HIER WOHNTE
EVA WASSERVOGEL
GEB. HIRSCHFELD
JG.1863
DEPORTIERT 14.1.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 1.2.1943
Eva Hirschfeld wurde am 2. Mai 1863 als Tochter des Kaufmanns Moses Samuel Hirschfeld und dessen Ehefrau Rose, geborene Freymuth in Löbau in Westpreußen (heute Lubawa in Polen) geboren. Sie hatte einen großen Bruder namens Louis (*1857), eine große Schwester namens Auguste, genannt Gittel oder Gütel (*1860), und eine kleine Schwester namens Toni (*1881).
Im Herbst 1891 heiratete Eva in Löbau den zwei Jahre jüngeren Breslauer Kaufmannssohn Hugo Wasservogel (*1865) und zog mit ihm nach Berlin. Ein gutes Jahr später, am 27. Dezember 1892, bekam das Ehepaar eine Tochter und nannte sie Käthe Lina. Am 21. August 1895 wurde ihre kleine Schwester Rosa geboren. Die Familie wohnte in der heute überbauten Mehnerstraße in Friedrichshain.
Evas Mann Hugo Wasservogel besaß seit 1890 in der Landsberger Straße in Mitte eine Papierwarenfabrik, die später in die Ritterstraße in Kreuzberg und dann in die Neue Friedrichstraße (heute Anna-Louisa-Karsch-Straße) in Mitte umzog. Sie stellte verschiedene Papiere für gehobene Ansprüche her und prägte auch Monogramme. Die Familie Wasservogel zog in die Rochstraße in der Spandauer Vorstadt in Mitte um. Vor 1915 scheint Hugo seine Firma verkauft zu haben. Er arbeite nun als kaufmännischer Unternehmer im Finanzwesen (Lombardkredite) und in der gewerblichen Logistik. Die Familie zog in die Cuxhavener Straße 10 in Wilmersdorf.
Evas Schwestern Gittel und Toni lebten ebenfalls in Berlin. Gittel wohnte mit ihrem Ehemann Emanuel Grätzer und dem gemeinsamen Sohn Hans Salo (*1896) in der Essener Straße in Moabit, Toni wohnte mit ihrem Mann, dem Privatier Julius Krakauer, und der gemeinsamen Tochter Hilde (*1913) in der Salzbrunner Straße in Schmargendorf. Was aus Evas großem Bruder Louis geworden ist, ließ sich nicht feststellen.
Käthe Lina, die Tochter von Eva und Hugo Wasservogel, heiratete 1920 in Berlin den Ingenieur Stefan Salo Goldschmidt. Die Ehe blieb kinderlos. Käthes Mann starb bereits nach sechs Jahren Ehe, am 30. März 1926, mit 42 Jahren. Evas Tochter Käthe wurde mit 33 Jahren Witwe. Was aus der jüngeren Tochter Rosa geworden war, ließ sich nicht feststellen. Es ist anzunehmen, dass sie früh, vielleicht schon im Kindesalter, verstorben ist.
Am 25. September 1927 starb Hugo Wasservogel, Evas Mann und Käthes Vater, mit 62 Jahren. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Im folgenden Jahr starb der Ehemann von Evas Schwester Toni und 1932 verlor auch ihre Schwester Gittel den Mann.
Spätestens seit 1930 wohnte Evas verwitwete Tochter Käthe in der Westfälischen Straße 30. Wahrscheinlich lebte Eva schon damals bei ihr. Bei der „Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 wurden Eva und Käthe hier gemeinsam in einem Haushalt erfasst. Evas Schwester Toni, verwitwete Krakauer und deren ledige Tochter Hilde lebten noch immer in Schmargendorf. Ihre Schwester Gittel, verwitwete Grätzer war im jüdischen Altersheim Köpenick untergebracht. Gittels Sohn Hans Salo, der Buchhändler von Beruf war, gelang mit seiner Ehefrau Edith 1939 die Flucht nach Großbritannien.
Evas Tochter Käthe wurde am 15. August 1942 von Berlin nach Riga deportiert und dort am 18. August mit 49 Jahren ermordet. Als nächste holte man Evas Schwester Gittel aus dem Köpenicker Altersheim und verschleppte sie am 24. August 1942 nach Theresienstadt. Dort musste sie die Strapazen und Schikanen noch vier Monate erdulden, bis sie am 28. Dezember 1942 kurz nach ihrem 81. Geburtstag starb. Wenig später bekam auch Eva den Deportationsbefehl. Am 1. Februar verschleppte man die alte Frau ebenfalls ins Ghetto Theresienstadt, wo man sie in den unregistrierten Tod schickte. Eva Wasservogel geborene Hirschfeld wurde ungefähr 80 Jahre alt.
Evas Schwester Toni Krakauer und deren Tochter Hilde wurden 1941 aus ihrer Schmargendorfer Wohnung vertrieben und zwangsweise in ein „Judenhaus” in der Mommsenstraße umgesiedelt. Toni wurde im Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Hilde war noch als Zwangsarbeiterin in der Rüstungsindustrie beschäftigt, weshalb sie ihre Mutter überlebte. Hilde Krakauer wurde am 8. März 1943 in Auschwitz ermordet.
In der Salzbrunner Straße 42 ist für Toni Krakauer geborene Hirschfeld ein Stolperstein verlegt.
Recherche und Text: Christine Wunnicke
Quellen: