Stolperstein Emser Str. 17

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Hausansicht Emser Str. 17, Foto: H-J. Hupka
Bild: H.-J. Hupka

Dieser Stolperstein ist einer der zehn Stolpersteine, die in der Emser Str. 15-17a verlegt wurden und die von Erika Traube (Emser Straße 17) vorbereitet wurden, die auch Spenden hierfür sammelte. Schülerinnen und Schüler der Johann-Peter-Hebel-Grundschule (Emser Straße 50) begleiteten mit Gesang das Gedenken am 29.10.2013 .

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Stolperstein Ernestine Joseph, Foto:H.-J. Hupka
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
ERNESTINE JOSEPH
GEB. BAER
JG. 1867
DEPORTIERT 27.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 11.9.1942

Ernestine Joseph , geb. Baer, kam am 18. November 1867 in Filehne (Wielén, Provinz Posen/Poznan) zur Welt. Sie heiratete den Kaufmann Julius Joseph, der am 29. Juni 1941 starb.
Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Der Sohn Martin Joseph wurde am 19. Oktober 1887 geboren. Er hatte einen Doktortitel und konnte am 15.4.1939 nach Palästina emigrieren, wo er die am 10. Mai 1896 in Palästina geborene Else Jenny Blumenthal heiratete. Seine Schwester Ilse Joseph kam am 13. März 1894 zur Welt und wohnte mit ihrem Mann, Herrn Littwitz, in der Knesebeckstraße 54.
Deren Tochter Margot Berta, verheiratete Fliess, wurde am 27. Mai 1914 in Frankfurt/Main geboren. Ilse Littwitz floh nach Jugoslawien und ist dort 1941 oder 1942 vermutlich in den Kriegswirren umgekommen. Das dritte Kind, die Tochter Margarete Joseph, verheiratete Marcuse, wurde am 17. März 1900 geboren. Sie starb im Februar 1930 nach einer Operation in Berlin. Ihr Ehemann Erich Marcuse emigrierte über Shanghai nach Australien, wo er 1940 starb.

Als Witwe wohnte Ernestine Joseph von Mai 1927 bis zu ihrer Verschleppung in das Sammellager Große Hamburger Straße am 2.7.1942 in der Emser Straße 17.
Im Sammellager erhielt sie am 24.7.1942 den Bescheid der Geheimen Staatspolizei vom 1.7.1942, dass ihr verbliebenes Vermögen beschlagnahmt wurde.
Noch im Jahr 1938 hatte sie – wie alle jüdischen Menschen – als „Sühneleistung“ für die Verwüstungen bereits im Dezember der Pogromnacht 1938 eine so genannte „Judenvermögensabgabe“ bezahlen müssen und im November 1939 zudem die sog. “Reichsfluchtsteuer“, die allen vermögenssteuer-pflichtigen Berliner Juden – unabhängig von einer etwaigen Emigrationsabsicht – abverlangt wurde.

Die 74-jährige herzkranke Ernestine Joseph wurde am 27. Juli 1942 aus dem Sammellager im ehemaligen jüdischen Altersheim an der Großen Hamburger Straße nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 11. September 1942 an den Folgen des Lebens im Ghetto starb. Im Totenschein www2.holocaust.cz/de/document/DOCUMENT.ITI.4180 ist ein „Herzfehler“ als Todesursache angegeben.

Recherche: Erika Traube, Text: Gisela Morel-Tiemann