Stolpersteine Kurfürstendamm 203-204

Diese Stolpersteine wurden am 6. August 2011 verlegt.

Stolperstein Wilhelm Friedmann, Foto:H.-J. Hupka

Stolperstein Wilhelm Friedmann, Foto:H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
WILHELM FRIEDMANN
JG. 1882
DEPORTIERT 19.10.1942
RIGA
ERMORDET 22.10.1942

Wilhelm Wolff Friedmann wurde am 12. August 1882 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den aus Tilsit (Sowetsk, Russland) stammenden Kaufmann Moritz Friedmann (*1850) und dessen Ehefrau Clara, geborene Jacobsohn (*1851), war er der Jüngste von insgesamt drei Kindern. Seine Schwester Franziska (*1879) war drei Jahre und seine Schwester Betty (*1881) ein Jahr älter als er.

Franziska verlobte sich am Neujahrstag 1900 mit dem aus Königsberg in Preußen (Kaliningrad, Russland) stammenden Kaufmann Julius Josephsohn. Damals wohnte die Familie Friedmann in der Rosenthaler Straße 41. Zwei Jahre später starb der Vater Moritz mit 51 Jahren am 13. Dezember 1901. Betty heiratete am 26. März 1902 Jacques Pulvermacher.

Wann und wo Wilhelm, genannt Willy, seine spätere Ehefrau Frieda Spieldoch (*8. Januar 1888) kennenlernte, ist nicht bekannt. Der 26-jährige Willy und die 20-jährige Frieda heirateten am 12. März 1908 und wohnten in der Allensteiner Straße 11 (heute Liselotte-Herrmann-Straße) in Berlin-Prenzlauer Berg. Ein Jahr später wurde ihre erste Tochter Gerda Sarah am 25. März 1909 geboren. Ihre zweite Tochter Annemarie kam acht Jahre später am 26. Januar 1917 während des Ersten Weltkrieges zur Welt. Wilhelm Friedmann war zur Zeit der Geburt „im Felde“. Er nahm demnach aktiv am Ersten Weltkrieg teil. Die Familie wohnte damals in der Johann-Georg-Straße 21 in Wilmersdorf-Halensee.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Wilhelm 50 Jahre alt.

Drei Jahre später heiratete ihre jüngere, damals 19-jährige Tochter Annemarie als erste der beiden Töchter am 12. November 1936 den aus Koschmin in der Provinz Posen (Koźmin Wielkopolski, Polen) stammenden Kaufmann Arthur Salomon Jacobson (*27. Juli 1911). Einen Monat später, am 24. Dezember 1936, heiratete die ältere Tochter Gerda den 32-jährigen Kürschner Adolf Spiegel (*17. März 1904). Das Ehepaar fand eine Wohnung im Hinterhaus der Lietzenburger Straße 8 in Berlin-Charlottenburg (heute Wilmersdorf). Am 13. März 1938 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Ralph Jakob nannten. Wilhelm wurde mit 56 Jahren zum ersten Mal Großvater.

Aufgrund der politischen Verhältnisse in Deutschland mussten sich Frieda und Wilhelm Anfang Januar 1939 zuerst von ihrer jüngeren Tochter Annemarie und ihrem Schwiegersohn Arthur trennen, die mit dem Passagierschiff „SS Conte Verde“ nach Shanghai flüchteten. Zu dieser Zeit galt Shanghai als internationale Sonderzone, die für die Einreise kein Visum verlangte. Es war ihre einzige Chance, das Deutsche Reich zu verlassen.

Acht Monate später mussten Wilhelm und Frieda sich auch von ihrer älteren Tochter Gerda und ihrem Schwiegersohn Adolf sowie ihrem Enkel trennen, da auch diese kleine Familie sich gezwungen sah, das Deutsche Reich zu verlassen. Am 1. August 1939, einen Monat vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, gelang ihnen die Flucht nach Großbritannien. Hier nannten sie sich Spencer mit Nachnamen.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 waren Wilhelm und Frieda Friedmann nicht mehr in ihrer Wohnung in der Johann-Georg-Straße 21, wo sie mehr als zwanzig Jahre gewohnt hatten, gemeldet, sondern wohnten zusammen mit dem aus Zawiercie (Piotrkow, Russland) stammenden Samuel Friedmann (*13. Januar 1899) am Kurfürstendamm 203-204.

