107. Kiezspaziergang am 13.11.2010

Vom Henriettenplatz zum George-Grosz-Platz

Start am Henriettenplatz, Foto: KHMM

Start am Henriettenplatz, Foto: KHMM

Reinhard Naumann, Bezirksstadtrat für Jugend, Schule, Familie und Sport

Treffpunkt: Henriettenplatz am Bahnhof Halensee

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 107. Kiezspaziergang. Traditionell beschäftigen wir uns beim Kiezspaziergang im November vor allem mit der jüdischen Geschichte in Charlottenburg-Wilmersdorf. Dazu gibt es viele Anlässe, denn Charlottenburg und Wilmersdorf waren in den 1920er Jahren die beiden Bezirke Berlins mit dem höchsten Anteil jüdischer Bevölkerung.
Dieses Mal wollen wir zunächst zum neu benannten Kracauerplatz, dem früheren Holtzendorffplatz gehen. Unweit davon erinnert am Haus Sybelstraße 35 auch eine Gedenktafel an den bekannten Filmwissenschaftler und Publizisten Siegfried Kracauer, der mit Walter Benjamin befreundet war, der das Kaiser-Friedrich-Gymnasium an der Bleibtreustraße 43 besucht hat, die heutige Joan-Miró-Grundschule.
Nach Walter Benjamin wurde der Platz zwischen den Leibnizkolonnaden benannt. Enden werden wir auf dem George-Grosz-Platz, der in diesem Jahr neu gestaltet wurde. Dort erinnert eine Informationstafel an den berühmten Grafiker und Satiriker der Weimarer Republik.
Neben diesen Erinnerungen an bedeutende jüdische Künstler und Intellektuelle werden wir die Kunsthalle Koidl besuchen und den neuen Park zwischen Bahnhof Charlottenburg und Gervinusstraße erkunden und begutachten.
Bevor wir starten möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen. Wie Sie wissen finden die Kiezspaziergänge immer am zweiten Samstag eines Monats ab 14.00 Uhr statt. Den nächsten wird wieder Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen übernehmen. Der Treffpunkt ist dann am Samstag, dem 11. Dezember, um 14.00 Uhr am Roseneck, also an der Ecke Hohenzollerndamm, Rheinbabenallee und Hundekehlestraße am neu benannten Betty-Hirsch-Platz in Schmargendorf. Von dort soll es durch die Waldtiersiedlung in den Grunewald, zum Grunewaldsee, zum Forstamt Grunewald und schließlich zum Hagenplatz in der Villenkolonie Grunewald gehen, also ein vorweihnachtlicher Waldspaziergang.

Bahnhof Halensee
Der S-Bahnhof wurde 1877 eröffnet, damals noch unter dem Namen Bahnhof “Grunewald” und etwas weiter westlich als heute. 1884 wurde er in “Bahnhof Halensee”, umbenannt und an die heutige Stelle verlegt.
1960 wurde ein Neubau im Pavillonstil errichtet. Bald nach dem Mauerbau wurde der Bahnhof stillgelegt. 1985 eröffnet Opel Hesse in dem Pavillon einen Autosalon. 1993 hat die Deutsche Bahn beschlossen, den Bahnhof ohne Empfangshalle zu betreiben und das Gebäude abgerissen. Die Bezirksverordnetenversammlung und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf sind mit dieser Situation nicht zufrieden und haben an die Deutsche Bahn appelliert, dass der Zugang zum S-Bahnhof Halensee städtebaulich aufgewertet wird, damit er baulich als Auftakt zum Kurfürstendamm erscheint.
Kurz vor der Maueröffnung wurde 1988 überlegt, das Gelände des Güterbahnhofs Halensee zu überbauen. Der Halenseegraben sollte mit einer Art Deckel versehen werden, auf dem dann 1.400 Wohnungen entstehen sollten. 1,5 Milliarden DM hat man damals für eine solche Baumaßnahme kalkuliert.
Weil die Fläche West-Berlins begrenzt war, wollte man auf diese Art versuchen, zusätzliche Baumöglichkeiten zu schaffen. Mit der Wende wurden diese Pläne zu den Akten gelegt.
Jetzt ist auf dem Areal des Güterbahnhofs vorgesehen, einen großen Heimwerkermarkt der Firma Bauhaus und ein Hotel an der Kurfürstendammbrücke zu errichten. Außerdem sollen dahinter und bis zur Paulsborner Straße die rund 20 dort ansässigen mittelständischen Betriebe Neubauten erhalten.

Kurfürstendamm
Im nächsten Jahr feiern wir das Jubiläum “125 Jahre Kurfürstendamm”. Vielleicht wundern Sie sich darüber. Und Sie haben Recht: Es gibt keine Gründungsurkunde für den Kurfürstendamm, und bereits 1685 wurde der Churfürstendamm erstmal auf einer Karte von Berlin und Umgebung eingezeichnet, damals noch als Reitweg zwischen dem Berliner Stadtschloss und dem Jagdschloss Grunewald. Aber von 1883 bis 1886 wurde dieser Weg ausgebaut zu einer großen, breiten Prachtstraße, und am 5. Mai 1886 fuhr zum ersten Mal die Dampfstraßenbahn über die frisch gepflasterte Straße vom Bahnhof Zoo bis hierher nach Halensee.
Dieses Datum haben wir als Geburtsstunde des Kurfürstendamms als Boulevard angenommen, und deshalb starten die Jubiläumsfeierlichkeiten mit der Eröffnung einer Ausstellung in den Vitrinen auf dem Kurfürstendamm am 5. Mai 2011, und Anfang September soll der Kurfürstendamm zwei Tage lang autofrei sein für ein großes Fest auf den Kudamm-Plätzen vom Breitscheidplatz bis zum Henriettenplatz.

Kurfürstendammbrücke
Der Kurfürstendamm ist hier 12 m höher als an der Gedächtniskirche. Man hat von der Kurfürstendammbrücke einen schönen Blick nach Charlottenburg (ICC) und nach Wilmersdorf (Kraftwerk und ehemaliges BfA-Gebäude – jetzt Rentenversicherung Bund).

Henriettenplatz
Der Platz erhielt seinen Namen 1892 nach der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, Luise Henriette von Oranien-Nassau.
Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde der Platz im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs neugestaltet mit dem Medusenbrunnen von Anna und Patrick Poirier, den Säulenkolonaden mit der BVG-Wartehalle von Heinz Mack und einem Obelisk ebenfalls von Heinz Mack auf dieser Straßenseite. Eine Gedenkstele für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken wurde von niederländischen Unternehmen gestiftet und ebenfalls 1987 aufgestellt. An der Stele sind Reliefs von Luise Henriette und ihrem Gemahl, dem Großen Kurfürsten, angebracht.

Kurfürstendamm 130
Das Haus an der Ecke Kurfürstendamm und Westfälische Straße wurde ebenfalls zur 750-Jahr-Feier 1987 restauriert und mit einer neuen, transparenten Kuppel versehen. Ursprünglich hatten alle Eckhäuser am Kurfürstendamm Türme, Türmchen oder Kuppeln.

In der Katharinenstraße, Foto: KHMM

In der Katharinenstraße, Foto: KHMM

Katharinenstraße
Die Katharinenstraße wurde 1892 nach Katharine benannt, Markgräfin von Brandenburg-Küstrin. Sie wurde 1518 als Prinzessin von Braunschweig geboren, heiratete 1537 den Markgrafen Johann von Küstrin und starb 1574, drei Jahre nach ihrem Mann in Crossen

Katharinenstr. 5: Gedenktafel für Else Lasker-Schüler und Herwarth Walden
Die Gedenktafel für Else Lasker-Schüler und Herwarth Walden wurde 1991 hier angebracht. Sie enthält folgenden Text:

In dem Haus, das früher hier stand, lebten und arbeiteten
von1909 bis 1912
HERWARTH WALDEN
16.9.1878 – 31.10.1941
Verleger, Komponist
von 1909 bis 1911 ELSE LASKER-SCHÜLER
11.2.1869 – 22.1.1945 Schriftstellerin, Lyrikerin
Walden gründete hier 1910 seine Zeitschrift “Der Sturm”,
Forum des Expressionismus. Emigrierte 1932 in die UdSSR,
starb in stalinistischer Gefangenschaft.
Else Lasker-Schüler flüchtete 1933 in die Schweiz,
starb verarmt in Jerusalem

Else Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1869 als Tochter einer jüdischen Bankiersfamilie in Wuppertal geboren. Sie wuchs dort in einem wohlbehüteten, bürgerlichen Elternhaus auf. Als 25jährige heiratete sie den Arzt Berthold Lasker und zog mit ihm nach Berlin ins Tiergartenviertel in die Brückenallee 22, wo sie vorerst ihre von zuhause gewohnte bürgerliche Existenz fortsetzte, aber auch gleichzeitig ihre künstlerischen Interessen entwickelte.
Sie richtete ein eigenes Atelier ein und nahm privaten Malunterricht bei Simon Goldberg.
Die Begegnung mit Peter Hille 1898 war wohl mit ausschlaggebend dafür, dass sie beschloss, ihren eigenen Weg als Künstlerin und vor allem als Schriftstellerin zu gehen. Nach der Geburt ihres Sohnes Paul im Jahr 1899 trennte sie sich von ihrem Mann und gleichzeitig radikal von ihrer bürgerlichen Herkunft. In den Jahren 1900 und 1901 lebte sie in der Schlüterstraße 62, dann in der Wielandstraße 3. Ihr erster Gedichtband “Styx” mache sie 1902 schlagartig in der Kulturszene bekannt.
Nach ihrer Scheidung von Berthold Lasker 1903 heiratete sie den fast 10 Jahre jüngeren Musiker und KunstschriftsteIler Georg Lewin, dem sie den Namen Herwarth WaIden gab.
Sie selbst nannte sich wechselnd Prinz Jussuf von Theben oder Tino von Bagdad und kleidete sich männlich in Hosen oder in weite orientalische Gewänder. Die beiden zogen nach der Heirat nach Wilmersdorf in die Ludwigkirchstr. 12 und 1909 hierher nach Halensee, in eine Mietwohnung in dem damals hier stehenden Haus Katharinenstraße 5, wo sie bis zu ihrer Scheidung im Jahr 1911 lebten.
Für Else Lasker-Schüler war es der letzte feste Wohnsitz. Aber ihre eigentliche Heimat waren längst die öffentlichen Plätze und die Cafés der Stadt geworden. Künstlersein war für sie kein Beruf, sondern eine existenzielle Haltung, eine Lebensform.
Die eigene Wohnung hatte für sie etwas Bedrohliches. Am 8. Februar 1910 beschrieb sie das in einem Brief an Karl Kraus, und er liest sich wieder Beginn eines modernen Großstadtkrimis:
“Lieber Herzog, ich sitz ganz allein zu Hause. Auf der Katharinenstraße geht ein Einbrecher hin und her an der Wiese entlang – er hat sich die Schlüssel der Thore geben lassen” als wär er vom Wirt beauftragt nachzusehn – und die Portiers gaben ihm die Schlüssel.
Ich habe meinen Revolver geladen und ein Messer liegt bereit für ihn – vielleicht aber finde ich Gefallen an ihm und wir kommen überein …”
1907 erschien ihre Prosasammlung “Die Nächte der Tino von Bagdad”, und 1909 veröffentlichte sie das Schauspiel “Die Wupper”, das jedoch zunächst nicht zur Aufführung kam. Mit dem 1911 erschienenen Gedichtband “Meine Wunder” wurde sie zur führenden deutschen Expressionistin. Aber der kommerzielle Erfolg blieb aus.
1913 veröffentlichte Karl Kraus einen Spendenaufruf zugunsten der• Dichterin” weil kein Verlag mehr bereit war” ihre Werke zu drucken” nachdem sie in ihrer Streitschrift “Ich räume auf” die Verleger als Ausbeuter der Dichter angeklagt hatte. Sie bezog ein möbliertes Zimmer in der Humboldstraße 13 in der Villenkolonie Grunewald, wo sie sich mit dem jungen Filmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau anfreundete.
Während des Ersten Weltkrieges ging sie mehrmals auf Vortragsreisen mit einem Antikriegsprogramm, das sie mit Franz Werfel, George Grosz und anderen zusammengestellt hatte. Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb Berlin ihre Heimat. Else Lasker-Schüler fühlte sich weiterhin der Welt der künstlerischen Außenseiter zugehörig. Von vielen jüngeren Künstlern und Schriftstellern wurde sie als großes Vorbild verehrt.
Im März 1933 wurde die Premiere des Schauspiels “Arhur Aronymus und seine Väter” nach einer Erzählung von Else Lasker-Schüler kurz vor der Generalprobe im Schillertheater vom Spielplan abgesetzt.
Nachdem sie im April 1933 auf der Straße von Nazis überfallen worden war, floh sie in die Schweiz. 1939 konnte sie von einer Reise nach Palästina nicht mehr zurückkehren. Nach 6 weiteren Jahren in einem armseligen Zimmer in Jerusalem starb sie am 22. Januar 1945.

Sybelstraße
Die Sybelstraße wurde 1904 nach dem Historiker Heinrich Karl Ludolf von Sybel benannt. Er wurde 1817 in Düsseldorf geboren und starb 1895 in Marburg. 1874 bis 1880 saß er für die Nationalliberalen im Preußischen Abgeordnetenhaus.

Auf dem Kracauerplatz, Foto: KHMM

Auf dem Kracauerplatz, Foto: KHMM

Kracauerplatz
Sybelstr. 35: Gedenktafel für Siegfried Kracauer
Am 10.6.2010 haben wir den ehemaligen Holtzendorffplatz umbenannt in Kracauerplatz. Geehrt werden mit der Umbenennung der Soziologe und Filmhistoriker Siegfried Kracauer, der von 1889 bis 1966 lebte und seine Ehefrau, die Bibliothekarin Elisabeth, genannt Lili Kracauer, die von 1893 bis 1972 lebte. Am 9.7.2009 hatte die Bezirksverordnetenversammlung auf Anregung der Initiative Ehrung Siegfried Kracauer die Umbenennung des Platzes beschlossen.
Der Platz trug seit dem 04.09.1910 den Namen des Juristen Franz von Holtzendorff (1829 – 1889), der ab 1857 als Professor für Rechts- und Staatswissenschaft in Berlin und ab 1873 als Universitätsprofessor in München tätig war. Zwischen 1871 und 1877 veröffentlichte er das “Handbuch des deutschen Strafrechts”.
Ebenfalls am 10.6.2010 wurde in der Sybelstraße 35 eine Gedenktafel für Siegfried Kracauer enthüllt. Sie enthält folgenden Text:

An der Gedenktafel für Siegfried Kracauer, Foto: KHMM

An der Gedenktafel für Siegfried Kracauer, Foto: KHMM

In diesem Haus lebte von 1931 bis 1933
SIEGFRIED KRACAUER
8.2.1889 – 26.11.1966
Publizist, Schrifsteller, Soziologe und Filmwissenschaftler
Nach dem Verbot seiner Schriften durch die Nationalsozialisten
emigrierte er über Frankreich in die USA
wo seine filmsoziologischen Hauptwerke entstanden
“Von Caligari zu Hitler” – “Theorie des Films”

Gefördert durch die GASAG Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft

Siegfried Kracauer hatte im April 1930 die Berliner Redaktion der Frankfurter Zeitung übernommen und eine Wohnung in der Sybelstraße 35 bezogen, ein Eckhaus mit Blick auf den Holtzendorffplatz. Siegfried Kracauer beschrieb den Platz so:
“Mitten in einem großstädtischen Wohnviertel gelegen und Treffpunkt mehrerer breiter Straßen, entzieht sich der kleine Platz so sehr der öffentlichen Aufmerksamkeit, dass kaum jemand auch nur sinen Namen kennt.
Vielleicht hat diese märchenhafte Geschicklichkeit ihren Grund in der Tatsache, dass er vor allem dem Durchgangsverkehr dient. Tausende kreuzen ihn täglich im Omnibus oder in der Tram, aber gerade weil sie ihn so ohne jedes Aufheben überqueren, versäumen sie es, seiner zu achten. So genießt er das unbeschreibliche Glück, gewissermaßen inkognito im Trubel leben zu dürfen, und obwohl er sich nach allen Seiten hin auftut, ist es doch, als sei er von dichten Nebeln umlagert.”
Siegfried Kracauer emigrierte nach dem Reichstagsbrand 1933 nach Paris. Er war mit Walter Benjamin befreundet, nach dem der Walter-Benjamin-Platz am anderen Ende der Sybelstraße benannt ist.

Gervinusstraße
Diese Straße wurde 1907 nach dem Historiker und Politker Georg Gottfried Gervinus benannt. Er lebte von 1805 bis 1871 und gehörte zu dem “Göttinger Sieben”.

Mit Dan Messerschmidt vor seinem Haus, Foto: KHMM

Mit Dan Messerschmidt vor seinem Haus, Foto: KHMM

Gervinusstr. 20: Gedenktafel für Kurt Messerschmidt und 30 jüdische Hausbewohner
Im Flur dieses Hauses wurde bereits am 13.3.1947 eine Gedenktafel angebracht mit folgendem Text:
ZUM GEDENKEN DES
BAUMEISTERS
KURT MESSERSCHMIDT
DEM ERBAUER DIESES HAUSES.
AM 1.4.1882 GEBOREN.
AM 13.3.1943 DURCH DIE SS
IN AUSCHWITZ ERMORDET.
CHARL.D.13.3.47

Ebenfalls im Hausflur verzeichnet eine weitere Gedenktafel neueren Datums aus mattgeätztem Glas mit Davidstern die Name von 30 jüdischen Hausbewohnern, ermordet durch das NS-Regime.

ZUM GEDENKEN
der jüdischen Bewohner dieses Hauses, die von
1941 – 1945
deportiert und umgebracht wurden
Martin Baruch, Samuel Jacoby, Helene Messerschmidt geb. Moses,
Erna Baruch geb. Hermann, Luise Jacoby geb. Baumann,Benno Reich, Carl Cohn, Arthur Jonas, Herta Reich, Berta Cohn geb. Kahn, Mathilde Jonas geb. Meyer, Manfred Reich, Frau Erbe, Erna Leonhard geb. Hirschfeld und Sohn,
Adolf Rothschild, Cylla Frankenstein geb.Dymak, Kurt Messerschmidt,
Hedwig Rothschild geb. Gumpel, Ehepaar Friedländer,
Charlotte Messerschmidt geb. Herrmann, Moritz Selasnitzky,
Anna Guttmann geb. Fränkel, Ilse Messerschmidt geb. Moses,
Gertrud Selasnitzky geb. Glanternik. Dr. Moritz Steiner, Dr. Eugen Messerschmidt, Rosa Heymann geb. Joseph, Elfriede Steiner geb. Bergmann.

Der Enkel von Kurt Messerschmidt und jetzige Besitzer des Hauses, Dan Messerschmidt hat für uns die Tür zu seinem Haus geöffnet. Bevor wir hineingehen und die beiden Tafeln betrachten können, wir uns noch etwas über das Schicksal seiner Familie erzählen.

Vor der Kunsthalle Koidl, Foto: KHMM

Vor der Kunsthalle Koidl, Foto: KHMM

Gervinusstr. 34: Kunsthalle Koidl
Der Unternehmer Roman Maria Koidl ließ seit 2006 das 1928 von Richard Brademann im Bauhaus-Stil errichtete Umspannwerk in der Gervinusstraße sanieren und zu einer kleinen Ausstellungshalle umbauen. Äußerlich blieb das Gebäude erhalten. Im Inneren wurde eine rechteckige, längliche Halle geschaffen. Am 11.6.2008 wurde die Kunsthalle eröffnet. Seither werden hier Ausstellungen gezeigt, mit denen Sammler zeitgenössischer Kunst portraitiert werden.
Olga Hammermeister wird uns die Kunsthalle Koidl vorstellen.

Im Park an der Gervinusstraße, Foto: KHMM

Im Park an der Gervinusstraße, Foto: KHMM

Gervinusstraße: Park am Bahnhof Charlottenburg
Am 23. April 2008 haben wir hier nördlich der Bahntrasse an der Gervinusstraße den umgestalteten Grünzug eröffnet. Auf einer Fläche von ungefähr 5000 qm wurden verschiedene Gartenbereiche für die Anwohnerinnen und Anwohner als Ruhe- und Aktivräume angelegt. Die Maßnahme wurde, einschließlich des Ankaufs des Grundstückes, von der DB Netz AG als Ersatzmaßnahme für den Ausbau der Schnellbahnverbindung Hannover Berlin mit rund 750.000 Euro finanziert.
Der Bezirk hat ein schönes Erholungsgelände mitten in der Stadt erhalten, dass durch vielfältige Angebote sowohl für die Ruhe suchenden Besucherinnen und Besucher als auch für Kinder und Jugendliche Angebote bereithält.
Bereits in den 1950er Jahren wurde ein Spielplatz auf gepachtetem Bahngelände angelegt. Seit 1984 war die im Flächennutzungsplan und im Landschaftsprogramm enthaltene Grünverbindung Wilmersdorfer Straße zum Kleingartengelände entlang des südlichen Bahndamms fest eingeplant. Die Verhandlungen des Bezirksamtes Charlottenburg mit dem Bundeseisenbahnvermögen scheiterten immer wieder insbesondere an unterschiedlichen Vorstellungen über den Wert des Grundstückes. Erst mit dem Beschluss zur Schnellbahnverbindung Hannover–Berlin 2000 wurde mit der Festsetzung des Grünzuges Gervinusstraße als naturschutzrechtliche Ersatzmaßnahme der Weg zur Realisierung eröffnet. Mit einer Ersatzmaßnahme ist gemeint, dass die durch eine Baumaßnahme zerstörten Funktionen von Naturhaushalt und Landschaftsbild zwar nicht wiederhergestellt werden können (das wäre eine Ausgleichsmaßnahme) aber an anderem Ort eine Verbesserung bewirkt werden.
An dieser Stelle beginnen immer sehr knifflige Diskussionen unter den Beteiligten was denn noch unter Ersatzmaßnahme zu werten ist und was nicht. Eine ähnliche Diskussion führten wir übrigens auch auf der Nordseite des Bahndamms am Stuttgarter Platz, wo die neue Parkanlage noch im Bau ist. Dort hat sich die örtliche Bürgerinitiative für eine komplette Wiederherstellung des zerstörten Biovolumens auf dem Platz ausgesprochen. Hier auf der Südseite ist es uns gelungen, noch sozial wichtige Elemente in den Grünzug zu integrieren, die nach der reinen Lehre da nicht reingehören. Und hier bin ich den Damen und Herren der Deutschen Bahn besonders dankbar, dass Sie beide Augen zugedrückt haben, als wir Ihnen heimlich in den Grünzug noch einen Spiel- und einen Bolzplatz reingeplant haben. Ich habe die dunkle Vermutung, dass dieses berlin-, wohl auch bundesweit das letzte Mal sein wird, dass ein Spiel- und ein Bolzplatz als Bestandteil der Ersatzmaßnahme anerkannt worden sind.
Auf einer Fläche von rd. 5000 qm wurden verschiedene Gartenbereiche für die Anwohner und Anwohnerinnen als Ruhe und Aktivräume angelegt.
Der höher gelegene Haupteingangsbereich an der Windscheid- Ecke Gervinusstraße. ist von einer doppelreihigen weißen Stahlpergola überstellt an der sich Kletterrosen und Efeu hochranken werden.

Im Park an der Gervinusstraße, Foto: KHMM

Im Park an der Gervinusstraße, Foto: KHMM

Im Anschluss an diesen „Rosengarten“ schließt sich ein sog. Senkgarten an, dessen große Rabatte mit einer vielfältigen Staudenbepflanzung angelegt ist. Zahlreiche Bänke laden zum Verweilen ein.
Eine große Spiel- und Liegewiese bildet den zentralen Gartenteil der Anlage und eröffnet den Aufenthaltsbereich für Kinder und deren Begleitung. Einrichtungen für ältere Kinder und Jugendliche, wie zwei Ballspielflächen, einer Tischtennisplatte und Hängematten runden das Angebot der Anlage im östlichen Teil des Grünzuges ab.
Insgesamt wurden 42 Bäume neu gepflanzt, darunter gelbblühende Kastanien, Schnurbäume, immergrüne Eichen, Zieräpfel, Zierkirschen und Sanddorn. Dazu kommen zahlreiche Sträucher und unzählige Stauden.

Gervinusstr. 40: Seniorenpflegeheim Haus Birkholz
Hier entsteht das Seniorenpflegeheim Haus Birkholz mit Seniorencafé, Kindergarten, Frisör und Kiosk.

Mommsenstraße
Die Mommsenstraße wurde 1897 nach dem Historiker Theodor Mommsen benannt, der von 1817 bis 1903 lebte und 1902 als erster Deutscher den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Mit Helmut Lölhöffel, Foto: KHMM

Mit Helmut Lölhöffel, Foto: KHMM

Mommsenstr. 34 Stolperstein
Der 1947 in Berlin geborene Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat 1996 in Köln die ersten Stolpersteine verlegt, die im Gehweg vor dem früheren Wohnort an Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnern. Es sind 10 × 10 cm große aus Beton gegossene Steine mit eingelassener Messingtafel, in die der Künstler mit Hammer und Schlagbuchstaben “Hier wohnte”, Namen, Jahrgang und Stichworte zum weiteren Schicksal eines einzelnen Menschen einstanzt.
Am Montag, dem 4. Oktober, haben wir in Charlottenburg-Wilmersdorf den tausendsten Stolperstein verlegt, und zwar in der Villenkolonie Grunewald, in der Wissmannstraße 17 für den Zauberkünstler Günther Dammann mit dem Künstlernamen Robertini. Ein Verzeichnis aller Stolpersteine in Charlottenburg-Wilmersdorf finden Sie im Internet unter www.stolpersteine.charlottenburg-wilmersdorf.de .
Ich freue mich, dass Helmut Lölhöffel heute bei uns ist. Er hat vor kurzem die Koordination des Stolpersteine-Projekts in Charlottenburg-Wilmersdorf als ehrenamtliche Aufgabe von Wolfgang Knoll übernommen. Wolfgang Knoll hat für diese Aufgabe mit seiner überaus engagierten und erfolgreichen Maßstab gesetzt. Helmut Lölhöffel wird uns gleich das Buch vorstellen, das Wolfgang Knoll über die Juden in Charlottenburg herausgegeben hat. Ich danke ihm herzlich dafür, dass er diese Aufgabe übernommen hat, und ich wünsche ihm viel Erfolg dabei.

Dieser Stolperstein vor dem Haus Mommsenstraße 34 wurde am 26. September 2006 verlegt. Er trägt folgenden Text:
HIER WOHNTE
HANS ARNO STEINITZ
JG. 1910
DEPORTIERT 04.03.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Am St.-Georg-Brunnen auf dem Hindemithplatz, Foto: KHMM

Am St.-Georg-Brunnen auf dem Hindemithplatz, Foto: KHMM

Hindemithplatz
Der Hindemithplatz wurde 1995 nach dem deutschen Komponisten Paul Hindemith benannt. Im Zentrum befindet sich der St.-Georg-Brunnen, der 1904 von dem Architekten Wilhelm Walther für das ehemalige Hotel Bayernhof in der Potsdamer Straße geschaffen wurde. 1980 wurde er auf diesem Platz aufgestellt. Am Platz in der Giesebrechtstraße befindet sich das traditionsreiche Café Richter.

Giesebrechtstraße
Die Giesebrechtstraße wurde 1904 nach dem Historiker Friedrich Wilhelm von Giesebrecht benannt. Er wurde 1814 in Berlin geboren und starb 1889 in München. Er war Schüler von Leopold von Ranke. Sein Hauptwerk ist die “Geschichte der deutschen Kaiserzeit” in 15 Bänden. Er war Professor am Joachimsthalschen Gymnasium, das 1880 in Wilmersdorf eröffnet wurde.

Giesebrechtstr. 21: 2 Stolpersteine
Der Stolperstein für Adolf Berkelmann wurde am 21. August 2006 verlegt, der Stolperstein für Marie Berkelmann drei Jahre später am 14. Oktober 2009. Dieser Abstand von drei Jahren gibt uns einen Hinweis auf die mühsame Recherchearbeit, die hinter jedem verlegten Stolperstein steckt. Manchmal werden trotz sorgfältiger Arbeit auch nach der Verlegung eines Stolpersteins noch neue Daten bekannt. Oft ergeben sich Kontakte mit Angehörigen, Nachkommen, Freunden oder Bekannten der Opfer. Für manche Stolpersteine haben Anwohnerinnen und Anwohner oder Schulklassen eine Patenschaft übernommen.
Das heißt, wenn Sie einen Stolperstein im Gehweg entdecken, dann können Sie davon ausgehen, dass damit viel Engagement und Erinnerungsarbeit und viel menschliche Anteilnahme verbunden ist. Und das vor allem macht den unschätzbaren Wert dieser Initiative aus.
Die Texte der beiden Stolpersteine lauten:
HIER WOHNTE
MARIE BERKELMANN
GEB. SIMON
JG. 1888
DEPORTIERT 14.4.1942
GHETTO WARSCHAU
ERMORDET

HIER WOHNTE
ADOLF BERKELMANN
JG. 1914
VERHAFTET
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 5.10.1942

Giesebrechtstr. 19: Stolperstein
Der Stolperstein für Elisabeth Levysohn wurde am 11. Dezember 2006 verlegt. Der Text lautet:
HIER WOHNTE
ELISABETH LEVYSOHN
JG. 1879
DEPORTIERT 14.09.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 17.05.1943

