Thema des Monats Dezember 2008

Was kann ein "Klimabüro" leisten?

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

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Beratung Bild: Stadt Ravensburg

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat in der BVV den Antrag gestellt, mit Mitteln der Arbeitsmarktförderung ein Klimabüro einzurichten, das Bürgerinnen und Bürger in Energiefragen berät. Der Antrag wird im Haushaltsausschuss, im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeit und im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Lokale Agenda 21 diskutiert.

SPD-Fraktion

Die Energieverschwendung im Wohn- und Gewerbebereich ist erschreckend hoch. Oft ist Unkenntnis über die Quellen des Energieverbrauchs hierfür die Ursache. Seine Heizung hat jeder Mieter selbst unter Kontrolle. Ohne frieren zu müssen, kann hier gerade in Zeiten hoher Energiepreise schnell und wirksam bares Geld gespart werden. Und die Umwelt dankt´s. Oft sind die Gründe aber nicht so offensichtlich. Klima-Experten finden jedoch die Quellen der Verschwendung, wo man sie selbst nicht vermutet. Deshalb sollte die Beratung in erster Linie in den eigenen vier Wänden stattfinden.
Doch auch Hauseigentümer brauchen Beratung. Schlechte Isolierungen und veraltete Heizungen etwa machen dem Sparen schnell ein Ende. Oft sind Fördergelder zum Umrüsten vorhanden, nur das Wissen darüber nicht. Genau hier muss eine Beratung ansetzen. Und hier muss als Ersatz alter Anlagen auch der Einsatz regenerativer Energien geprüft werden. Das Klimabüro kann aus Sicht der SPD-Fraktion ein Plus für Umwelt und Haushaltskasse sein – bei richtiger Umsetzung.
Marescha Rufert

CDU-Fraktion

Die erwarteten Leistungen eines sogenannten “Klimabüros” werden im wesentlichen bereits von der “Stiftung Warentest” sowie “Vattenfall” angeboten. Darüber hinaus bietet das Bezirksamt in der von CDU-Stadtrat Krüger geführten Abteilung in Zusammenarbeit mit einem freien Träger immer wieder kostenlose Beratungswochen zu klimarelevanten Themen für die Bürger an.
Ob der personelle Aufwand für solch ein Büro tatsächlich wie im Bezirk Lichtenberg ohne Belastung für den Bezirkshaushalt bewältigt werden kann, ist erst noch zu prüfen.
Insofern sieht die CDU-Fraktion die Eröffnung eines “Klimabüros” kritisch. Sollte das Vorhaben mit rot/grüner Mehrheit dennoch durchgesetzt werden, ist zu hoffen, dass dieses zunächst als Pilotprojekt für ein Jahr beobachtet wird, bevor über einen dauerhaften Betrieb des Büros entschieden wird.
Für die nachhaltige Bewusstseinsveränderung bei den Bürgern fordert die CDU-Fraktion besser spektakuläre bauliche Vorzeigeprojekte in unserem Bezirk wie hoffentlich bald das erste klimaneutrale Büro- oder Wohnhaus, das auch von Touristen besichtigt würde.
Dr. Jürgen Lautsch

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Der Energiebedarf der privaten Haushalte ist einer der größten Klimakiller, solange vor allem fossile Energieträger für unsere Wärme und den Strom verwendet werden. Bei steigenden Energiepreisen wirkt sich der Verbrauch immer mehr auch auf die Finanzen aus. Allerdings bestehen gerade in den Haushalten erhebliche Einsparpotentiale. Ob es um die Ventileinstellungen der Heizungsanlage, den Stand-by-Betrieb von Geräten oder den Wasserboiler der Küchenspüle geht – Energieeinsparungen sind mit einfachen Mitteln möglich. Auch das Ernährungsverhalten kann zum Klimaschutz beitragen, zum Beispiel bei der Frage nach der Kiwi aus Neuseeland oder dem Apfel aus Brandenburg. Und fast immer bedeutet der Blick auf den CO2-Ausstoß auch finanzielle Einsparungen beim Verbraucher. Um alle Möglichkeiten kompetent zu kommunizieren und ein niedrigschwelliges Angebot für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen anzubieten, haben die Grünen im Bezirk beantragt, ein Klimabüro einzurichten. Dort können sich Kundinnen und Kunden beraten lassen und direkt und schnell aktiven Klimaschutz betreiben – zum eigenen Nutzen genauso wie für die Allgemeinheit.
Nicole Ludwig

FDP-Fraktion

Wünschenswert wäre sie schon, die fachkundige Beratung in Energiefragen. Hierbei könnte die Beratung zur Heizenergie im Vordergrund stehen, weil dort die größten Einsparmöglichkeiten liegen. Für Mieter und Hausbesitzer wäre es bequem, wenn eine Stelle vor Ort die baulichen Gegebenheiten prüft, bewertet und anschließend sachkundige Hinweise gibt, mit welchen Maßnahmen eine Verminderung des Energiebedarfs erzielt werden kann. Gleichzeitig wäre für Hausbesitzer und Wohnungseigner Hilfestellung bei der Beantragung von Fördermaßnahmen und Steuervergünstigungen vorteilhaft.
Aber solch eine Heinzelmännchenbehörde wird wohl ein Wunschtraum bleiben. Denn für eine fachgerechte Beratung wäre eine hochqualifizierte Mannschaft von Bauingenieuren, Finanzberatern und Steuerspezialisten erforderlich, die wir uns nicht leisten können. Der Einsatz von angelernten Laien wäre dagegen unverantwortlich, weil dann auf den Bezirk Haftungsrisiken ungeahnten Ausmaßes zukämen.
Uwe Braun

Die Linke

So, so – ein Klimabüro!
Klimagerechtes Verhalten ist nicht nur abhängig vom unmittelbaren Energieverbrauch, sondern von der Energiebilanz, also auch vom Einsatz von Energie – und damit der Entstehung von klimaschädlichen Emissionen – bei Herstellung und Entsorgung von Gütern sowie der Energieeffizienz von Verfahren aller Art, z.B. dem “Verfahren” des Heizens. In der Tat eine unübersichtliche Angelegenheit, die einiges Fachwissen erfordert, und deshalb nicht von jedem Bürger in jedem Fall gemeistert werden kann.
Insofern ist eine Einrichtung zur Beratung sicher sinnvoll, aber auch nicht neu – verschiedene Organisationen machen bereits entsprechende Angebote. Sinnvoll kann ein Klimabüro des Bezirkes nur sein, wenn es sich in kleine “Klima-Bürochen” aufteilt, die unmittelbar in den Kiezen angesiedelt und damit in das gesellschaftliche Leben vor Ort eingebunden sind. Eine zentrale Stelle im Bezirksamt sollte eher die Aufgaben der Qualitätssicherung und der Weiterbildung übernehmen.
Hans-Ulrich Riedel