Eine Stadt ehrt ihre Bürger

25 Jahre Verdienstorden des Landes Berlin

von Florian Schmidt, Senatskanzlei

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Bild: Landesarchiv Berlin, Thomas Platow

1. Oktober 2012: Verleihung des Landesordens. Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, der Berliner Sänger Frank Zander, die Schwimmerin Daniela Schulte, der Pfizer-Manager Andreas Penk, die Sozialforscherin Czarina Wilpert, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der Leichtathlet Robert Harting, der Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden, Volker Heinrich von Berlins Partnerschiff, dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“ der Bundesmarine, Eishockeyspieler Sven Felski (von links nach rechts)

„Unglücklich das Land“, heißt es etwas streng in Brechts Galilei, „das Helden nötig hat.“ Aber auch ein demokratisch verfasstes Gemeinwesen braucht Vorbilder und Auszeichnungen, um herausragende Persönlichkeiten und außergewöhnliches Engagement zu würdigen. Um es in den Worten eines der Gründerväter der Bundesrepublik zu sagen: „Ehrungen“, meinte Alt- Bundeskanzler Konrad Adenauer (ein Ehrenbürger Berlins im übrigen), „das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren liebenswürdigen Tag hat“.

In Berlin gab es eine Reihe von besonderen Formen der Ehrenbekundung. Die älteste (und sicherlich wichtigste) Auszeichnung für besondere Verdienste, die Ehrenbürgerwürde, besteht in ununterbrochener Folge seit 1808: unter den zuletzt Ausgezeichneten waren Wolf Biermann und Heinz Berggruen.

Auch Stadtälteste wurden seit den Tagen der preußischen Reformer Stein und Hardenberg ernannt: Der Titel wird an Bürgerinnen und Bürger verliehen, die sich in Wahl- oder Ehrenamt mehr als zwei Jahrzehnte um die Stadt Verdienste erworben und das 65. Lebensjahr vollendet haben. Ihre Zahl ist auf vierzig lebende Mitglieder begrenzt.

Die geteilte Stadt war sich auch in der Ordensfrage nicht einig. Während im Ostteil vom „Karl-Marx- Orden“ bis hinunter zur „Medaille für hervorragende Leistungen in der Metallurgie der Deutschen Demokratischen Republik“ eine schier unüberschaubare Anzahl von Orden und Auszeichnungen bestand, tat man sich im Westen Berlins lange schwer mit derartigen öffentlichen Belobigungen. Auf der Liste der Ehrenbürger wurden die von den Nazis Geehrten gestrichen, die Tradition der Ernennung wurde ab 1949 aber ebenso fortgesetzt wie die Institution der Stadtältesten.

Neu hinzu kam fünf Jahre später die nach dem früh verstorbenen Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter benannte Plakette, als individuelle Auszeichnung gedacht, „mit der hervorragende Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem und geistig- kulturellem Gebiet anerkannt werden sollen“. Zuletzt wurde 2009 Lech Walesa mit ihr geehrt.

Vor 25 Jahren schließlich entstand im Rahmen der Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum der Gedanke, etwas Bleibendes über den Tag hinaus ins Leben zu rufen. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen wollte mit der Stiftung des Verdienstordens des Landes Berlin eine Belobigung und Ermutigung des Bürgersinns anstoßen und einen Rahmen für das Wirken der Stadtgesellschaft schaffen. Vorbild war dabei der bayerische Verdienstorden. In der Anweisung vom 21. Juli 1987 über die Stiftung des Ordens heißt es: „Der Senat von Berlin stiftet zur Anerkennung und Würdigung hervorragender Verdienste um die Stadt den Verdienstorden des Landes Berlin.

Der Verdienstorden wird in einer Klasse verliehen und hat die Form eines weiß emaillierten, achtspitzigen Kreuzes mit rotem Rande und einem in der Mitte aufgesetzten schwarzen Bären auf silbernem Wappenschild. Er wird am rot-weißroten Bande um den Hals getragen. Anstelle des Ordenskreuzes kann eine rot-weiß-rote Rosette getragen werden.

Die Ordensträger werden alljährlich anläßlich des Jahrestages des Inkraftsetzens der Berliner Verfassung, jeweils am 1. Oktober, durch den Regierenden Bürgermeister im Rahmen eines Empfangs besonders gewürdigt.“

Am Verfassungstag 2012 hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit weitere zehn Bürgerinnen und Bürger für ihre außerordentlichen Verdienste ausgezeichnet. Unter den Geehrten waren Sportler wie der Goldmedaillengewinner im Diskuswerfen, Robert Harting, die blinde Schwimmerin Daniela Schulte, die bei den Paralympics in London Gold und Silber gewann oder der Rekordspieler der Eisbären Berlin, der Eishockeyspieler Sven Felski, aber auch Schauspieler, Sänger wie Max Raabe oder Frank Zander oder eine Bürgerin wie Bianca Klose, die mit großem Engagement den Rechtsextremismus bekämpft. Insgesamt wurden damit in den letzten 25 Jahren 362 Personen mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. Eine illustre Liste bekannter und unbekannter Namen, allesamt Personen, die sich in besonderer Weise um die deutsche Hauptstadt verdient gemacht haben.


Weitere Informationen zu Auszeichnungen und Ehrungen des Landes Berlin finden Sie im Internet unter www.berlin.de/rbmskzl/ehrungen