Stolperstein Wangenheimstraße 41/ Paulsborner Straße 42

Bildvergrößerung: Verlegeort Wangenheimstr. 41/ Paulsborner Str.
Verlegeort Wangenheimstr. 41/ Paulsborner Str.
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein ist von Dorothee Trumpa gespendet und am 22.10.2015 verlegt worden.

Das Wohnhaus Wangenheimstraße 41, das mit der Paulsborner Straße 42 verbunden war, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg umgebaut. Die Hausnummer ist entfallen. Der Stolperstein zum Gedenken an Anna Berend ist an der Straßenecke auf dem Gehsteig eingelassen.

Bildvergrößerung: Stolperstein Anna Berend
Stolperstein Anna Berend
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ANNA BEREND
JG. 1879
DEPORTIERT 26.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Bildvergrößerung: Anna und Eduard Berend, 1920er Jahre in Berlin
Anna und Eduard Berend, 1920er Jahre in Berlin
Bild: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Anna Berend wurde am 1. August 1879 in Hannover geboren. Künstlerisch begabt nahm sie Malunterricht bei Leo von König und Dora Hitz, beide Mitglieder der Berliner Secession. Sie war unverheiratet, unterrichtete Kinder im Charlottenburger Jugendheim in Handarbeiten und wohnte mit ihrem Bruder Eduard Berend, dessen Haushalt sie führte, in Grunewald, im zweiten Stock einer Villa in der Wangenheimstraße 41.

Ihr Bruder, der Philologe Eduard Berend, war Junggeselle. Nach der Reichspogromnacht wurde er wie viele jüdische Männer am 11. November 1938 ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Weitere Geschwister waren Franz Berend, der als Bankier in Hamburg lebte, sowie der Musikwissenschaftler und Komponist Fritz Berend, der nach London entkommen konnte. Die Familie mit den Eltern Emil Berend, Rechtsanwalt, Notar und Geheimer Justizrat, und Mathilde geb. Jacobson, galt als wohlhabend.

Am 4. Dezember 1938 schickte Eduard Berend aus dem KZ Sachsenhausen eine Postkarte an seine Schwester Anna, in der er von einer „unumgänglichen Auswanderung“ in die USA oder nach Schweden schrieb. Diese Postkarte war am 9.12.1938 gestempelt, Eduard Berend war jedoch zwei Tage zuvor aus der Haft entlassen worden. Ihm gelang im Dezember 1939 die Flucht in die Schweiz.
Mehr als drei Jahre lebte die damals 63jährige Anna Berend noch im Grunewald. Am 26. Februar 1943 wurde sie zusammen mit 1095 Menschen vom Güterbahnhof Moabit in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, nachdem sie sich im Sammellager Große Hamburger Straße 26, einem von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) zu diesem Zweck missbrauchten früheren jüdischen Altersheim, hatte registrieren lassen müssen.

Zu diesem Zeitpunkt lebte Eduard Berend, der am 5. Dezember 1883 in Hannover geboren wurde und als Philologe bekannt war für die historisch-kritische Ausgabe von Jean Pauls Werken und Briefen, im erzwungenen Exil in Genf. Alle Bemühungen, von dort aus seine Schwester Anna aus Deutschland zu retten, scheiterten. Eduard Berend kehrte 1957 nach Deutschland zurück, um im Deutschen Literaturarchiv in Marbach die Arbeit an der Jean Paul-Ausgabe weiterzuführen. Er starb am 23. September 1973 in Ludwigsburg.

Franz Berend, geboren am 19. August 1881 in Hannover, wurde 1941 aus Hamburg ins Ghetto Litzmansstadt/Lodz deportiert und am 12. Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof ermordet.

Recherchen und Text: Dorothee Trumpa/Meike G. Werner/Helmut Lölhöffel.
Quellen: Bundesarchiv, Deportationsliste. Literatur: Meike G. Werner (Hrsg.): Eduard Berend und Heinrich Meyer Briefwechsel 1938 – 1972. Marbacher Schriften. Neue Folge, 10. Göttingen 2013.