An der Giesebrechtstraße 18, Foto: KHMM

An der Giesebrechtstraße 18, Foto: KHMM

Giesebrechtstr. 18: 21 Stolpersteine
Am 22. September dieses Jahres wurden vor diesem Haus 21 Stolpersteine verlegt für Waldemar und Emma Cohn, Clara Jacobsohn, Franziska Harczyk, Lydia Neustein, Bertha Feilchenfeld, Helene Katschke, Margarete Pinthus, Walter und Elsa Meyer, Margarete, Karl-Heinz, Ursula, Tana, Gert, Ingeborg und Zilla Schlesinger, Denny Brauer, Zerel L. Wagner, Else Weisz und Sigismund Rosenthal.
Besonders bedrückend ist es hier, wenn man zum Beispiel liest, dass von der Familie Schlesinger drei Generationen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden darunter Tana Schlesinger, die 1940 geboren und mit 2 ½ Jahren am 12. Januar 1943 in Auschwitz ermordet wurde und Zilla Schlesinger, die am 8 Februar 1943 in Berlin geboren und einen knappen Monat später, am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

Giesebrechtstr. 18: Gedenktafel für Grethe Weiser
Die Berliner Gedenktafel (Porzellantafel der KPM) wurde am 22. Oktober 2010 an dem Haus Giesebrechtstraße 18 enthüllt. Der Text lautet:
In diesem Haus wohnte von 1954 bis 1970
GRETHE WEISER
27.2.1903 – 2.10.1970
Schauspielerin, Kabarettistin, Chansonsängerin
Viele Jahrzehnte eroberte sie auf der Bühne und im Film
die Herzen der Zuschauer
als Urbild der gewitzten und schlagfertigen Berlinerin
“Die göttliche Jette”

Giesebrechtstr. 17 Gedenktafel: Paul von Hase
Die Gedenktafel für Paul von Hase wurde 1991 enthüllt:
“Hier wohnte Generalleutnant
Paul von Hase
24.7.1885-8.8.1944
Stadtkommandant von Berlin 1940-44
Am Umsturzversuch vom 20. Juli
führend beteiligt, dafür am 8. August 1944
in Berlin-Plötzensee hingerichtet.”
Paul von Hause lebte in diesem Haus während seiner Zeit als Stadtkommandant von Berlin von 1940 bis zu seiner Hinrichtung1944.
Seit 1938 war Generalmajor von Hase in die Verschwörungspläne des Offizierskorps eingeweiht. Am 20. Juli 1944 ließ von Hase das Regierungsviertel in Berlin abriegeln. Nach dem misslungenen Attentat und Umsturzversuch wurde er noch am Abend des 20. Juli verhaftet. In einem Prozess gegen einen Teil der Verschwörer wurde er am 8. August 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee noch am selben Tage durch Erhängen hingerichtet.
Die Hinrichtungsstätte im nationalsozialistischen Zuchthaus Plötzensee befand sich ebenfalls in Charlottenburg-Wilmersdorf. 1952 wurde dort eine Gedenkstätte eingerichtet.
Sie erinnert an die etwa 2.500 dort durch Fallbeil oder Strick hingerichteten Männer, Frauen und Jugendlichen, darunter zahlreiche Widerstandskämpfer – unter anderem die am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 Beteiligten.

Auf dem Hubert-von-Meyerinck-Platz, Foto: KHMM

Auf dem Hubert-von-Meyerinck-Platz, Foto: KHMM

Giesebrechtstr. 4, Kurbel
1934/35 wurde das Kino von Karl Schienemann in einen ehemaligen Eckladen eingebaut. Entstanden ist damals ein rechteckiger Kinosaal für knapp 600 Zuschauer. Seither gab es mehrfache Umbauten, seit 1990 gibt es drei Kinosäle unterschiedlicher Größe.
1945 nahm die Kurbel als eines der ersten Berliner Kinos seinen Betrieb nach dem Krieg wieder auf. In den 70er Jahren war es für kurze Zeit ein Sex-Kino. Von 1974 bis 2003 wurde es als Programmkino geführt, das unter Kinoliebhabern einen guten Ruf hatte.
Am 25.6.2003 musste das Kino mit der 701. Vorstellung des Filmklassikers “Vom Winde verweht” schließen.
Am 1.1.2004 eröffnete die CH Media mit neuem Konzept und einem Eintrittspreis von 2,99 EUR. Aber sie hielt nicht lange durch. Im Juni 2005 übernahm der Hausbesitzer selbst das Kino und eröffnete es wieder als Premierenkino mit drei Sälen.

Sybelstr. 9 Gedenktafel: Jüdische private Musikschule Hollaender
Der Verein Aktives Museum e.V. hatte hier am 8. November 1992 in provisorischer Form eine Holztafel enthüllt. Nach der Sanierung des Hauses wurde sie durch eine dauerhafte Bronzetafel ersetzt und am 21. März dieses Jahres enthüllt. Die Tafel enthält folgenden Text:
Im Haus Sybelstraße 9 bestand von 1936 bis
1941 die Jüdische private Musikschule Hollaender.
Hier unterrichteten die jüdischen Lehrkräfte des
Stern’schen Konservatoriums Gustav Hollaender
nach dessen zwangsweiser Arisierung 1935. Ihre
Besitzer und Leiter
Kurt Hollaender (*1885) und
Susanne Landsberg (*1892)
geb. Hollaender
wurden, wie viele der hier Lehrenden, 1941/43
deportiert und ermordet.
Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. 8.11.1992
Die Tafel erinnert an eine Musikschule, die aus dem ältesten Konservatorium Berlins entstand. Julius Stern hatte es 1850 gegründet. 1895 wurde es von Gustav Hollaender übernommen. Dessen Kinder Kurt und Susanne übernahmen es und führten es von 1936 bis 1941 als private Musikschule weiter.
Hinter dieser knappen Zusammenfassung einer rund 90jährigen Geschichte von 1850 bis 1941 verbirgt sich eine dramatische Entwicklung. Sie ist eines der vielen Beispiele für die tragische deutsch-jüdische Geschichte, mit der unzählige grausame menschliche Schicksale verbunden sind.
Nach dem Tod Julius Sterns 1883 führte seine Schwägerin Jenny Meyer das Konservatorium ein Jahrzehnt lang. 1894 erwarb der Komponist, Dirigent und Geiger Gustav Hollaender das Institut und leitete es bis zu seinem Tod 1915. Unter seiner Leitung erlebte das Konservatorium eine Blütezeit. Es kam ohne jegliche Subvention aus und wurde von mehr als tausend Schülerinnen und Schüler pro Jahr besucht, die aus aller Welt nach Berlin zum Musikstudium kamen. Das Konservatorium verdankte zwar seine Existenz privatem jüdischem Engagement, aber es stand allen offen, die sich musikalisch bilden wollten.
Es war im besten Sinne universell, und es war eines der wertvollsten Aushängeschilder für Berlin und für ganz Deutschland.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde das Konservatorium gleichgeschaltet. Die jüdischen Inhaber wurden faktisch enteignet. Ihnen wurde verboten, nichtjüdische Schülerinnen und Schüler zu unterrichten. Sie konnten hier noch für wenige Jahre die Jüdische Musikschule Hollaender betreiben. Schließlich wurden Kurt Hollaender und Susanne Landsberg-Hollaender deportiert und ermordet.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt das Städtische Konservatorium in West-Berlin den Namenszusatz “Ehemals Sternsches Konservatorium”. Heute ist das Julius-Stern-Institut für musikalische Nachwuchsförderung Teil der Universität der Künste.

