Stolperstein Alte Allee 11

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Hausansicht Alte Allee 11
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein zum Gedenken an ein nicht-jüdisches Opfer des Naziregimes wurde am 23.6.2015 verlegt. Anschließend fand eine Gedenkfeier im Bonhoefferhaus, Marienburger Alle 43, statt, dem Wohnhaus seiner Eltern seit 1935.

Im Haus Alte Allee 11 lebte die Familie von Klaus Bonhoeffer und seiner Frau Emmi Delbrück mit drei Kindern von 1937 bis 1945. Ihr Haus fiel noch in den letzten Kriegstagen einem Bombenangriff zum Opfer. Seine Frau konnte sich aus dem eingestürzten Haus retten; seine Kinder waren schon seit dem Sommer 1944 bei Verwandten in Schleswig-Holstein in Obhut.

Mitglieder des Siedlervereins Eichkamp e.V., Abiturienten der Wald-Oberschule und Schülerinnen der Rudolf-Steiner-Schule haben 2008 eine Stolperstein-Initiative Eichkamp gegründet und an Recherchen über 31 Eichkamper mitgewirkt, die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden. Die meisten von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet. Für 27 von ihnen wurden Stolpersteine verlegt, für drei weitere nicht, weil sich die Nachfahren dagegen aussprachen. Ein Stolperstein wurde in Lichterfelde verlegt. Es besteht Kontakt zu den Nachfahren der meisten Familien, für die Stolpersteine verlegt wurden.

Weitere Informationen zu den Stolpersteinen in Eichkamp finden Sie auf der Website der Siedlung Eichkamp.

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Stolperstein Klaus Bonhoeffer
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
KLAUS BONHOEFFER
JG. 1901
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 1.10.1944
ZELLENGEFÄNGNIS
LEHRTER STRASSE
TODESURTEIL 2.2.1945
ERSCHOSSEN 23.4.1945

Bildvergrößerung: Emmi und Klaus Bonhoeffer, ca. 1930
Emmi und Klaus Bonhoeffer, ca. 1930
Bild: Bildarchiv des ibg und des Gütersloher Verlagshauses

Klaus Bonhoeffer wurde am 5. Januar 1901 in Breslau geboren. Er war das dritte von acht Kindern. Seine Eltern waren Paula von Hase und der Professor für Psychiatrie und Neurologie Karl Bonhoeffer. Klaus Bonhoeffer war von Kindertagen an durchdrungen von einem glühenden Sinn für Fairness und Gerechtigkeit. Mit seinem ihm eigenen kritischen Verstand wählte er das Jura-Studium. Als promovierter Assessor betätigte er sich zunächst als Rechtsanwalt, nahm 1936 eine Position als Syndikus und zwei Jahre später als Chefsyndikus der Lufthansa an.

Klaus Bonhoeffer war von Anfang an klar sehender Gegner des NS-Regimes. Angesichts der nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler unverzüglich etablierten polizeistaatlichen und rassistischen Diktatur war der Weg zu beliebigem und organisiertem Terror, zu Mord und zum Weltkrieg, einer europäischen Katastrophe, vorgezeichnet. In diesem Bewusstsein und in enger Zusammenarbeit mit seinen Schwägern Hans von Dohnanyi, Rüdiger Schleicher, Justus Delbrück und dessen Vetter Ernst von Harnack, sämtlich Juristen, auch mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Dietrich, dem Theologen, wirkte er aktiv und konstruktiv mit an dem lebensgefährlichen, aber nicht aussichtslosen Versuch, einen innen- und außenpolitisch abgestützten Staatsstreich im Namen von Humanität und verletztem Recht zustande zu bringen. Auf solcher Basis hofften sie, viel Unheil abwenden zu können und ein international wieder akzeptiertes, rechtsstaatlich verfasstes, demokratisches Nachher zu erreichen.

Am 1. Oktober 1944 wurde er verhaftet und am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Aus der Haft im Moabiter Zellengefängnis wurde er zusammen mit seinem Schwager Rüdiger Schleicher und weiteren Mitgefangenen in der Nacht vom 22. zum 23. April 1945 auf einem Ruinengrundstück von einem SS-Sonderkommando erschossen. Nach ihrer Auffindung begrub man sie, zusammen mit über 70 Bombenopfern, in einem großen Bombentrichter auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte.

