Stolpersteine Prinzregentenstr. 86

Hauseingang Prinzregentenstr. 86, April 2013

Hauseingang Prinzregentenstr. 86, April 2013

Die Stolpersteine wurden am 30.09.2010 vor dem Haus Prinzregentenstraße 86 verlegt.

Stolperstein für Erich Wolpert

Stolperstein für Erich Wolpert

HIER WOHNTE
ERICH WOLPERT
JG. 1891
DEPORTIERT 8.11.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Erich Wolpert wurde am 17. September 1891 in Halle an der Saale geboren. Erichs Mutter hieß Henriette Wolpert geb. Cohn. Sein Vater, Markus Wolpert, war Kantor verschiedener Jüdischer Gemeinden, zunächst in Kolmar/Posen.

Hier kamen seine Geschwister Ella (26. November 1882) und Anna (25. Dezember 1883) auf die Welt. Die Familie zog bald in das nahe gelegene Kreisstädtchen Czarnikau, wo die Töchter Selma (6. Oktober 1888) und Paula (4. Oktober 1889) geboren wurden. Kurz darauf wurde Markus Wolpert Kantor in der Jüdischen Gemeinde Halle/Saale. In dieser Zeit wurden die letzten drei der sieben Kinder geboren, Erich, Martha (5. Februar 1893) und Viktor (11. Juni 1900).

Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt zog die neunköpfige Familie Wolpert nach Berlin und lebte dort in der Gartenstraße 7. Erichs Vater Markus starb am 30. Dezember 1917. Seine Witwe Henriette zog daraufhin in die Solinger Straße 9. Dieses war auch Erichs Adresse, der in allen vorhandenen Dokumenten als Kaufmann bezeichnet wurde.

Erich war zeitweise beruflich in Stettin tätig, wo er am 15. Mai 1919 Lydia Karger heiratete. Er kehrte mit seiner Ehefrau nach Berlin zurück und zog mit ihr in die Prinzregentenstraße 86. Erich Wolperts „Herrenkleiderwendeanstalt HAKAWEA“ befand sich in der Chausseestraße 123. Die Geschäfte schienen gut zu laufen und die Wolperts lebten in relativem Wohlstand. Die 8- Zimmerwohnung der Familie im 3. Stock des Vorderhauses in der Prinzregentenstraße war mit wertvollem Mobiliar ausgestattet, wie Lydia Wolperts Nichte Helga Magner in dem 1952 gestellten Entschädigungsantrag beschrieb.

Bald wurden die beiden Söhne Manfred (26. November 1921) und Heinz (16. April 1925) geboren. Wahrscheinlich konnten beide Söhne nach der Volksschulzeit auf Grund des Ausschlusses jüdischer Schüler vom Unterricht an staatlichen Schulen keinen höheren Schulabschluss erlangen. Von Heinz ist lediglich bekannt, dass er Elektromaschinenbauer war. Jedenfalls war dieses die Berufsbezeichnung, die in der Deportationsliste hinter seinem Namen vermerkt wurde. Manfreds Schicksal hingegen ist unbekannt. Er gilt bis heute als verschollen, vermutlich tauchte er zu einem nicht bekannten Zeitpunkt unter oder wählte den Freitod. Im Gedenkbuch München wird angegeben, dass Manfred in einem Transport des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) von Berlin nach Auschwitz deportiert wurde. In der Liste der Deportierten wird sein Name jedoch nicht aufgeführt.

Als der Ausschluss der deutschen Juden vom öffentlichen Leben in eine forcierte Vertreibung überging, sahen sich drei der Schwestern Erichs und sein Bruder Viktor mit ihren Ehepartnern und Kindern gezwungen, Nazideutschland zu verlassen.

