Stolpersteine Sächsische Straße 22

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Hausansicht Sächsische Str. 22
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine sind am 3.4.2009 verlegt worden. Im Holocaust wurde die gesamte Familie Geballe umgebracht. Einigen Vornamen sind keine Lebensläufe aus den verfügbaren Unterlagen zuzuordnen.

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Stolperstein für Minna Geballe
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
MINNA GEBALLE
JG. 1877
DEPORTIERT 8.9.1942
THERESIENSTADT
BEFREIT MAI 1945

Minna Geballe ist am 26. Juli 1877 in Rogasen (Rogozno) geboren. Dieser Ort im Westen Polens gehörte bis 1914 zum Deutschen Reich und wurde 1939 völkerrechtswidrig von den Nationalsozialisten annektiert. Ihre Eltern waren Julius Geballe und Amalie geb. Behrendt.

Sie wohnte bei ihrer älteren Schwester Martha in der Sächsischen Straße 22. Beide waren unverheiratet. Minna Geballe führte den Haushalt, jedenfalls wurde ihr Beruf als „Hausfrau“ angegeben. Von der dritten Schwester Christa ist nichts bekannt.

Zur Deportation wurden alle drei zusammen aus der Wittelsbacherstraße 13, wohin sie zwangsweise ziehen mussten, in die Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße 26 eingeliefert und am 8. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. In diesem Zug, der vom Anhalter Bahnhof abfuhr, waren 100 Menschen eingesperrt, die frühmorgens aus der Sammelstelle dorthin gebracht worden sind.

Sie wurde am 8. Mai 1945, als sowjetische Soldaten vorrückten, befreit, ist aber an den Folgen der KZ-Haft am 20. Oktober 1945 in einem Lager für „displaced persons“ in Deggendorf (Niederbayern) gestorben.

Eine Großnichte, die mit Lea Ben Abraham Geballe unterschrieb und in Israel lebte, reichte 1999 bei der Zentralen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem Gedenkblätter für Minna Geballe und ihre Geschwister ein.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quellen: Bundesarchiv, Theresienstadt-Datei, Yad Vashem-Archiv.

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Stolperstein für Martha Geballe
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
MARTHA GEBALLE
JG. 1870
DEPORTIERT 8.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 7.6.1944

Martha Geballe ist am 19. Juli 1870 in Rogasen (Rogozno), einer vom nationalsozialistischen Deutschen Reich annektierten Ortschaft im Westen Polens, geboren. Ihre Eltern hießen Julius Geballe und Amalie geb. Behrendt.

In Berlin wohnte Martha Geballe zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Minna, geboren am 26. Juli 1877 ebenfalls in Rogasen, in der Sächsischen Straße 22. Hier war allerdings bei der Volkszählung 1939 nur sie gemeldet, nicht jedoch Minna Geballe. Die Schwestern waren nicht verheiratet. Martha Geballe war Damenschneiderin. Eine Martha Geball – ohne e – war in der Rubrik „Damenschneiderei“ im Branchenbuch mit der Anschrift Kleiststraße 22 eingetragen. Dort waren, wie dem Adressbuch von 1931 zu entnehmen ist, auch Martha, Minna und Amalie Geballe eingetragen, es ist anzunehmen, dass sie in der Schneiderei tätig waren. Eine Clara Geballe mit dem Zusatz Damenputz wohnte in der Kleiststraße 23. Über deren Schicksal ist nichts weiteres bekannt. Kurz bevor die Schwestern Martha, Minna und Christa deportiert worden sind, mussten sie wie auch der Untermieter Fritz Jacob Eisenberg, geboren am 25. Februar 1889 in Berlin, aus der Sächsischen Straße 22 in die Wittelsbacherstraße 13 zwangsweise umziehen.

Sie wurde am 8. September 1942 in dem selben Zug wie ihre Schwestern nach Theresienstadt deportiert und dort am 7. Juni 1944 ermordet. Auch ihre Geschwister Cäsar, Christa und Minna sind umgebracht worden.

1999 reichte eine Großnichte, die mit Lea Ben Abraham Geballe unterschrieb, bei der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem überwiegend auf Hebräisch ausgefüllte Gedenkblätter für diese Opfer der deutschen Faschisten ein.

Christa Geballe, geboren am 27. Oktober 1871 in Rogasen, ist in diesem Zug, in den 100 ältere Jüdinnen und Juden getrieben wurden, nach Theresienstadt deportiert worden. Sie war 1939 nicht in der Sächsischen Straße und auch woanders nicht gemeldet. Auf der Deportationsliste war als letzte Adresse wie bei ihren Schwestern die Adresse die Wittelsbacherstraße 13 angegeben, in den Dateien des Archivs von Theresienstadt taucht sie merkwürdigerweise jedoch nicht auf, hat also möglicherweise die Befreiung des Lagers am 8. Mai 1945 überlebt.

Ein gleichfalls in Rogasen geborener Bruder Cäsar Geballe, der am 2. Januar 1873 zur Welt kam, war Dr. und führte als Lehrer an der Borsig-Realschule in Berlin den Titel „Professor“. Er war mit Olga Sophia Rosenzweig, geboren am 10. Dezember 1882 in Berlin, verheiratet, sie hatten drei Kinder und wohnten in der Osnabrücker Straße 21. Mit seiner Frau ist er am 23. September 1942 aus Berlin ins Ghetto Theresienstadt und von dort am 28. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden.

Fritz Jacob Eisenberg, der bei Geballes in der Sächsischen Straße ein Zimmer bewohnte und mit ihnen umziehen musste, wurde am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quellen: Bundesarchiv, Adressbuch, Branchenbuch, Deportationsliste, Theresienstadt-Datei, Yad Vashem-Archiv.