Stolpersteine Bleibtreustraße 25

Link zu: Hauseingang Bleibtreustr. 25, 06.04.2012
Hauseingang Bleibtreustr. 25, 06.04.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Der Stolperstein für Helene Wald wurde am 29.5.2005 verlegt. Der Stolperstein für Nelly Laske wurde auf Wunsch von Karen Andresen (Berlin) am 9.4.2010 verlegt.

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Stolperstein Helene Wald
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
HELENE WALD
GEB. ARONSOHN
JG. 1875
DEPORTIERT 8.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
TREBLINKA

Helene Wald ist am 1. März 1875 in Memel (Klaipeda, damals Litauen) geboren. Ihre Eltern hießen Abraham und Sara Aronsohn. Sie heiratete einen Mann namens Wald, hatte mindestens vier Kinder, die entkommen konnten und wohnte von 1935 bis 1941 in der Bleibtreustraße 25, einem repräsentativen Haus nahe dem Kurfürstendamm. Sie war Hausfrau. Im Adressbuch 1939 war sie mit dem Kürzel „Ww“, das heißt: Witwe, eingetragen. 1941 musste sie bis zur Deportation in der in einem Zimmer in der Konstanzer Straße 3 unterkommen.

Am 8. Juli 1942 wurde Helene Wald, die sich zunächst in einer der Sammelstellen, in der Großen Hamburger Straße 26, zum Abtransport einteilen lassen musste, in einem Personenzug zusammen mit 100 Menschen vom Anhalter Bahnhof ins Ghetto Theresienstadt geschafft. Von dort wurde sie am 19. September 1943 weiter deportiert nach Treblinka, wo sie mit anderen ermordet worden ist.

Gertrude Berger (geboren am 7. Oktober 1896), die in England lebte, Horst Wald (geboren am 28. Juni 1899) aus Israel, Ilse Kokkos (geboren am 17. Juli 1901) aus Nevada/USA und Ellen Brocyner (geboren am 18. Januar 1908) waren Kinder von Helene Wald. Sie haben von 1955 bis 1957 Entschädigungsverfahren in Berlin um den Wert eines Guthabens bei der Deutschen Bank sowie von Silber, Schmuck und Pelzen geführt.

Ein Sohn, der mit dem Namen Yeshayahu Vald unterschrieb, hat im Holocaust-Memorial Yad Vashem in Jerusalem ein auf Hebräisch geschriebenes Gedenkblatt hinterlegt.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf
Quellen; Bundesarchiv, Zentralarchiv Yad Vashem, Entschäigungsamt

Neben Helena Wald wohnten zum Zeitpunkt der Volkszählung am 17.5.1939 zwölf weitere Jüdinnen und Juden, die deportiert und ermordet wurden, in der Bleibtreustraße 25. Eine von ihnen war Nelly Laske.

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Stolperstein Nelly Laske
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
NELLY LASKE
GEB. LEOPOLD
JG. 1891
DEPORTIERT 1.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Nelly Laske, geb. Leopold, wurde am 2. Dezember 1891 in Bochum als Tochter von Louis Leopold und Hulda Leopold, geb. Leeser, geboren.

Am 12. Dezember 1912 heiratete sie Gotthard Laske, geboren am 3. März 1882 in Preußisch Stargard als Sohn von Alexander und Fanny Laske, geborene Albrecht. Die Hochzeit fand in der Synagoge an der Fasanenstraße statt.
Gotthard Laske war von Beruf Schneider, er hatte eine Fabrikation für Herren- und Knabenausstattung in der Dircksenstraße 45 mit einem Jahresumsatz von 40-50 000 Reichsmark. Er war Präsident der Berliner Bibliophilen Gesellschaft.
Sie hatten zwei Kinder: Ruth, geboren am 8. September 1913 in Berlin, und Ernst geboren am 9. August 1915 ebenfalls in Berlin.