Anna Krucz, eine Pianistin, ging mit ihrem Mann, dem Ingenieur Richard Krucz, in die USA. Sie ließen sich in Beverly Hills, Kalifornien, nieder.
Paula Bochner, verheiratet mit dem Militärarzt Benno (Baruch) Bochner, lebte bis zu ihrem Tod 1951 in San Francisco.
Martha Hartvig, ihr Ehemann Max Hartvig und der Sohn Egon flüchteten nach Dänemark. Egon Hartvig kümmerte sich nach dem Krieg um das Gedenken an seine ermordeten Verwandten. Er reichte von Kopenhagen und später von Stockholm aus Gedenkblätter bei der Gedenkstätte Yad Vashem ein. Auch machte er sich erfolglos auf eine intensive Suche nach seinem Cousin Manfred Wolpert.
Dr. med. Viktor Wolpert und seine Frau Erika Sufrin flohen mit der Tochter Evelyn nach Shanghai und 1950 weiter in die USA. Das Grab des 1952 verstorbenen Viktor befindet sich auf dem „Sons of Israel“ Friedhof in Colorado Springs.
Das Schicksal von Ella Wolpert ist völlig ungewiss. Da sie im Gedenkbuch nicht erwähnt wird, besteht die Möglichkeit, dass sie ebenfalls den Holocaust im Ausland überlebt hat.
Selma Kantorowitz, verheiratet mit dem Sanitätsrat Dr. Hermann Kantorowitz, blieb in Berlin. Hermann Kantorowitz war 1937 verstorben und Selma wohnte mit ihrer Tochter Marianne in der Belziger Straße, bis beide am 3. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.

Auch Erich Wolpert wird angesichts der Emigration so vieler Angehöriger darüber nachgedacht haben, Deutschland zu verlassen. Es ist nicht bekannt, aus welchen Gründen die Familie in Berlin geblieben ist. So bleiben die letzten Jahre der Familie Wolpert bis zu ihrer Deportation im Ungewissen.
Lydia, Erich und Heinz Wolpert wurden am 8. November 1943 mit dem „46. Osttransport“ vom Bahnhof Grunewald, Gleis 17 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Heinz‘ Todesdatum wurde auf den 5. Januar 1944 datiert, der Todeszeitpunkt seiner Eltern ist nicht bekannt.

An diesem Tag wurden 50 Menschen in einem Eisenbahnwaggon in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Insgesamt wurden von 1941 bis Kriegsende über 50 000 deutsche Juden von diesem Gleis aus nach Warschau, Riga, Theresienstadt und Auschwitz- Birkenau deportiert.

Recherche/Text: Karin Sievert

Quellen:
  • Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde
  • Berliner Adressbücher- Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  • Landesarchiv,WGA, Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden
  • Bundesarchiv,Deportationslisten
  • Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
  • Yad Vashem – Opferdatenbank
  • JDC Shanghai Refugee Client List, 1950
  • https://collections.arolsen-archives.org/search/?s=Manfred%20Wolpert
  • https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=14850
  • Loose: „Berliner Juden im Getto Litzmannstadt 1941 – 1944
Stolperstein für Lydia Wolpert

Stolperstein für Lydia Wolpert

HIER WOHNTE
LYDIA WOLPERT
GEB. KARGER
JG. 1895
DEPORTIERT 8.11.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Lydia Wolpert, geb. Karger, geboren am 3. Februar 1885 in Stettin, war das älteste Kind des Kaufmanns Joseph Karger und seiner Frau Fritze geb. Karger. Ihr Bruder Siegmar kam 1889 auf die Welt, die Schwester Paula 1891. Über Kindheit und Jugend der Geschwister ist nichts bekannt, die ersten Überlieferungen finden sich erst in den jeweiligen Heiratsurkunden wieder.

