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Lexikon: Charlottenburg-Wilmersdorf von A bis Z

Stolpersteine

Verlegt am 11.12.2006


HIER WOHNTE

David Friedmann
JG. 1893

GEFLOHEN 1938 nach Prag
1941 nach Lodz
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
BEFREIT 1945


HIER WOHNTE

Mathilde Friedmann
geb. Fuchs
JG. 1901

GEFLOHEN 1938 nach Prag
1941 nach Lodz
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET


HIER WOHNTE

Mirjam Helene Friedmann
JG. 1938

GEFLOHEN 1938 nach Prag
1941 nach Lodz
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET


HIER WOHNTE

Olga Schweitzer
JG. 1881

FREITOD 15.01.1938

Wolfgang Knoll: Über David Friedmann, seine Familie und Olga Schweitzer

David Friedmann - am 20.12.1893 im damals noch österreichischen Mährisch-Ostrau geboren, kommt 1911 mit einer Ausbildung als Schildermaler nach Berlin. Hier wird er Theatermaler, Graphiker und Pressezeichner. Auf Empfehlung von Max Liebermann studiert er bei Lovis Corinth Malerei und erlernt bei Hermann Struck graphische Techniken. Am ersten Weltkrieg nimmt er für Österreich als Kriegsmaler an der russischen Front teil. Zurückgekehrt nach Berlin eröffnet er in der Xantener Str. 23 ein eigenes Atelier, arbeitet für die jüdische Zeitung "Schlemiel" und als Pressezeichner im Ullstein-Verlag. Er portraitierte bekannte Künstler, Musiker, Schauspieler, Sportler und Politiker. Darüberhinaus stellte er regelmäßig in Galerien und Ausstellungen aus, nicht zuletzt auch bei der Berliner Sezession.
1933 erteilten ihm die nationalsozialistischen Machthaber als Künstler Berufsverbot. Da er aber nach dem Zerfall der österreichischen Monarchie seit 1918 tschechischer Staatsbürger ist, kann er als Ausländer in Berlin erfolgreich eine Malerfirma gründen, weil jüdischer Immobilienbesitz und Wohnungen bei Ausreise nur renoviert übergeben werden dürfen. 1937 heiratet er Mathilde Fuchs, geboren am 17.10.1901 in Berlin-Friedenau, Tochter des Philologen Prof. Dr. Maximilian Fuchs. Am 23. September 1938 wird die Tochter Mirjam Helene geboren. Aber schon im Dezember desselben Jahres muß die junge Familie nach Prag flüchten, wobei das gesamte künstlerische Werk zurückgelassen werden muß. Hausrat und Bilder werden zunächst teilweise bei einer Spedition eingelagert, später dort von der Gestapo beschlagnahmt.
Von 1939 bis 1941 lebt und arbeitet David Friedmann in Prag. Am 16. Oktober wird dort erneut sein gesamtes künstlerisches Werk konfisziert und die Familie mit dem ersten Prager Transport in das Ghetto Lodz (Litzmannstadt) deportiert. Bis 1942 arbeitet David Friedmann als Entwerfer von Kleinschmuck und Zigarettendosen, malt und zeichnet aber vor allem auch Szenen aus dem Arbeitsleben im Lager, Familienszenen und Portraits. Er arbeitet mit an der Chronik des Ghettos von Lodz. Zeichnungen für die Bewacher des Ghettos im Austausch gegen Lebensmittel ermöglichen das Überleben der Familie.
