Thema des Monats Januar 2011

Wie grün wird der Hardenbergplatz?

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Link zu: Hardenbergplatz, 10.12.2010, Foto: KHMM
Hardenbergplatz, 10.12.2010, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Im Zuge der Neu- und Umbaumaßnahmen in der City West rund um den Bahnhof Zoologischer Garten soll auch der Hardenbergplatz umgestaltet werden. Nach bisherigen Überlegungen sollen die Parkplätze in eine Tiefgarage unter die Erde verlagert und die Bushaltestellen zumindest teilweise in die Jebensstraße hinter das Bahnhofsgebäude verlegt werden. Aber die Planungen sind noch nicht abgeschlossen.

SPD-Fraktion

Der Bezirk will den Hardenbergplatz zu einem Platz mit hoher Aufenthaltsqualität entwickeln, als Eingangstor zur City-West und als angemessenes Entrée für den Zoo. Dieses Anliegen wird seitens der SPD aktiv begleitet. Ein richtiger Bürgerplatz setzt voraus, dass die Parkplätze, die sich derzeit auf dem Platz befinden, endlich unter die Erde verschwinden. Hierzu werden wir ein Verfahren durchführen, um einen Investor zu finden, der diese Tiefgarage baut und betreibt. Dabei wird es darauf ankommen, welchen Nutzungszins der Bezirk dafür vereinnahmt. Denn nur daraus kann die Gestaltung des Platzes finanziert werden. Und wenn wir wissen, welche Mittel dafür zur Verfügung stehen, werden wir ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept entwickeln.
Fabian Schmitz-Grethlein

CDU-Fraktion

Wer hat es nicht mit Freude vernommen, dass rund um den Hardenbergplatz endlich gebaut wird. In der City-West werden in den kommenden Monaten einige der spektakulärsten und ehrgeizigsten Bauvorhaben realisiert werden. Also ist es auch endlich an der Zeit, finden wir als CDU-Fraktion, die Verkehrsströme auf dem Hardenbergplatz neu und zeitgemäß zu ordnen sowie den Platz in seiner Gestaltung den heutigen Anforderungen anzupassen. Dazu gehört in jedem Fall der Bau einer Tiefgarage, um die heute oberirdisch parkenden Autos optisch verschwinden zu lassen. Dazu gehört in jedem Fall auch eine völlig neue Anordnung der Verkehre (BVG, Taxis, Reisebusse und Individualverkehr), um auch der gegenwärtig stark vernachlässigten Jebensstraße neues Leben einzuhauchen. Die CDU-Fraktion setzt sich dafür ein, dass unter Berücksichtigung der erforderlichen Funktionalität und einer neu zu schaffenden zeitgemäßen Eleganz am Ende ein Hardenbergplatz entstehen muss, der den neuen Anrainern aber auch dem täglichen Nutzer des Platzes gerecht wird.
Bodo Schmitt

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Ein Komplettumbau des Hardenbergplatzes für 5-7 Millionen Euro ist angesichts der Finanzsituation Berlins und der vielen Löcher in den Straßen oder im Jugendetat im Bezirk nicht zu rechtfertigen, selbst wenn ein Tiefgarageninvestor einen kleinen Teil dieser Kosten trägt. Ja, auch die Grünen sind für eine Umgestaltung des Platzes, für mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität für Fußgänger, eine bessere Anbindung auch für RadfahrerInnen an den Tiergarten, doch dafür muss nicht alles auf den Kopf gestellt werden. Der Bahnhofsvorplatz bleibt Verkehrsknoten von Bahn – hoffentlich auch mal wieder Fernbahn -, Bussen, Taxen, Fahrrädern und Pkw. Eine Reduzierung des parkenden Blechs ja, doch nicht durch eine neue Tiefgarage, wo in der Umgebung bereits viele fast leer stehen.
Wer Bezirk & Land voran bringen will, der muss Stadtentwicklung und einen verantwortlichen Umgang mit den Finanzen zusammenbringen: Weniger ist mehr – der kleine Umbau ist möglich!
Dr. Bert Lehmann

FDP-Fraktion

Wie viel Grün auf den Platz nach seiner Umgestaltung kommt, hängt maßgeblich von den Grünen ab. Für die FDP-Fraktion ist unbestritten, dass die City-West weiterhin erreichbar bleiben muss, auch für den Individualverkehr. Dazu bedarf es einer ausreichenden Anzahl von Parkplätzen. Diese sollen in einer Tiefgarage unter dem Hardenbergplatz entstehen. Nach Vorstellung der FDP kann dies gut im Rahmen von public private partnership geschehen, so dass weder der Bau der Tiefgarage noch die Neugestaltung und Begrünung des Platzes Steuergelder kosten. Leider will Bündnis 90/Die Grünen die Anzahl der Stellplätze so gering halten, dass sich das Projekt für Investoren nicht lohnt. Damit wäre dann auch kein Geld für eine Platzbegrünung vorhanden, denn die öffentliche Hand kann eine adäquate Umgestaltung nicht finanzieren. Wenn die Grünen ihre verkehrserzieherische und autofeindliche Haltung nicht aufgeben, dann wird der Platz auch nicht grün.
Florian P. Block

Fraktion Die Linke

Dieses Thema ist ein Lehrstück kleinbürgerlichen Politikverständnisses. Keiner hat einen konkreten Plan, noch gibt es konkrete Vorschläge, wie einer der wichtigsten Plätze zukünftig gestaltet werden soll. Aber jeder scheint zu wissen, was er dort haben oder eben nicht haben will. Das alles wird mit vorauseilender Aufgeregtheit vorgetragen, wissend, dass alle so scheinbar sachlichen Argumente keine konkrete Basis haben. Der Platz muss neu gestaltet werden und in seiner Nutzung Änderungen erfahren, das wissen wir alle. Nur so kann er seiner exorbitanten Lage -Zoo, Fern-Bahnhof? Personennahverkehrsknotenpunkt und der neugestalteten Umgebung (Bikini-Haus, Hochhaus des Waldorf-Astoria) -zukünftig gerecht werden. Wer schon am Anfang das Vorhaben mit Parteifarben sieht, liegt falsch. Nicht nur die Parteien, die Anwohner und Bürger müssen in die Gestaltung eingebunden werden. Damit der Platz nicht grün, schwarz, blau-gelb oder rot, sondern so bunt wie unser Bezirk wird. Er muss uns allen nutzen und Aufenthaltsqualität haben.
Wolfgang Tillinger