Ursula Hirschmann wurde am 2. September 1913 in Berlin geboren und wuchs in einer jüdischen Bildungsfamilie auf. An der Friedrich-Wilhelms-Universität – der heutigen Humboldt-Universität – studierte sie Volkswirtschaftslehre, gemeinsam mit ihrem Bruder Albert O. Hirschmann, der später als Wirtschafts- und Politikwissenschaftler international bekannt werden sollte. Die politischen Erschütterungen der sogenannten Weimarer Republik prägten sie früh: 1932 trat sie in die Jugendorganisation der Sozialdemokratischen Partei ein und schloss sich kurz darauf kommunistischen Widerstandsgruppen an. Für sie war politisches Engagement keine Frage der Theorie, sondern der Notwendigkeit.
Ursula Hirschmann
Am 10.03.2026 wurde im Bezirksamt Mitte von Berlin beschlossen, für die öffentliche Würdigung von Ursula Hirschmann in Form einer Benennung die Grünanlage an der Ruheplatzstraße Ecke Plantagenstraße zu wählen. Das Ersuchen, die Benennung vorzunehmen, geht auf einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen unter Beteiligung der Fraktion DIE LINKE vom 13.02.2024 zurück.
Im Rahmen der Neugestaltung des Grünzugs entlang der Ruheplatzstraße im Wedding, einem Ortsteil des Bezirks Berlin-Mitte, werden neben neuen Aktivitätsbereichen auch ein Naturlehrpfad mit thematischen Stationen entlang des inneren Weges angelegt. Im Zuge dieser Maßnahme erhält der bisher unbenannte Platz zwischen Ruheplatzstraße und Plantagenstraße ab Mai 2026 einen Namen: Er wird Ursula Hirschmann gewidmet. Sie zählt zu den bedeutenden, wenngleich lange Zeit wenig beachteten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Als Widerstandskämpferin, politische Organisatorin und Vordenkerin des europäischen Föderalismus hat sie maßgeblich dazu beigetragen, die Grundlagen eines geeinten, demokratischen Europas zu legen.
Die Grünanlage ist besonders geeignet für die Benennung nach Ursula Hirschmann, da sie unmittelbar an die Wedding-Schule angrenzt, deren Schulordnung Demokratie, Frieden, Menschenwürde und Gleichstellung der Geschlechter als zentrale Werte betont – Prinzipien, die auch Hirschmanns Lebenswerk prägten. In Verbindung mit der benachbarten Volkshochschule, die für Bildung, Spracherwerb und gesellschaftliche Teilhabe steht, entsteht hier ein öffentlicher Ort, an dem europäische Verständigung und Gleichberechtigung im vielfältigen Ortsteil Wedding sichtbar und erlebbar werden.