Stolpersteine Gervinusstr. 19A

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Hausansicht Gervinusstr. 19a, Foto: H-J. Hupka
Bild: H.-J. Hupka

Diese Stolpersteine wurden von Hausbewohner/innen gespendet und am 12.11.2013 verlegt.

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Stolperstein Ernestine Hajek, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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HIER WOHNTE
ERNESTINE HAJEK
GEB. LEDERER
JG 1879
DEPORTIERT 16.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET

Ernestine Hajek , geb. Lederer, ist am 8. Februar 1879 in Prag geboren. Über das Leben dieser Bewohnerin der Gervinusstraße 19 a ist nicht mehr viel herauszufinden. Bevor sie deportiert wurde, musste sie ihre Wohnung verlassen und wurde zwangswiese in die Solinger Straße 7 umgesiedelt. Am 16. Juli 1942 wurde sie, nachdem sie in der Sammelstelle Hamburger Straße 26 (einem ehemaligen jüdischen Altersheim) warten musste, vom Anhalter Bahnhof in einem von zwei an den planmäßigen Zug Berlin-Prag angehängten Waggons nach Theresienstadt deportiert. Im dortigen Ghetto mussten tausende Jüdinnen und Juden unter grauenvollen Bedingungen aushalten, bis sie starben oder ermordet wurden. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

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Stolperstein Bella Grand, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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HIER WOHNTE
BELLA GRAND
JG. 1887
DEPORTIERT 25.1.1942
RIGA
ERMORDET

Bella Grand , geboren am 1. April 1887 in Berlin, wohnte zur Untermiete bei Hermann Horn, der im Berliner Adressbuch 1939 als „Privatbeamter“ eingetragen war. 1940 war er jedoch nicht mehr verzeichnet, und Bella Grand musste eine andere Unterkunft suchen, die sie in der Katharinenstraße 14 fand. Eines Tages wurde sie aus der Gervinusstraße 19 a abgeholt und in das Sammellager in der ehemaligen Synagoge an der Levetzowstraße gebracht. Von dort ist sie, nachdem sie sich wie alle Berliner Jüdinnen und Juden registrieren lassen und eine Vermögenserklärung ausfüllen musste, in einem Polizeilastwagen am 25. Januar 1942 zum Bahnhof Grunewald gefahren worden. 1 044 Menschen wurden dort in gedeckte Güterwagen getrieben, „sodass sie ungeschützt der damals herrschenden Kältewelle ausgesetzt waren. Das führte dazu, dass bei der Ankunft in Riga am 30. Januar bereits viele erfroren, andere durch die Kälte geistig verwirrt waren und beim Ausladen in auf dem Bahnhof Skirotava sofort erschossen wurden“ (Gottwald/Schulle: Die Judendeportationen.). Nur 13 der Zuginsassen überlebten.

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Stolperstein Nachum Palatowski, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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HIER WOHNTE
NACHUM
PALATOWSKI
JG. 1887
DEPORTIERT 28.3.1943
PIASKI
ERMORDET

Nachum Palatowski ist am 13. Januar 1887 in Königsberg geboren, seine Frau Rebbeka , geb. Pismanik, am 2. September 1882 in Witbesk/Russland und die Tochter Hildegard am 12. Juni 1919 in Berlin. Die Familie wohnte in der Gervinustraße 19 a. Alle drei wurden bei der Volkszählung am 17.5.1939 als „staatenlos“ registriert. Am 28. Marz 1942 sind sie in einem mit 972 Menschen besetzten Zug vom Bahnhof Grunewald nach Piaski in Südostpolen deportiert und dort ermordet worden. Die vier Geschwister von Nachum Palatowski – Paula Freed, Helen Freed, Anna Thaler und Jack Platow – hatten nach New York flüchten können.

Nachum Palatowski besuchte die Volksschule im Königsberger Stadtteil Unterhaberberg von 1893 bis 1901. Anschließend war er bis 1904 in der Lehre bei der Textilfirma Gebr. Faeber in der Kneiphöfschen Langgasse in Königsberg. Danach war er zehn Jahre lang als Textilverkäufer bei einer Firma in Königsberg angestellt. 1912 heiratete er eine Kousine.

1914 zog er nach Berlin und war dort selbständiger Kaufmann im Groß- und Kleinhandel für Textilien und als Vermittler für Textilien tätig. Er hatte ein Warenlager von Herren- und Damenstoffen in der Prenzlauer Straße und war spezialisiert auf den Textilhandel sowohl als Grossist als auch im Einzelverkauf sowie als Makler und Agent.

Zwei der Geschwister Nachum Palatowskis führten ein Entschädigungsverfahren und gaben an, dass es ihrem Bruder wirtschaftlich sehr gut gegangen sei, bevor er als Jude verfolgt wurde. Sein Jahreseinkommen bezifferten sie auf mindestens 10.000 Reichsmark. Er hatte eine gut eingerichtete Wohnung mit echten Teppichen, er besaß ein Klavier, schwere Silberleuchter, mehrere wertvolle Gemälde, viel Porzellan, darunter ein Rosenthal-Service für 24 Personen, sowie Gold- und Silberschmuck, Brillanten und andere Wertsachen.
Jack Platow schrieb: „Es muß meinem Bruder sehr gut gegangen sein, denn er hat sowohl mir als auch meiner Schwester, Frau Thaler, häufig Geld und wertvolle Geschenke geschenkt, zu denen u.a. auch Kleiderstoffe gehörten. Sie hat ständig von ihm gehört und Grüße von vielen Sommer- und Winterreisen aus der Schweiz von ihm erhalten.“

Helen Freed und Jack Platow stellten 1963 einen Entschädigungsantrag. Ihnen wurden 13 000 DM zuerkannt, die unter den vier Geschwistern aufgeteilt wurden – eine relativ geringe Entschädigungssumme für das Vermögen Nachum Palatowskis, das sich die Nazis einverleibt hatten.