Ob Samuel ein Verwandter von Willy Friedmann war, konnte nicht recherchiert werden. Mitte August 1940 nahm die Gestapo Samuel Friedmann fest und internierte ihn ab dem 21. August 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg. Von dort brachten sie ihn zu einem unbekannten Zeitpunkt in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie ihn am 2. November 1942 ermordeten. Samuel Friedmann starb mit 43 Jahren.

Wilhelm und Frieda Friedmann wohnten bis zu ihrer Deportation am Kurfürstendamm 203-204. Sie erhielten Mitte Oktober 1942 den Deportationsbefehl in den Osten und hatten sich umgehend in der zum Sammellager umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße einzufinden. Ein von der Gestapo organisierter Sonderzug der Deutschen Reichsbahn fuhr am 19. Oktober 1942 vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit mit 999 gelisteten Personen, darunter Frieda und Wilhelm Friedmann, sowie 60 Kindern zwischen zwei und 16 Jahren aus dem Waisenhaus „Baruch Auerbach“ und ihren Betreuern. Die Fahrt dauerte drei Tage. Der 21. Osttransport aus Berlin traf am 22. Oktober 1942 in Riga ein. Die überwiegende Mehrheit der Menschen wurde unmittelbar nach Ankunft des Zuges von deutschen und lettischen SS-Einheiten ermordet. Wilhelm Friedmann starb mit 60 Jahren. Seine Ehefrau Frieda Friedmann geborene Spieldoch starb mit 54 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Frieda Friedmann, Foto:H.-J. Hupka

Stolperstein Frieda Friedmann, Foto:H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
FRIEDA FRIEDMANN
GEB. SPIELDOCH
JG. 1888
DEPORTIERT 19.10.1942
RIGA
ERMORDET 22.10.1942

Frieda Friedmann wurde als Frieda Spieldoch am 8. Januar 1888 in der Keibelstraße 40 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Buk in der Provinz Posen (Buk, Polen) stammenden Kürschnermeister und Mützenfabrikanten Wolf Spieldoch (*25. Juni 1861) und dessen zwölf Jahre ältere Ehefrau Fanny geborene Seelig (*24. Januar 1849), war sie die älteste von zwei Kindern. Ihr jüngerer Bruder Siegfried kam am 21. April 1889 zur Welt. Er starb mit 18 Jahren am 3. Dezember 1907. Frieda war damals 19 Jahre alt. Die Familie wohnte in der Barnimstraße 48 in Berlin-Friedrichshain.

Wann und wo Frieda ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Wilhelm Wolff Friedmann (*12. August 1982), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 20-jährige Frieda und der 26-jährige Willy heirateten am 12. März 1908 und wohnten in der Allensteiner Straße 11 (heute Liselotte-Herrmann-Straße) in Berlin-Prenzlauer Berg. Ein Jahr später wurde ihre erste Tochter Gerda Sarah am 25. März 1909 geboren. Ihre zweite Tochter Annemarie kam acht Jahre später am 26. Januar 1917 während des Ersten Weltkrieges zur Welt. Friedas Ehemann, der Vater des Kindes, war zur Zeit der Geburt „im Felde“. Die Familie wohnte in der Johann-Georg-Straße 21 in Wilmersdorf-Halensee.

Friedas Vater starb am 14. Oktober 1924 mit 63 Jahren. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Drei Jahre später, 1927, starb auch ihre Mutter mit 79 Jahren.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Frieda 45 Jahre alt.

Drei Jahre später heiratete ihre jüngere, damals 19-jährige Tochter Annemarie als erste der beiden Töchter am 12. November 1936 den aus Koschmin in der Provinz Posen (Koźmin Wielkopolski, Polen) stammenden Kaufmann Arthur Salomon Jacobson (*27. Juli 1911). Einen Monat später, am 24. Dezember 1936, heiratete die ältere Tochter Gerda den 32-jährigen Kürschner Adolf Spiegel (*17. März 1904). Sie fanden eine Wohnung im Hinterhaus der Lietzenburger Straße 8 in Berlin-Charlottenburg (heute Wilmersdorf). Am 13. März 1938 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Ralph Jakob nannten. Frieda wurde mit 50 Jahren zum ersten Mal Großmutter.

Aufgrund der politischen Verhältnisse in Deutschland mussten sich Frieda und Wilhelm Anfang Januar 1939 zuerst von ihrer jüngeren Tochter Annemarie und ihrem Schwiegersohn Arthur trennen, die mit dem Passagierschiff „SS Conte Verde“ nach Shanghai flüchteten. Zu dieser Zeit galt Shanghai als internationale Sonderzone, die für die Einreise kein Visum verlangte.

