Stolpersteine Eichkampstraße 108

Link zu: Hauseingang Eichkampstr. 108, 03.10.2012
Hauseingang Eichkampstr. 108, 03.10.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Mitglieder des Siedlervereins Eichkamp e.V., Abiturienten der Wald-Oberschule und Schülerinnen der Rudolf-Steiner-Schule haben 2008 eine Stolperstein-Initiative Eichkamp gegründet und an Recherchen über 31 Eichkamper mitgewirkt, die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden. Die meisten von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet. Für 27 von ihnen wurden Stolpersteine verlegt, für drei weitere nicht, weil sich die Nachfahren dagegen aussprachen.
Weitere Informationen zu den Stolpersteinen in Eichkamp finden Sie auf der Website der Siedlung Eichkamp .

Diese Stolpersteine wurden am 24.07.2012 verlegt.

Link zu: Stolperstein Estella Helene Maas, 03.10.2012
Stolperstein Estella Helene Maas, 03.10.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
ESTELLA HELENE
MAAS
GEB. HENNING
JG. 1882
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
14.12.1942

Link zu: Stolperstein Dr. Margarete Zuelzer, 03.10.2012
Stolperstein Dr. Margarete Zuelzer, 03.10.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
DR. MARGARETE
ZUELZER
JG. 1877
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
ERMORDET 29.8.1943

Link zu: Dr. Margarete Zuelzer
Dr. Margarete Zuelzer
Bild: Foto aus Privatbesitz

Dr. Margarete (Margarethe Hedwig) Zuelzer , *07.02.1877 in Haynau, war die jüngste Tochter des Tuchfabrikanten Julius Zuelzer (1838-1889) und seiner Frau Henriette Friedländer (1852-1931) und bis 1933 eine anerkannte und erfolgreiche Wissenschaftlerin. Margarete blieb un­verheiratet und studierte Naturwissenschaften. 1904 an der Universität Heidelberg promoviert gehörte sie zur ersten Generation regulär studierender Frauen in Deutschland. Sie wurde Spezialistin in der Protozoenforschung, einem Gebiet der Biologie. Von 1916 bis April 1933 arbeitete sie im Reichsgesundheitsamt Berlin, zuerst als Assistentin, später Direktor(in) des Protozoenlaboratoriums und Regierungsrat; 1926 war sie die einzige Frau unter 17 Regie­rungsräten. Auf Grund ihrer Arbeiten zur Weilschen Krankheit war sie im Auftrag der niederländischen Regierung von 1926 bis 1928 zu Forschungen auf Sumatra, Java und Bali gewesen. Von 1932 bis 1933 forschte sie als wissenschaftlicher Gast im Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem. Sie wurde auf Grund der NS-Gesetzgebung im April 1933 entlassen. Am 7. Oktober 1939 emigrierte sie nach Amsterdam und konnte im Exil noch partiell wissenschaftlich arbeiten. Sie wohnte zuerst Bachplein 13, später Merwedeplein 24 II. Von hier wurde sie am 1. August 1943 in das KZ Westerbork verschleppt, am 23. August 1943 umgekommen, wurde sie am gleichen Tag eingeäschert. Schwester Anneliese (Anna Luise) Zuelzer (1872 Haynau – 1948 Berlin) hatte den sozialdemokratischen Politiker und Journalisten Albert Südekum (1871-1944) geheiratet, sie hatten drei Kinder. Nach dessen Tod überlebte sie im Untergrund die NS-Verfolgungen. Schwester Gertrud (1873 Haynau – 1968 Berlin), wie Margarete unverhei-ratet, wurde eine bekannte Malerin und Künstlerin. Sie war im September 1942 beim Flucht­versuch an der Schweizer Grenze verhaftet und in das KZ Theresienstadt deportiert worden, das sie als eine der wenigen aus Berlin dorthin verschleppten überlebte.
Bis 1936 gehörte das Haus dem Kammergerichtsrat Dr. Hans Hamburger und seiner Frau Charlotte, geb. Liepmann (5). Dr. Hans Hamburger war von 1926-1930 der 1.Vorsitzende des Siedlervereins Eichkamp. Die Familie mit vier kleinen Kindern flüchtete über London nach Sao Paulo. (Lit: Marlen Eckl „…auf brasilianischem Boden fand ich eine neue Heimat“, Gardez Verlag 2005)

Estella Helene Maas , *12.02.1882 in Frankfurt (M), wohnte als Untermieterin bei Frau Dr. Margarete Zuelzer. Sie war die älteste Schwester des berühmten Altphilologen Prof. Paul Maas, arbeitete in Berlin als medizinisch-technische Assistentin an der Universitätsklinik für Augenkrankheiten, wurde 1933 entlassen. Zeitweise lebte sie in England, wo sie als Lehrerin Deutsch und Französisch unterrichtete. Wieder nach Berlin zurückgekehrt, erhielt sie sich mit Englisch-Privatunterricht. Zuletzt wohnte sie in der Droysenstr.12 zur Untermiete. Sie war 60 Jahre alt, als sie am 14. Dezember 1942 von dort abgeholt wurde und deportiert werden soll­te. Unterwegs nahm sie sich das Leben. Sie hatte die Deportation schon erwartet, denn es existiert ein Brief, in dem sie ihren „Letzten Willen“ zuvor niederlegt hatte. Ihre Schwester Johanna Zelie Maas, * 14. 08. 1885 in Frankfurt (M), war Ärztin. 57-jährig wurde sie am 13.09.1942 von Frankfurt aus, wo sie im Jüdischen Krankenhaus gearbeitet hatte, nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte und emigrierte1947 in die USA. Prof. Paul Maas, *18.11 1880, flüchtete von Königsberg, wo er bis 1934 als Prof. an der Universität lehrte, noch gerade rechtzeitig Ende August 1939 nach England. In Oxford fand er zunächst bei einem Verlag eine sehr einfache Anstellung. Seine dänische Frau und seine drei Kinder konnte er nicht zu sich holen. Erst 1952 lebten sie gemeinsam in Oxford. Er starb 83-jährig 1964.
Text: Stolperstein-Inititative Eichkamp