Als Lydia den Kaufmann Erich Wolpert am 15. Mai 1919 heiratete, lebte die Familie Karger in der Stettiner Moltkestraße 21. Erich war eigentlich in Berlin ansässig, sein Beruf als Kaufmann hat ihn vermutlich vorübergehend nach Stettin geführt, wo er Lydia kennenlernte und heiratete. Das Ehepaar zog alsbald nach Berlin und war schon 1920 in der Prinzregentenstraße 86 gemeldet. Lydia hatte einen großen Haushalt zu versorgen. Die Wohnung umfasste 8 Zimmer und befand sich im 3. Stock des Vorderhauses.
Laut Angaben von Helga Magner, der Tochter ihrer Schwester Paula, war die Wohnung mit wertvollem Mobiliar ausgestattet. Im Entschädigungsantrag bezifferte sie den Wert der Wohnungseinrichtung mit 25 000 RM.
Die Geschäfte von Erich Wolpert schienen gut zu laufen. Er war der Inhaber der Firma „HAKAWEA“, eine Abkürzung für Herrenkleiderwendeanstalt. Das Unternehmen befand sich in der Chausseestraße 123.

Am 26. November 1921 brachte Lydia den Sohn Manfred auf die Welt und am 16. April 1925 den Sohn Heinz.
Heinz machte vermutlich eine Ausbildung zum Elektromaschinenbauer. Diese Berufsangabe stand jedenfalls hinter seinem Namen auf der Deportationsliste. Er dürfte gerade erst mit seiner Ausbildung fertig geworden zu sein, als er 18jährig mit seinen Eltern zusammen nach Auschwitz deportiert wurde.
Manfreds Schicksal ist völlig ungewiss. Nach dem Krieg wurden durch Erich Wolperts Neffen Egon Hartvig von Dänemark und Schweden aus mehrere Suchdienste beauftragt, seinen Verbleib zu klären. Es soll eine Spur nach München geführt haben, die aber nicht zum Ziel führte. Der International Tracing Service legte eine Karte über ihn an mit dem Inhalt „Freitod oder illegal gelebt“.

Lydia musste 1941 miterleben, wie ihr ebenfalls in Berlin lebender Bruder Siegmar als einer der ersten deportierten Berliner Juden in das Ghetto Litzmannstadt verschleppt wurde. Er kam dort am 1. November 1941 an und war schon 2 Monate später auf Grund der katastrophalen Lebensverhältnisse und der mangelhaften Ernährung so geschwächt, dass er im Ghettokrankenhaus am 14. Januar 1942 verstarb.
Ihrer Schwester Paula gelang es, zusammen mit Ehemann Nathan Schrimmer und Tochter Helga in die USA auszuwandern und sich in Los Angeles niederzulassen.

Lydia, Erich und Heinz Wolpert wurden am 8. November 1943 mit dem „46. Osttransport“ vom Bahnhof Grunewald, Gleis 17 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Heinz‘ Todesdatum wurde auf den 5. Januar 1944 datiert, der Todeszeitpunkt seiner Eltern ist nicht bekannt.

An diesem Tag wurden 50 Menschen in einem Eisenbahnwaggon in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Insgesamt wurden von 1941 bis Kriegsende über 50 000 deutsche Juden von diesem Gleis aus nach Warschau, Riga, Theresienstadt und Auschwitz- Birkenau deportiert.

Recherche/Text: Karin Sievert

Quellen:
  • Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Theresienstädter Gedenkbuch Holocaust.cz
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde
  • Berliner Adressbücher- Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  • Landesarchiv,WGA, Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden
  • Bundesarchiv,Deportationslisten
  • Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
  • Yad Vashem – Opferdatenbank
  • JDC Shanghai Refugee Client List, 1950
  • https://collections.arolsen-archives.org/search/?s=Manfred%20Wolpert
  • https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=14850
  • Loose: „Berliner Juden im Getto Litzmannstadt 1941 – 1944
Stolperstein für Heinz Wolpert

Stolperstein für Heinz Wolpert

HIER WOHNTE
HEINZ WOLPERT
JG. 1925
DEPORTIERT 8.11.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 5.1.1944

Heinz Wolpert wurde am 16. April in Berlin geboren. Er wurde gemeinsam mit seinen Eltern am 8. November 1943 nach Auschwitz deportiert. Am 5. Januar 1944 wurde er ermordet, das Todesdatum seiner Eltern ist unbekannt.