Karl-Marx-Allee

Karl-Marx-Allee

Die Karl-Marx-Allee war mit ihrer monumentalen Straßenbebauung die Vorzeigestraße Ostberlins. Die Stalinallee, wie sie zu DDR-Zeiten hieß, erstreckt sich zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor.

Karl-Marx-Allee

© dpa

Auf dem fast zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor entstand nach verheerenden Kriegszerstörungen 1952–60 die wohl monumentalste Straßenbebauung des 20. Jh. in Deutschland. Die Straße wurde auf 90 Meter verbreitert, die sieben- bis neungeschossige Bebauung nach Vorgaben der Partei (und entgegen den Entwürfen eines städtebaulichen Wettbewerbs) im stalinistisch-neoklassizistischen Stil der 1950er Jahre errichtet.

Architektur der Karl-Marx-Allee

In den unteren ein oder zwei Geschossen wurden Läden und Gaststätten untergebracht, die Obergeschosse beherbergen für damalige Verhältnisse komfortable Wohnungen. Die bis zu 300 Meter langen Baublöcke sind durch vor- und rückspringende Bauteile sowie unterschiedliche Geschosszahlen variiert, die Fassaden sind teilweise mit ornamentaler Baukeramik verkleidet. Gemäß den Moskauer Vorgaben wurden nationale Elemente, im Berliner Fall Einzelformen aus der Schinkelzeit, eingearbeitet.

Das Wirken des Stadtbaurats Scharoun

Die einzelnen Bauabschnitte entstanden unter der Leitung unterschiedlicher Kollektive. Noch ganz dem funktionalistischen Stil der 1920er Jahre verhaftet sind dagegen die Laubenganghäuser in der Karl-Marx-Allee 102 /104 und 126 / 128, die nach Entwürfen des ersten, von den Sowjets eingesetzten Stadtbaurats Hans Scharoun 1949 und noch vor dem Beginn des "Nationalen Aufbauprogramms" errichtet wurden.

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Hochhaus an der Weberwiese

Ebenfalls von 1949 stammen die benachbarten Häuser. Erster Bau des neuen Stils und programmatisch für die weitere Entwicklung war das neungeschossige Hochhaus an der Weberwiese, als Mauerwerksbau 1951 / 52 vom Kollektiv Hermann Henselmann errichtet.

Wahrzeichen der Karl-Marx-Allee

Zum Wahrzeichen der Allee wurden die beiden Turmbauten am Frankfurter Tor. Sie nehmen grob die Formen der Gontard’schen Türme am Gendarmenmarkt auf und stammen wie auch die Bebauung des Strausberger Platzes ebenfalls von Henselmann.

Von der Stalinallee zur Karl-Marx-Allee

Als "erste sozialistische Straße" auf deutschem Boden war die Stalinallee, wie sie bis 1961 hieß, lange Zeit für den Westen Objekt heftiger Kritik und Gegenreaktionen. Bei aller zweifelhaften Neoklassizistik und Monumentalisierung respektiert die Alleebebauung jedoch den gewachsenen Stadtraum. Dieser Aspekt wurde später – ökonomischen Zwängen folgend, vor allem aber nach westlichem Vorbild – aufgegeben. Deutlichstes Beispiel dafür ist die Fortführung des Wiederaufbaus zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz. Darüber hinaus bedingten die begrenzten Finanzmittel auch eine radikale Veränderung von Bautechnik und Formensprache.

Kino International und Kino Kosmos

Bemerkenswert sind im Verlauf der Allee die beiden funktionalistischen Kinos "Kosmos" (heute eine Eventlocation) und "International" (1960–62).

Informationen

Adresse
Karl-Marx-Allee 103
10178 Berlin
Architekt
Kollektive Hartmann, Henselmann, Hopp, Leucht, Paulick, Souradny
Stil
Stalinistischer Neoklassizismus

Nahverkehr

U-Bahn
Bus

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| Aktualisierung: 16. Februar 2017