Stolpersteine Hektorstr. 9 - 10

Foto folgt
Bild: BA

Diese Stolpersteine wurden am 20.10.2009 verlegt.

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Stolperstein für Thekla Cohn
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
THEKLA COHN
GEB. OPPENHEIM
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ
ERMORDET 8.5.1942
KULMHOF

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Stolperstein für Elisabeth Bonnen
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ELISABETH BONNEM
GEB. OPPENHEIMER
JG. 1899
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ
ERMORDET

Elisabeth Bonnem wurde am 22. Februar 1899 als Elisabeth Oppenheimer in Fürth geboren. Sie war verheiratet mit dem Rechtsanwalt Dr. Max Bonnem, der am 10. Dezember 1937 starb. Beide hatten einen Sohn, Heinz Emanuel, der am 30. Juli 1924 geboren wurde.
Sie arbeitete zuletzt bei William Simon in Westend als Krankenschwester für 5 Reichsmark (RM) pro Tag. Die „Vermögenserklärung“, die Frau Bonnem vor ihrer Deportation ausfüllen musste, gibt einen guten Einblick in die Lebensumstände der Familie: Mit einem Vermögen von insgesamt mehr als 22 000 RM zum Zeitpunkt der Deportation 1941 gehörte die Familie zu den begüterten jüdischen Familien, besonders wenn man in Betracht zieht, dass das Naziregime seit 1938 jüdische Vermögen systematisch plünderte, sei es durch die Erhebung von Sondersteuern oder aber durch die gesetzlichen Erlasse zur Abgabe von Wertgegenständen.
Nichtsdestotrotz lassen sich an dieser „Vermögenserklärung“ deutliche Anzeichen für einen gutbürgerlichen Haushalt erkennen. Die Kunstwerke, die aus einer Bronzestatue, vier Gemälden, einer Büste und vier Keramiken bestand, wurden komplettiert durch ein 27-teiliges Kaffeeservice und 90 Teile Geschirr. Erstaunlich ist allerdings, dass von diesen Kunstgegenständen bei dem Verkauf des Inventars nicht mehr die Rede war – vermutlich hat sie sich schon vorher jemand angeeignet.
Elisabeth Bonnem wurde am 1.11.1941 gemeinsam mit ihrem Sohn Heinz in das Sammellager in der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße verschleppt und von dort in das Ghetto Lodz/Litzmannstadt deportiert. Das Datum ihrer Ermordung ist unbekannt.

Die Akte im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA), in der die Vermögenserklärung von Elisabeth Bonnem enthalten ist, beleuchtet allerdings auch die damals verbreitete Dreistigkeit, mit der höchste Beamte Forderungen gegen den Staat stellten und dies mit ihrer antisemitischen Grundhaltung begründeten:
Ein halbes Jahr nach der Deportation von Elisabeth und Heinz Bonnem nach Lodz/Litzmannstadt zog der Regierungsrat Kärst in die Wohnung der Bonnems ein, die er durch Vermittlung des Generalbauinspektors erhalten hatte. Weitere vier Monate später verlangte der Regierungsrat vom Oberfinanzpräsidenten die Begleichung einer Rechnung für Malerarbeiten in Höhe von 1 215 RM mit der Begründung, für die Instandsetzungsarbeiten sei der Vormieter zuständig. Da dieser Jude sei, habe er Vermögen hinterlassen. Der Brief endete mit der Frage, wie viel der Oberfinanzpräsident daraus zu leisten bereit sei. Ein Jahr nach der Deportation erhob das Finanzamt auch noch eine „Reichsfluchtsteuer“ in Höhe von 6 424 RM.

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Stolperstein für Heinz Bonnen
Bild: Wolfgang Knoll

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HEINZ BONNEM
JG. 1924
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ
ERMORDET 4.2.1944

