Thema des Monats Dezember 2014

Stadtteilbibliothek Halemweg in bezirklicher Verantwortung mit bezirklichem Personal erhalten?

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Stadtteilzentrum Thema Des Monats Dezember
Stadtteilzentrum mit Bibliothek Bild: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Stadtteilbibliothek Halemweg wurde am 18. November 1962 als erste neue Bibliothek in Charlottenburg nach dem Krieg eröffnet. 1977 bezog sie Räume im neuen Gebäude der damaligen Anna-Freud-Oberschule. Ende April 2004 eröffnete das Bürgeramt eine Außenstelle in der Bibliothek. Am 17. April 2012 wurde das Stadtteilzentrum am Halemweg 18 eröffnet. Dort stehen unter einem Dach neben der Stadtbibliothek und der Außenstelle des Bürgeramtes der Zahnärztliche und Therapeutische Dienst des Gesundheitsamtes, ein Jugendclub, die Eltern Oase im Jugendclub und ein Stadtteilbüro zur Verfügung. In der Bibliothek werden 12.000 Bücher, CDs, DVDs und Zeitschriften für Erwachsene und Kinder angeboten. Es gibt einen kostenlosen Internetzugang über W-Lan und Lesewelt Berlin e.V. veranstaltet dienstags und donnerstags von 16 bis 17 Uhr kostenlose Vorlesenachmittage für Kinder ab 4 Jahren. Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 14 bis 18 Uhr, in den Ferien Di, Fr 14 bis 18 Uhr.

CDU-Fraktion

Die Stadtteilbibliothek Halemweg ist seit Jahren das Sorgenkind der bezirklichen Bibliothek. Das Bezirksamt plant nun, diese Zweigstelle an einen freien Träger abzugeben. Da jedoch Charlottenburg-Nord über keine weitere kulturelle Einrichtung verfügt, waren und sind sich alle Fraktionen bisher einig, diesen Standort in der bisherigen Gestaltung beizubehalten. Gerade weil im Umfeld eher bildungs- und leseferne Menschen leben, ist es Aufgabe der Politik, jegliche Anstrengung zu unternehmen, um auch hier das Interesse für die Literatur und das Lesen derselben zu wecken.
Das ist sicher keine leichte Aufgabe. Umso wichtiger ist es daher, dass kompetentes Personal bereit steht, dem Unkundigen hilfreich zur Seite zu stehen. Beratung, Anleitung und Unterstützung sind gefragt. Verfügen freie Träger tatsächlich über das notwendige Personal, das sich mit studierten Bibliotheksfachkräften messen könnte?
Nichts wäre trauriger, als aus diesem Standort mit engagiertem Personal eine Wärmestube mit einigen Büchern zu machen.
Marion-Ise Halten-Bartels

SPD-Fraktion

Kiezbibliotheken sind insbesondere in den Randlagen unseres Bezirkes ein unverzichtbarer Zugang zur selbstorganisierten Wissenserweiterung. Für viele Kinder und Jugendliche sind sie auch der einzige, weil niedrigschwellige Zugang zu Büchern. Ihnen diesen Zugang dauerhaft gerade im Charlottenburger Norden zu sichern, sollte unser aller Anliegen und Aufgabe sein. Wir sollen und müssen unsere Kinder stärker an das Lesen heranführen und ihnen den Spaß erlebbar machen, den der Zugang und die Nutzung dieses großen Angebotes an Büchern in unserer Bibliothek vermitteln. Die Bibliothek kann aber nur zum Alltag werden, wenn sie fußläufig zu erreichen ist und keine großen Wege auf sich genommen werden müssen. Die Schließung der Bibliothek am Halemweg ist wegen der kulturellen Unterversorgung des Charlottenburger Nordens nicht hinnehmbar! Die SPD-Fraktion wird alles tun, damit dieser Bibliothekstandort auch weiter, mit Fachpersonal des Bezirksamtes betrieben, bestehen bleibt.
Wolfgang Tillinger

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

96 Prozent der BerlinerInnen haben Ja zu den Öffentlichen Bibliotheken gesagt. Sie halten die Öffentlichen Bibliotheken und ihren Bildungsauftrag für eine Daseinsvorsorge, zeigte das repräsentative Nutzungsmonitoring im August. Kultur und Bildung stellen eindeutig einen Bedarf der Stadtbevölkerung dar. Aufgabe der Bezirke ist und bleibt es, diesem Anspruch gerecht zu werden. Das heißt auch, einen Standort, der gerade nicht mit Ausleihzahlen punktet, nicht aus finanziellen Motiven abzustoßen und damit faktisch abzuschaffen. Denn das lässt hier eine Übertragung auf einen freien Träger befürchten. Angemessener wäre es, wenn das Bezirksamt ein zukunftsweisendes Bibliothekskonzept vorlegt, das die bezirklichen Bibliotheken als Kulturstandorte dauerhaft im Bezirk verankert und schwächere Standorte stärkt.
Dr. Zitha Poethe

Piraten-Fraktion

Bibliotheksschließungen, Kündigung von Künstlerateliers, Musikschulräumen und Arbeitsplätzen für ehrenamtliche Computerkurse – alles Themen, die uns im Kulturausschuss seit 2 Jahren bewegt haben.
Kultur und Bildung wohnortnah, wie von den Piraten gewünscht, können nach der Logik des bundesweit geltenden “Sparkurses” wegfallen. Bisher ist es gelungen, Ersatzräume für Künstler und Musikschulräume bei uns zu erhalten.
Aktuell sind die dezentralen Bezirksbibliotheken gefährdet. Personal wird in dramatischem Ausmaß abgebaut. Am Halemweg wird ein neues Stadteilzentrum unter Leitung eines “freien Trägers” geplant, die dortige Bibliothek hat die bezirksweit schlechtesten Besuchszahlen, Weiterbetrieb ungewiss.
Der Kulturausschuss hat beschlossen, ein Zeichen zu setzen, und will die Halemweg-Bibliothek unter bezirklicher Regie weiterentwickeln. Das Bezirksamt ist gebeten, alle rechtlichen und organisatorischen Möglichkeiten auszuloten.
Gerlinde Behrendt

Die Linke

Island ist zwar größer als Charlottenburg-Wilmersdorf, hat aber ungefähr gleich viele Einwohner und Einwohnerinnen. Und: in jedem seiner rund 40 Bezirke mindestens eine öffentliche Bibliothek! Davon sind wir im Bezirk weit entfernt. Auf jeden Fall gilt es aber, jede unserer Büchereien zu erhalten. Sie sind unverzichtbare Orte der Begegnung und Bildung. Der Nutzen von beidem lässt sich in einfachen Zahlen überhaupt nicht ausdrücken.
Zu einer hochwertigen Bibliothek gehört neben ausgebildetem Personal auch ein breites Spektrum an Medien von guter Qualität. Diese Anforderung kann der Bezirk gewiss eher gewährleisten als private Träger, auch dass sich auf den Regalen weder wissenschaftlicher Humbug noch andere inhaltlich fragwürdige Literatur unkommentiert findet. Denn dann hätten wir mit Sicherheit wieder einmal an der falschen Stelle gespart.
Übrigens: in Rejkjavik gibt es seit 1974 sogar eine spezielle Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte.
Marlene Cieschinger