Hubert-von-Meyerinck-Platz
Der Platz wurde 1994 nach dem Filmschauspieler Hubert von Meyerinck benannt. Er lebte von 1896 bis 1971, wurde seit 1920 durch Stummfilmrollen und seit 1930 auch in unzähligen Tonfilmen bekannt. Er spielte stets Männer mit Allüren, die sich nur allzu oft als Hochstapler oder Schurken erwiesen. In späteren Jahren wurde er in Filmkomödien zur Idealbesetzung skurriler Amtspersonen, Adeliger und Generäle. Mit 250 Filmrollen gehört er zu den meistbeschäftigten deutschen Filmschauspielern. Am Ende seines Lebens outete er sich als homosexuell.

Gedenktafel für Eduard Künneke, Foto: KHMM

Gedenktafel für Eduard Künneke, Foto: KHMM

Giesebrechtstr. 5: Gedenktafel für Eduard Künneke
Hier lebte von 1939 bis 1953
EDUARD KÜNNEKE
27.1.1885-27.10.1953
Komponist,
Schöpfer der unsterblichen Operette
“Der Vetter aus Dingsda”

Giesebrechtstraße 11, Foto: KHMM

Giesebrechtstraße 11, Foto: KHMM

Giesebrechtstr. 11: Gedenktafel für Fritz Oliven
Die Berliner Gedenktafel für Fritz Oliven am Haus Giesebrechtstraße 11 wurde am 28.9.2009 enthüllt:
In diesem Haus wohnte von 1931 bis 1939
FRITZ OLIVEN
10.5.1874 – 30.6.1956
Er gehörte zu den erfolgreichsten deutschen
Librettisten und Humoristen des 20. Jahrhunderts
bis das NS-Regime seine Bücher verbrannte
und ihn selbst zur Ausreise nach Brasilien zwang
Fritz Oliven veröffentlichte seine Werke
unter dem programmatischen Pseudonym
“Rideamus” (“Lasst uns lachen”)

Giesebrechtstr. 11: Ehemaliger Salon Kitty
Hier befand sich während der Naziherrschaft im dritten Stock die Pension Schmidt, unter Kennern »Salon Kitty« genannt. Das nach französischem Vorbild betriebene Edelbordell gehörte Katharina Zammit, geborene Schmidt. Sie wurde 1882 als Tochter eines Hamburger Kaufmanns geboren, arbeitete als Musiklehrerin und heiratete einen Spanier, der sich aus unbekannten Gründen erschoss. Ihre Tochter Kathleen wurde in Cardiff in England geboren. Zwischen 1900 und 1921 hielt sie sich in Cannes, Nizza, Monte, Carlo, Paris, Karlsbad und Bombay auf. Danach eröffnete sie in den 20er Jahren hier in Charlottenburg einen Salon nach dem Pariser Vorbild der eleganten Etablissements. Kitty selbst trug gern schwarze Kleidung mit Spitze.
1939 wurde die Pension Schmidt alias Salon Kitty in den Dienst des Reichsicherheitshauptamtes (RSHA), der zentralen Kontroll- und Spitzelbehörde des NS-Staates gestellt. Damit war der Auftrag des Bordells klar: Hier sollten beim vertraulichen Liebesgeflüster Erkenntnisse gewonnen werden, die anders nicht verfügbar gemacht werden konnten.
So jedenfalls die Hoffnung Reinhard Heydrichs, von 1939 bis 1942 Leiter des Reichssicherheitshauptamtes und ab 1941 auch Reichsprotektor von Böhmen und Mähren. Die Räume, in denen die Mädchen arbeiteten, waren mit Mikrofonen ausgestattet, die Gespräche wurden im Keller in der vom RSHA eingerichteten Abhörzentrale mitgeschnitten. Nur wenn Heydrich den Salon Kitty besuchte, befahl er dem SD-Auslandschef Walter Schellenberg, wie dieser später berichtete, die Mikrofone auszuschalten.
Die im Salon Kitty beschäftigten Mädchen stammten aus Deutschland, Österreich oder Polen, waren zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt und beherrschten mindestens zwei Sprachen. Sie wurden entweder vom NS-Regime durch Erpressung oder Verschleppung gezwungen, dort zu arbeiten, oder es waren professionelle Prostituierte. Hier konnten sie ihren Beruf ungestraft ausüben, obwohl Prostitution im NS-Staat offiziell verboten war. Für ein Honorar von 200 Reichsmark stellten die Mädchen im Salon Kitty ihre Liebesdienste zur Verfügung.
Zu ihren Kunden zählten Mitglieder der Führungsriege von Partei, Staat und Wehrmacht, aber auch Diplomaten oder prominente Künstler.
Der italienische Botschafter Alfieri war bei seinem Besuch von der Vornehmheit überrascht. Der Salon Kitty war stets gut besucht. Allein 1940 sollen 10.000 Kunden, das waren im Durchschnitt dreißig am Tag, die Dienste der Mädchen in Anspruch genommen haben. Unter ihnen befanden sich angeblich der italienische Außenminister Graf Ciano oder auch Hans Albers, wie Guido Knopp in seinem Buch »Die SS« schreibt. Die Pensionswirtin Kitty hatte häufig die delikate Aufgabe, dafür zu sorgen, dass bestimmte Gäste sich in ihren 11 Zimmern möglichst nicht begegneten. Wie man heute weiß, waren die nachrichtendienstlichen Hinweise, die sich aus der Abhöraktion ergaben, nur von geringem Wert. Das Freudenhaus war wohl mehr für die Lustbarkeit der NS-Funktionäre gedacht und die Bespitzelung der Kunden eher eine Legitimierung des eigentlichen Zwecks.
Nach dem Krieg führte Tochter Kathleen den Salon als Pension Florian weiter. Er wurde zu einem bekannten Künstlertreffpunkt. Gäste wie Erich Kästner, Julia Migenes, Ernst Stankowsky, Irene Mann, Karl-Heinz Schroth und viele andere gingen hier ein und aus. 1992 übernahm Kittys Enkel Jochen Matei die Pension.
Heute befindet sich im dritten Stock des Hauses eine Privatwohnung; die Räume im Keller werden von einer Firma für Unterwassergehäuse für Film- und Fotogeräte genutzt.

