Stolperstein Kurfürstendamm 150

Hausansicht Kurfürstendamm 150, Foto: H-J. Hupka

Hausansicht Kurfürstendamm 150, Foto: H-J. Hupka

Am 6. August 2011 wurde der Stolperstein verlegt.

Stolperstein Margarete Guckenheimer, Foto:H.-J. Hupka

Stolperstein Margarete Guckenheimer, Foto:H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
MARGARETE
GUCKENHEIMER
GEB. BERNSTEIN
JG. 1872
DEPORTIERT 1.11.1941
ERMORDET IN
LODZ / LITZMANNSTADT

Margarete Guckenheimer wurde als Anna Margarete Bernstein am 2. Januar 1872 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Schweidnitz in Schlesien (Świdnica, Polen) stammenden Kaufmann Salomon Bernstein (1835-1892) und dessen aus Ratibor in Schlesien (Racibórz, Polen) stammende Ehefrau Johanna Bernstein geborene Steinitz (1835-1909), war sie die jüngste von fünf Töchtern. Bei Margaretes Geburt war ihre Schwester Jenny (1860-1926) elf, Klara (geb. 9. Juni 1865) sieben und Ida (geb. 4. März 1867) fünf Jahre alt. Ihre Schwester Regina (geb. 1862) war schon drei Monate nach der Geburt am 15. Februar 1863 gestorben. Ihre Schwestern waren alle in Ratibor, dem früheren Wohnsitz ihrer Eltern, geboren worden. Vermutlich siedelte die Familie Bernstein 1871 nach Berlin, der neu ernannten Reichshauptstadt, über.

Ihre älteste Schwester Jenny heiratete mit 25 Jahren am 4. August 1885 den aus Königsberg stammenden Kaufmann Aron Salomon genannt Meyer (*27. Januar 1825) in Berlin. Sie wurden Eltern von zwei Söhnen, Curt und Alfred. Ihr Ehemann nannte sich später Adolf Meyer.

Als Margarete 20 Jahre alt war, starb der Vater am 7. April 1892 im 57. Lebensjahr in Berlin. Ihre Mutter wurde mit 57 Jahren Witwe. Sie starb am 1. Februar 1909 mit 73 Jahren. Zwei Jahre später am 10. August 1911 heiratete Margaretes Schwester Ida den 41-jährigen Kaufmann Max Franz Bernstein (*22. Januar 1870) mit 44 Jahren. Damals war Margarete 39 Jahre alt und ledig. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis sie den richtigen Ehemann fand.

Wann und wo Margarete den aus Nürnberg in Bayern stammenden Julius Guckenheimer (*1853) kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 47-jährige Margarete und der 66-jährige Julius heirateten am 24. November 1919 und wohnten in Nürnberg. Nach elf Jahren Ehe starb Julius dort mit 78 Jahren am 23. Juni 1931. Margarete wurde mit 59 Jahren Witwe. Danach ging sie wieder in ihre Geburtsstadt Berlin. In der Zwischenzeit war auch ihre älteste Schwester Jenny, die seit 1918 Witwe war, 1926 gestorben. Ihre Schwester Ida hatte sich am 19. Februar 1921 von ihrem Ehemann scheiden lassen und lebte seitdem alleine.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Margarete 61 Jahre alt. Ihre ältere Schwester Klara starb mit 71 Jahren am 12. Oktober 1936 im Ludwig-Hoffmann-Hospital in Berlin-Buch. Zu dem Krankenhauskomplex gehörten zwei Lungensanatorien, ein Alters- und Pflegeheim und zwei psychiatrische Kliniken. Auf der Sterbeurkunde wurde vermerkt, dass sie ledig war.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Margarete am Kurfürstendamm 150 Portal 2 in Berlin-Wilmersdorf im Ortsteil Halensee gemeldet. Noch 1940 war ihr Name im amtlichen Fernsprechbuch von Berlin zu finden. Ihre Schwester Ida wohnte in der Aschaffenburger Straße 16 in Berlin-Schöneberg. Sie war die erste der beiden Schwestern, die am 18. Oktober 1941 mit dem ersten Deportationszug Berlin in Richtung Litzmannstadt (Łódź, Polen) verließ. Margarete bekam Ende Oktober den Deportationsbefehl in den Osten und hatte sich im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 einzufinden. Dort wurde sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Für alle sichtbar mussten die 1.030 Deportierten des IV. Transports, unter denen sich auch Margarete Guckenheimer befand, am 1. November 1941 zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald gehen. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź 478 Kilometer von Berlin entfernt, welche die deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurde Margarete Guckenheimer am 2. November 1941 in der Alexanderhofstraße 39 Wohnung 2 einquartiert. Ihre ältere Schwester Ida wohnte in der Riemergasse 21. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto starb Margarete Guckenheimer geborene Bernstein am 22. Februar 1942 mit 70 Jahren. Ihre Schwester Ida starb am 2. März 1942 mit 75 Jahren im Ghetto Krankenhaus an Altersschwäche.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage