Stolperstein Friedbergstr. 10

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Hausansicht Friedbergstr. 10, Foto: H.-J. Hupka
Bild: H.-J. Hupka

Der Stolperstein wurde am 10.11.2013 verlegt.

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Stolperstein Hedwig Finder , Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
HEDWIG FINDER
GEB. LOEWY
JG.1876
DEPORTIERT 26.9.1942
RAASIKU
ERMORDET

Hedwig Finder wurde als Hedwig Loewy am 2. August 1876 in Posen geboren. Sie war die Witwe von Felix Finder und arbeitete zuletzt als Hauspflegerin für 70 Reichspfennig die Stunde. Sie wohnte seit 1934 in der Friedbergstraße 10, Vorderhaus 4. Stock, zur Untermiete bei Benno Loewy, ebenfalls in Posen am 14.2.1879 geboren. Zunächst wurde er im Jüdischen Adressbuch als Kaufmann, ab 1933 als Dekorateur geführt. Er überlebte die Zeit des „Dritten Reichs“ vermutlich dank seiner nicht-jüdischen Ehefrau Frieda und blieb auch nach dem Krieg in Charlottenburg.

Ob Hedwig Finder und Benno Loewy Geschwister oder einander anderweitig verwandtschaftlich verbunden waren, ist offen.

Sicher ist, dass Hedwig Finder am 26. September 1942 mit dem „20. Osttransport“ vom Güterbahnhof Moabit in der Putlitzstraße deportiert wurde, zusammen mit 1042 anderen Opfern, darunter viele Familien mit kleinen Kindern. Dem Transport waren 300 Juden aus Frankfurt/Main „zugeführt“ worden. Auf der Transportliste steht Hedwig Finder unter der Nr. 256 und wird als arbeitsunfähig eingestuft.

Als Ziel des Transports war eigentlich das Ghetto in Riga vorgesehen, das aber bereits überfüllt war. Unmittelbar nach der Ankunft auf der Bahnstation des Ortes Raasiku, 29 km östlich von Tallinn wurden Frauen, Kinder, ältere und kranke Menschen „selektiert“, mit Bussen in das nahegelegene Dünengebiet an der Ostsee bei Kalevi-Liiva gebracht und dort von einem deutsch-estnischen Kommando erschossen. Hedwig Finder war 66 Jahre alt.

Sechs Wochen nach ihrer Deportation wurde die Wohnung in der Friedbergstraße geräumt. Hedwig Finders Habe, ein Nähtisch, eine Singer-Nähmaschine und ein Koffer mit ihrer Garderobe, wurde beschlagnahmt und für 60 Reichsmark an den Leiter der Wehrmachtsfürsorge verkauft.

Verantwortlich für Recherche und Text: Magdalena Kemper