Bei Auflösung des Ghettos muß David Friedmann Ende August 1944 seine Frau und sein krankes Kind im Krankenhaus von Lodz zurücklassen. Die Familie wird getrennt und nach Auschwitz deportiert. Seine Frau und Tochter kommen am 2. September 1944 in Birkenau ums Leben. David Friedmann selbst wird in das Außenlager Gleiwitz weitergeleitet und überlebt, weil er wiederum für das Wachpersonal als Maler arbeitet. 1945 wird er auf einem Todesmarsch in das Lager Blechhammer in Oberschlesien verlegt, wo er am 25. Januar 1945 befreit wird. Über Krakau und Mährisch-Ostrau kehrt er nach Prag zurück und muß feststellen, daß seine Familie ermordet ist. Er beginnt erneut seine künstlerische Arbeit und verarbeitet als Zeitzeuge in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Graphiken seine Erlebnisse und Erinnerungen an die Verfolgung im Ghetto und im Konzentrationslager.
1948 heiratet er Hildegard Taussig, eine Überlebende der Lager Theresienstadt, Auschwitz und Christianstadt/Niederlausitz. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten muß er 1949 erneut mit seiner Frau aus der Tschechoslowakei fliehen und gelangt über Österreich und Italien nach Israel. Dort wird 1950 seine zweite Tochter geboren, ebenfalls mit Namen Miriam.
1954 emigriert die Familie nach USA, wo David Friedmann bis 1961 für eine Werbeagentur in New York, Chicago und St. Louis großformatige Werbeplakate anfertigt. 1960 wird er amerikanischer Staatsbürger und ändert seinen Namen in Friedman. Am 27. Februar 1980 stirbt er in St. Louis, Missouri.
Olga Schweitzer wurde am 27. Juli 1881 in Breslau geboren. Sie war Operettensängerin in Berlin. Das Bühnenjahrbuch der Jahre 1916 - 1920 verzeichnet sie mit ihrem Künstlernamen als Olga Sarny oder Sarni. Seinerzeit wohnte sie in der Charlottenburger Waitzstr.14. Bereits als Kunststudent hatte David Friedmann 1914 Olga Schweitzer kennengelernt. Aufgrund der langjährigen Freundschaft fühlte sich David Friedmann verpflichtet, ihretwegen auch nach 1933 in Berlin zu bleiben. In der Zeit seiner erfolgreichen Malerfirma war sie seine Sekretärin, wohl auch, um ihr auf diese Weise den Lebensunterhalt zu ermöglichen.
1938 wurde sie Opfer einer bösartigen Intrige. Von einer Mitbewohnerin des Hauses, mit der es zuvor mehrfach verbale Auseinandersetzungen gab, wurde sie beschuldigt, die NSDAP und den Staat verleumdet und betrogen zu haben. Ein Gericht verurteilte sie zu einem Jahr Gefängnis. Noch im Gerichtssaal wurde sie festgenommen und ins Frauengefängnis Barnimstr. gebracht. Eine psychische Erkrankung verschlimmerte sich in der Haft und wurde schließlich so unerträglich, so daß sie im Krankenrevier in einer Einzelzelle untergebracht wurde. Nunmehr völlig auf sich allein gestellt, verschlimmerte sich ihr Leiden so sehr, daß sie sogar ein Gnadengesuch ablehnte. Völlig verzweifelt nahm sie sich am 15. Januar 1938 in einem unbeobachteten Augenblick in der Zelle das Leben. David Friedmann ließ sie auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee beerdigen. Ihr Grab befindet sich in der Sektion W II, Reihe 9, Grab Nr. 97529. Eine hölzerne Grabtafel wurde entfernt, so daß das Grab bis heute keinen Stein hat.
David Friedmann war Freimaurer, er gehörte der Loge "Germania zur Einigkeit" an. Ein Bruder seiner Loge hat die Stolpersteine gespendet.

Weitere Informationen über David Friedmann im Internet unter:
www.jewishgen.org/AustriaCzech/wall-of-fame/friedmann.html(Externer Link) und
www.kb.nl/vak/schaak/portretten/friedmann/index-en.html(Externer Link)

Adresse

Stolperstein
Paderborner Straße 9
10709 Berlin

Stadtplan

Fahrverbindungen

U-Bahnhof:
U Adenauerplatz:
U7

Bus-Haltestelle:
Düsseldorfer Str.:
101

Kontakt

Wolfgang Knoll
Tel, Fax 6622 888

E-Mail
  
 
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