Für Klaus Bonhoeffer wurde am 23. Juni 2015 vor dem heutigen Haus in der Alten Allee 9-11 als einem nicht-jüdischen Opfer des Naziregimes ein Stolperstein verlegt, anschließend fand eine Gedenkfeier im Bonhoefferhaus, Marienburger Alle 43, statt, dem Wohnhaus seiner Eltern seit 1935, in dem ebenfalls viele Gespräche stattfanden.

Verfasser: Nachfahren von Klaus Bonhoeffer/ Stolperstein-Initiative Eichkamp
Literatur: Emmi Bonhoeffers Erinnerungen und Reflexionen über ihr Leben wurden 2004 zusammengefasst und vom Lukas Verlag herausgegeben.
www.dietrich-bonhoeffer.net/forschung-aktuell
Pfarrer Dietrich Zeilinger: „Bruder, Mitverschwörer, Märtyrer. Klaus Bonhoeffers essenzieller Beitrag zur Konspiration“
Stolperstein-Initiative Eichkamp

Alte Allee 11 was the place where Klaus Bonhoeffer and his wife Emmi Delbrück lived with their three children from 1937 to 1945. Their house was bombed on one of the last days of World War II. Bonhoeffer’s wife managed to escape from the ruined house. Relatives in Schleswig-Holstein had already been taking care of the children since the summer of 1944.
Klaus Bonhoeffer was born on 5 January 1901 in Breslau/Silesia (now Wrozlaw/Poland). He was the third of eight children. His parents were Paula von Hase and Karl Bonhoeffer, Professor of Psychiatry and Neurology. From childhood on Klaus Bonhoeffer was filled with a passionate sense of fairness and sense of what is right. His innate highly critical intellect led him to choose the study of law which ended with his Ph.D. graduation. He then worked as a solicitor. He accepted Lufthansa’s offer of a position as company lawyer (‘Syndikus’) in 1936 and, two years later, as chief executive of the company (‘Chefsyndikus’).
Klaus Bonhoeffer was a perceptive opponent of the Nazi regime from the very beginning. In the light of Hitler’s appointment as German Chancellor (‘Reichskanzler’), the prompt imposition of a police state and racial dictatorship had marked out the path to arbitrary and organized terror, murder and to a World War, European disaster. His political awareness was a source of inspiration to him and to his close companions, his brothers-in-law, Hans von Dohnanyi, Rüdiger Schleicher and Justus Delbrück, along with his cousin Ernst von Harnack, all of whom were lawyers; and, of course, Dietrich, five years his junior, and Doctor of Theology. All of them were actively and constructively involved in the life-threatening but not futile attempt to bring about a coup d’état in the name of humanity and violated laws and in the best interest of both domestic and foreign policy. On the basis of these principles they hoped to avert great evil and thus achieve a democratic state founded on the rules of law.
Bonhoeffer was arrested on 1 October 1944 and sentenced to death by the NS People’s Court (‘Volksgerichtshof’) on 2 February 1945. He was removed from the prison in Berlin-Moabit and executed by an SS special unit firing squad on a debris site on the night of 22/23 April 1945, together with his brother-in-law, Rüdiger Schleicher, and several other fellow prisoners. Their bodies were found in the rubble, and then buried in a deep bomb crater on the Dorotheenstädtischer Friedhof, a well-known old cemetery in Berlin-Mitte, together with some seventy bombing victims.
A stumbling stone was let into the pavement in front of the house now standing at Alte Alle 9-11 on 23 June 2015 to honour Klaus Bonhoeffer as a non-Jewish victim of the Nazi regime. The ceremony was followed by a commemoration in the ‘Bonhoeffer Haus’ at Marienburger Allee 43 where Klaus Bonhoeffer’s parents had lived since 1935. This was also the place where many confidential discussions took place. Emmi

Authors: descendants of Klaus Bonhoeffer
Translated by Elke Elsner
Stolperstein-Initiative Eichkamp