Stolpersteine Meinekestraße 4

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Hausansicht Meinekestr. 4
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden am 10.2.2016 verlegt. Die Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Fuchs wurden von Michael Dimitrijevic (Glienicke) gespendet. Der Stolperstein zum Gedenken an Gertrud Daniel wurde von Miriam Rotmann (Großbritannien) gewünscht.

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Stolperstein Herbert Fuchs
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HERBERT FUCHS
JG. 1886
„SCHUTZHAFT“ 1938
SACHSENHAUSEN
DEPORTIERT 30.6.43
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

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Stolperstein Grete Else Fuchs
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
GRETE ELSE
FUCHS
GEB. LEWIN
JG.1893
DEPORTIERT 30.6.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.2.1944

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Stolperstein Günter E. Fuchs
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
GÜNTER E. FUCHS
JG. 1920
DEPORTIERT 30.6.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
1945 TODESMARSCH
SACHSENHAUSEN
MAUTHAUSEN
ERMORDET 31.3.1945

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Stolperstein Vera Ellen Fuchs
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
VERA ELLEN FUCHS
JG. 1926
DEPORTIERT 30.6.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
GROSS-ROSEN
AUSSENLAGER MERZDORF
BEFREIT

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Stolperstein Ernst Werner Fuchs
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ERNST WERNER
FUCHS
ROBERT EDGAR HARVEY
JG. 1924
FLUCHT 1939
ENGLAND

Herbert Fuchs
Herbert Fuchs
Bild: Familienarchiv

Herbert Fuchs ist am 26. Mai 1886 in Tarnowitz (Tarnowskie Gory) in Schlesien geboren. Seit 1912 war er an den Berliner Landgerichten als Rechtsanwalt zugelassen. 1924 wurde er zusätzlich zum Notar bestellt. Am 17. April 1919 heirateten Herbert Fuchs und Grete Elsa Lewin. 1920 zog das Ehepaar Fuchs in die Meinekestraße 4. Dort wuchsen ihre Kinder Günter Edgar (geboren 1920), Ernst Werner (geboren 1924) und Vera Ellen (geboren 1926) auf. Im Februar 1925 kehrte Familie Fuchs der Jüdischen Gemeinde den Rücken und ließ sich neun Monate später in der Berliner Marienkirche evangelisch taufen. Die Abwendung vom Judentum zeigte das Assimilationsstreben von Herbert und Grete Fuchs.

Bis 14. Dezember 1938 war er in Sachsenhausen im Konzentrationslager. Am 30. Juni 1943 wurde er mit seiner Frau Grete und der Tochter Vera nach Theresienstadt in das dortige Ghetto deportiert, am 9. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz. Dort ist gleich nach seiner Ankunft ermordet worden.

Grete Else Fuchs
Grete Else Fuchs
Bild: Familienarchiv

Grete Else Fuchs geb. Lewin ist am am 25. Januar 1893 in Berlin geboren. Mit ihrem Mann Herbert Fuchs, den sie am 17. Mai 1919 heiratete, sowie den Kindern Günter Edgar (geboren 1920), Ernst Werner (geboren 1924) und Vera Ellen (geboren 1926) wohnte sie in Charlottenburg in der Meinekestraße 4.

Deportiert wurden Else und Herbert Fuchs ab Berlin vom Anhalter Bahnhof am 30. Juni 1943 nach Theresienstadt ins Ghetto. Dort wurde sie am 22. Februar 1944 ums Leben gebracht. Mit ihren Eltern deportiert wurde die Tochter Vera, sie überlebte jedoch den Holocaust. Ebenfalls wurde Günter E. Fuchs in diesen Transport gesteckt, er wurde im KZ Mauthausen umgebracht.

Günter E. Fuchs, ca. 1939
Günter E. Fuchs, ca. 1939
Bild: Familienarchiv

Günter E. Fuchs war der älteste von drei Kindern des Ehepaares Herbert und Grete Fuchs. Er wurde am 12. Juni 1920 in Berlin geboren und wohnte mit seinen Eltern in der Meinekestraße 4 in Charlottenburg. Deportiert wurde er am 30. Juni 1943 mit seinen Eltern und seiner Schwester Vera nach Theresienstadt. Vom Jüdischen Krankenhaus kommend wo er mit Diphtherie und Scharlach lag, traf er im Sammellager ein. Er wurde am 29. September 1944 nach Auschwitz weiter deportiert und kam am 31. März 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben.