Als Louis Leopold starb, erbte Nelly dessen Firma und ihr Mann Gotthard stieg ein. Das Unternehmen hieß von da an Laske & Leopold GmbH Strick- und Wirkwarenmoden. Um diese Zeit wohnte die Familie Laske in der Bleibtreustraße 25. Die Geschäfte liefen aber nicht gut, und am 31. Dezember 1924, musste Gotthard Laske dem Finanzamt mitteilen, dass das Unternehmen geschlossen sei.
Gotthard Laske nahm sich am 23. November 1936 das Leben. In der Familie hieß es, finanzielle Probleme hätten ihn dazu getrieben. Ausschlaggebend war aber sicher auch, dass die Nazis drohten, seine umfangreiche Sammlung wertvoller Bücher und Drucke zu rauben. Er wurde neben seinen Eltern auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben.

1937 reiste Nelly Laske, die als „energiegeladene Frau“ beschrieben wird, zu ihrer Tochter Ruth nach Südafrika, erhielt dort aber kein Aufenthaltsrecht und musste in das nationalsozialistische Berlin zurückkehren. Sie bemühte sich, eine Stelle als Hausangestellte in England zu bekommen, obwohl sie, wie in der Familie gespottet wurde, „nicht kochen, nicht nähen, nicht früh aufstehen und nicht disponieren“ konnte und nicht englisch sprach. Trotzdem wurde sie engagiert, aber die nationalsozialistischen Machthaber ließen sie nicht mehr ausreisen.

Bevor Nelly Laske nach Auschwitz deportiert wurde, musste sie unter miserablen Umständen in einem gemieteten Hinterzimmer in der Sybelstraße 44 wohnen, für das sie 35 Reichsmark Miete bezahlte. In einer engen Wohnung drängten sich sechs willkürlich Einquartierte. Nelly Laske wurde zur Zwangsarbeit in der Pharmafabrik J.D. Riedel/E. de Haen in Berlin-Britz abkommandiert. Während einer Verhaftungswelle („Fabrikaktion“) Ende Februar 1943 wurde sie festgenommen und musste sie sich im Sammellager Große Hamburger Straße 26 einfinden, wo die zur Deportation vorgesehenen Berliner Juden und Jüdinnen registriert wurden. Von dort ist sie zum Güterbahnhof Moabit transportiert und am 1. März in einem mit 1722 Menschen besetzten, völlig überfüllten Zug unter qualvollen Bedingungen 1943 nach Auschwitz deportiert worden. Es ist anzunehmen, dass sie sofort nach der Ankunft am nächsten Tag ermordet wurde.

Ruth Laske war es 1936 gelungen, nach Johannesburg (Südafrika) zu flüchten. Sie war zweimal verheiratet, zuletzt mit dem Besitzer einer Kleiderfabrik, Adolf Chaim Blumenthal. Ernst Laske schloss sich unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Verfolgung der zionistischen Bewegung an. Am 8. November 1938 war er im mittelhessischen Grüsen auf einer Hachscharah (hebräisch für: Vorbereitung) zur Auswanderung ins damalige Palästina. SA-Leute überfielen das Haus, in dem die jungen Zionisten wohnten und schlugen Ernst Laske so schwer zusammen, dass er auf einem Auge nahezu erblindete. Er konnte sich noch zu Fuß in ein Krankenhaus zur ärztlichen Behandlung retten, wurde danach aber von Nazis erneut aufgegriffen und ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Freunden aus der zionistischen Bewegung gelang es, für ihn ein Visum für Dänemark zu bekommen und ihn so aus dem KZ freizubekommen. 1939 flüchtete er im Laderaum eines Lasters nach Dänemark. 1943 gehörte er zu den Juden, die sich vor der Deportation aus Dänemark mit einem Fischerboot nach Schweden retten konnten. Über Zypern gelangte er schließlich nach Israel, wo er im Kibbuz Ne’ot Mordechai und später als Buchhändler in Tel Aviv lebte. Er starb 2004 im Kibbuz Bror Chail.

Text: Helmut Lölhöffel auf der Basis von Aufzeichnungen von Peter Schrenk, ergänzt von Karen Andresen