Ein Stadtabenteuer in luftiger Höhe

Der Schöneberger Gasometer: Mutige Aufsteiger werden mit einer grandiosen Aussicht belohnt

von Rita Maikowski, Climb Berlin

Gasometer

Traumhafte Aussicht vom Gasometer

Viele Berliner kennen ihn noch in wechselnder Erscheinung: Je nach Menge des gespeicherten Gases füllte die teleskopartig ausfahrbare Glocke des Schöneberger Gasometers an der Torgauer Straße den Stahlkörper bis oben auf oder war kaum sichtbar unten. Seit Anfang der neunziger Jahre ist der ehemals für Haushaltsbedarf und Straßenbeleuchtung genutzte Niedrigdruckgasbehälter stillgelegt, sein Innenleben wurde ausgebaut und das übriggebliebene Stahlgerippe macht – zumindest aus der Ferne – einen fast fragilen Eindruck. Jetzt, beinahe 100-jährig (er wurde 1910 fertig gestellt), erwacht er ganz anders zu neuem Leben: Er kann „erklettert“ werden.

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Mutige Aufsteiger

Mit dem Aufzug nach oben und dann runterschauen – derartige Möglichkeiten gibt es in Berlin viele. Aber selber die Höhe erklimmen und sich damit den spektakulären Rundblick über Berlin zu erarbeiten – das hat schon etwas Besonderes. Mehrsprachige Profis begleiten die touristischen Führungen. Die technische Sicherheit wurde von der Dekra geprüft, die Sicherheitsbestimmungen und -belehrungen wurden für die Teilnehmer in Zusammenarbeit mit der Berufskletterschule Potsdam ausgearbeitet.

Ein etwas mulmiges Gefühl gehört dazu, wenn man am Fuße des runden Stahlgerüstes in die Höhe schaut. Aber die Begeisterung der wieder gut gelandeten Teilnehmer wirkt ansteckend, verscheucht alle Zweifel und spornt an. Die Teilnehmerzahl der jeweiligen Gruppen ist aus Sicherheitsgründen auf 9 begrenzt, ein Guide begleitet die Gruppe. Die Besucher werden mit professioneller Bergausrüstung „an die Leine genommen“ und bilden damit eine Seilschaft. Aber trotzdem: Etwas Mut gehört schon dazu und auf jeden Fall schwindelfrei sollte sein, wer die atemberaubende Aussicht vom Schöneberger Gasometer, der zur Zeit seiner Errichtung einer der drei größten Gasbehälter Europas war, genießen
möchte. Über 456 Stufen, die sich an der südlichen Seite des Stahlgerüstes serpentinenartig in die Höhe schrauben, gelangt man auf den obersten Rundgang. Keine Angst, die Stufen sind nicht „durchsichtig“, man hat also schon das Gefühl „festen Boden“ unter den Füßen zu haben. Aber auch nur unter den Füßen, denn rechts und links davon befindet sich (fast) nichts: Der ungehinderte Blick durch das Geländer und die Stahlstreben wird mit jedem Treppenabsatz staunenswerter.

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Schwindelfrei sollten die Kletterer sein

Ganz oben dann der Laufsteg, man könnte ihn auch als runden „catwalk“ bezeichnen, ist aber tatsächlich nichts für Menschen mit Höhenangst: Er besteht aus Gitterrosten, in 1,10 Meter Höhe begrenzt von einem Geländer, und wohin der Blick auch fällt: Man schaut in die Tiefe, satte 80 Meter, vom vierthöchsten Gebäude Berlins. Oder ungehindert in die Ferne und da bietet sich ein wahrhaft faszinierender Rundblick über die Stadt. Überwältigt von der Gesamtschau sucht man zunächst unwillkürlich nach markanten Bauwerken um sich zu orientieren. Aber bald schon folgt man den Erläuterungen des Guides, der mit sicherer Stadtkenntnis nicht nur die einzelnen Sehenswürdigkeiten erläutert sondern auch interessante Geschichten und witzige Anekdoten zu bieten hat, die selbst den Teilnehmern aus Berlin vielfach nicht bekannt sind.

Die neue Panoramaschau in Schöneberg haben im Sommer 2009 bereits ca. 2000 Gäste jeden Alters besucht. Den Alters-Rekord bisher hält ein 86-jähriger Berliner. Aber die Tour sollte gut geplant werden, denn die Teilnehmer müssen solides Schuhwerk und wetterbedingt angepasste Kleidung tragen.

Also dann: Mutige nach oben, es lohnt sich. Und auf keinen Fall den Fotoapparat vergessen!


Torgauer Straße
10829 Berlin-Schöneberg
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