Newsletter zur Unterstützung der Bedarfs- und Vergabestellen, Nr. 9

Entwicklung einer Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie

Oktober 2026

Beteiligungsmöglichkeiten bei der Formulierung einer Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie

Unter Federführung der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) wird innerhalb eines breiten Beteiligungsprozesses seit Ende 2025 eine Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie erarbeitet, die im Jahr 2027 vom Senat beschlossen werden soll. Mit dieser Strategie soll ein gemeinsames Verständnis dazu geschaffen werden, so zu bauen, zu konsumieren und zu produzieren, dass Produkte und Materialien so lange wie möglich genutzt, geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden können. Ende 2026 / Anfang 2027 wird eine öffentliche Online-Beteiligung zur Strategie durchgeführt. Mitarbeitende der Landesverwaltung sind darüber hinaus herzlich eingeladen, sich bei Ressortgesprächen über den Stand zu informieren, fachlichen Input zu geben und gegebenenfalls im Nachgang Beiträge zur Strategie vorzuschlagen.

Titelblatt der Berliner Stoffstrom-, Klimagas- und Umweltbilanz für 2024 mit Kreislaufgrafik und Logos der beteiligten Institutionen

Berliner Stoffstrom-, Klimagas- und Umweltbilanz für 2024 veröffentlicht

Die Senatsumweltverwaltung hat dem Berliner Senat im Oktober 2026 den dritten Bericht zum Abfallwirtschaftskonzept 2020 bis 2030 vorgelegt. Er enthält neben dem Umsetzungsstand der Maßnahmen auch die Stoffstrom-, Klimagas- und Umweltbilanz für 2024. Diese zeigt, dass das Aufkommen an Haus- und Geschäftsmüll mit 203 Kilogramm pro Person im Zielkorridor liegt und die Verwertung der Berliner Abfälle rechnerisch rund 800.000 Tonnen CO₂-Äquivalente einspart. In den Ergebnissen schlägt sich neben anderen umweltpolitischen Maßnahmen auch die klima- und ressourcenschonende Wirkung der umweltfreundlichen Beschaffung nieder. Weiteres Potenzial liegt laut Bilanz im vermehrten Einsatz von Recycling-Beton im öffentlichen Hochbau, den die Senatsumweltverwaltung über Pilotprojekte und die Vorgaben der Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt (VwVBU) unterstützt.

Blick von der Jannowitzbrücke auf die Spree in Richtung Osten

Jetzt letzte Plätze sichern: Fachdialog „Ressource Stadt“ bei der Architektenkammer

Die Gebäude und Strukturen unserer Stadt sind – nicht nur aus ökologischer Sicht – eine der wertvollsten Ressourcen, die es gibt. Aber wie kann der Erhalt dieser ‚Ressource Stadt‘ gelingen? Wie sieht eine positive Vision der Stadt von Morgen aus, die bewahrt, was es gibt, und dennoch auf Herausforderungen reagiert? Aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren hochkarätige Referierende mit einem exklusiven Fachpublikum zu rechtlichen, planerischen, finanziellen und architektonischen Perspektiven. Zum Austausch sind ausreichend Pausen sowie eine passende kulinarische Untermalung vorgesehen. Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Datum: 05.11.2026, 09:30 bis 16:00 Uhr
Ort: Architektenkammer Berlin, Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin

Auszeichnung: Berlin ist eine der Recyclingpapierfreundlichsten Städte Deutschlands

Berlin belegt im Papieratlas-Städtewettbewerb 2026 der Initiative Pro Recyclingpapier den dritten Platz der „Recyclingpapierfreundlichsten Städte“. Die Auswertung stützt sich auf die Daten zur Papierbeschaffung des Jahres 2025. Die 114 am Wettbewerb teilnehmenden Städte erreichten eine durchschnittliche Recyclingpapierquote von über 91 Prozent. Berlin, so wie die weiteren Städte der Top 5, nutzt in Verwaltung, Schulen und Hausdruckerei zu 100 Prozent Papier mit dem Blauen Engel und sparte gegenüber Frischfaserpapier über 86 Millionen Liter Wasser und mehr als 19 Millionen Kilowattstunden Energie ein. Möglich wird dies durch eine klare und einfache Regelung zur Papierbeschaffung in der Berliner Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt.

Grafik mit Baukran im Hintergrund und Schriftzug „Umbauagenda“ im Vordergrund

Berliner Umbauagenda veröffentlicht: Bestand hat Vorrang

Die Architektenkammer Berlin hat im September die Berliner Umbauagenda veröffentlicht, erarbeitet mit Fachleuten aus Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung, Ingenieurwesen, öffentlicher Verwaltung, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Handwerk, Industrie, Zivilgesellschaft und Forschung. Die Agenda definiert 18 Kernmaßnahmen, um Umbau als selbstverständlichen Standard des Bauens zu etablieren und den Gebäudebestand als Ressource für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu stärken. Dabei verbindet sie ökologische, soziale und baukulturelle Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen die Weiterentwicklung baulicher Normen, geeignete Förder- und Bewertungsmaßstäbe sowie die Anpassung von Genehmigungsverfahren an die Anforderungen des Bauens im Bestand. Auch die Berliner Beschaffung berücksichtigt den Bestand: Nach Abschnitt I.6 VwVBU sind vor der Beschaffung von Bauleistungen der Flächenbedarf gemäß § 7 LHO sowie die Möglichkeiten der Anmietung und des Kaufs vorhandener Gebäude einschließlich eines möglichen Umbaus zu prüfen.

