Stolpersteine Gervinusstr. 18

Foto folgt
Bild: BA

Diese von der Hausgemeinschaft gespendeten Stolpersteine wurden am 16.4.2013 verlegt.

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Stolperstein Hans-Rolf Nagel, Foto: F. Siebold
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HIER WOHNTE
HANS-ROLF NAGEL
JG. 1921
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hans-Rolf Nagel wurde als Sohn des Fabrikbesitzers Carl Nagel und seiner Frau Julie, geb. Rosenberg, am 3. April 1921 in Berlin geboren. Verheiratet war er mit Hanni Nagel , geb. Gutermann, geboren am 21. November 1921 in Zielenzig (Brandenburg).
Am 20. Mai 1942 kam in Berlin eine Tochter mit dem ihr von den Nazis verpassen Vornamen Tana Nagel zur Welt – sie hatte nur neun Monate zu leben. Sie und ihre Eltern wurden im Vernichtungslager Auschwitz in Südpolen umgebracht. Hans-Rolf Nagel hatte einen älteren Bruder, Karl-Heinrich, der Elektroingenieur war und dem es 1938/39 gelang, der Judenverfolgung nach New York zu entkommen.

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Stolperstein Hanni Nagel, Foto: F. Siebold
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HIER WOHNTE
HANNI NAGEL
GEB. GUTERMANN
JG 1921
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Das junge Paar mit der kleinen Tochter wohnte Ende der 1930er Jahre in der Gervinusstraße 18. Vor ihrer Deportation, vermutlich 1942, mussten Hans-Rolf, Hanni und Tana Nagel die Wohnung in der Gervinusstraße verlassen und in die Berliner Straße 97 zu Walter und Ursula Heymann ziehen, einem ebenfalls jungen Ehepaar (geboren 1915 und 1916), die am 2. März 1943 und am 24. August 1943 nach Auschwitz deportiert wurden. Hans-Rolf, Hanni und Tana Nagel hatten sich zunächst in der Sammelstelle an der Levetzowstraße 7-8, einer ehemaligen jüdischen Synagoge, zu melden und mussten sich dann in einen Zug drängeln, der mit 1 143 Menschen nach Auschwitz fuhr.
Am 6. März 1943 kamen sie dort an, 643 von ihnen wurden sogleich in den Gaskammern in Birkenau getötet, darunter war sicherlich das Kind.

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Stolperstein Tana Nagel, Foto: F. Siebold
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HIER WOHNTE
TANA NAGEL
JG. 1942
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein Julie Rosenfeld, Foto: F. Siebold
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HIER WOHNTE
JULIE ROSENFELD
GEB. ROSENBERG
JG. 1880
DEPORTIERT 30.7.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Die junge Familie fand eine Zeitlang Platz bei Hans-Rolf Nagels Mutter Julie Rosenfeld , geb. Rosenberg. Sie hatte nach ihrer Scheidung von Carl Nagel 1938 August Rosenfeld , geboren am 14. September 1875 in Neuwied, geheiratet, der einst ihr Untermieter war. Beide wurden am 30. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ein Sohn aus der ersten Ehe, Karl Heinrich Nagel, Bruder von Hans-Rolf, war 1938 in die USA geflüchtet und lebte in Little Neck, New York.

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Stolperstein August Rosenfeld, Foto: F. Siebold
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HIER WOHNTE
AUGUST ROSENFELD
JG. 1875
DEPORTIERT 30.7.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Die geräumige Wohnung von Julie und August Rosenfeld bestand aus fünf Zimmern, die edel eingerichtet waren. William Ross, ein Neffe von Julie Rosenfeld, hat später beschrieben, was er bei einem Besuch 1938 in der Gervinusstraße gesehen hatte: ein Herrenzimmer mit Eichenmöbeln, ein Esszimmer mit Mahagonimöbeln und ein Schlafzimmer mit Birkenmöbeln. Es gab mehrere Perserteppiche und wertvolle Gemälde, dekoratives Silber und Messingleuchter sowie echtes Meißener Porzellan und Kristallgeschirr. Julie Rosenfeld besaß Pelzmäntel, Schmuck und eine Nähmaschine.

Julie und August Rosenfeld mussten vor ihrer Deportation kurzfristig zunächst in die Fritschestraße 5, dann in die Clausewitzstraße 2 umziehen. Zweifellos mussten die Verfolgten im Laufe der Jahre, bedingt durch ihre erzwungenen Umzüge in kleinere Wohnungen, den weitaus größten Teil ihrer gutbürgerlichen Wohnungseinrichtung verschleudern. Die restlichen Möbel in der Wohnung Clausewitzstraße sind nach der Deportation der Verfolgten am 6. Oktober 1942 durch den damaligen Oberfinanzpräsidenten verwertet worden, der Erlös betrug nur noch 30,80 RM.
Karl Heinrich Nagel, als Alleinerbe, wurde 1959 mit einem Betrag von 5 000 DM für den Verlust der Wohnungseinrichtung entschädigt.

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Stolperstein Michaelis Cohn, Foto: F. Siebold
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HIER WOHNTE
MICHAELIS COHN
JG. 1863
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 25.9.1942

Michaelis Cohn wurde am 11. November 1863 in Lobsens (Lobceniza/Polen) im Bezirk Posen geboren, dort besuchte er die Grundschule. Er zog nach Berlin und wohnte in der Gervinusstrasse 18.
Im Alter -Michaelis Cohn war als „Privatier“ ausgewiesen- wurde er zunehmend blind und taub und kam ins Taubstummenheim an der Parkstraße 22 in Weißensee. Ein Freund namens Bayer übernahm die Betreuung und Verwaltung seines Geldes.
2 400 Reichsmark befanden sich auf seinem Konto, das vom NS-Staat nach der Deportation beschlagnahmt wurde.
Mit fast 80 Jahren wurde Michaelis Cohn am 14. September 1942, schon todkrank, nach Theresienstadt deportiert, wo er neun Tage später, am 25. September 1942, an den Folgen dieser Zugfahrt starb. Im Totenschein, ausgestellt von den Ghetto-Ärzten http://www.holocaust.cz/en/document/DOCUMENT.ITI.6076 , wurden „Herzasthma und Herzschwäche“ als Todesursachen angegeben.

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Stolperstein Agnes Meyer, Foto: F. Siebold
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HIER WOHNTE
AGNES MEYER
JG. 1867
DEPORTIERT 14.8.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Agnes Meyer wurde am 20. April 1867 in Schwedt an der Oder geboren. Wann und unter welchen Umständen sie nach Berlin kam, ist nicht bekannt. Sie wohnte in der Gervinusstrasse 18 und wurde am 14. August 1942 aus dem Haus verschleppt und nach Theresienstadt deportiert. Am 26. September 1942 musste die 75 Jahre alte Frau den Weitertransport nach Treblinka erdulden, wo sie ermordet worden ist.

Recherchen: Doris D‘Cruz, Heidi Steinbeck, Gaby Klimek
Quellen: Entschädigungsamt Berlin; Bundesarchiv; Berliner Adressbücher; Opferdatei des Ghettos Theresienstadt