Stolpersteine Kurfürstendamm 182/183 / Ecke Olivaer Platz

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Hausansicht Kurfürstendamm 182
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese beiden Stolpersteine wurden gewünscht von Shulamit Rosenberg, vormals Uschi Leiser, der 91 Jahre alten in Israel lebenden Tochter von Erich und Jenny Leiser. Verlegt wurden sie am 10.5.2016 vor deren einstigem Wohnhaus an der Ecke Olivaer Platz, wo sich heute in einem Neubau die Deutsche Bank befindet. Anwesend waren zahlreiche Verwandte und Familienmitglieder aus vier Generationen, die in Israel, Großbritannien und den USA wohnen.

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Stolperstein Erich Leiser
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ERICH LEISER
JG. 1896
FLUCHT 1941
PORTUGAL
USA

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Stolperstein Jenny Leiser
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
JENNY LEISER
GEB. SELINGER
JG. 1901
FLUCHT 1941
PORTUGAL
USA

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Erich Leiser
Bild: Familienarchiv

Erich Leiser wurde am 29. April 1896 in Berlin geboren. Er wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf und ging auf eine Handelsschule, bevor er am Ersten Weltkrieg teilnahm. Später dachte er, dass ein Orden ihn vor Verfolgung schützen würde.

1919 heiratete er Jenny Selinger, geboren am 9. Mai 1901. Sie zogen in eine gut ausgestatte Wohnung. Er war Partner der Schuh-Firma Leisner-Klausner und damit ein prominentes Mitglied der Berliner Geschäftswelt – bis das Unternehmen von den Nationalsozialisten enteignet wurde.

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Jenny Leiser
Bild: Familienarchiv

Die 1920er Jahre waren für Erich und Jenny Leiser eine erfolgreiche Zeit. Sie bekamen auch zwei Töchter, Lilo 1920 and Ursula (Uschi) 1925. Obwohl Erich viel beschäftigt war, widmete er sich seiner Familie und machte Hausmusik auf dem Klavier, oft begleitet vom Gesang seiner Frau und Töchter. Die Familie war voll ins Berliner Kultur -und Gesellschaftsleben integriert. Es war eine glückliche Zeit.
Doch als die Nazis an die Macht kamen, änderte sich das Leben der Leisers total. Erich stieg nach der Enteignung des Geschäfts mit seinem Schwiegervater in den Eierhandel ein. Jenny begann ein Kosmetikstudium – in der Hoffnung, die Familie zu unterstützen, wenn eine Emigration nötig wäre.

Der Zeitpunkt kam. Lilo wanderte 1935 als erste aus, ihr folgte Uschi 1939. Erich und Jenny suchten nach Wegen, ebenfalls zu flüchten. Aber er musste 1940 in ein Zwangsarbeitslager, Jenny zog zu Freunden. Mit Hilfe eines amerikanischen Journalisten kam Erich Leiser 1941 frei. Nach einer Phase, in der sie unterschlüpfen konnten, ergatterten sie Visa für die USA und kamen über Lissabon mit 20 Dollar in der Tasche in New York an. So gelang ihnen die Rettung.

15 Jahre nach dem Abschied von Lilo und elf Jahre nach der Trennung von Uschi besuchten Erich und Jenny ihre Töchter in Israel. Er starb in New York, Jenny Leiser starb am 1980 ebenfalls in New York.

Kurzfassung des Textes von James W. Young, dem Ehemann der Tochter von Leisers Tochter Lilo, Michelle Young, Nichte von Shulamit Rosenberg.

Aus Anlass des Verlegens der Stolpersteine zum Gedenken an ihre Eltern schrieb Shulamit Rosenberg aus Israel:

Es ist ein gewisser Trost für mich, sie an der Stelle unserer Wohnung zu wissen, die ich wohl tausende Male mit meinen Eltern überschritten habe. Leider nur bis zu meinen 13. Lebensjahr, an dem ich mich von ihnen verabschieden musste.

Sie beschrieb ihr Leben:

Als Enkelin des Gründers des “Schuhhaus Leiser” wurde ich 1925 in Berlin geboren. Ich hatte zusammen mit meiner älteren Schwester eine glückliche Kindheit. Ich besuchte die Volkschule in der Bleibtreustraße und danach die Jüdische Schule von Dr. Leonore Goldschmidt. Nach etlichen Versuchen meiner Eltern, für meine Flucht zu sorgen, hatte ich das Glück, Anfang April 1939 nach Palästina auszuwandern. Ich war 13 Jahre alt, verabschiedete mich von meinen Eltern am Bahnhof und ging allein in “die große Welt”. In Palästina kam ich (durch die Kinderalija) in das Jugenddorf Ben-Schemen, welches alles tat, unser neues Leben zu erleichtern. Dort lernten wir vier Stunden täglich und arbeiteten dieselbe Zeit. Natürlich war die Sehnsucht nach den Eltern groß.
Nach vier Jahren gründeten meine Freunde und ich einen neuen Kibbuz. Ich heiratete und unsere beiden Töchter wurden dort geboren. Nach zehn Jahren verließen wir den Kibbuz und begannen wieder von Neuem. Ich wurde Modellistin für Damenmode. Trotz mehrerer schwerer Jahre bauten wir eine große und liebevolle Familie auf. Mein Mann und ich leben in einem Seniorenheim, haben zwei verheiratete Töchter, sieben Enkel und zwölf Urenkel.
Meinen Eltern gelang es durch einen seltenen Zufall – obwohl mein Vater schon Zwangsarbeiter war – im September 1941 (!) über Portugal nach Amerika zu flüchten. Ich sah sie erst nach elf Jahren wieder, und das für etwa zwei Wochen, da sie ebenfalls in den USA ein neues Leben begannen.

Zur Verlegung der Stolpersteine sagte der Enkel James W. Young, Ehemann der Nichte von Shulamit Rosenberg, in Berlin:

Ansprachen von James W. Young und Dan Rubin

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