Thema des Monats Mai 2014

Shopping im ICC?

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

ICC und Funkturm von der Kurfürstendammbrücke aus gesehen, 7.4.2013, Foto: Raimund Müller
ICC und Funkturm von der Kurfürstendammbrücke aus gesehen, 7.4.2013, Foto: Raimund Müller Bild: Raimund Müller

Nach der vorerst letzten Veranstaltung im Internationalen Congress Zentrum, der Daimler-Hauptversammlung am 9.4.2014, wurde das ICC geschlossen. Über die künftige Nutzung hat der Senat noch nicht entschieden. Die jährlichen Kosten für das stillgelegte ICC liegen zwischen 2,5 und 4 Millionen Euro. Die BVV hat in ihrer Sitzung am 10. April unter der Überschrift “Kein Shopping-Center im ICC” beschlossen: “Das Bezirksamt wird aufgefordert, sich bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft dafür einzusetzen, dass bei der Konzeption der künftigen Nutzung des Internationalen Congress Centrums (ICC) großflächiger Einzelhandel ausgeschlossen wird. Stattdessen ist eine möglichst vielseitige Nutzung anzustreben, die einen umfassenden Tagungsbetrieb gegebenenfalls mit Übernachtungsmöglichkeiten auch für Großkongresse ermöglicht.”

CDU-Fraktion

Das ICC wurde vor fast genau 35 Jahren als Kongress- und Messegebäude errichtet. Dieses sollte es aus Sicht der CDU-Fraktion in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf auch bleiben. Im ICC großflächigen Einzelhandel mit einer Verkaufsfläche von 50.000 qm unterzubringen, ist nicht der richtige Weg. Die dadurch entstehenden Auswirkungen für die sich in der Nähe befindlichen Geschäftsstraßen (Reichsstraße und Wilmersdorfer Straße) wären verheerend. Die seit über zehn Jahren dauernden Spekulationen über die zukünftige Nutzung des ICC müssen endlich ein Ende finden. Aus Sicht der CDU-Fraktion muss daher so schnell wie möglich eine seriöse Kostenschätzung für die Sanierung des ICC auf den Tisch. Im Anschluss an eine erfolgte Sanierung sollte der Senat die Messe Berlin dazu verpflichten, das ICC als Messe und Kongressstandort weiterzubetreiben. Die CDU-Fraktion könnte sich allerdings vorstellen, in einem Teil des Gebäudes ein Hotel mit Gastronomie und einem kleinen(!) Einzelhandelsbereich unterzubringen.
Stefan Häntsch

SPD-Fraktion

Für das marode ICC hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft Pläne, dieses in eine Shopping-Mall umzubauen. Die Kosten für die Sanierung müsste nicht mehr alleine das Land Berlin zahlen, sondern private Investoren. Die SPD-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf lehnt diesen Vorschlag mit aller Entschiedenheit ab! Ein Einkaufscenter in dieser Größenordnung würde die gewachsenen Einzelhandelsstrukturen im Bezirk zerstören! Kaiserdamm, Kantstraße, Reichsstraße und Wilmersdorfer Straße würden daran kranken. Wir hätten eine funktionierende Shopping-Mall im ICC und leere Geschäfte in der Umgebung. Dies wollen wir nicht! Hier fordern wir die Senatsverwaltung für Wirtschaft auf, andere Konzepte zu entwickeln und das ICC mit umfassender Kongressnutzung in einem Gesamtkonzept vom Bahnhof Grunewald, über die Avus-Nordkurve bis hin zum Busbahnhof zu sehen.
Heike Schmitt-Schmelz

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Laut der Senatsverwaltung für Wirtschaft soll im ICC ein neues Einkaufszentrum mit über 45.000 qm Verkaufsfläche entstehen. Berlin ist schon jetzt mit Shopping-Zentren überversorgt. Die Planungen gefährden bestehende Einkaufsstraßen mit wohnortnahen Ladengeschäften wie an der Reichsstraße, dem Kaiserdamm, der Kant-, der Westfälischen und der Wilmersdorfer Straße. Auch der Kurfürstendamm als Einkaufs- und Flaniermeile würde Schaden nehmen. Das Land Berlin als Eigentümerin des ICC kann und muss einem Investor eindeutige Vorgaben machen. Mehr Ideen sind hier gefragt als das Immergleiche. Ein neues Betreibermodell muss städtebaulich verträglich sein und eine vielseitige Nutzung anstreben. Das ICC muss auch weiterhin überwiegend Kongresszentrum sein. Mit dem City Cube allein können große Kongresse nicht dauerhaft in Berlin gehalten werden. Das Tagungsgeschäft ist enorm wichtig und eine unverzichtbare Einnahmequelle für unsere Stadt. Machen wir aus dem ICC kein beliebiges Allerlei, sondern wieder etwas Originelles und Besonderes, einen erneuerten Anziehungspunkt für den Bezirk und die ganze Stadt.
Dagmar Kempf

Piraten-Fraktion

Unser Bezirk braucht – und da sind wir Piraten ganz auf der Linie der Zählgemeinschaft – kein weiteres Shopping Center. Kurfürstendamm, Reichsstraße, Wilmersdorfer Straße, Kaiserdamm und Westfälische Straße; alle sind nur einen Katzensprung vom ICC entfernt. In Charlottenburg-Wilmersdorf existiert damit eine sehr gute Versorgung für Einkaufsbedürfnisse jeglicher Art. Ein Shopping Center im ICC bietet daher nicht nur keinen großen Zugewinn für Konsumenten, sondern ist eine Gefahr für insbesondere kleine Geschäfte in funktionierenden Kiezen.
Das ICC wurde als Kongress-Zentrum konzipiert und hat in aller Welt einen sehr guten Ruf Trotz der Kritiken an der Raumaufteilung mit sehr großem “Verkehrsflächen”-Anteil. Gerade diese Flächen gilt es, sinnvoll zu nutzen.
Auf jeden Fall muss die Skulptur Ecbatane – der Mensch baut seine Stadt wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. (mehr auf http://sigi.berlin/?p=815)
Siegfried Schlosser

Die Linke

Einkaufszentren gibt es inzwischen viele in unserer Stadt, und nicht alle sind gleichermaßen darüber begeistert. Oft sind sie nicht besonders schön anzusehen, und ihr Angebot ist austauschbar. Kleinere Geschäfte, die teilweise Jahrzehnte lang bestanden, fürchten die Konkurrenz. Und für immer mehr Menschen, die mit immer weniger Geld auskommen müssen, sind sie uninteressant.
Das ICC ist seit 35 Jahren ein weltweit bekanntes und wiederholt ausgezeichnetes Kongresszentrum und steht in jedem Reiseführer. So etwas würdigt man nicht zu einem weiteren Konsumtempel herab. Im Bezirk fehlen ohnehin Flächen für Kultur, Veranstaltungen, Ausstellungen, Großkongresse – und seit Aufgabe des Rathauses Wilmersdorf nicht zuletzt die eine oder andere Verwaltung. Für ein paar spezielle Läden, Cafés und Restaurants findet sich im ICC dann gewiss auch noch Platz.
Marlene Cieschinger