Stolpersteine Riehlstr. 11

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Bild: BA

Diese Stolpersteine wurden am 24.7.2012 verlegt. Spender waren Anna Tröger, Burghard Claus, Silke Eberhardt, René von Bulmerincq, Annelies Lütgens, Michael Glasmeier, Udo Hahn, Anna Maigler, Achim Scharringhausen, Renate Schieferdecker, Doris und Thomas Wockenfuss, Elisabeth und Michael Zinkann (alle Berlin).

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Stolperstein Johanna Kottow, Foto: H.-J. Hupka
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
JOHANNA KOTTOW
JG. 1857
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 26.9.1942

Johanna Kottow geb. Baron, geboren am 6. März 1857 in Koschmin in der Region Posen (Poznan), wohnte seit den 1920er Jahren in einer Vierzimmerwohnung im 4. Stock in der Riehlstraße 11. Sie war mit Chaim Kottow verheiratet gewesen und verwitwet. Zwei Töchter hießen Rosa (verheiratete Getz) und Clara (verheiratete) Dzialoszynski.
Die Wohnung war nach damaligen Verhältnissen modern eingerichtet und komfortabel ausgestattet, die Miete betrug 165 Reichsmark. 1926 zog ihre Tochter Clara, geboren am 23. November 1889 in Lessen (Westpreußen, Lasin), nach ihrer Scheidung mit dem 1920 in Breslau geborenen Sohn Walter mit ein. Außerdem wohnte in einem Zimmer eine Hausgehilfin, Ilse Sachs, geboren am 28. Juli 1920 in Berlin, die ebenfalls deportiert wurde.

Am 14. September 1942 wurden Johanna Kottow und Clara Dzialoszynski aus einer Wohnung in der Philippistraße 13, wohin sie zwangsumgesiedelt worden waren, weil ihre Wohnung für einen Nationalsozialisten vorgesehen war, zum Güterbahnhof Moabit an der Putlitzstraße transportiert. Dort startete ein mit 1000 Menschen überwiegend alten Leuten besetzter Güterzug. Die 85 Jahre alte Johanna Kottow überstand die Strapazen nur zwölf Tage und starb in den Armen ihrer Tochter am 26. September 1942. Die Ärzte des Ghettos bescheinigten im Totenschein, der in der Opferdatei Theresienstadt zu finden ist, „Altersschwäche“ (http://www2.holocaust.cz/de/document/DOCUMENT.ITI.6204 ).

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Stolperstein Clara Dzialoszynski, Foto: H.-J. Hupka
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
CLARA
DZIALOSZYNSKI
GEB. KOTTOW
JG. 1889
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Clara Dzialoszynski wurde am 23. November 1889 in Lessen (Westpreußen, Lasin) als Clara Kottow geboren. Ihre Mutter war Johanna Kottow, am 6. März 1857 in Koschmin (Provinz Posen/Poznan) geboren, der Vater war Heimann Kottow. Nach dem Umzug mit ihren Eltern nach Brisen (Westpreußen) lernte sie in Kempen (Westpreußen) Georg Dzialoszynski kennen, den sie 1917 heiratete. Sie bekamen einen Sohn Walter, geboren 1920 in Breslau, wohin das Ehepaar 1919 umgezogen war.

1926 ließen sich Clara und Georg Dzialoszynski scheiden, sie zog mit ihrem Sohn nach Berlin um und wohnte bei ihrer verwitweten Mutter Johanna Kottow, geb. Baron, in der Riehlstraße 11 in einer 4-Zimmer-Wohnung im 4. Stock. 1939 flüchtete der Sohn Walter Dzialoszynski vor der Judenverfolgung nach Buenos Aires (Argentinien). 1941 mussten die beiden Frauen die geräumige Wohnung zwangsweise aufgeben und in ein Zimmer in der Philippistraße 13 ausweichen. Weil Clara Dzialoszynski fast blind war, konnte sie keine Zwangsarbeit mehr verrichten.

Am 14. September 1942 ist sie und ihre Mutter in einem Zug mit 1000 Menschen vom Güterbahnhof Berlin-Moabit nach Theresienstadt ins Ghetto deportiert worden, von dort am 16. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz, wo sie umgebracht wurde. Die 85jährige Johanna Kottow hatte die Fahrt in dem völlig überfüllten Güterzug nach Theresienstadt nur um zwölf Tage überlebt, sie ist am 26. September 1942 umgekommen.

Walter Dzialoszynski hat einen 1955 verfassten Lebenslauf seiner Mutter hinterlassen. Er benannte sich später in Walter D. Dale um und lebte in Los Angeles. Seine Enkeltochter heißt Natalie Dale.

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Stolperstein Ilse Sachs, Foto: H.-J. Hupka
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HIER WOHNTE
ILSE SACHS
JG. 1920
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET 7.5.1942
CHELMNO/KULMHOF

Ilse Sachs wurde am 28. Juli 1920 in Berlin geboren. Sie war ledig und von Johanna Kottow als ständige Haushaltshilfe angestellt. Ilse Sachs bewohnte ein kleines Zimmer in der Riehlstraße 11. Am 8. April 1941 wurde sie zwangsweise in die Berliner Straße 17 umgesiedelt, weil die Vierzimmerwohnung von Johanna Kottow und deren Tochter Clara Dzialoszynski, einem Nationalsozialisten zugesagt worden war, der – wie sich die Nachbarin Charlotte Kapp erinnerte – dort einzog.
Ilse Sachs wurde im Alter von 21 Jahren am 18. Oktober 1941 mit 1013 Menschen in den ersten Deportationszug getrieben, der den Bahnhof Grunewald nach Lodz (Litzmannstadt), verließ. Am 7. Mai 1942 wurde sie nach Chelmno (Kulmhof) gebracht, wo sie am selben Tag ermordet worden ist.

Texte: Helmut Lölhöffel, Quellen: Zeugnisse von Walter Dzialoszynski und der Nachbarin Charlotte Kapp (siehe pdf-Anhänge) aus den Akten des Entschädigungsverfahrens (gesichtet von Elke Elsner)

Lebenslauf geschrieben von Clara Dzialoszynskis Sohn Walter Dzialoszynski

PDF-Dokument (1.5 MB)

Eidessstattliche Erklärung geschrieben von der Nachbarin Charlotte Kapp

PDF-Dokument (2.4 MB)