Heinz Emanuel Bonnem wurde als Sohn von Dr. Max Bonnem und seiner Frau Elisabeth, geb. Oppenheimer, am 30.Juli 1924 in Berlin geboren.
Sein Vater starb bereits am 10. Dezember 1937. Seine Mutter Elisabeth fasste nach 1933 den Entschluss, ihren Sohn Heinz in dem Jüdischen Kinder- und Landschulheim Caputh anzumelden, um ihm eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Jüdische Schüler an den öffentlichen Schulen waren täglichen Schmähungen und schweren Diskriminierungen ausgesetzt. Privatschulen, auf die bald nach 1933 ausschließlich jüdische Kinder gehen durften, wurden genutzt, um sie auf eine spätere Aussiedlung vorzubereiten.
Das Jüdische Kinder-und Landschulheim, das die Reformpädagogin Gertrud Feiertag 1931 gegründet hatte, entwickelte sich zu Beginn der Nazizeit zu einem Zufluchtsort für jüdische Kinder und Lehrer, die in öffentlichen Schulen nicht weiter unterrichten durften. Zunehmend im Mittelpunkt stand der Unterricht von Fremdsprachen, um die Schüler, im Falle einer Aussiedlung, auf neue Sprachen vorzubereiten.
Die Schule wurde am Morgen nach den November-Pogromen, am 10. November 1938, von Männern aus Caputh gestürmt und so weit zerstört, dass am 15. November der damalige Schulleiter Dr. Ising dem Kreisschulrat in Potsdam die Mitteilung übermittelte, dass „an die Wiederaufnahme des Unterrichts in absehbarer Zeit nicht zu denken ist“. Heinz Bonnem war zu dieser Zeit Schüler der 4b, wie aus einem Verzeichnis aus dem Jahr 1938 hervorgeht. Das Landschulheim wurde nach dieser Zerstörungsaktion nicht wieder eröffnet.
Der 14-jährige Heinz Bonnem kehrte nach der Zerstörung der Landschule wahrscheinlich zurück zu seiner Mutter, genauere Daten fehlen für die Zeit bis 1941. Aus dem Jahr 1941 ist in den Akten des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA) allerdings ein Brief erhalten, der zum Inhalt hat, dass sich Heinz Bonnem auf eine Ausreise nach Cuba vorbereitete. Er sollte zwischen dem 1.und 4. November die Reise nach Lissabon antreten, um von dort auf dem Dampfer „Coloniale“ die Ausreise anzutreten
Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) erhielt offenbar Kenntnis von diesen Ausreiseplänen und inhaftierte ihn gemeinsam mit seiner Mutter in der Sammelstelle Levetzowstraße. Von hier wurden sie am 1. November 1941 in das Ghetto Lodz/Litzmannstadt deportiert, wo er am 4.Februar 1944 ermordet wurde.

Text und Recherche: Frank Siebold
Quellen: Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam; Hildegard Feidel-Mertz, Andreas Paetz: Das Jüdische Kinder- und Landschulheim Caputh (1931-1938). Bad Heilbrunn 2008

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Stolperstein für Fanny Bachenheimer
Bild: Wolfgang Knoll

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FANNY
BACHENHEIMER
GEB. OPPENHEIMER
JG. 1868
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ
ERMORDET 23.11.1941

Fanny Bachenheimer wurde als Fanny Oppenheimer am 28. November 1868 in Darmstadt geboren. Sie war verheiratet mit Salomo Bachenheimer, geboren am 7. September 1863. Wann er starb, ist nicht bekannt. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Ruth Bachenheimer, die am 1. März 1905 geboren wurde, und Otto Bachenheimer, geboren am 20.September 1898. Beide Kinder kamen in Wesermünde (heute ein Teil von Bremerhaven) zur Welt.
Die Tochter Ruth wohnte zum Zeitpunkt der Abgabe der von allen für Deportationen vorgesehenen Juden verlangten Vermögenserklärung in Bad Nauheim im Altersheim in der Hermann-Göring-Straße 65, während der Sohn Otto inzwischen in New York lebte – ihm war die Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen.
Lässt man sich von der archivarisch erhaltenen Vermögenserklärung leiten, sind die gutbürgerlichen Umstände erkennbar, in denen die Familie in der Hektorstraße lebte. So ist vermerkt, dass sich Gemälde in der Wohnung befanden, die ansonsten eher unauffällig möbliert war. Es ist zu vermuten, dass sie sich bei ihrem Umzug in die Hektorstraße bereits von einigen Gegenständen hatte trennen müssen.
Es war ein übliches Verfahren, dass die Gestapo nach einer Deportation die Wohnungstür abschloss und die Wohnung versiegelte. Daher ist die Notiz der Pfandleihanstalt bemerkenswert, die mit der Verwertung des Inventars beauftragt war, dass „keine Möbel oder sonstiger Hausrat“ hinterlassen worden seien.
Jedoch forderte das Finanzamt Wilmersdorf-Nord noch im April 1943, eineinhalb Jahre nach der Deportation, die Einkommensteuer für 1941 ein, die es beim Oberfinanzpräsidenten geltend machte. Laut Vermögenserklärung bezog Fanny Bachenheimer Renten aus der Reichsversicherung für Angestellte in Höhe von 51,10 RM und der Jüdischen Gemeinde Wesermünde in Höhe von 84,80 RM.
Fanny Bachenheimer wurde am 1. November 1941 aus der Synagoge in der Levetzowstraße über den Güterbahnhof Moabit an der Putlitzstraße in das Ghetto Łódź/Litzmannstadt deportiert, wo sie bald danach, am 23. November, ums Leben gebracht wurde.
Text und Recherche: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf

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Stolperstein für Frieda Löwenstein
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
FRIEDA LÖWENSTEIN
GEB. ASCHER
JG. 1881
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

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Stolperstein für Balbina Oppenheim
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
BALBINA OPPENHEIM
JG. 1871
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ
ERMORDET 25.2.1942

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Stolperstein für Eveline Rothenstein
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
EVELINE ROTHENSTEIN
GEB. COHN
JG. 1861
DEPORTIERT 20.07.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 3.2.1943

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Stolperstein für Ida Salomon
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
IDA SALOMON
GEB. SIMON
JG. 1857
DEPORTIERT 7.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 24.10.1942