Acht Monate später mussten Frieda und Wilhelm sich auch von ihrer älteren Tochter Gerda und ihrem Schwiegersohn Adolf sowie ihrem Enkel trennen, da auch diese kleine Familie sich gezwungen sah, Deutschland zu verlassen. Am 1. August 1939, einen Monat vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, gelang ihnen die Flucht nach Großbritannien. Hier nannten sie sich Spencer mit Nachnamen.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 waren Frieda und Wilhelm Friedmann nicht mehr in ihrer Wohnung in der Johann-Georg-Straße 21, wo sie mehr als zwanzig Jahre gewohnt hatten, gemeldet, sondern zusammen mit dem aus Zawiercie (Piotrkow, Russland) stammenden Samuel Friedmann (*13. Januar 1899) am Kurfürstendamm 203-204.

Ob Samuel ein Verwandter von Willy Friedmann war, konnte nicht recherchiert werden. Mitte August 1940 nahm die Gestapo Samuel fest und internierte ihn ab dem 21. August 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg. Von dort brachten sie ihn zu einem unbekannten Zeitpunkt in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie ihn am 2. November 1942 ermordeten. Samuel Friedmann starb mit 43 Jahren.

Frieda und Wilhelm Friedmann wohnten bis zu ihrer Deportation am Kurfürstendamm 203-204. Sie erhielten Mitte Oktober 1942 den Deportationsbefehl in den Osten und hatten sich umgehend in der zum Sammellager umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße einzufinden. Ein von der Gestapo organisierter Sonderzug der Deutschen Reichsbahn fuhr am 19. Oktober 1942 vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit mit 999 gelisteten Personen, darunter Frieda und Wilhelm Friedmann, sowie 60 Kindern zwischen zwei und 16 Jahren aus dem Waisenhaus „Baruch Auerbach“ und ihren Betreuern. Die Fahrt dauerte drei Tage. Der 21. Osttransport aus Berlin traf am 22. Oktober 1942 in Riga ein. Die überwiegende Mehrheit der Menschen wurde unmittelbar nach Ankunft des Zuges von deutschen und lettischen SS-Einheiten ermordet. Frieda Friedmann geborene Spieldoch starb mit 54 Jahren. Ihr Ehemann Wilhelm Friedmann starb mit 60 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Herta Leiser, Foto:H.-J. Hupka

Stolperstein Herta Leiser, Foto:H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
HERTA LEISER
JG. 1898
DEPORTIERT 17.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Herta Leiser wurde laut Geburtsurkunde als Hertha mit H am 4. Juli 1898 in der Augsburger Straße 25 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Pudewitz im Kreis Schroda stammenden Kaufmann und Hauseigentümer Nathan Leiser (*7. Februar 1860) und dessen Ehefrau Johanna, geborene Phillipsthal (*16. Dezember 1876), war sie das zweite von insgesamt drei Kindern. Ihre Schwester Erna (*26. Mai 1896) war zwei Jahre älter als sie. Sechs Jahre nach Hertas Geburt kam ihr Bruder Herbert (*8. August 1904) zur Welt.

Als Herta zwölf Jahre alt war, starb ihr Vater vollkommen unerwartet am 18. Mai 1910 mit 50 Jahren an „Herzlähmung“. Ihre Mutter wurde mit 34 Jahren Witwe. Die Familie wohnte in der Bamberger Straße 46 in Wilmersdorf.

Ihre ältere Schwester, die Sekretärin Erna Leiser, wanderte am 28. Juli 1921 mit 25 Jahren nach Argentinien aus. Dort heiratete sie 1922 Dr. Walter Treuherz. Nur zwei Jahre später, 1924, starb sie in São Paulo in Brasilien.

Herta wurde wie ihre ältere Schwester Sekretärin von Beruf. Sie blieb ledig.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Herta 34 Jahre alt. Ihrem Bruder Herbert gelang noch vor der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 die Flucht nach Shanghai.

Herta wohnte zum Zeitpunkt der „Minderheiten-Volkszählung” am Kurfürstendamm 203-204. Sie arbeitete als Stenotypistin bei der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ in der Kantstraße 158.

Im Juli 1942 zog sie als Untermieterin zu Edith Heymann (*29. Januar 1905) und deren Mutter Marie Heymann geborene Jacoby (*6. Januar 1872), die seit 1936 in einer Wohnung im 2. Stock des rechten Seitenflügels in der Bleibtreustraße 44 in Berlin-Charlottenburg wohnten. Auch Edith Heymann arbeitete bei der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ in der Großen Hamburger Straße. Marie Heymann starb am 21. Oktober 1942 mit 70 Jahren.