Leibnizstraße, Ecke Kurfürstendamm: Jungschwanenbrunen
auch Schwanenkükenbrunnen oder Entenkükenbrunnen
Der Brunnen wurde 1908 von August Gaul für den Garten der Villa von Max Cassirer, Kaiserallee182/183 (heute Bundesallee) geschaffen. Cassirer musste seine Villa 1938 nach der “Arisierung” seines Unternehmens- und Aktienbesitzes an das Kaiserliche Japanische Marineministerium verkaufen. Der Sockel des Brunnens blieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg in dem Garten stehen, während die bronzene Tiergruppe 1941 versteigert wurde. 1962 wurde der komplette Brunnen durch das Bezirksamt Charlottenburg an der Kreuzung Kurfürstendamm und Leibnizstraße wieder aufgestellt.

Auf dem Walter-Benjamin-Platz, Foto: KHMM

Auf dem Walter-Benjamin-Platz, Foto: KHMM

Walter-Benjamin-Platz
Der Platz wurde 1999 nach dem Philosophen und Schriftsteller Walter Benjamin benannt. Er lebte von 1892 bis 1940 und beschrieb in seinem Buch “Berliner Kindheit um 1900”, wie er im Berliner Westen, in Grunewald, Wilmersdorf und Charlottenburg aufwuchs. Eine Gedenktafel für ihn befindet sich an dem Haus Prinzregentenstr. 66, wo er von 1930 bis 1933 lebte. Auf der Flucht vor der Gestapo wählte er 1940 an der französisch-spanischen Grenze in den Pyrenäen den Freitod.

Leibniz-Kolonnaden
An der Nord- und Südseite des ehemaligen Parkplatzes bauten Hans Kollhoff und Helga Timmermann von 1998 bis 2000 zwei Wohn- und Geschäftshäuser. Das Gelände war zuvor noch nie bebaut worden. Der Entwurf löste eine heftige Diskussion aus, die den Baubeginn um mehr als zehn Jahre verzögerte. Der preußisch strenge Entwurf gewann in einem Wettbewerb unter anderem gegen Hinrich Baller, in dessen verspielt-südländischer Architektursprache sicher eine ganz andere Wirkung erzielt worden wäre. Strenge Steinfassaden in grau-grünem Granit und Säulengänge mit Art-Deco-Lampen flankieren den Platz, zwei Achtgeschosser mit einem Kindergarten auf dem Dach an den Längsseiten des 32 mal 108 Meter großen öffentlichen gepflasterten Stadtplatzes mit einer computergesteuerten Wasserfontäne und einem einzelnen Kastanienbaum. Der Baum musste durch eine Tiefgarage hindurch im Erdreich verwurzelt werden.

George-Grosz-Platz
Der Dreiecksplatz gegenüber dem Haus Cumberland wirkte mit zwei Einmündungen zur Schlüterstraße lange nur wie eine Verkehrsinsel. 1986 wurde er nach dem bedeutenden Maler, Grafiker und Satiriker George Grosz benannt.
Vattenfall hat in diesem Jahr für rund 150.000 EUR den Platz umgestaltet und dabei von 1.500 auf 2.000 qm vergrößern lassen. Die Querverbindungsstraße zwischen Kurfürstendamm und Schlüterstraße wurde geschlossen. Die Platzstruktur wurde durch diese Umgestaltung wieder erkennbar gemacht und der Aufenthaltswert erhöht.
Das Energieunternehmen Vattenfall hat auf dem Platz eine Trafostation errichtet.
Am 6. Juli dieses Jahres wurde der umgestaltete Platz gemeinsam mit der Großnichte von George Grosz, Ana Fonell, der Öffentlichkeit übergeben. Pünktlich zum Todestag des Künstlers wurde dieser mit einer Informationssäule sowie einem Bodenmosaik in Form einer Unterschrift von G. Grosz geehrt. Das Mosaik haben die Auszubildenden des Grünflächenamtes gestaltet.
Der Maler und Graphiker und bedeutende Satiriker George Grosz wurde am 26.7.1893 geboren. Er lebte von 1928 bis 1933 an der Trautenaustraße 12, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert. Er kämpfte gegen Militarismus, Obrigkeitsstaat und Untertanenmentalität. Seine Bilder wurden von den Nationalsozialisten als “entartete Kunst” verboten. Er emigrierte 1933 und wurde 1938 amerikanischer Staatsbürger. Er starb am 6. Juli 1959 bei einem Besuch in Berlin am Savignyplatz 5, wo eine Bronzetafel mit seinem Portrait an ihn erinnert.
Das Grab von George Grosz befindet sich auf dem Friedhof Heerstraße.