Thema des Monats Juni 2011

Zukunft des Bundesplatzes

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Link zu: Bundesplatz, Südspitze mit Phönix, 9.7.2006, Foto: KHMM
Bundesplatz, Südspitze mit Phönix, 9.7.2006, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

1909 wurde der damalige Kaiserplatz als schöner Schmuckplatz mit Springbrunnen, Mittelrondell und Zierbeeten angelegt. 1950 wurde er umbenannt in Bundesplatz und 1967/68 im Zuge der Untertunnelung längs geteilt und neu gestaltet. Dadurch verlor er seine Aufenthaltsqualität. Die Initiative Bundesplatz hat gemeinsam mit der Bauhaus-Universität Weimar unter Federführung des Stadtplaners und Architekten Prof. Wolfgang Christ und Prof. Harald Bodenschatz von der Technischen Universität Berlin Vorschläge zur Neugestaltung des Platzes gemacht, die auch eine Schließung des Tunnels vorsehen. Die Entwürfe wurden im Mai im Amerika-Haus ausgestellt.

SPD-Fraktion

Im U-Bahnhof erinnern alte Fotos an den ehemaligen Kaiserplatz. Eine grüne Oase inmitten von Prachtbauten. Mehr noch als der II. Weltkrieg hat jedoch der stadtplanerische Wahnsinn der 50er und 60er Jahre den heutigen Bundesplatz zerstört, als man dem Ideal einer „autogerechten Stadt“ hinterher baute. Die damals in die Stadt geschlagenen Wunden zu heilen, wird noch sehr lange dauern. Dass es jedoch möglich ist, beweist die aktuelle, von der „Initiative Bundesplatz“ organisierte Ausstellung zur möglichen städtebaulichen Zukunft des Bundesplatzes im Amerika Haus eindrucksvoll. Kurzfristig könnten Lärmschutzwände an der Stadtautobahn und eine Verlängerung der Decke des Autotunnels, verbunden mit einer Platzneugestaltung, für mehr Lebensqualität am Bundesplatz und seiner Umgebung sorgen.
Kai Lobo

CDU-Fraktion

Stadtentwicklung ‚von unten‘ braucht einen langen Atem und den Mut zur Vision. Beides beweist eine engagierte Anwohnerschaft rund um den Bundesplatz. Gemeinsam mit der Bauhaus-Universität Weimar wurden zukunftsweisende Modelle für den Platz entwickelt und ausgestellt. Unter reger Bürgerbeteiligung entstehen Handlungsempfehlungen, um die Lebens- und Aufenthaltsqualität rund um den Platz zu steigern. Demnächst wird die Politik sich mit den Ergebnissen befassen. Wir setzen uns dafür ein, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen schnellstmöglich einzuleiten. Wir hoffen auf Impulse von einer Internationalen Bauausstellung (IBA) Berlin 2020. Der künftige Senat muss sich für eine IBA in Berlin und für die Aufnahme des Bundesplatzes in das Konzept entscheiden. Der Platz hat eine bessere Zukunft verdient. Der Grundstein dafür ist gelegt. Dafür sagen wir den Anwohnern Dank.
Stefan Evers

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Als südliches Tor in den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf braucht der Bundesplatz mehr Qualität. Die ehemals stattliche, gründerzeitlich geprägte Platzfläche ist seit den “autogerechten” 1960er Jahren seiner repräsentativen Funktion beraubt. Hier beginnt und endet der Autotunnel, der Platz verschwindet unter den Verkehrstrassen. Entsprechend ist die Südseite eher ein Verkehrsknoten mit Lärm und Abgasen statt ein Platz der Erholung. Dem Ziel eines lebenswerten Kiezes wird dieser Ort so nicht gerecht. Die Aufenthaltsqualität des Bundesplatzes wieder herzustellen ist zentrale Aufgabe einer Stadtreparatur. Daher begrüßen die Grünen die Ideen aus der “Initiative Bundesplatz”, den Platz zu gestalten und wieder für die Menschen zu gewinnen. Dazu mit studentisch-künstlerischer Unterstützung eine “Charette” (Bürgerbeteiligung nach amerikanischem Vorbild) durchzuführen ist ebenso mutig wie wegweisend.
Sibylle Centgraf, Alexander Kaas Elias

FDP-Fraktion

Die Zukunft des Bundesplatzes liegt in der Vergangenheit. Einst gab es ein stattliches Ensemble. Ein grüner Platz, umgeben von Wohnhäusern. Es muss eine Lust gewesen sein, hier zu wohnen. In der Nachkriegszeit wurde dieser Juwel umgebaut. Ein Tunnel wurde geschaffen, die Wohnhäuser als Randerscheinungen behandelt, Beton verbaut. Der Rest sollte der neue Bundesplatz sein. Man hielt das für modern. Der Ort wurde anonymisiert. Da sich niemand verantwortlich fühlte, vergammelte der Platz. Nun haben sich Bürger zusammengefunden, welche die Sache nicht weiter treiben lassen. Es wird schwer werden, die alte Schönheit wieder herzustellen. Die öffentliche Hand hat zu wenig Geld. Aber die Rennstrecke muss nicht sein. Vorrang gebührt den Anwohnern. Ihnen sollte die Möglichkeit gegeben werden, sich „ihren“ Platz zu erobern. Dabei könnte man den Rüdesheimer Platz zum Maßstab machen. Nicht alle Schönheiten Wilmersdorfs sind in der Nachkriegszeit zerstört worden.
Jürgen Dittberner

Fraktion Die Linke

Die Zukunft setzt den Konsens zwischen Bürgerinitiative, Anwohnern und Politik über eine Planungsvariante voraus. Danach muss über die Finanzierung nachgedacht werden und nach EU- oder Bundesfördermitteln gesucht werden. Nur bei erfolgreicher Beantragung solcher Mittel ist die Neugestaltung nicht gefährdet! Der laufende und der anstehende Haushalt für die Jahre 2012/13 wird dafür kein Geld beinhalten. Es sei denn, das Bezirksamt verlangt zusätzliche 50 Millionen Euro und setzt diese beim Senat auch durch! Wir wollen auf keinen Fall, dass die überfälligen Renovierungen und Sanierungen an Schulen und Spielplätzen und vielem mehr unter dieser Neugestaltung leiden. Vielleicht denken die Betroffenen auch einmal genauer über die Verteilung der Gelder durch den Bund an die Länder nach. Solange dort die größte Steuerlast den Monatseinkommen zwischen 1700 Euro und 5700 Euro aufgebürdet wird und der Rest von der Steuerlast fast befreit ist, kann es kein Auskommen für die Kommunen geben.
Wolfgang Tillinger