufgabe alliierter Rechte sämtliche Bauten des Olympiageländes an den Bund übergeben, der sie 2001 auf das Land Berlin übertrug.
2006 wurde in dem Gebäude unter dem Glockenturm das Dokumentationszentrum Geschichtsort Olympiagelände 1909-1936-2006 eröffnet und im gleichen Jahr der Lehrpfad mit 45 zweisprachigen Informationstafeln zur Geschichte des Olympiageländes.
Seit dem 1.9.2006 ist der Olympiapark Berlin – Geschichtspfad Teil II zur historischen Kommentierung des Olympiageländes öffentlich zugänglich. Zuständig dafür ist die Senatsverwaltung für Inneres und Sport – Olympiapark Berlin.
Normalerweise kostet die Besichtigung des Geländes 1.- EUR Eintritt. Aber wir dürfen es heute dank der Unterstützung von Frau Dienst von der Senatsverwaltung kostenlos betreten und erhalten am Eingang den Flyer mit dem Plan, auf dem alle Informationstafeln verzeichnet sind.
Wir werden heute aus Zeitgründen nur einen kleinen Teil des Geländes besichtigen können. Ausführliche Besichtigungen bietet das Sportmuseum an (Tel 305 8300).

Friedrich-Friesen-Allee
Die Friedrich-Friesen-Allee wurde 1936 nach dem Mitbegründer der deutschen Turn- und Sportbewegung Karl Friedrich Friesen benannt. Er wurde 1784 in Magedeburg geboren und kam nach dem Schulbesuch nach Berlin. Gemeinsam mit “Turnvater” Friedrich Ludwig Jahn legte er 1810 den ersten öffentlichen Turnplatz in der Hasenheide an. Er starb 1814 im Befreiungskrieg im Ardennenwald in Frankreich.

Link zu: Jahnplatz mit dem Haus des deutschen Sports, Foto: KHMM
Jahnplatz mit dem Haus des deutschen Sports, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Jahnplatz mit dem Haus des Deutschen Sports
Tafeltext:
Schwimmhaus im Norden, Turnhaus im Süden und das zentrale Haus des Deutschen Sports umschließen den Jahnplatz. Die Gestaltung der Gesamtanlage folgte dem Entwurf von 1926, auch wenn bis zur Fertigstellung zehn Jahre vergingen.
Die Hofanlage entspricht Werner Marchs Absicht, im Bereich des Sportforums “mehr nach innen gerichtete Bezirke zu schaffen, die ein Gefühl von Sammlung und Gemeinschaft vermitteln”.
Mit der hohen Pfeilerhalle, dem großzügigen Schwimmbecken und dem Skulpturenprogramm sollte der Jahnplatz einen feierlichen Rahmen bilden für Sport- und Festveranstaltungen.
Die Stufen der Freitreppe und die offenen Balkone über dem ringsumlaufenden Pfeilergang sollten “nach Art eines mittelalterlichen Turnierhofes” Platz für Zuschauer bieten.
Die Anordnung der Bronzeplastiken unterstreicht die axiale Ausrichtung der gesamten Anlage. Nur der “Ruhende Athlet” von Georg Kolbe weicht von der symmetrischen Aufstellung ab. Adolf Strübes Figuren “Stier” und “Kuh”, motivgeschichtlich Sinnbilder für Stärke und Fruchtbarkeit, bilden den westlichen Abschluss des Platzes.

Link zu: Olympiagelände, Foto: KHMM
Olympiagelände, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Dienstvilla des “Reichssportführers”
Tafeltext:
Anstelle des offenen “Tanzrings” für den Frauenbereich wurde 1937 die Dienstvilla des “Reichssportführers” Hans von Tschammer und Osten erbaut. Die Pfeilerhalle bildet räumlich den Endpunkt der Sichtachse und architektonisch den Gegenpart zum Portikus am Haus des Deutschen Sports. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa – bis zum Abzug der britischen Alliierten 1994 – als Gästehaus und Offiziersmesse genutzt.
Der “Reichssportführer” war Präsident der Reichsakademie für Leibesübungen, Leiter des Reichssportamtes beim Innenministerium und Führer des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen. Erster Amtsinhaber war Hand von Tschammer und Osten.
Der zuvor in der Sportwelt unbekannte SA-Führer betrieb als oberster Sportfunktionär des Dritten Reichs die Entmachtung der Vereine und Verbände und brachte sie unter die Kontrolle der NSDAP.
Im Garten der Villa steht eine Skulptur, oft “Falkner” genannt. Der adlergleich dargestellte Falke ist bezwungen von einem Jäger mit “nordischer” Physiognomie. Der Dolch des Falkners in Form des römischen Kurzschwerts war das Standessymbol der SS. Auch von Tschammer und Osten trug einen solchen Dolch.

Annaheim
Tafeltext:
Das Annaheim wurde 1927-28 von Werner March als Wohnhaus für die Studentinnen der Deutschen Hochschule für Leibesübungen erbaut und nach der Frau des Berliner Oberbürgermeisters Böß benannt.
Das Haus mit zwei unterschiedlich hohen Flügeln für Schlaf- und Aufenthaltsräume bot fünfzig Bewohnerinnen Platz. Es lag unmittelbar am nördlichen Rand des Sportforums. Hier bricht das Gelände steil zur eiszeitlichen Murellenschlucht ab. Von der Terrasse des Hauses bot sich eine unerwartete Fernsicht auf die umliegende Landschaft. Ein Brunnen mit einer Amor-Figur von Hugo Lederer (1871-1940) schmückte den südlich gelegenen Garten, den einzelne hohe Kiefern als ehemaliges Waldstück auszeichnen.

Das umgebende Areal war bereits 1925 in der Vorplanung des Architekten Johannes Seiffert als “Frauenbezirk” des Sportforums ausgewiesen. Dazu gehörten neben dem Wohnheim besondere Übungsplätze wie der “Frauenplatz” und der Tanzring, auf denen “eine der weiblichen Eigenart angepasste Form der Leibesübungen” stattfinden sollte.

Heute residiert im Annaheim die Verwaltung des Olympiaparkgeländes, eine Außenstelle der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Link zu: Blick vom Glockenturm auf das Olympiastadion, 2.10.2008, Foto: KHMM
Blick vom Glockenturm auf das Olympiastadion, 2.10.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Glockenturm und Dokumentationszentrum
Der Glockenturm wurde 1934-36 im Zuge des Neubaus des “Reichssportfeldes” mit dem Olympiastadion gebaut. Nach schweren Kriegsschäden sprengten britische Pioniere den Turm am 15.2.1947 und vergruben die Olympiaglocke auf dem Vorplatz. Die Glocke wurde am 16.12.1956 wieder ausgegraben und vor dem Stadion aufgestellt. Der Glockenturm wurde 1961-62 nach den Plänen des Architekten Werner March neu errichtet, am 23.12.1961 wurde die neue Glocke eingebaut.
Der 77,17 m hohe Turm bietet eine prächtige Sicht über das Olympiagelände, den Grunewald mit dem Teufelsberg, Charlottenburg und Spandau. Nach oben fährt ein Expressaufzug.

Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde der Turm einschließlich der Glocke für 7 Mio Euro saniert. Die Glocke darf allerdings nicht geläutet werden, da sie den Turm in so starke Schwingungen versetzt, dass diese den gläsernen Aufzug zur Aussichtsplattform gefährden könnten.
In der Halle unter dem Glockenturm wurde im Mai 2006 ein Dokumentationszentrum zum Geschichtsort Olympiagelände eröffnet. Es wurde vom Deutschen Historischen Museum gestaltet. Im Inneren wird auf großen Informationstafeln, in Videofilmen und Simultationen die Geschichte des Olympiageländes von der 1909 eröffneten Pferderennbahn bis zur Eröffnung des umgebauten Olympiastadions 2004 erklärt. Die im Obergeschoss befindliche “Langemarckhalle” wurde in das Dokumentatinszentrum einbezogen. Sie sollte an die Schlacht von Langemarck erinnern, bei der im Ersten Weltkrieg im November 1914 zehntausende junge Deutsche umgekommen waren. Die Nationalsozialisten verherrlichten dies als Heldentod. Ein Schwerpunkt der Ausstellung widment sich den Olympischen Spielen von 1936 und der entsprechenden Nazi-Propaganda.

