Stolpersteine Helmstedter Straße 31

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Hauseingang Helmstedter Straße 31
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden am 06.06.2018 verlegt.

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Stolperstein Gertrud Rosenfeld
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
GERTRUD
ROSENFELD
GEB. ROSE
JG. 1897
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
26.9.1938

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Gertrude Rosenfeld, geb. Rose
Bild: privat

Gertrud Rose, verheiratete Rosenfeld, wurde am 24. November 1897 in Hannover geboren. Sie liebte Berlin, die Berliner Museen, Theateraufführungen, die Kunst überhaupt, und heiratete in Berlin ihren achtzehn Jahre älteren Mann Ernst Rosenfeld. Ernst besaß eine Bilderrahmenfabrik in der Kastanienallee in Berlin-Prenzlauer Berg. Das Paar wohnte großbürgerlich im Bayrischen Viertel. Die Ehe wurde nicht glücklich, auch nicht durch die Geburt der Kinder Ernst Arno (1923) und Franz Ulrich, der 1924, anderthalb Jahre später zur Welt kam.

Als die Kinder in Berlin nicht mehr zur Schule gehen durften und die Zeiten für Juden immer härter wurden, litt Gertrud mehr und mehr an Depressionen. Nachdem es sich abzeichnete, dass die Familie aus Berlin fliehen müsste, um dem nationalsozialistischen Terror zu entkommen, nahm Gertrud Rosenfeld sich am 26. September 1938 in einem Hotel am Anhalterbahnhof in Berlin mit Schlaftabletten das Leben. Dieser Schritt war für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich.

Sie schrieb einen Abschiedsbrief an ihren erstgeborenen Sohn Arno Ernst Rosenfeld, den sie ihren Goldjungen nannte. In diesem Brief bat sie ihn, auf den jüngeren Bruder aufzupassen. Dieser Brief befindet sich heute mit dem Nachlass von Ernst Arno Rosenfeld im Jüdischen Museum Berlin. Ihre beiden Söhne ließ Gertrude Rosenfeld nicht beschneiden, sie bekannte sich, seit sie erwachsen war zu einem liberalen Judentum. Sie wurde nach ihrem „Freitod“, so steht es auf ihrem Grabstein, am Rand des Friedhofs in Weißensee beerdigt. Warum am Rand, an der Mauer? Weil Selbstmord im Judentum nicht erlaubt ist. Nach dem Fall der Mauer sorgte Ernst Arno Rosenfeld, ihr ältester Sohn dafür, dass seine Mutter in die Mitte des Friedhofs umgebettet wurde.

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Stolperstein Franz Ulrich Rosenfeld
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
FRANZ ULRICH
ROSENFELD
JG. 1924
KINDERTRANSPORT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 16.7.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 21.8.1942

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Franz-Ulrich Rosenfeld (Ulli), Dez.1924 - 21. August 1942
Bild: privat

Franz Ulrich Rosenfeld wurde im Dezember 1924 geboren. Sein Bruder Arno schrieb später über ihn, er sei ein sehr liebenswürdiges, überaus fröhliches und begabtes Kind gewesen. Ulrich wurde mit seinem Bruder nach dem Tod der Mutter 1939 nach Rotterdam geschickt, die Brüder saßen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht und der Bombardierung Rotterdams in der Falle. In ihren Pässen stand das „J“. Der Vater war in Berlin geblieben und konnte im letzten Augenblick noch nach Lissabon entkommen und in die USA ausreisen. Ulrich Rosenfeld fand nach der Bombardierung Rotterdams zunächst einen Unterschlupf in Amsterdam, dann ein Versteck, um der Deportation zu entgehen. Die Brüder sahen sich nicht mehr, aber sie korrespondierten miteinander. Ulli schickte an seinen Bruder ein Foto mit der Widmung: „Damit Du mich nicht vergisst.“ Im August 1942 wurde Ulrich Rosenfeld, der den gelben Stern trug, auf der Straße festgenommen und über das niederländische Sammellager Westerbork nach Auschwitz verschleppt, wo er am 21. August 1942 ermordet wurde. Ulrich (Ulli) wurde siebzehneinhalb Jahre alt.

Text von Gesine Strempel nach Aufzeichnungen und Erzählungen von Arno Roland/Rosenfeld