Übereinander liegende Ein-Euro-Münzen. Im Hintergrund sieht man die Europaflagge.

Vorschlag für den Public Procurement Act der EU: Neuordnung des Vergaberechts

Die EU-Kommission hat am 9. September 2026 den Entwurf für einen Public Procurement Act vorgelegt. Die Verordnung soll die drei bestehenden Vergaberichtlinien ersetzen und gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Mit der Verordnung würde sich der Fokus bei Vergaben vom Preis zur Qualität verlagern: In der Regel sollen Qualitätskriterien mindestens 30 Prozent der Gesamtwertung ausmachen, bei arbeitsintensiven Verträgen 50 Prozent. Umwelt- und Klimaschutz zählen zu den strategischen Zielen, Artikel 51 des Procurement Acts stärkt zirkuläre Beschaffung etwa durch Miete, Leasing und Reparaturfähigkeit. Rat und Parlament verhandeln ab Herbst 2026, das Ziel ist ein Abschluss bis Ende 2027, danach folgt eine zweijährige Übergangsfrist.

Bunte Kacheldarstellung der einzelnen Ziele der Sustainable Development Goals (SDGs)

Aktionsplan Nachhaltigkeit der Bundesregierung beschlossen

Das Bundeskabinett hat am 30. September 2026 den Aktionsplan Nachhaltigkeit beschlossen. Drei seiner 20 Missionen betreffen die öffentliche Beschaffung. Das Bundesinnenministerium plant bis Ende der Legislaturperiode die Einrichtung einer Wissensdatenbank für Vergabestellen, zunächst für die Bundesebene, perspektivisch auch für Länder und Kommunen. Parallel soll der Bund auf Einkaufsplattformen wie dem Marktplatz Deutschland einen Katalog standardisierter Nachhaltigkeitsanforderungen integrieren, der wo möglich auf den Blauen Engel zurückgreift. Drittens will die Bundesverwaltung den Anteil sozial und/oder ökologisch beschaffter Textilien bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigern und die Weiterentwicklung der Informationsplattform und des Siegels „Grüner Knopf“ unterstützen.

Austausch zu Einsatzmöglichkeiten von Recyclingprodukten aus Altreifen in Bochum

Wie können Recyclingprodukte aus Altreifen bei Sportanlagen und in der kommunalen Infrastruktur eingesetzt werden? Der Thementisch Reifen-Recycling NRW der Allianz Zukunft Reifen (AZuR) beantwortet diese Frage am 10. November 2026 von 10:00 bis 14:00 Uhr im Sportpark Lohrheide, Bochum. Auf dem Programm stehen Fachvorträge, Praxisbeispiele, Informationen zu Ausschreibung und Fördermöglichkeiten sowie die Besichtigung einer neuen Laufbahn aus Reifen-Gummigranulat. Das Angebot richtet sich primär an Bau-, Sport-, Grünflächen- und Tiefbauämter in Nordrhein-Westfalen. Auch Berlin hat gemeinsam mit verschiedenen Stakeholdern ein anwendungsreifes Vergabe-Leistungsblatt für ressourcenschonende Sportfreianlagen entwickelt. Und Brandenburg liefert ein regionales Praxisbeispiel: In Ahrensfelde entstand eine Sportanlage mit einer Laufbahn, die aus rund 80 Prozent recycelten Materialien besteht.

Neuer Beschaffungsleitfaden für Router

Das Umweltbundesamt hat einen neuen Beschaffungsleitfaden für Router veröffentlicht. Dieser enthält Informationen und Empfehlungen, mit denen öffentliche Auftraggebende Umweltaspekte in die Vergabe- und Vertragsunterlagen einbeziehen können. Er basiert auf den Kriterien des Umweltzeichens Blauer Engel für Router.

Termine

Online-Schulung "Nachhaltige öffentliche Beschaffung"

Die Kompetenzstelle nachhaltige Beschaffung (KNB) bietet eine digitale Grundlagenschulung und ausgewählte Themenmodule zu Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung an.
Datum: 19.11.2026, 09:00 bis 15:45 Uhr
Kostenlos. Anmeldung bis 13.11.2026 möglich.

Online-Vortrag “Nutzung von Gütezeichen und Nachweisen in der nachhaltigen Beschaffung“

Datum: 10.12.2026, 13:00 bis 14:00 Uhr
Kostenfrei, Zielgruppe sind Beschäftigte der öffentlichen Verwaltung, die sich am Arbeitsplatz mit Themen der Nachhaltigkeit oder des Klimaschutzes befassen.