Link zu: Blick vom Glockenturm auf die Waldbühne, 2.10.2008, Foto: KHMM
Blick vom Glockenturm auf die Waldbühne, 2.10.2008, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Waldbühne
Auf dem Areal des ehemaligen Reichssportfeldes errichtete Werner March die Waldbühne im 1934-36 erbauten Olympiade-Komplex im Sinne nationalsozialistischer Konzeption als kultische und nationale “Weihestätte” im 30 m tiefen Kessel der Murellenschlucht im Stil eines griechischen Theaters für 20.000 Zuschauer.
Sie wurde am 2.8.1936 eröffnet als “Dietrich-Eckart-Bühne”, benannt nach einem überzeugt antisemitischen und nationalsozialistischen Schriftsteller, den Hitler als Gründungsmitglied der NSDAP “meinen väterlichen Freund” nannte.
1961 wurde der kriegsbeschädigte Bühnenbereich wiederhergestellt, 1982 die Zeltdachkonstruktion über der Bühne.
Nach dem Krieg wurde die Waldbühne zunächst vor allem für Boxveranstaltungen genutzt. Nach der Instandsetzung entwickelte sie sich zu einem kulturellen Veranstaltungsort. Legendär waren der Boxkampf von Max Schmeling 1948, die Trauerfeier für Kurt Schumacher 1952 und das Konzert der Rolling Stones 1965. In Folge der Tumulte bei diesem Konzert und wegen der unkalkulierbaren Witterungsverhältnisse gab es danach in den 60er und 70er Jahren nur noch vereinzelte Veranstaltungen. 1980 trat Bob Marley in einem sensationellen Konzert auf.
Seit 1981 bespielt der Konzertveranstalter Peter Schwenkow die Waldbühne mit Open-Air-Veranstaltungen: Rock-, Pop- und Klassikkonzerten, sowie Kinovorstellungen. Am 30.6.1984 traten erstmals die Berliner Philharmoniker in der Waldbühne auf – unter der Leitung von Reinhard Peters. Das Experiment mit der Freiluft-Klassik wurde zum Publikumsrenner: Das jährliche Konzert zum Abschluss der Saison der Berliner Philharmoniker in der ausverkauften Waldbühne ist inzwischen ein Highlight des Berliner Veranstaltungskalenders. Dirigiert haben bisher Daniel Barenboim, Erich Leinsdorf, Rafael Frühbeck de Burgos, Lorin Maazel, Sir Colin Davis, Claudio Abbado Sir Simon Rattle und Gustavo Dudamel.
Hauptveranstalter der Waldbühne ist bis Ende 2008 Peter Schwenkows Deutsche Entertainment AG DEAG. Nach einer Ausschreibung des Berliner Senats für den neuen Pachtvertrag ab 2009 wurde am 8.9.2008 der Zuschlag an den Veranstalter CTS Eventim gegeben.

Parkplatz an der Waldbühne
Im Mai dieses Jahres beschloss der Berliner Senat, die Deutschlandhalle abzureißen. Auf dem Parkplatz an der Glockenturmstraße neben der Waldbühne soll für 11 Mio Euro eine neue Eissporthalle gebaut werden.

Passenheimer Straße
Die Passenheimer Straße wurde 1937 nach der masurischen Stadt Passenheim benannt, heute polnisch Pasym.

Jesse-Owens-Allee
Die frühere Stadionallee wurde 1984 nach dem amerikanischen Sportler Jesse Owens benannt. Er wurde 1913 in Danville als James Cleveland geboren und starb 1980 in Tucson. 1935 stellte er innerhalb einer Stunde bei vier Starts vier Weltrekorde ein. Bei den olympischen Spielen 1936 in Berlin gewann er 4 Goldmedaillen über 100 Meter, 200 Meter, Weitsprung und in der 4 mal 100 Meter Staffel. Seine 10,2 Sekunden im 100-Meter-Lauf blieben als Rekord 20 Jahre bestehen, seine 8,13 Meter im Weitsprung 25 Jahre.

Coubertinplatz
Der Coubertinplatz vor dem Südtor des Olympiastadions trägt den Namen von Pierre Baron de Coubertin (1863 – 1937), dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit. Er war IOC-Vorsitzender von 1894 bis 1925, danach Ehrenpräsident aller Olympischen Spiele. Aus Anlass der Olympischen Spiele 1936 in Berlin wurde am 23.4.1936 der Platz nach ihm benannt.