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Stolperstein Hildegard Palatowski, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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HILDEGARD
PALATOWSKI
JG 1919
DEPORTIERT 28.3.1943
PIASKI
ERMORDET

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Stolperstein Rebekka Palatowski, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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REBEKKA
PALATOWSKI
GEB. PISMANIK
JG. 1882
DEPORTIERT 28.3.1943
PIASKI
ERMORDET

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Stolperstein Bruno Rosendorff, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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BRUNO ROSENDORFF
JG. 1883
DEPORTIERT 19.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Bruno Rosendorff ist geboren am 6. Januar 1883 in Zietzen (Pommern) und besuchte dort die Grundschule. Danach lernte er Textilkaufmann im Kaufhaus Brotzen im pommerschen Schlawe und schloss seine Ausbildung als Textilkaufmann ab. Er heiratete Meta Rosendorff , geb. Arndt, geboren (laut Melderegister) am 6. Dezember 1891 in Köslin (Pommern).

Wann sie nach Berlin zogen, ist nicht genau bekannt, jedenfalls hatte Bruno Rosendorff zu der Zeit, als sein Sohn Max (nach eigenen Angaben 1908) geboren wurde, ein Möbelgeschäft an der Bernauerstraße. Von 1914 bis 1918 war er Soldat. Nach 1919 betrieb er zusammen mit einem Teilhaber das Textilunternehmen Hasso & Foller & Co. in Berlin an der Invalidenstraße. Später gründete er zusammen mit einem Teilhaber die Textilfirma Rosenberg & Rosendorff in der Weinmeisterstraße.

1930 zog die Familie in die Gervinusstraße. Von da an war er als selbständiger Vertreter bei der Deutschen Wirtschafts-Bedarf GmbH tätig. Ende 1937 wanderte sein Bruder Leo Rosendorff aus, Bruno Rosendorff wurde arbeitlos. Als Jude bekam er keine Stelle und lebte mit seiner Frau von der Unterstützung seiner “arischen” Schwägerin und von Max, dem die Flucht nach Südafrika gelungen war.

Max Rosendorff, der Kaufmann in Johannesburg wurde, hat 1960 Entschädigung beantragt. Er sollte die Briefmarkensammlung erben, die von seinem Großvater stammte. Obwohl es Bruno Rosendorff wirtschaftlich schlecht ging, weigerte er sich, die Sammlung zu verkaufen. Als Bruno und Meta Rosendorff am 19. Februar 1943 in einem Zug mit rund 1 000 Menschen nach Auschwitz deportiert wurden, beschlagnahmten die Nazis ihre Wohnung und räumten sie vollständig aus. Zu den Wertgegenständen, die sie sich aneigneten, gehörte auch die Briefmarkensammlung.

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Stolperstein Meta Rosendorff, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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META ROSENDORFF
GEB. ARNDT
JG. 1891
DEPORTIERT 19.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein Lieselotte Kramarski, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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HIER WOHNTE
LIESELOTTE
KRAMARSKI
GEB. ROSENDORFF
JG 1920
DEPORTIERT 1.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Ebenfalls zur Familie Rosendorff gehörte Lieselotte Kramarski , geboren am 22. Januar 1920 in Berlin. Sie ließ sich bei der Volkszählung am 17.5.1939 unter ihrem Geburtsnamen Lieselotte Rosendorff in der Gervinusstraße 19 a eintragen. Gleichzeitig war sie mit Paul Kramarski, geboren am 2. April in Schaerbeck/Belgien, in der Mommsenstraße 26 gemeldet. Beide sind am 1. März 1943 aus dem Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26 mit einem der umfangreichsten Transporte, die am Bahnhof Grunewald abgingen, mit 1 722 Menschen nach Auschwitz deportiert worden.

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Stolperstein Walter Rosenfeld, Foto: H.-J. Hupka, 2013
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WALTER ROSENFELD
JG.1902
DEPORTIERT 3.5.1944
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Untermieter bei Rosendorffs war Walter Rosenfeld , geboren am 3. Juni 1902 in Berlin. Wie das Berliner Melderegister ausweist, lebte er einige Zeit in dem Ort Krummhübel (polnisch: Karpacz) im schlesischen Riesengebirge. Vom 15.8.1938 an war er dann wieder in Berlin gemeldet und wurde von der Polizei mit dem Vermerk „JJJJ“ als „Volljude“ eingestuft, was damals bedeutete: er hatte vier jüdische Großeltern.
Walter Rosenfeld ist am 3. Mai 1944 in einem Einzelwaggon mit nur 30 Schicksalsgefährten nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden, von denen 10 ins Zwangsarbeitslager Birkenau eingewiesen und die anderen sofort vergast wurden. In der Deportationsliste war er als „Arbeiter“ verzeichnet.

Recherchen: Doris d‘Cruz, Heidi Steinbeck, Gaby Klimek, Helmut Lölhöffel
Quellen: Entschädigungsamt Berlin; Bundesarchiv; Deportationslisten; Gottwald/Schulle: Die Judendeportationen. Wiesbaden 2005.