Stolperstein Schlüterstraße 16

Bildvergrößerung: Hausansicht Schlüterstr. 16
Hausansicht Schlüterstr. 16
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese von der Enkeltochter Ursel Hein (Kiel) gespendeten Stolpersteine wurden am 7.4.2016 verlegt.

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Stolperstein Charlotte Benjamin
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
CHARLOTTE
BENJAMIN
GEB. WEINBERG
JG. 1884
DEPORTIERT 28.10.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

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Stolperstein Richard Benjamin
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
RICHARD
BENJAMIN
JG. 1871
DEPORTIERT 28.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 25.2.1943

Richard Benjamin wurde am 15. Februar 1870 in Dresden geboren.
Verheiratet war er mit Charlotte Benjamin geb. Weinberg, geboren am 3. Oktober 1884 in Berlin.

Er war Arzt und nahm als solcher am Ersten Weltkrieg teil. Dr. med. Richard Benjamin muss eine respektable Persönlichkeit gewesen sein, seine Tochter Sophie, geboren am 30. September 1904 in Berlin, gestorben 1987, sprach von ihm als „Herr Sanitätsrat“. Die Enkelin Ursel Hein weiß über ihren Großvater, dass er in der Zeit der Judenverfolgung als „Krankenbehandler“ tätig war, der nur jüdische Patienten verarzten durfte: „Er soll Deutschland nicht verlassen haben, weil er sich seinen jüdischen Patienten verpflichtet fühlte, sie konnten zu keinem ’arischen’ Arzt gehen, außerdem waren sie zum Teil verarmt, da sie aus ihren Berufen gedrängt worden waren.“

Richard und Charlotte Benjamin wohnten in der Schlüterstraße 16, kurz vor ihrer Deportation wurden sie in die Kantstraße 130 zwangsweise umquartiert. Sie sind zunächst ins Sammellager Große Hamburger Straße 26 gebracht um am 28. Oktober 1942 vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert worden. Auf der Deportationsliste stand er als „Behandler“, bei ihr war der Vermerk „Pflegerin“ abgebracht.

Richard Benjamin ist am 25. Februar 1943 umgebracht worden, die Ghetto-Ärzte schrieben in den Totenschein „Herzmuskelentartung“. Charlotte Benjamin, die 60 Jahre alt war, musste noch länger als ein Jahr die unmenschlichen Zustände in Theresienstadt ertragen. In einem der Todeszüge Theresienstadt-Auschwitz am 16. Mai 1944 wurde sie mit 2493 Menschen nach Auschwitz gefahren, wo sie ermordet worden ist. Nur 34 aus diesem Riesen-Transport überlebten.

Ihr Sohn war Gerhard Benjamin, geboren am 8. Juli 1912 in Berlin. Wegen der Rassengesetze von 1935 war eine Heirat mit seiner Verlobten, der Mutter von Ursel Hein, nicht möglich. Gerhard Benjamin soll mit seiner Schwester nach Frankreich gegangen sein, dort verliert sich jede Spur. Die Tochter Ursel Hein, Enkelin von Richard und Charlotte Benjamin, war am 23. März 1935 in Berlin geboren. Deren Mutter, Sophie Wagner, ist 1987 gestorben.

Text: Helmut Lölhöffel mit Informationen der Enkelin Ursel Hein.
Quellen: Bundesarchiv; Deportationsliste; Opferdatei Theresienstadt.