Stolpersteine Giesebrechtstraße 1

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Hauseingang Giesebrechtstr. 1
Bild: BA Chbg-Wdf, B. Plewa

Vor dem Haus Giesebrechtstraße 1 wurden am 08.05.2011 die Stolpersteine für Bianka und Elsa Herzog, Maximilian Fried, Recha Rosenthal verlegt.
Der Stolperstein für Recha Rosenthal wurde von Regine und Ingolf Herrmann gespendet.
Die Stolpersteine für Bianka und Elsa Herzog und Maximilian Fried wurden von Thomas Fundel gespendet.

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Stolperstein für Bianka Herzog
Bild: BA Chbg-Wdf, B. Plewa

HIER WOHNTE
BIANKA HERZOG
JG. 1903
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET 1.10.1944
STUTTHOF

Bianka Herzog wurde am 13. Januar 1903 in Wien geboren. Sie war nicht verheiratet und lebte mit ihrer 6 Jahre jüngeren Schwester Elsa in Berlin, zuletzt in der Giesebrechtstraße 1. Bianka verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Büroangestellte. Elsa übersiedelte im Oktober 1938 in ihre Geburtsstadt Wien. Über die näheren Lebensumstände der Schwestern ist nichts bekannt.

Im Januar 1942 musste Bianka sich in der Sammelstelle Levetzowstraße 7-8, der früheren Synagoge, einfinden. Am 13. Januar 1942, ihrem 39. Geburtstag, wurde sie bei bitterer Kälte zusammen mit 1035 Menschen von Berlin-Grunewald nach Riga deportiert. Bianka widerstand den unmenschlichen Bedingungen und Behandlungen im Ghetto fast zwei Jahre. Vermutlich war sie dann zu schwach. Am 1. Oktober 1944 wurde sie ins Konzentrationslager Stutthof bei Danzig deportiert und dort umgebracht.

Quellen: Yad Vashem, Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden; Statistik des Holocaust, Transportliste; Bundesarchiv; Volkszählungsregister vom 17.6.1939

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Stolperstein für Elsa Herzog
Bild: BA Chbg-Wdf, B. Plewa

HIER WOHNTE
ELSA HERZOG
JG. 1909
DEPORTIERT 9.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 18.5.1944
AUSCHWITZ

Elsa Herzog wurde am 25. Mai 1909 in Wien geboren. Sie war unverheiratet und lebte mit ihrer jüngeren Schwester Bianka in Berlin in der Giesebrechtstraße 1. Am 15. November 1939 zog sie nach Wien um. Während des Krieges wohnte sie in der Untere Augartenstr. 25 in Wien 2. Über ihr weiteres Leben ist nichts bekannt.

Elsa hat vermutlich versucht, dort unterzutauchen, denn es heißt, sie wurde „aufgegriffen“. Am 9. Oktober 1942 wurde sie mit insgesamt 1320 Personen, von denen nur 260 überlebten, von Wien ins Ghetto nach Theresienstadt gebracht. Sie widerstand den unmenschlichen Bedingungen und Entbehrungen eineinhalb Jahre. Dann war ihre Arbeitskraft vermutlich erschöpft. Am 18. Mai 1944 wurde Elsa mit 2497 Menschen von Theresienstadt nach Auschwitz-Birkenau weiterdeportiert. Davon überlebten 309. Elsa nicht. Sie wurde in Auschwitz ermordet. Bei dem Transport war sie erst knapp 35 Jahre alt. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Quellen: Bundesarchiv; Yad Vashem; Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden; Liste von ermordeten österreichischen Juden; Häftlingsliste des Lagers Theresienstadt

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Stolperstein für Maximilian Fried
Bild: BA Chbg-Wdf, B. Plewa

HIER WOHNTE
MAXIMILIAN FRIED
JG. 1886
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
8.1.1944

Maximilian Fried wurde am 4. September 1886 in Ratibor (Schlesien) geboren. Einige Jahre wohnte er in der Giesebrechtstraße 1, wo er zumindest 1939 bei der Volkszählung als Untermieter von Grete Elias, wie auch Recha Rosenthal, gemeldet war. Er musste aber – anscheinend nach deren Tod – zwangsweise ausziehen und wohnte in einem möblierten Zimmer bei einer Frau Cohn, später bei Jaretzky in der Gervinusstraße 24.

Seine – nach den Rassedefinitionen der Nationalsozialisten arische – Frau Veronika Fried, geb. Eichler oder Eichelmann lebte seit vier Jahren von ihm getrennt in der früher gemeinsamen Wohnung Mommsenstraße 44. Im Adressbuch 1939 war er zwar noch eingetragen, von 1940 an allerdings ihr Name. Sie wollte nicht für ihn aufkommen.

Maximilian Fried hatte sein Zuhause, seine Frau und seine Arbeit als Bankangestellter verloren. Er verzweifelte an der Verfolgung, der ständigen Bedrohung und der Ausweglosigkeit. Er sah keinen anderen Weg als die Flucht in den Tod. Vor der drohenden Deportation starb Maximilian 57jährig am 8. Januar 1944 – vermutlich im jüdischen Krankenhaus.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf. Quellen: Yad Vashem, Bundesarchiv, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Berliner Adressbücher

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Stolperstein für Recha Rosenthal
Bild: BA Chbg-Wdf, B. Plewa

HIER WOHNTE
RECHA ROSENTHAL
JG. 1879
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 23.10.1943

Recha Rosenthal wurde am 12. August 1879 in Hanau geboren. Sie lebte in Berlin-Charlottenburg als Untermieterin von Grete Elias, wo auch Maximilian Fried ein Zimmer gemietet hatte. Über ihr Leben ist wenig bekannt. Sie war unverheiratet und wohl ohne Beruf. Sie hatte zuletzt aus Solidarität eine Beschäftigung als Stenotypistin beim Hilfsverein der Juden in der Deutschen Reichsvereinigung der Juden.

Sie musste – anscheinend nachdem die Vermieterin gestorben war – umziehen und bewohnte bis zum 28. Mai 1942 ein möbliertes Zimmer bei Cäcilie Weissenberg im 4. Stock des Gartenhauses in der Droysenstraße 5. Ihre Habseligkeiten und auch die „Gegenstände der Weißenberg sind mit zur Räumung gelangt“, so heißt es in der Verfügung der Vermögensverwertungsstelle. Ihre letzte Unterkunft war im Oktober 1942 die Gervinusstraße 20. Von dort wurde sie am 1. Oktober 1942 abgeholt und ins jüdische Krankenhaus Auguststr. 14-17 gebracht. Am 3. Oktober 1942 erfolgte die Deportation zusammen mit 994 Menschen ins Ghetto Theresienstadt. Von diesen überlebten 72. Recha gehörte nicht dazu. Ein Jahr später, am 23. Oktober 1943, wurde sie im Alter von 64 Jahren in Theresienstadt umgebracht.

Cäcilie Weissenberg, geb. Cohn, geboren am 18. Juli 1898 in Czersk (Westpreußen) ist am 29. Januar 1943 nach Theresienstadt deportiert worden. Ihr Todesort war Auschwitz

Quellen: Bundesarchiv; Opferdatei Theresienstadt; Zentraldatei Yad Vashem; Liste von Deportierten, Häftlingsliste; Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam.