Stolperstein Witzlebenplatz 4

Dieser Stolperstein wurde von Bewohnern des Hauses Witzlebenplatz 4/5, Dr. Rolf Rüdiger und Katharina Olbrisch, gespendet und am 20.3.2012 verlegt.

Bildvergrößerung: Stolperstein Toni Witkowski
Stolperstein Toni Witkowski, 20.03.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
TONI WITKOWSKI
GEB. SCHÖNWALD
JG 1879
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
18.12.1941

Toni Witkowski, geb. Schönwald, wurde am 19. August 1879 in Berlin geboren. Sie war eine Tochter von Simon und Helene Schönwald und heiratete Sigismund Witkowski, der am 24. April 1871 als Sohn – seine Geschwister hießen Selmar und Martha – von Adolf Aron und Johanna Hinde Witkowski geboren wurde, Handelsgerichtsrat war und 1932 starb. Sie wohnten in Charlottenburg in einem großen, ansehnlichen Haus mit Blick auf den Lietzensee am Witzlebenplatz 4 in der vierten Etage. Anscheinend ging es, wie spätere Entschädigungsanträge nahe legen, dem Ehepaar Witkowski materiell sehr gut. Die Wohnung war reichhaltig ausgestattet. Wie viele Kinder es aus dieser Ehe gab, ist nicht genau bekannt.

Nach der Erinnerung von Mit-Hausbewohnern saß die schon ältere Toni Witkowski Ende der 1930er Jahre – von ihren Nachbarn bewundert – gegenüber auf einer gelb angestrichenen Bank, die „nur für Juden“ vorgesehen war. Im Luftschutzkeller musste sie getrennt Platz nehmen. Nach ihr zog ein Schriftsteller ein, der mit Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels bekannt war.

Margot Gerechter, geb. Bette, aus Sydney (Australien), Gertrud Kiewe, geb. Hopp, aus New York (USA) und Edith Grünewald, geb. Wolff, aus Berlin stellten in den 1950er Jahren beim Entschädigungsamt in Berlin Wiedergutmachungsanträge für Bankguthaben, Wertpapiere, Gold, Silber, Schmuck, weitere Juwelen, Pelze, Kunstgegenstände, ein Radio, andere elektrische und optische Geräte und Hausrat sowie die Wohnungseinrichtung. Außerdem gab es noch Hypotheken auf einem Grundstück in Wilmersdorf, Eisenzahnstraße 66, plus Zinsen, dessen Vorgläubigerin Toni Witkowski war.

Alice Witkowski aus Santiago (Chile) und Freda Russ geb. Witkowski aus Long Island, New York, USA reichten in den 1950er Jahren ebenfalls Entschädigungsanträge ein. Sie betrafen Silber, ein Bankkonto und ein Reichsschuldbuchkonto, Wertpapiere, Hausrat, darunter elektrische Bügeleisen, einen Fechtdegen und Thorarollen. Auch ein Aron Witkowski machte Entschädigungen geltend. Die Verwandtschaftsverhältnisse sind nicht mehr eindeutig zu klären.

Das Todesdatum Toni Witkowskis war der 18. Dezember 1941. Zwei Monate nach Beginn der organisierten, planmäßigen Deportationen aus Berlin nach Osteuropa beging sie im Alter von 62 Jahren Selbstmord.

Text: Helmut Lölhöffel (Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf). Quellen: Bundesarchiv, Aufzeichnungen der Familie, Entschädigungsamt