Als Beschäftigte der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ waren Herta Leiser und Edith Heymann unter den Letzten, die den Deportationsbefehl erhielten. Anfang Mai war es dann aber auch für sie soweit. Mit dem 38. Osttransport am 17. Mai 1943 wurden sie mit 385 Leidensgenossen und -genossinnen, darunter alle Angestellten der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“, die damit praktisch aufgelöst wurde, nach Auschwitz deportiert. Herta Leiser wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Sie starb mit circa 45 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 21735,
  • Herta Leiser, Reg. 36A (II) 15069, Edith Heymann
Stolperstein Gertrud Lippert, Foto:H.-J. Hupka

Stolperstein Gertrud Lippert, Foto:H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
GERTRUD LIPPERT
GEB. KWASKOWSKI
JG. 1895
DEPORTIERT 13.6.1942
SOBIBOR
ERMORDET JULI 1942 IN
AUSCHWITZ

Gertrud Lippert wurde als Gertrud Kwaskowski (Kwaczkowski) am 1. Januar 1895 in Parchim in Mecklenburg geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Moritz Abraham Kwaczkowski (*1866) und dessen Ehefrau, die aus Pasewalk stammende Ida, geborene Cohn (*1865), war sie das erste von zwei Kindern. Ihre Schwester Erna Rachel Gittel (*13. Juli 1902) wurde sieben Jahre später in Berlin geboren. Die Familie Kwaskowski wohnte in der Immanuelkirchstraße 33 im Winsviertel in Berlin-Prenzlauer Berg.

Wann und wo Gertrud ihren späteren Ehemann, den evangelischen Regierungsassessor Fritz Otto Karl Lippert (*21. September 1887), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 22-jährige Gertrud und der 29-jährige Fritz heirateten am 3. Juli 1917 in Berlin. Als Trauzeugen waren Gertruds Vater und Fritz’ Vater, der Regierungsrat Friedrich Lippert anwesend.

Zwei Jahre später starb Gertruds Vater mit 52 Jahren am 2. Oktober 1919. Gertruds Ehe blieb kinderlos und hielt neun Jahre. Durch das am 21. Oktober 1926 rechtskräftig gewordene Urteil des Landgerichts Berlin wurde die Ehe geschieden. Gertrud zog in die Luitpoldstraße 7 in Berlin-Schöneberg. Fritz Lippert heiratete am 31. März 1927 in zweiter Ehe Emmy Kirschfeld.

Ein Jahr nach Gertruds Scheidung, am 20. Dezember 1927, heiratete ihre jüngere Schwester, die sich Else nannte, den Kaufmann Herbert Fabian (*24. August 1894) am 20. Dezember 1928. Gertrud war als Trauzeugin bei der Hochzeit anwesend.

Am 7. Januar 1929 wurden Else und Herbert Eltern eines Sohnes, den sie Paul Manfred nannten. Sie wohnten in der Koblenzer Straße 9 in Berlin-Wilmersdorf. Gertruds und Elses Mutter Ida starb am 25. November 1931 mit 66 Jahren.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 die Macht im Deutschen Reich übernahmen, war Gertrud 38 Jahre alt. 1936 zog sie an den Kurfürstendamm 205. Im Berliner Adressbuch war sie dort 1937 das erste Mal gemeldet. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren auch ihre Schwester Else und ihr Neffe Manfred dort gemeldet. Herbert Fabian, Gertruds Schwager, wohnte 1939 in der Inselstraße 12 in Berlin-Mitte.

Am 28. Juni 1939 meldete Gertruds Schwester Else ihren Sohn Manfred von der Schule ab und flüchtete mit ihm nach Großbritannien. Gertrud wurde Anfang der 1940er-Jahre als Arbeiterin zur Zwangsarbeit herangezogen.

Ihr Schwager Herbert Fabian wurde am 3. Februar 1942 aus der Auguststraße 17 in Berlin-Mitte nach Auschwitz deportiert. Hier starb er zu einem unbekannten Zeitpunkt.

Zusammen mit Eli Sternberg, vermutlich einem Untermieter, erhielt Gertrud Anfang Juni 1942 den Deportationsbefehl. Mit dem 15. Osttransport wurde sie zusammen mit 755 Leidensgenossen und -genossinnen am 13. Juni 1942 nach Sobibor und dann weiter nach Auschwitz transportiert, wo sie im Juli 1942 ermordet wurden. Gertrud Lippert geborene Kwaskowski starb mit 47 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen: *Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage