Frau Rabe, „Häusliche Gewalt“ ist ein Thema, das sie als Gleichstellungsbeauftragte von Charlottenburg-Wilmersdorf seit Mai 2003. besetzen. Mit sichtbaren Ergebnissen. Worauf beruht ihr Engagement?
p(. Christine Rabe: In der im Dezember 1993 verabschiedeten Erklärung zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen wurde festgehalten, dass Frauenrechte ein unveräußerlicher und untrennbarer Bestandteil der universellen Menschenrechte sind. Sie dürfen auf keinen Fall unter Verweis auf kulturelle und traditionelle Gewohnheiten relativiert werden. Die Realität sieht leider weltweit anders aus. Laut einer Studie der Bundesregierung von 2002 erleiden auch in Deutschland bereits 25% aller Frauen Formen körperlicher oder sexueller Gewalt oder beides. In 90% der Fälle häuslicher Gewalt sind Männer die Täter. Daraus ergibt sich, dass die Bekämpfung häusliche Gewalt leider eines der wichtigsten Themen von Gleichstellungspolitik, meines Auftrages in Charlottenburg-Wilmersdorf, sein muss. Ich möchte vermitteln: Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit. Jede und jeder hat Recht auf Schutz und Hilfe, jede und jeder hat die Verpflichtung, sich für Frauenrechte als Menschenrechte einzusetzen – aktiv!
Gewinnt denn „Häusliche Gewalt“ aufgrund der Größe von Berlin, seiner Multikulturalität, der sich ständig verändernden sozialen Strukturen und der oftmals rasanten Stadtteilentwicklungen besondere Bedeutung?
p(. Christine Rabe: Nein. Häusliche Gewalt fand und findet leider in allen Stadtteilen, Gemeinden und Landkreisen statt. Sie ist unabhängig von sozialen Schichten, Kulturen und Religionen. Einige Wissenschaftler weisen darauf hin, dass diese Gewalt ein bewusstes Mittel sei, um Kontrolle über die Partnerin auszuüben und den eigenen Willen, sowie einen Machtanspruch, durchzusetzen. Die Umwelt, gesellschaftliche Gegebenheiten oder die individuelle Biographie wären somit keine alleinigen Auslöser. Gut ist, dass das Thema nicht mehr tabuisiert wird, viel Öffentlichkeitsarbeit stattfindet und Frauen sich zunehmend mehr und früher aus Gewaltbeziehungen lösen.
Welche Projekte wurden von ihnen besonders unterstützt bzw. initiiert?
p(. Christine Rabe: Nun, zum Beispiel die Aktion “Gewalt kommt nicht in die Tüte”. Die Idee brachte unsere Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen 2003 aus einer Sitzung des Deutschen Städtetages mit. Im gleichen Jahr gab es eine Aktion in Neuköln. Mit der Unterstützung der Kaiser`s Tengelmann AG haben meine Kollegin aus Neuköln und ich dafür gesorgt, dass die “Tütenaktion” seit 7 Jahren Berliner Aktion geworden ist, gemeinsam mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Wirtschaft, der Senatsverwaltung, der BIG-Hotline und der Menschenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES.
p(. Vor zwei Jahren haben wir in der Bezirksverwaltung die Idee der Workplace Policy von TERRE DES FEMMES aufgegriffen und zum “MUT ZUM GESPÄCH AM ARBEITSPLATZ” aufgerufen. Das Bezirksamt will Betroffene ermutigen, sich Unterstützung in der persönlichen Situation auch am Arbeitsplatz zu holen.
Wird es möglich sein, bzw. ist es gelungen, diese „Projekte“ in „ständige Aufgaben“ zu überführen?
p(. Christine Rabe: Ich denke, das ist bereits geschehen.
Können sie uns von einer Erfahrung im Kampf gegen „Häusliche Gewalt“ berichten, in der für sie sichtbar wurde, dass es sich lohnt, dieser Menschenrechtsverletzung den Kampf anzusagen?
p(. Christine Rabe: Von Jahr zu Jahr wird deutlicher, dass es immer mehr Verbündete und viele politisch Handelnde im Kampf gegen häusliche Gewalt und für „Frauenrechte als Menschenrechte“ gibt. Vor allem auch Männer!
p(. Das gibt den Frauen Mut, sich zu wehren, sich aus belastenden Beziehungen zu lösen und einen gewaltfreien Umgang einzufordern. Als Gleichstellungsbeauftragte sehe ich: diese Arbeit trägt langfristig Früchte.
(Das Interview führte Gerhild Pinkvoß-Müller )