Stolpersteine Ludwigkirchstraße 8

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Hauseingang Ludwigkirchstr. 8
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

Diese Stolpersteine wurden am 21.9.2013 verlegt.

Bildvergrößerung: Stolperstein Willy Blochert
Stolperstein Willy Blochert
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
WILLY BLOCHERT
JG. 1886
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 25.1.1942

Willy Blochert wurde am 17. Februar 1886 in Cammin (Pommern) geboren. Er war Schriftsteller und Übersetzer.
Er übersetzte zahlreiche Artikel und Geschichten aus dem Holländischen ins Deutsche. Er arbeitete für verschiedene Zeitungen und Magazine wie „Simplicissimus“, „Deutsche Zeitung“, „Das Leben“ und „Illustrierte Magazine“. Veröffentlicht wurden auch Briefe an den Holländer Albert Kuyle, einen fundamentalistischen Katholiken, der als strenger Antisemit bekannt war.

Seit seiner Kindheit war Willy Blochert, ein enger Freund des Publizisten und Schriftstellers Kurt Hiller. Er war im Adressbuch bis 1936 als Eigentümer und einziger Bewohner des Hauses Ballenstedter Straße 15b eingetragen. 1936/37 musste er jedoch sein Haus räumen und an den ehemaligen Fabrikbesitzer Eduard Sprengel abtreten.

Am 18. Oktober 1941 wurde er mit dem ersten Deportationszug, der das Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald verließ, mit 1013 Menschen nach Lodz, das damals in Litzmannstadt umbenannt worden war, gebracht. Willy Blochert wurde am 25. Januar 1942 ermordet.

Text: Monika Hein
Quellen: Berliner Adressbücher

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Stolperstein Eleonore Schayer
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
ELEONORE SCHAYER
GEB. ELKES
JG. 1862
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
10.6.1942

Eleonore Schayer wurde geboren am 11. Februar 1862 in Frankfurt/Oder. Ihr Geburtsname war Elkes. Sie war verheiratret mit dem Bankdirektor Hermann Schayer, der 1912 gestorben war.
1926 bezog die Witwe in der Ludwigkirchstraße 8 eine Acht-Zimmerwohnung, von der sie zunächst drei Zimmer vermietete. 1939 wurde Frau Schayer gezwungen, die Wohnung aufzugeben, da ihr eine solch große Wohnung nach der NS-Willkür gegen Juden und Jüdinnen „nicht zustand“. Das Inventar wurde zugunsten des Deutschen Reichs „verauktioniert“, sie selber erhielt einen Bruchteil des Erlöses aus dem Verkauf des wertvollen Mobiliars.

Da einige der fünf Kinder ins Ausland geflüchtet waren, fand Eleonore
Schayer Unterkunft bei dem befreundeten Ehepaar Lewin in der Lietzenburger Straße. Nach dem Freitod des Ehepaares Lewin bezog Frau Schayer ein Zimmer in der Mommsenstraße bei ihrer Schwiegertochter Theda Stückgold, Witwe ihres Sohnes Fritz. Dies war die letzte Adresse von Eleonore Schayer.

Um der angedrohten Deportation nach Polen zu entgehen, wählte sie, bald nach dem Verschwinden ihres Hausnachbarn Willy Blochert, den Freitod. Eleonore Schayer starb am 10. Juni 1942 im Jüdischen Krankenhaus Berlin.

Von einem Gerichtsvollzieher, zusammen mit einem Finanzbeamten und einem Beamten der nationalsozialistischen Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, wurde die Liste des Inventars der letzten Bleibe „gewissenhaft“ erstellt. Die Gegenstände wurden mit 227,00 RM bewertet und an Einzelhändler übergeben, zwecks Verkauf zu Gunsten des Großdeutschen Reichs.
Ein Antrag der Schweizerischen Gesandtschaft auf Herausgabe des Nachlasses an die Miterbin und Schwiegertochter Theda Stückgold, die durch erneute Heirat mit dem Kaufmann Kurt Stückgold schweizerische Staatsbürgerin geworden war, wurde mit dem Hinweis auf die Gesetze zur „Einziehung von kommunistischem bzw. volks- und staatsfeindlichem Vermögen“ abgelehnt.

Am 18. Juni 1942 wurde Eleonore Schayer neben ihrem Ehemann Hermann Schayer auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt.

Text: Monika Hein
Quellen: Entschädigungsakten, Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin; Akten des Oberfinanzpäsidenten Berlin-Brandenburg, Brandenburgisches Landeshauptarchiv