Ernst und Vera, ca. 1965
Ernst und Vera, ca. 1965
Bild: Familienarchiv

Vera Ellen Fuchs wurde 1926 in Berlin geboren. Sie hatte Zwangsarbeit zu verrichten und wurde über das Sammellager Große Hamburger Straße 26 mit ihren Eltern und einem Bruder nach Theresienstadt deportiert. Von dort kam Vera Ellen Fuchs nach Auschwitz, dort blieb sie allerdings nur kurze Zeit. Sie wurde in das Frauenarbeitslager Merzdorf, einem Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen am Fuße des Riesengebirges, verschleppt, wo sie in einem Leinenwerk Zwangsarbeit leistete.

Vera Ellen Fuchs begab sich nach ihrer Befreiung nach Berlin und wurde beim Bezirksamt Charlottenburg als Opfer des Faschismus registriert. Als ihr Bruder Ernst Werner kurz nach Kriegsende in Berlin nach überlebenden Familienangehörigen suchte, traf er sie in der Meinekestraße 4 an. Am 10. März 1947 verließ Vera Fuchs Deutschland und wanderte in die USA aus. Sie zog nach Boston.

Ernst Werner Fuchs war ein Sohn von Herbert und Grete Fuchs sowie der Bruder von Günter Edgar und Vera Ellen. Er ist 1924 in Berlin geboren. Wie seine Familie wuchs er in Charlottenburg in der Meinekestraße 4 auf. Er ging auf das Wilmersdorfer Bismarck-Gymnasium, das Ernst Werner allerdings nach dem 15. November 1938 nicht besuchen durfte, da jüdische Kinder vom Besuch öffentlicher Schulen ausgeschlossen wurden. Die Eltern entschieden, ihn ins Ausland zu bringen. Er verließ Berlin am 23. Juni 1939 Richtung England.

Noch während des Zweiten Weltkriegs änderte er seinen Namen in Robert Edgar Harvey. 1945 fand er seine Schwester Vera Ellen in Berlin wieder, die er in der Meinekestraße 4 antraf. Ernst W. Fuchs/Robert E. Harvey heiratete im Jahr 1952 Patricia E. Massington. Aus der Ehe gingen Tochter Judith und Sohn Iain hervor. Robert E. Harvey starb 2008 in Ely/Cambridgeshire.

Diese Kurzfassungen der Biografien wurden von der Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf erstellt. Der vollständige Text ist in der folgenden Datei nachzulesen, die durch Anklicken zu öffnen ist.

ausführliche Biografie der Familie Fuchs

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Stolperstein Gertrud Daniel
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
GERTRUD DANIEL
GEB. RAPPAPORT
JG. 1872
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 21.2.1944

Gertrud Daniel wurde als Gertrud Rappaport am 2. Januar 1872 in Mislowitz (heute polnisch Myslowice) geboren, einem Dorf in der Nähe von Kattowitz (heute Katovice). Ihr Vater Eduard Rappaport besaß dort eine Mühle und eine Brennerei. Er und seine Frau Charlotte hatten zehn Kinder, acht Mädchen und zwei Jungen. Beide Brüder Gertruds waren im Ersten Weltkrieg Sanitätsoffiziere und erhielten Auszeichnungen für ihre Verdienste.

Während einer jüdischen Migration Ende des 19. Jahrhunderts zog die Familie Rappaport nach Berlin. Eduard Rappaport war ab 1890 im Berliner Adressbuch als „Rentier“ verzeichnet, die Familie lebte zunächst in Schöneberg, dann in der Wallner-Theater-Straße in Mitte. Eduard und Charlotte sind beide in Weißensee begraben.

Gertrud träumte ihr Leben lang davon, Ärztin zu werden, aber das was in jener Zeit für eine Frau nicht möglich. Im Alter von 23 Jahren, 1895, heiratete sie den Kaufmann Leo Daniel und hatte mit ihm zwei Töchter: Lotte, nach Gertruds Mutter benannt, und Edith, was auf Hebräisch „Juwel“ bedeutet.

1915 erlitt Leo, nach langer Krankheit, einen Schlaganfall und starb. Gertrud hatte nun ihre Töchter allein aufzuziehen mit Unterstützung ihrer Geschwister. Die Familie hatte in der Raupachstraße 11 in Mitte gewohnt (zwischen Holzmarkt- und Wallner-Theater-Straße). Bis 1931 war sie im Adressbuch als „Kaufmannswitwe“ mit dieser Adresse angezeigt, danach zog sie in die Frankfurter Allee 93. Aber 1934 verlor sich ihre Spur bis 1939.

In diesem Jahr wurde sie in der sogenannten Ergänzungskartei bei der Volkszählung am 17. Mai erfasst. In diesen Ergänzungskarten wurde registriert, wer wie viele jüdische Großeltern hatte. Obwohl das Statistikgeheimnis zugesichert wurde, kann man wohl nicht ausschließen, dass diese Kartei für die Judenverfolgung missbraucht wurde. Gertrud Daniel wohnte 1939 bereits in der Meinekestraße 4, zur Untermiete bei Jenny Katz.

Wahrscheinlich hatte Gertrud unter den zunehmenden diskriminierenden Maßnahmen des Regimes sich immer mehr einschränken müssen und konnte ihre Wohnung nicht mehr halten. Ihre Tochter Lotte floh 1935 aus Deutschland und ließ sich mit ihrem Mann Simon in Israel nieder, wo sie ihren Sohn Maxi aufzog. Edith blieb in Deutschland und heiratete den Arzt Dr. Kronisch. 1937 bekamen sie eine Tochter, die sie Monika nannten. Edith wollte mit dem kleinen Kind nicht aus Deutschland auswandern und 1938 verließ Dr. Kronisch seine Famile und flüchtete allein. Edith war gelernte orthopädische Krankenschwester und arbeitete nun im jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße. Wegen der starken Arbeitsbelastung wuchs ihre Tochter Monika bei der Großmutter in der Meinekestraße auf. Noch heute hat Monika, die später Zahnärztin wurde und heute in Israel lebt, Erinnerungen an die Meinekestraße und warme Worte für ihre liebevolle Großmutter – „ihre beste Freundin“.

Monika blieb auch bei ihrer Großmutter, als Jenny Katz sich durch die Umstände der Verfolgung gezwungen sah, die Wohnung aufzugeben und auch die Untermieter ausziehen mussten. Gertrud wurde in Moabit eingewiesen, Alt-Moabit 85. Juden waren inzwischen durch eine Vielfalt weitere antisemitischer Verordnungen weitgehend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen worden, sie durften nicht Theater, Kinos usw. besuchen, konnten nur eine Stunde am Tag einkaufen gehen, mussten Radioapparate und Wertgegenstände abgeben, Sonderabgaben zahlen und einiges mehr. Im September 1942 dann wurde Gertrud Daniel von der Gestapo abgeholt, in das zum Sammellager umfunktionierte ehemalige jüdische Altersheim in der Großen Hamburger Straße 26 gebracht und am 14. September nach Theresienstadt deportiert.

In Theresienstadt war Gertrud menschunwürdigen Bedingungen ausgesetzt: Hunger, Kälte, Raumnot, katastrophale hygienische Verhältnisse und daraus folgende Krankheiten. Fast anderthalb Jahre ertrug sie diese lebensbedrohenden Umstände, am 21. Februar 1944 erlag ihnen auch Gertrud Daniel.

Edith nahm Monika nach Gertruds Deportation zu sich und arbeitete weiter im Jüdischen Krankenhaus. Dieses war die einzige jüdische Einrichtung in Deutschland, die die Nationalsozialisten nicht völlig auflösten. Allerdings wurde der Betrieb mehr und mehr eingeschränkt: es durften dort nur Juden behandelt werden, Plünderungen fanden statt, die Versorgung wurde immer schlechter. Die Gestapo richtete eine Dienststelle und ein Gefängnis dort ein und missbrauchte Teile des Krankenhauses als Sammelstelle für Deportationen. Das Krankenhaus wurde aber auch zum Zufluchtsort für Untergetauchte, die so überleben konnten. Auch Edith und Monika überlebten im Jüdischen Krankenhaus. Als es 1945 von der Roten Armee besetzt wurde, waren dort noch etwa 370 Patienten, knapp 1000 Internierte, 93 Kinder und 76 Gefangene der Polizeistation. Gertrud Daniels Tochter und Enkelin kamen zunächst in ein Lager für Überlebende und konnten dann nach Schweden und später nach England reisen.

Gertrud Daniels Vermieterin Jenny Katz geb. Goldschmidt, geboren am 20. Januar 1877 in Gostin (Oberschlesien), ist am 13. Juni 1942 deportiert und in Sobibor ermordet woren.

Zusammenstellung: Micaela Haas.
Quellen: Angaben von Gertrud Daniels Enkelin und Urenkelin Miriam Rotman (Großbritannien); Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher; Das Jüdische Krankenhaus Berlin