Pichelsberg

Nicht-offizielle Bezeichnung des um den Pichelsberg (Höhe 62 m) gelegenen Viertels. Während Pichelsdorf, Pichelswerder und der Pichelssee zu Spandau gehören, liegen der Pichelsberg und der zugehörige S-Bahnhof Pichelsberg in Charlottenburg. Der Flurname leitet sich von dem bei der Teerdestillation anfallenden Abfallprodukt Pech her, das zur Isolation benutzt wurde; die Gegend war daher auch unter dem Namen Teerofenland bekannt.

Auf dem Pichelsberg entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Forsthaus, in dem auch Speisen und Getränke angeboten wurden, woraus der Volksmund den Namen herleitet. 1798 ließ Graf Kameke neben dem Forsthaus einen 11 mal 13 Meter großen, von einem Säulengang umgebenen Pavillon bauen, der schnell zu einem beliebten Ausflugsziel wurde. Auf halber Höhe am Berg entstand 1873 das Restaurant “Reichsgarten”. 1874 wurde die Chaussee von Charlottenburg nach Pichelsberg, die heutige Heerstraße, fertiggestellt, und 1875 die Chaussee von Beelitz nach Pichelsberg, die heutige Havelchaussee.

Försterei, Pavillon und Reichsgarten wurden 1943 stark beschädigt, die Försterei 1952 abgetragen und der Pavillon 1964 abgerissen. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Filmstudiogelände seit 1958 wurden bis 1970 von Franz-Heinrich Sobotka und Gustav Müller drei Wohnblöcke mit 12 bis 16 Stockwerken gebaut und 1974 ein Sport- und Erholungszentrum mit Tennisplätzen, Sauna und Schwimmbad eröffnet. Von dem einstigen Ausflugsziel ist nichts erhalten.

Am 2. Mai 1819, einen Monat nach dem Attentat des Jenaer Burschenschaftlers Carl Ludwig Sand auf den Schriftsteller August von Kotzebue, fand auf dem Pichelsberg ein ‘revolutionäres Treffen’ von Burschenschaftlern statt, von dem die Nachwelt durch einen von der Polizei abgefangenen Brief eines Studenten erfuhr. An dem Treffen nahmen auch die beiden protestantischen Theologen Wilhelm Martin Leberecht De Wette und Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher und der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel teil. Nach revolutionären Gesängen ging das Fest in ein Gelage über. Am Ende hatten die Festteilnehmer 175 Glaschen Rheinwein zu insgesamt 123 Talern geleert und für fast drei Taler Glas zerschlagen.