Die "Köpenicker Blutwoche"

Bahnhof Köpenick, um 1930
Bahnhof Köpenick, um 1930
Bild: Museen Treptow-Köpenick

Am 21. Juni 1933 begann in Köpenick die erste großangelegte Gewaltaktion gegen politisch Andersdenkende, Jüdinnen und Juden, bei der mindestens 24 Menschen starben. Anlass für die gezielten Verhaftungen boten das reichsweite Verbot des „Deutschnationalen Kampfrings“ und der SPD. Die „Köpenicker Blutwoche“ steht in Zusammenhang mit der Phase der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 und der Absicherung dieser Macht.


Machtfestigung durch SA-Gewalt

Die Sturmabteilung (SA) war neben der Schutzstaffel (SS) die größte paramilitärische Gliederung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und stellte eine wichtige Stütze der NS-Bewegung dar. Ohne ihre Gewalt und ständige Präsenz wäre der Erfolg der Nationalsozialisten undenkbar gewesen. Zum Ende der Weimarer Republik rang sie den zahlenmäßig starken, aber politisch einflussarmen Wehrverbänden immer mehr Mitglieder ab. Mit den reichsweiten Wahlerfolgen der NSDAP wuchs auch die SA unaufhaltsam.

Bereits in der Nacht des „Reichstagsbrandes“ vom 27. auf den 28. Februar 1933 unternahm die SA in Köpenick Hausdurchsuchungen und nahm politische Gegner fest. Im Zuge der Reichstagswahlen vom 5. März 1933 kam es in Köpenick zu weiteren Hausdurchsuchungen, Festnahmen und Misshandlungen. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde der Fall der SPD-Politikerin Maria Jankowski, die von SA-Männern brutal misshandelt wurde. Als am 1. April reichsweit jüdische Geschäfte und Einrichtungen boykottiert wurden, verhafteten SA-Männer auch in Köpenick Jüdinnen und Juden auf offener Straße.

Auslöser für die Gewalt im Juni 1933

Die Verhaftungen zu Beginn der „Köpenicker Blutwoche“ standen in Zusammenhang mit dem reichsweiten Verbot des Deutsch-Nationalen Kampfrings am selben Tag. Angeblich hatten Sozialdemokraten und Kommunisten die deutsch-nationalen Verbände unterwandert. Die NSDAP-Führung und der Berliner Gauleiter Joseph Goebbels nutzten das Verbot zugleich als Vorwand und Legitimation, um gezielt und systematisch gegen die organisierte Arbeiterbewegung vorzugehen und sich des deutsch-nationalen Koalitionspartners Schritt für Schritt zu entledigen. Am 22. Juni 1933 folgte das reichsweite Verbot der SPD. Die „Köpenicker Blutwoche“ war damit keine lokale SA-Terroraktion, sondern besaß aufgrund ihrer Einbettung in die reichsweite NS-Herrschaftssicherung eine überregionale Bedeutung.

Die Gewalt eskaliert: Die „Köpenicker Blutwoche“ (21. Juni – 26. Juni 1933)

Eine besondere Rolle während der „Köpenicker Blutwoche“ spielten die Ereignisse um die Familie Schmaus. Am Abend des 21. Juni 1933 versuchten SA-Angehörige in das Haus der Familie einzudringen, um den Sozialdemokraten Johann Schmaus und seine Söhne Hans und Anton festzunehmen. Anton Schmaus schoss in Notwehr drei SA-Männer nieder, woraufhin die SA-Gewalt eskalierte. Nach den Schüssen konnte Anton Schmaus zunächst fliehen, stellte sich aber kurz darauf auf dem Köpenicker Polizeirevier 244. Ins Polizeipräsidium am Alexanderplatz überführt, wurde er hier von einem SA-Trupp unter Herbert Gehrkes Führung niedergeschossen. Er erlag seiner Verletzung sowie weiteren Misshandlungen durch die SA am 16. Januar 1934. Der Tod der drei SA-Männer wurden von den Nationalsozialisten propagandistisch ausgenutzt, um das gewaltsame Vorgehen gegen politische Gegner vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen.

Bis zum 26. Juni 1933 verschleppten und folterten SA-Männer vermutlich mehrere Hundert Menschen. Über 130 von ihnen sind bisher namentlich bekannt. Mindestens 23 Menschen starben, darunter der ehemalige Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin, Johannes Stelling (SPD), sowie Georg Eppenstein, eines der ersten jüdischen Todesopfer in Berlin. Der konfessionslose Unternehmer und promovierte Chemiker Georg Eppenstein, der einer jüdischen Familie aus Berlin-Nikolassee entstammte, wurde am ersten Tag der „Köpenicker Blutwoche“ von SA-Männern verhaftet und im Sturmlokal „Demuth“ schwer misshandelt.