Flatowbrücke und Flatowallee
Die Flatowallee wurde am 21. Februar 1997 benannt nach den beiden jüdischen Turnern Alfred und Gustav Flatow. Die Straße hieß von 1914 bis 1936 Rennbahnstraße und von 1936 bis 1997 Reichssportfeldstraße. Seit den 80er Jahren wurde über eine Umbenennung des von den Nationalsozialisten gewählten Namens diskutiert. Nachdem die Umbenennung dann 1995 angeordnete wurde, gab es Anwohnerproteste und Klagen, so dass es schließlich noch einmal 21 Monate dauerte, bis die Straße tatsächlich neu benannt werden konnte.
Alfred Flatow wurde 1869 in Danzig geboren. Er kam 1887 nach Berlin und errang mit der deutschen Turnerriege bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen 1896 Gold am Barren und Reck und im Einzelturnen Gold am Barren und Silber am Reck. In Berlin hatte er einen kleinen Fahrradladen und lebte zurückgezogen in Schöneberg, später in Kreuzberg. 1936 war er noch Ehrengast der Olympischen Spiele hier im Olympiastadion.
Danach wurde er als Jude mehr und mehr diskriminiert, 1942 von den Nazis zum “Reichsfeind” erklärt und am 30. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er im Alter von 73 Jahren den Hungertod starb.
Gustav Felix Flatow wurde 1875 in Berent geboren, kam 1892 nach Berlin und nahm gemeinsam mit seinem Cousin Alfred Flatow ebenfalls an den Olympischen Spielen 1896 in Athen teil. Bei den Spielen in Paris im Jahr 1900 blieb er erfolglos, zog sich vom Sport zurück und führte seine 1899 gegründete Textilfirma. 1933 emigrierte er nach Holland, wurde dort an Silvester 1943 verhaftet und im Februar 1944 in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort fanden ihn Mithäftlinge am 29. Januar 1945 verhungert und erfroren vor einer Baracke.

1979 wurde die heutige Flatowbrücke anstelle der 1936 gebaute Vorgängerbrücke in Betrieb genommen. Sie ist 47 Meter lang und 36 Meter breit. Der Zugang zur Empfangshalle des S-Bahnhofs Olympiastadion bildet den östlichen Brückenkopf.

S-Bahnhof Olympiastadion
Der S-Bahnhof Olympiastadion wurde 1909 von Schwarz und Dörgé als Teil der ehemaligen Vorortbahn nach Spandau gebaut, 1936 wurde er für den Ansturm zu den Olympischen Spielen umgebaut. Von September 1980 bis Januar 1998 war die S-Bahn hier außer Betrieb.

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Corbusierhaus, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Corbusierhaus
Das Corbusier-Haus wurde 1956-58 von Le Corbusier im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Interbau als “Unité d’habitation, Typ Berlin“errichtet. Nach Marseille und Nantes ist es die dritte derartige Wohnanlage als 17-geschossiges auf Stützen stehendes Hochhaus mit 557 Wohnungen, die über neun mittig angelegte “Straßen” erschlossen werden. Das Haus ist 141 m lang, 23 m breit und 53 m hoch. Die Bauvorschriften erzwangen allerdings bauliche Veränderungen. Statt der vorgesehenen Raumhöhe von 2,26 m mussten es entsprechend den Vorschriften des sozialen Wohnungsbaues 2,50 m werden. Auch die geplanten infrastrukturellen Einrichtungen wurden gegenüber dem ursprünglichen Entwurf reduziert, was zur Distanzierung des Architekten vom ausgeführten Bau führte.

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Am Corbusierhaus Bild: Bezirksamt

Le Corbusier hatte sein drittes Großprojekt zunächst für das Hansaviertel in Tiergarten vorgesehen. Da das Haus für dieses Gebiet jedoch zu groß war, einigte er sich mit dem Berliner Senat auf den “olympischen Hügel”. Das Gebäude wurde in einer Rekordzeit von 18 Monaten als eigenständige kleine Stadt errichtet. Die Wohnungen boten maximalen Komfort auf minimalem Raum. 1979 wurden die Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt
Ich freue mich, dass Mitglieder des Fördervereins Corbusierhaus uns ihr Haus heute zum 50jährigen Jubiläum präsentieren.