Stolpersteine Ruhlaer Straße 24

Bildvergrößerung: Hausansicht Ruhlaer Str. 24
Hausansicht Ruhlaer Str. 24
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden am 30.05.2018 verlegt.

Stolperstein Hertha Bloch
Stolperstein Hertha Bloch
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HERTHA BLOCH
JG. 1886
GEB. BRASCH
DEPORTIERT 29.11.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Bildvergrößerung: Stolperstein Margot Bloch
Stolperstein Margot Bloch
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARGOT BLOCH
JG.1925
DEPORTIERT 29.11.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hertha Johanna Bloch wurde am 2. Januar 1886 in Berlin als Hertha Johanna Brasch geboren. Ihre Eltern waren der Berliner Kaufmann Julius Brasch und seine Ehefrau Helene, geb. Meyer, geb. am 20. Mai 1866. Am 2. Oktober 1907 heirateten Hertha Brasch und Martin Bloch, geb. am 1. März 1875, der in seinem Geburtsort Stettin eine Handelsfirma betrieb. Daher lebte das Paar zunächst in Stettin, wo am 24. August 1908 ihre erste Tochter Gerda zur Welt kam. Hertha Bloch eröffnete in Stettin ein eigenes Ladengeschäft für Damenmode.

Etwa 1912 verließ die junge Familie Stettin und bezog ein eigenes Haus in Hamburg-Wandsbek, wo Martin Bloch eine Stelle als Einkäufer bei Karstadt angenommen hatte. Ebenfalls in Hamburg wurde am 26. November 1925 die zweite Tochter Margot geboren. Etwa um 1931 zogen Hertha und Martin mit Margot nach Berlin, Gerda blieb in Hamburg.

Über den Berliner Wohnort der Familie zwischen 1931 und 1936 ist derzeit nichts bekannt. 1936 bezog die Familie eine Wohnung in dem damals gerade neu erbauten Haus Ruhlaer Straße 24. Zu dieser Zeit durfte Margot infolge der judenfeindlichen Vorschriften schon keine staatliche Schule mehr besuchen. Sie ging stattdessen auf die von der Lehrerin Leonore Goldschmidt gegründete, private „Goldschmidt-Schule“, die sich in nur etwa 100 Meter Entfernung von der Ruhlaer Straße 24 befand.

Am 3. Juni 1937 verstarb Martin Bloch nach einer Blinddarmentzündung. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee. Hertha und Margot Bloch lebten danach noch etwa zwei weitere Jahre in der Ruhlaer Straße 24, bis sie 1939 nach Aufhebung des Mieterschutzes für Juden aus ihrer Wohnung gewiesen und behördlich gezwungen wurden, Wohnraum in einem der sogenannten „Judenhäuser“ zu beziehen. Dabei handelte es sich zumeist um Mietshäuser oder -wohnungen, die sich noch in jüdischem Besitz befanden und in denen Familien oft auf engstem Raum willkürlich einquartiert wurden. Hertha und Margot fanden in der Kreuzberger Großbeerenstraße 27a bei einem älteren Ehepaar Unterkunft, dabei handelte es sich vermutlich um Eugen Eisenberg und Rose Eisenberg, geb. Laufer, geb. am 5.Dezember 1883.

Im Januar 1942 erhielten Margot und Hertha einen ersten Deportationsbefehl. Da Margot zu dieser Zeit erkrankt war, gelang es ihnen die Deportation noch einmal abzuwenden. Im Juli 1942 wurde Herthas Mutter und Margots Großmutter Helene Brasch nach Theresienstadt deportiert und kam dort am 24. März 1943 ums Leben. Margots Gesundheitszustand verschlechterte sich in der Folge weiter; für einen weiteren Deportationsbefehl Ende November 1942 wurde jedoch kein Aufschub mehr gewährt. Hertha und Margot wurden in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße verbracht und fünf Tage später am 29. November 1942 mit dem ersten Deportationszug von Berlin-Moabit in das KZ Auschwitz transportiert, wo sie vermutlich sofort nach der Ankunft ermordet wurden.

Ihr letzter Wohnungsgeber in der Großbeerenstraße, Herr Eisenberg, starb vermutlich Anfang 1943 in Berlin eines natürlichen Todes; Rose Eisenberg wurde am 06. März 1943 in das KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Margots ältere Schwester Gerda, die 1931 nicht mit nach Berlin gezogen war, hatte in Hamburg geheiratet und war 1934 mit Ihrem Mann und zwei Söhnen in die Niederlande gezogen. 1935 kam dort ihr dritter Sohn zur Welt, 1936 verstarb ihr Ehemann. Nach der Besatzung der Niederlande durch die Deutschen konnte Gerda mit ihren Söhnen zunächst untertauchen, bis bei einer nächtlichen Razzia ihre zwei jüngsten Söhne gefasst, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden. Gerda gelang es mit ihrem ältesten Sohn in verschiedenen Verstecken zu überleben und nach Ende des Krieges nach Australien auszuwandern, wo heute auch ihre Nachkommen leben. Gerda starb im Jahr 2000 in Australien.

Für Herthas Mutter Helene Brasch geb. Meyer liegt ein Stolperstein vor der Babelsberger Straße 6 in Wilmersdorf.

Recherche/Text: Bernhard Pöschla

Die Stolpersteine wurden von Vesna und Bernhard Pöschla gespendet.