Thema des Monats April 2014

Partnerschaften als Brücken der Verständigung

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Partnerschaftsbaum, 14.9.2013, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Als 2001 aus den beiden Bezirken Charlottenburg und Wilmersdorf ein neuer Bezirk entstand, übernahm Charlottenburg-Wilmersdorf die 13 internationalen und 8 deutschen Partnerschaften der beiden früheren Bezirke. Es kümmern sich weiterhin zwei Vereine um die jeweiligen Partnerschaften. Wer sich aktiv beteiligen will, findet Informationen und Kontaktdaten im Internet unter www.partnerschaftsverein-charlottenburg.de und www.partnerwi.charlottenburg-wilmersdorf.de oder telefonisch unter 9029-12500 (Charlottenburg) oder 9029-15698 (Wilmersdorf).

CDU-Fraktion

Die 2001 zusammengeführten Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf verfügten jeweils über einen überparteilichen Städtepartnerschaftsverein. Beide sind auch 2014 weiterhin getrennt ehrenamtlich tätig. Zweck und Ziel der partnerschaftlichen Aktivitäten ist die zwischenmenschliche Begegnung.
Nach den Wunden, die die Zeit des Nationalsozialismus geschlagen hatte, sollten Partnerschaften dazu beitragen, diese zu heilen. So grenzt es an ein kleines Wunder, dass es gelang, zwei Partnerschaften in Israel aufzubauen.
Die immer wieder interessanten Gespräche über alles, was bei den Partnern aktuell und berichtenswert ist, und die regelmäßigen Reisen hin und her zeigen, wie wichtig friedliche und freundschaftliche Begegnungen in Europa sind. Dies besonders zu einer Zeit, wo an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erinnert wird.
Auch die Kontakte gen Osten runden diese zwischenmenschlichen Bemühungen für ein Europa der Begegnungen und ohne Grenzen und Vorurteile ab.
Marion Halten-Bartels

SPD-Fraktion

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf pflegt mit vielen Städten und Gemeinden in Deutschland, Europa und Asien partnerschaftliche Verbindungen. Wie wichtig uns diese Verbindungen sind, zeigen die regelmäßigen Kontakte mit den Partnerstädten, bei denen auch ein intensiver Austausch über die kommunalpolitische Arbeit der jeweiligen Gemeinden stattfindet.
Besonders hervorzuheben ist auch die wechselnde Teilnahme unsere Partnerstädte und die Präsentation der Partnerschaftsvereine des Bezirks beim jährlichen Fest der Nationen. In diesem Frühjahr reiste eine größere Delegation des Bezirks anlässlich des 50. Gründungsjubiläums der Stadt nach Karmiel in Israel. Der Gegenbesuch zum 25jährigen Bestehen der Partnerschaft erfolgt im kommenden Jahr. Diese Partnerschaft ist besonders wertvoll, denn sie zeigt uns, dass es trotz aller politischen Schwierigkeiten gelungen ist, eine Brücke der Verständigung aufzubauen.
Die SPD-Fraktion möchte gerne eine weitere Brücke bauen und strebt daher eine Kontaktaufnahme mit einer Gemeinde in der Türkei an.
Wir möchten nicht unerwähnt lassen, dass unsere Gedanken aktuell in unserem Partnerbezirk Kiew-Petschersk sind.
Annegret Hansen

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Die Städtepartnerschaften sind ein Grundpfeiler der „kommunalen Außenpolitik“. Sie sollten daher nicht nur auf der administrativen Ebene laufen, sondern sie sollten in den Zivilgesellschaften münden. Denn wenn die Menschen ihre Probleme und Ideen austauschen können, kommen sie sich näher und finden gemeinsam mögliche neue Lösungen. Daher ist es entscheidend, dass die Städtepartnerschaften aus der Gesellschaft wachsen und von den Gesellschaften vor Ort mitgetragen werden. Den Partnerschaftsvereinen kommt dabei die Rolle zu, die Städtepartnerschaften mitzugestalten. Gerade in diesen Tagen wollen wir das Augenmerk auf die Partnerschaft von Charlottenburg-Wilmersdorf mit Kiew-Petschersk lenken. Viele Menschen in der Ukraine sind in Sorge um die Zukunft ihres Landes. Diesen wollen wir unsere Solidarität ausdrücken und sie dabei unterstützen, an einer hoffentlich friedlichen Zukunft ihres Landes zu wirken.
Alexander Kaas Elias

Piraten-Fraktion

Während ich das schreibe, startet in Tegel die Maschine mit dem Bürgermeister, Stadträtinnen und Vertreter_innen der Fraktionen in der BVV zur Reise in die Partnerstädte Or Yehuda (אור יהודה) und Karmiel (כרמיאל).
Der Austausch zwischen den jeweiligen politischen Gremien ist sicher wichtig. Wichtiger wäre ein Austausch zwischen den Bewohner_innen der Partnerstädte. Im Veranstaltungskalender der Stadt Or Yehuda (Google-Übersetzung: http://iPir.at/12pd5 ) findet sich aber heute kein Eintrag über eine Veranstaltung, bei der unsere politische Delegation vertreten ist.
Städtepartnerschaften, gerade auch internationale, sind im besten Sinne Brücken der Verständigung. Sie aber nur als Vorzeigeobjekte zu behandeln, wird der Sache nicht gerecht. Der Bezirk hat leider viel zu wenig Mittel, um die Partnerschaften mit den derzeit 13 Partnerstädten außerhalb Deutschlands angemessen zu pflegen. Mehr Partnerschaften wären wünschenswert, sind jedoch – so traurig das ist – nicht bezahlbar.
Siegfried Schlosser

Die Linke

Partnerschaften entstehen manchmal „auf den ersten Blick“. Um lang anhaltend und harmonisch zu bleiben, erfordern sie allerdings ein ordentliches Maß an Pflege. Das bestätigt jede Familienberatung.
Die Berliner Bezirke erfreuen sich einer großen Zahl von Partnerschaften – mit anderen Städten und Landkreisen. Während Pankow mit zwei Partnerinnen recht bescheiden lebt, bilden Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf mit jeweils 21 Städtepartnerschaften das Spitzenduo, wobei unser Bezirk bei den internationalen Verbindungen – 13, zwei davon in Israel, der Rest in Europa – führend ist. Was uns, gerade als erster Fair Trade Town Berlins, hier fehlte, wäre eine Partnerschaft im globalen Süden und kommunale Entwicklungspolitik.
Partnerinnen auf dem Papier bedeuten jedoch noch keine Verständigung. Wenn die Mittel zu Begegnung und Austausch fehlen, wird es schwierig. Schon unsere Großeltern wussten, dass gegenseitiges Anschweigen auf Dauer zum traurigen Ende jeder Beziehung führt.
Marlene Cieschinger