Stolpersteine Kantstr. 120-121

Foto folgt
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Diese Stolpersteine wurden am 25.10.2011 verlegt und von Michael Tauber gespendet.

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Stolperstein Erna Ewer
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HIER WOHNTE
ERNA EWER
GEB. ABRAHAM
JG. 1890
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 7.2.1943

Erna Ewer, geb. Abraham, wurde am 11. Februar 1890 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Bernard und Hulda Abraham.
Sie heiratete 1909 den 1884 in Berlin geborenen Erich Ewer, der im Oktober 1914 als Soldat in der Nähe von Reims in Frankreich gefallen ist. Sie hatten zwei Töchter: Ruth Zerline (geboren am 20. Juli 1911) und Felicitas (geb. im Mai 1914). Erna Ewer wohnte mit ihrer Tochter Ruth, ihrem Schwiegersohn Julius Tauber und ihrem Enkel Michael in der Kantstrasse 120-121. Am 27. Oktober 1941 wurden sie abgeholt und zwei Tage später mit dem von den Nazis sogenannten 3. Osttransport ins Ghetto Lodz (Litzmannstadt), Polen, deportiert. Dort starb sie am 7. Februar 1943.

Ruth Zerline Ewer war bis zu ihrer Hochzeit Hausangestellte und Privatsekretärin. Im Ghetto arbeitete sie als Schneiderin in einer Fabrik, die SS-Uniformen produzierte. Als Zwangsarbeiterin in Dresden überlebte sie die Bombardierung, weil sie in einen Keller gesperrt war. Nachdem sie mit der Familie im von den Nazis sogenannten 3. Osttransport nach Auschwitz deportiert worden war, wurde auch sie im September 1944 ins Konzentrationslager Stutthof verschleppt. Sie überlebte das Grauen, verließ Deutschland mit ihrem Sonn und emigrierte 1948 in die USA. Bis zu ihrem Tod 1986 lebte sie in Seattle.

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Stolperstein Julius Tauber
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HIER WOHNTE
JULIUS TAUBER
JG. 1905
DEPORTIERT 29.10.1941
LODZ/ LITZMANNSTADT
ERMORDET 28.10.1944

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Julius Tauber mit Frau und Kind
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Die Familie Tauber lebte seit mehreren Generationen in Berlin.
Julius Tauber ist am 22. Juli 1905 in Kreuzburg in Oberschlesien geboren; seine Eltern hießen Moritz und Johanna Tauber. Julius studierte an der Technischen Hochschule in Breslau und wurde Diplom-Ingenieur.
Im Juli 1934 heiratete er Ruth Zerline Ewer. Ihr Sohn Michael kam am 25. April 1935 zur Welt. Die Familie wohnte in Charlottenburg in der Kantstrasse 120-121.
Aufgrund der Nürnberger Rassengesetze durfte Julius seinen Beruf nicht ausüben. Jahrelang versuchte die Familie erfolglos, nach Australien, in die USA oder nach England auszuwandern.
Am 27. Oktober 1941 wurden Julius Tauber, seine Frau, ihre Mutter und der Sohn aus ihrer Wohnung zunächst ins Sammellager in der Levetzowstraße verschleppt und am 29. Oktober vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald in einem Personenzug mit 1009 Menschen ins Ghetto Lodz (Litzmannstadt) nach Polen deportiert. Dort bekam Julius eine Stelle als Vorarbeiter in einer Nagelfabrik. Diese Position ermöglichte ihm, die geplante Trennung von dem siebenjährigen Michael zu vermeiden.
Ende August 1944 wurde eine kleine Gruppe von Technikern mit ihren Familien ausgesucht, um in Deutschland als Zwangsarbeiter in einer Metallfabrik zu arbeiten. Der Transport dieser Gruppe lief über Auschwitz, wo Julius von seiner Frau getrennt wurde. Sein Sohn blieb bei ihm. Beide wurden am 3. September 1944 in das KZ Stutthof in Polen gebracht. Dort ist Julius Tauber nach Angaben seines überlebenden Sohnes am 28. Oktober 1944 ums Leben gekommen.

Auch Michael Tauber überlebte als Zehnjähriger das Ende des Zweiten Weltkriegs und verließ Deutschland mit seiner Mutter in Richtung USA. „I want to leave these memorials to my family, before I die“, schrieb der 76jährige im Jahr 2010 an die Stolpersteine-Initiative in seiner Heimatstadt Berlin. Er hat die Verlegung der Stolpersteine an der Kantstraße 120-121 aus der Ferne verfolgt und sich von einem Freund die Fotos zeigen lassen.